15:30 – ohne uns ;) #1530blog

Heute startet der Blog-Aggregator 15:30* Fussballblogs, eine Art Google News für Sportblogs mit angeschlossener Content-Vermarktung – und es herrscht einige Aufregung in der Blogosphäre: ‘Igitt Springer, wie kann man nur?’

Eine gute Gelegenheit, gleich zu Beginn der Auseinandersetzung persönlich mit einem oft gehegten linken Mythos aufzuräumen: denn ich hielte das für toll, wenn es Sportbloggerinnen gäbe, die von ihren Blogs leben könnten!

Auch bin ich nicht der Meinung von Jakob Augstein, der im Zusammenhang mit den Krautreportern davon sprach, dass ein Leben im Prekariat für Journalisten ja vorteilig wäre, denn dann wären sie näher dran am “echten Leben” – und das wäre dann nu auch das wesentliche Vermarktungsargument für Sport-Blogs, dass sie näher dran sind, als beispielsweise die SportBILD, die Medienpartner hinter 15:30 Sportblogs ist. Nein, ich fände es sogar entzückend, wenn Sportblogger sehr gut davon leben könnten.

Abgesehen davon, dass es tatsächlich lustig ist, dass ausgerechnet Springer einen Aggregator baut (Stichwort #Leistungsschutzrecht), ist die Grundidee ja gar nicht so schlecht. Ein internationales Start-UP, wie Boomads, gegründet in der Türkei von Hurryiet, die Content-Marketing betreiben, also für 15:30 Blogs die Vermarktung übernehmen und den Reichweitenmix aus hunderten Blogs für Werbekampagnen nutzen und eben Blogger, die dann diese Werbung, passend zu ihren Lesern posten und promoten.

Das Schlagwort der Saison heißt dazu “Content Marketing” oder “Native Advertising” und bedeutet ungefähr, dass sich Werbetreibende mit ihrer Botschaft unters Volk mischen, statt es medial zu beschallen, wie traditionell üblich. Gut gemacht kann das sogar Spass machen.

Allein, es ist zu befürchten, dass die Blogger am Ende nicht die Profiteure sind, obwohl es ohne sie einfach nicht geht. Ich habe versucht bei Boomads jemanden zu erreichen, um zu erfragen, welche Vergütungsmodelle hier angeboten werden. Auf 15:30 Blog selbst ist zwar von ‘Benefits’ die Rede, aber nicht von konkreter Vergütung. Weswegen da Schwergewichte der Sportblogszene, wie Textilvergehen und Fokus Fussball mitmachen, ist mir bisher unklar. Ich hoffe nur, dass Springer und Boomads ihnen das anständig vergüten – denn wenn es nach mir ginge, dann lebten Sportblogger sehr gut von ihrem Tun ;)

Die Sektion der St. Pauli Blogger ist noch ziemlich leer, was bestimmt mit dem ambivalenten Verhältnis der meisten St. Paulianer_innen zur BILD zu tun hat. Beim Thema #Gefahrengebiet bspw. stand man ja auf zwei verschiedenen publizistischen Seiten ;(

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Links: Skyfighter macht nicht mit, “halbangst” auch nicht. Weil Springer. Der 4. Offizielle schickt uns zurück in die Coaching Zone

* Ach, und noch etwas: wenn man sich schon ’15:30′ nennt, dann bringt man zum Start etwas in Sachen fanfreundliche Anstosszeiten! ;)

Offenlegung: Der Autor bloggt privat für ZEIT Online und wurde nicht für 15:30 Blogs angefragt.

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