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Hamburg, lauter Zecken

Wir sind Zecken, asoziale Zecken;
Wir schlafen unter Brücken;
Oder in der Bahnhofsmission.

Ich bin so verdammt stolz auf meine Mitfans des FC St. Pauli, dass ich das hier ein wenig gerührt von mir geben muss. Man möge mir leichtes Abrutschen ins Pathetische verzeihen.

In der vergangenen Woche hatte Markus Schreiber, Bezirksamtsleiter, einen Verwaltungsakt in die Welt gesetzt, der alle Sankt Paulianer empörte: er ließ einen massiven Metallzaun um die Bodenplatten der Kersten-Miles-Brücke am Hafen bauen unter der seit Jahren Obdachlose, Streuner und Ausgebüxte gegen Regen und Wind sich schützen. Nach dem Spiel gegen Aue und am Sonnabend organisierten dann die Fans und Anwohner eine Demo, die eindrucksvoll unterstrich, dass die gesungenen Zeilen im Stadion auch in der echten Welt Gültigkeit besitzen. Wir sehen uns selbst als solidarisch an mit Menschen, die unter Brücken oder in der Bahnhofsmission schlafen – mehr als ein Lippenbekenntnis.

Inzwischen reagiert auch die Hamburger Presse und nachheizend die Hamburger Politik. Der Zaun an der Brücke wird zum Symbol der Vertreibung materiell Schwächerer aus einem zentrifugierten Hamburg.

Unklar ist mir noch, ob sich die Politik über den Zaun oder den Kollegen Schreiber empört, der so töricht war, die schleichende und leise Vetreibung durch Preiserhöhung mit lautem Getöse um sein Ego zu stören. Ich bin mir einigermassen sicher, dass es den so genannten Sozialpolitikern nicht um die Menschen geht, die unter Brücken wohnen (sonst müssten sie das nicht!).

Markus Schreiber argumentiert schon zynisch in diese Richtung und will das Thema aussitzen. Er ahnt wohl, ähnlich unserem Herrn Stenger, dass Solidarität eine helle Flamme ist, die aber schnell erlischt. Wichtig deshalb, dass wir festhalten an der Solidarität. Und wer sagt eigentlich, dass man unter unseren Brücken nicht schlafen darf?

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