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Personae non gratae

Eine ganz normale Woche in der FC St. Pauli Geschäftsstelle …

Please do not enter, CC by Visualhunt

Die große silberne Kaffeekanne in der Küche ist in letzter Zeit immer leer, wenn er sich aufputschen will. Das fünfte oder sechste Mal heute geht er vergebens die 10 Meter über den engen Flur im Bauch der Südkurve. Eigentlich will M.* (Name dem Autor bekannt, weil er ihn sich ausgedacht hat) nicht mehr soviel Kaffee trinken. Aber wenn viel los ist, dann braucht er dieses Ritual öfter als sonst – und gerade ist viel los in der von der Abendsonne beschienenen Geschäftsstelle des FC St. Pauli.

Heute morgen hat Markus von der taz angerufen, da war M. gerade auf dem Weg zum Millerntor. Was denn nun mit Cenk Sahin sei, und warum man Andy Grote im Ballsaal der Süd auftreten lasse. Darauf hätte man doch bitteschön selber kommen können, dass wir den hier nicht wollen, hatte schon S. seine Freundin aus der Süd am Abend gestänkert. Pinkstinks und der Übersteiger haben später auch noch angerufen, ob jetzt wieder an der Stange getanzt wird?, wollen sie wissen. Häh? Achso ja, die Werbeaktion in Susis Loge.

"Susi did it again!"Der Übersteiger berichtet über einen Werbedreh in der Loge von Susis Show Bar am Millerntor. In…

Gepostet von St. Pauli am Montag, 7. Oktober 2019

M. brummt schon die ganze Woche der Kopf. Das ist jetzt alles ein bisschen viel auf einmal.

Zumal er ja streng genommen für nix davon richtig was kann. Das mit der Tochter von Roberto Blanco, wie hieß die man noch mit Vornamen?, hatten sie ja selbst erst aus der BL*D Zeitung erfahren. Ein plausibler Grund, warum ein Fanclub ausgerechnet Grote, einen DFB-Granden und HSV-Boss zum Talk über Werte einlädt, war ihm auch nicht sofort eingefallen. Gebucht war der Ballsaal aber ordentlich. Da war alles korrekt.

Und nun gab es Gegenwind: Grote solle man ausladen, sagt USP, sowieso gerade auf Zinne wegen Cenk Sahin. Den hatte man nun fachgerecht und politisch korrekt in die Türkei entlassen, äh freigestellt. Ein Problem weniger.

Warum macht hier eigentlich niemand ausser mir Kaffee? Und warum gehen die beiden Heinis von „Fairnetzer 1910“ eigentlich nicht ans Telefon, ist doch ihr Problem, wenn da am Donnerstag die halbe Fanszene aufläuft.

Einladung zur Wertediskussion

„Neben anderen Podiums-Teilnehmerinnen und Teilnehmern sind Hamburgs Innensenator Andy Grote und DFB-Vizepräsident Rainer Koch geladen. Wir halten die Teilnahme dieser beiden Personen bei einer Diskussion über „Werte“ in unserem Stadion für völlig deplatziert und nicht akzeptabel“

USP

Manchmal dachte er an seine Oma, die hatte in solchen Momenten immer gesagt, „das geht euch allen zu gut“; sie hatte das auch so gemeint.

Sein Telefon klingelt, als er den Flur zurück schlurft. Dieses Klingeln, dieses Stadion raubt ihm alle Kraft, die er hat. Das Klingeln klingt nach Oke. Wie der das macht, immer ruhig zu bleiben, ist ihm auch nach zwei Jahren im Verein ein Rätsel. Er wird auch wieder nur Fragen haben. Fragen, für die M. nix kann.

Dies ist Prosa. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen ist rein zufällig; wirklich!

1 Kommentar zu „Personae non gratae“

  1. Harry Hasler

    Herzliche Gratulation für den weisen Entschluss und Wink für ev. Andere.
    von einem aufmersamen CH-er der in Thailand lebt.

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