St. Pauli Champs – Jugendgang aus den 80ern – (Anti-)Helden einer Hamburger Jugend

Mir fiel gerade wieder eine VHS-Kassette in die Hände, die mir einiges Wert ist. Ich habe 15 Jahre suchen müssen bis ich Ende der 90er in ihren Besitz gelangte. Und das kam so:

Alle alten Männer meines Jahrgangs, die westlich von St. Pauli aufgewachsen sind, haben sie erlebt, die Jugendgangs aus St. Pauli, die gerne mit der S-Bahn nach Othmarschen und Co. fuhren, um die Parties der Popper aufzumischen. Waren selbst keine Kinder von Traurigkeit, am WE hingen wir ja selber auf dem Kiez ab. Das waren aber immer gleich 30, manchmal 100 Jungs auf einmal, die da in Bomberjacken vor dem Tore lauerten. Das machte schon Angst. Faszinierte aber auch gleichzeitig.

ST. PAULI CHAMPS: „Grundlos schlagen sie Leute“

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Ich habe in Erinnerung, dass mir am meisten auf den Zeiger ging, dass wir unseren Eltern nie klar machen konnten, was sich da auf Hamburgs Straßen abspielte. Die nahmen das gar nicht wahr und deswegen auch nicht ernst. Wie haben wir uns gefreut als dann im November 1985 die Serie „Wild in den Straßen“ ausgestrahlt wurde, die in zwei Folgen das Treiben der St. Pauli Champs dokumentierte. Ein ganzes Jahr hatten die auf dem Kiez und anderswo die Gang gedreht. Mit 16mm Kamera, die vom Bruder einer unserer Kumpis mitgehalten werden durfte: einem der Törzs (oder wie die sich noch schreiben) Brüder. Ihr Vater moderierte dann die Sendungen an -im Pullunder, wie sich das gehörte.

St. Paulis Jugendgang: „Blut, schön Blut“

Denke daran öfter, wenn ich heute Meldungen über (rechte) Gewalt lese. Darüber, dass ich auch soweit sein könnte, eines gesetzten Tages, wenn meine Töchter mir davon erzählen, das ins Land der Pubertätsmärchen zu senden. Außerdem würde mich mal brennend interessieren, was aus den damals porträtierten denn so geworden ist.

Thorsten Jeß, der Regisseur der Doku könnte das noch wissen. Von dem habe ich dann auch die Kopie einer alten VHS bekommen, war so erstaunt, dass es wirklich Fans seiner Doku gibt. Wenn der wüsste wie viele wir sind 😉

Die Dokumentation gibt es seit einiger Zeit auch auf Youtube …

„Wild in den Straßen“: St. Pauli Champs Teil 1

„Wild in den Straßen“: St. Pauli Champs Teil 2

3 Antworten

  • Interessant zu wissen wäre, was aus den ganzen Leuten später geworden ist und was sie heute machen? Sollte man mal einen dritten Teil dieser Doku drehen.

  • Damals war ich ein 10–jähriger, kleiner Türkenjunge aus Pinneberg, wobei zu der Zeit viele Pinneberger Kiezianer waren und mindestens 2 Dutzend Türken und Deutsche Mitglieder der St Pauli Champs waren. Haben ihre kriminelle Energie and Machtgehabe definitiv total bewundert. Viele von ihnen waren später auf Heroin oder wurden entweder vom Staat oder von ihren Eltern in die Heimat abgeschoben. Ein, zwei sehe ich immer noch, entweder als Busfahrer mit Papa-Bauch oder eben als Methadon-benebelte alte Männer. Schon bissl kümmerlicher Ausgang.

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