St. Pauli Nu*de https://www.stpaulinu.de St. Pauli Blog & Podcast live vom Millerntor des FC St. Pauli Thu, 16 Jan 2020 15:16:08 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=5.3.2 https://www.stpaulinu.de/wp-content/uploads/http://res.cloudinary.com/stpaulinu/image/upload/v1484399300/Bildschirmfoto-2016-12-12-um-12.30.16_mat0tp.png St. Pauli Nu*de https://www.stpaulinu.de 32 32 Rojava – St. Pauli vs. DFB | unser Fußball bleibt politisch https://www.stpaulinu.de/germany-bundesliga/rojave-st-pauli-fussball-bleibt-politisch https://www.stpaulinu.de/germany-bundesliga/rojave-st-pauli-fussball-bleibt-politisch#comments Thu, 16 Jan 2020 10:41:13 +0000 http://www.stpaulinu.de/?p=16207 Der FC St. Pauli und seine Fanschaft sind politisch; Überraschung. Nun aber ergibt sich die Gelegenheit, unsere politischen Anliegen in eine größere Öffentlichkeit zu tragen und sich nebenbei mit einem mächtigen Gegner zu messsen: der Türkei und seinem willfährigen Helfershelfer, dem DFB.

FC St. Pauli Fans solidarisieren sich mit Rojava und werden wahrgenommen

Ausgangspunkt war die mehrfache Soli-Choreo der Süd und unsers Auswärtsblocks für die kurdische Enklave Rojava, die seit Herbst 2019 unter militärischem Druck sowohl von Assad, als auch von der Türkei steht.

Sie widerum war eine Reaktion auf das unsägliche Instagram Posting unseres damaligen Spielers Cenk Sahin.

Ich erinnere mich noch an ein Gespräch mit meinem Co-Podcaster Christian nach dem Spiel, in dem ich mich fragte, ob das tatsächlich irgendjemanden interessiert, ob wir uns nu solidarisch zeigen, oder nicht. Seine Antwort: er sei von seinem Nachbarn im Haus, ein Kurde, angesprochen worden auf die Aktion. Dieser habe ihm erzählt, dass in der kurdischen Gemeinde das Engagement St. Paulis sehr wohl wahrgenommen würde. Wohl wissend, dasss wir nichts Fundamentales verändern können, täte das Zeigen von Solidarität schon sehr gut.

Seitdem sehe ich unsere Aktionen in einem neuen Licht.

Viel Feind, viel Ehr: FCSP vs. DFB, Türkischer Fußballverband und Außenministrerium

Der DFB-Kontrollausschuss hat offenbar eine Geldstrafe in Höhe von 4000 Euro für St. Pauli beantragt. Auf das Plakat wurde der DFB übrigens in einem Brief des Türkischen Fußballverbandes aufmerksam gemacht – der wiederum vom türkischen Außenministerium alarmiert worden war.

Mopo24

Nun zeigt sich: diese Aktion wurde auch von den Feinden der Kurden wahrgenommen. Laut Mopo, habe das türkische Außenministerium über den türkischen Verband die Soliaktion an den DFB gemeldet, der auch pflichtschuldig ermittelt. Es steht wohl eine „Strafe“ von 4.000 EUR im Raum, die der FC St. Pauli aus der Portokasse bezahlen könnte – es aber nicht tun sollte. Im Gegenteil.

Dafür haben wir Oke gewählt: St. Pauli macht sich gerade

„Man kann ganz klar sagen: Für den FC St. Pauli ist die Meinungsfreiheit nicht verhandelbar – auch im Stadion“

Oke Göttlich ggü der dpa

Es ist ein Glücksfall für das Thema Rojava, das inzwischen gänzlich aus dem Fokus geriet, dass der DFB den FCSP bestrafen will: für die freie Meinungsäußerung seiner Fans.

Ich freue mich, dass Oke diesen Versuch eindeutig zurück weist und unterstütze ihn in allen Maßnahmen, die nötig werden, den DFB und die Türkische Regierung in ihre Schranken zu weisen. No pasaran!

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Einfach mal die Schnauze halten – Eure patzige Kritik am neuen FC St. Pauli Shampoo nervt nicht nur … https://www.stpaulinu.de/germany-bundesliga/supporters-in-action/einfach-mal-maul-halten-eure-patzige-kritik-am-neuen-fc-st-pauli-shampoo-nervt-nicht-nur https://www.stpaulinu.de/germany-bundesliga/supporters-in-action/einfach-mal-maul-halten-eure-patzige-kritik-am-neuen-fc-st-pauli-shampoo-nervt-nicht-nur#respond Wed, 11 Dec 2019 14:41:46 +0000 https://www.stpaulinu.de/?p=16176 … sie ist meiner Ansicht nach auch sexistisch und homophob.

Hintergrund: seit Kurzem bietet der FC St. Pauli eine unisex Pflegeserie unter dem Motto „Haltung pflegen“ an.
Gemeinsam mit BUDNI verkauft der Verein nach dem AntiFa Duschgel neue Unisex-Pflegeprodukte, bestehend aus Duschgel, Seife und Deo: „Lieb doch wen du willst“ setzt auf unsere vereinsübergreifende CSD-Präsenz auf und somit ein weiteres deutliches Zeichen für eine bunte Gesellschaft, so der Verein auf seiner Facebook Page.

„LIeb doch wen Du willst Duschgel“ – Post Facebook

Und wie schon aus vorherigen Marketingmaßnahmen bekannt, kommentieren viele, die man in Social Media als St. Pauli Fans lesen kann, mit Spott und höhnischen Verweisen darauf, „sich doch besser auf den Sport zu konzentrieren“ oder von dem Erlös einen „neuen Stürmer zu kaufen“.

Was bei neuen T-Shirts oder anderen Kooperationen noch gerade OK geht, dreht sich in diesem Zusammenhang aber ins Schädliche.

Wolfgang R. Bitte mehr um die Mannschaft kümmern und den Profi -Fussball
Kein Bock auf 3 Liga und das gepflegt politisch korrekt
Die Akzente sind zzt falsch gesetzt

Kommentar auf FB

<Rant>

Kommentare, die fordern, sich auf den „guten alten (weißen und männlichen) Fußball“ zu konzentrieren, fordern nämlich gleichzeitig auch, solche Aktionen aus dem Fokus zu nehmen. Und das ist, bewußt oder unbewußt formuliert, schlicht homophob und sexistisch, weil es sie unsichtbar machen will, unhörbar und unwirksam.

Das Duschgel muss niemand supporten oder kaufen, die Idee „Lieb doch wen Du willst“ schon!

Pustekuchen, möchte ich den Wolfgangs dieser Fanschaft zurufen. Immer und gerade in Zeiten, in denen es sportlich keine Rosen regnet, soll mein Verein seinen Daseinszweck bitte verfolgen. Und das ist NICHT der Aufstieg, sondern das „Vermitteln des richtigen Fußballs im Falschen“, wie das René Martens einmal formuliert hat. Das Herstellen eines Safe Place Millerntor für alle Menschen, die unseren Verein lieben, ihn supporten oder auch als Gegner_innen besuchen. Übrigens ein dickes Brett, das da gebohrt werden muss.

Im Podcast: St. Pauli liebenswert und für die Doofen ungenießbar machen

Diese Pflegeserie und sein Anliegen sind unwidersprochen zu unterstützen, willst Du St. Paulianer sein. Alles andere ist so ermüdend normal.

</Rant>

ps Hinweise auf „Mikroplastik“ funktionieren übrigens strukturell ähnlich: wer sich nicht einmal die Mühe macht, kurz zu googeln, was zertifizierte Naturkosmetik heisst*, der pflegt eben auch schädliches Unsichtbarmachen und Vomthemaablenken (Whataboutism).

* erstes Google-Ergebnis, Wunderweib: „Ein verlässliches Siegel für plastikfreie Kosmetik ist „zertifizierte Naturkosmetik“. Diese Produkte sind frei von Mikroplastik und Parabenen und enthalten stattdessen pflanzliche Inhaltsstoffe, die umwelt- und ressourcenschonend hergestellt wurden.“

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Fawell Pauliane https://www.stpaulinu.de/germany-bundesliga/fawell-pauliane Sat, 23 Nov 2019 00:30:37 +0000 https://www.stpaulinu.de/?p=16169
Gabi, aka Pauliane. Foto via Groeni

Es ist mehr als zehn Jahre her, dass Gabi und ich uns das erste Mal getroffen haben. Ich fuhr nach einem Geschäftstermin in Düsseldorf mit der Bahn los. Mein eigentliches Ziel war Hamburg-Altona. Ein kurzer Impuls ließ mich einen Tweet absetzen; „Bin in 20 Minuten in Duisburg Hbf. Wenn jemand spontan noch n Ticket für den FCSP hat?, ich steige aus“. Gabi, die ich damals nur unter ihrem Twitter-Namen @DiePauliane kannte schrieb zurück, ich vermute ebenso spontan.

Das war nicht nur der Beginn einer unverhofften schönen Auswärtsfahrt, sondern der initiale Moment einer Verbindung, wie sie nur der FC St. Pauli zustande bringt.

Das Zusammentreffen von Menschen in Ihrer selbst gewählten Auszeit. Jeder von uns hatte sein Leben, sie ihres in Gummersbach, ich meines in Altona. Und doch hatte uns Twitter, das damals noch anders war, familiärer irgendwie (den Account von Dynamo Dresden verwaltete ein cooler Fan), zusammen gebracht in unserem jeweils persönlichen Versuch, den richtigen Fußball im Falschen zu finden. An einem Ort, der nicht Familie, Job oder bürgerliches Leben war.

Ich habe in den letzten 20 Jahren viele Menschen kennen und schätzen gelernt in diesem Raum, der einer Halbzeitpause in der Umkleide des Alltags ähnelt. Menschen von denen ich nicht viel weiß, was ihr „normales“ Leben angeht. Wir teilen jedoch eine gemeinsame Sehnsucht, die uns dazu bringt, diesen kulturellen Raum, den wir St. Pauli nennen, zu er- und zu beleben. Und teilen wertvolle, besondere Stunden Lebenszeit.

Über Twitter vernetzten sich damals das erste Mal Individuen unter dem Jolly Roger, die keine formale Form hatten, die aktive Fanszene war weit weg oder irgendwie adabei: Bibliothekare, Philosophen, Werbemenschen, Lageristen, Rentner, Studenten und Medienfuzzis, wie ich. Und Gabi, alias Pauliane.

Ich erinnere mich nicht, wer die Idee hatte, sich vor der Domschänke zu treffen nach Heimspielen, aber ich weiß, dass dort der Raum entstand, in dem dieser digitale Haufen zu etwas wurde, was für diesen Moment zwischen Heimniederlage und Real-Life-Abendbrot ein Band knüpfte, einen Raum schuf, in dem St. Pauli für mich lebendig und wahrhaftig wurde.

Unter all uns sendungswilligen Männern stellte Gabi einen erfrischenden Gegenpart dar. Selten habe ich einen Menschen erlebt, der eine offene Freundlichkeit, oder freundliche Offenheit mit glasklarer Einstellung verband. Gabi vermochte Konventionen mit einer Selbstverständlichkeit davon fegen, die mich bis heute beeindruckt.

Dich, Gabi, zeichnete eine Stärke aus, die noch die schlimmsten Diagnosen zu schmelzen trachtete, Hauptsache, Du könntest Deine persönliche Halbzeitpause mit dem FCSP und uns verbringen.

Heute Mittag, als ich von Deinem Tod hörte, wird alles in mir still. Die hektische Welt blende ich aus und versuche schon jetzt in meinem krampfenden Innern nach den schönen Momenten zu fischen, sie nach oben zu holen: ich weiss, ich werde sie brauchen.

Die gemeinsame Zeit auf der Nord. Die Umarmungen und dunen Lebenstipps, die mir wirklich weiter geholfen haben; ja Dir konnte ich alles anvertrauen, was mich gerade bewegte, wohl wissend, dass mir Dein Rat nicht immer gefiel ;)

Ich habe damals eine Freundin gefunden und heute habe ich Dich verloren, meine Freundin Pauliane.

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