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100.000 EUR Pyro-Strafe, na und?

Pyroshow beim FCSP HSV Derby

Der DFB hat den FC St. Pauli für den massiven Pyroeinsatz beim Derby gegen den HSV zur Zahlung von 100.000 EURO verurteilt.

Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat Zweitligist FC St. Pauli im Einzelrichterverfahren nach Anklageerhebung durch den DFB-Kontrollausschuss wegen eines fortgesetzten unsportlichen Verhaltens seiner Anhänger in Tateinheit mit einem nicht ausreichenden Ordnungsdienst mit einer Geldstrafe in Höhe von 100.000 Euro belegt. – DFB.de

Der Verein hat die Strafe kaum angenommen, da kommen die altbekannten Reaktionen:

  • „Die Strafe sollte man die Ultras bezahlen lassen“
  • Was man mit 100.000 EUR alles schönes anstellen/kaufen/finanzieren könnte?
  • „Wir habens ja“, uswusf.

Ich sehe das ein wenig anders.

DFB-Strafen als Investition in den Markenkern „FCSP“

Kurioserweise ist der FC St. Pauli der einzige Bundesligaverein, bei dem man mit ein wenig Fantasie, die Strafen des Verbandes, wegen „unsportlichem Verhalten der Anhänger“ als Investition in den Markenkern verstehen kann.

So lese ich bspw. auch die Carte Blanche, die Oke vor dem Derby unserem Stadion und seinen organisierten Besuchern gegeben hat. Pyro als ästethische Spielform des „Unestablishments“ trägt so zur Legendenbildung bei und stärkt in einer jungen Zielgruppe die Marke FCSP. Je stärker der Zugriff durch den Verband wird, desto besser für das Image ;)

Warum das dieses Mal nicht so richtig funktionieren mag, liegt meiner Wahrnehmung nach an zwei Umständen:

  1. Beim Derby hat der Kern der, Rotkäppchen genannten, Zündler den Spielabbruch ausgerechnet mit Raubgut hierbei leuchten wollen, was auf das Wesen des Spieltages so einwirkte, dass große Teile des Stadions spontan opponierten.
  2. Das Präsidium hat nach dem Derby seine, wie ich immer noch finde, mutige und richtige Haltung zu Pyrotechnik schroff und wenig erhellend formuliert widerrufen.

Ich würde mich freuen, wenn wir gemeinsam am Millerntor ein Zurück finden würden, zum Aufladen dessen, was wir als unseren Widerspenstigen Geist begreifen. Die Polemik, dass wir zwar immer nach „Antifa Hooligans“ sängen, aber uns gestört fühlen, wenn sie dann mal auftauchen, ist zwar nur eben das, eine Polemik, aber auch ein interessanter Gedanke.

Solange man in dieser Diskussion aber zu einem „Entweder (für) – Oder (dagegen) „genötigt wird, scheint für Zwischentöne wenig Platz. Zuletzt habe ich das in einer Diskussion mit einem Sportreporter gemerkt, mit dem ich mich nach dem Kiel Auswärtsspiel über die Höhe der Strafe und Pyro im Allgemeinen unterhalten habe.

Wie sich die DFB-Strafen ermitteln lassen

Er erzählte mir, dass es einen inoffiziellen Strafenkatalog gibt, den auch er zurate zieht, wenn er Verbandsstrafen prognostiziert. Laut „Faszination Fankurve“ sind das bspw.

  • 600 EUR je Pyroeinsatz. Bei 73 Fackeln sind das schonmal 43.800 EUR
  • Je Spielunterbrechung +50%. Sind bei drei Spielunterbrechungen, die dem FCSP angelastet werden: 65.700
  • Abgerundet und mit dem Einlasssturm garniert, kommen wir also sogar mit einem Mengenrabatt davon

Wir kamen dann in unserem Schnack auf ungefähr dieselbe Summe – „niedrig sechsstelig“. Der HSV wird vermutlich eine ähnliche Strafe erhalten.

Wobei mich obige Fragen einigermaßen kalt lassen. Strafen gehören zum Fußball dazu, ob wegen fehlendem Spielerpass oder Bengalo. So what? Ich frage mich derweil, wie wir dieses Gefühl, wieder an den Start bekommen, dass unser „Fehlverhalten“ für etwas gut ist? Und sei es der GEMEINSAME Spaß an der Delinquenz.

2 Kommentare zu „100.000 EUR Pyro-Strafe, na und?“

  1. Hach, diese Bonmots, da kann man seine Popcornmaschine nach stellen:
    „Wichtiger wäre, dass diese „Fans“ lebenslang Stadionverbot bekommen.“. D. bei der Mopo.

  2. Wie treffsicher der Strafenkatalog ist, zeigt die ebenfalls heute verhängte Strafe gegen Dynamo Dresden von 48.000 EUR für insgesamt 80 Pyroartikel. macht ziemlich genau 600 je Bengalo/Blinker. Quelle: DFB, ebanda.

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