Champions League verspielt – ausgerechnet in Aue

Als ich heute Morgen den Altonaer Balkon zum Fischmarkt hinuntergehe, weht mir schon der abgelenkte und angereicherte Westwind entgegen. Er riecht nach Fisch und Zwiebelmett, und bringt die Kunde, dass der FC St. Pauli im Aufstiegskampf einen Dämpfer erlitten hat, vielleicht ist der Zug nach oben sogar abgefahren.

Mir persönlich kann das ja gar nichts anhaben, finde ich einen spannenden Aufstiegskampf in Liga zwo doch allemal vorziehenswerter, als einen langen Abstiegskampf in Liga eins. Ich träume dann, wie bspw. in Mainz seinerzeit von einer Teilnahme wie die anderen im „Europapokal“, weiss aber doch, dass die armen Jungs da auf dem Rasen mein Dilemma nicht auflösen können, immer zu gewinnen, schön zu spielen und doch nicht aufzusteigen, bei gleichzteitigem Gewinn der Champions League und aller Derbys.

Da mir berichtet wurde, dass hier „der eine oder andere“ sporadisch mitliest, erteile ich schonmal Absolution für die Niederlage in Aue – auch wenn ich mir das leicht machen kann, ich war ja nicht mit ins Erzgebirge gefahren – denn solche Spiele musst Du verlieren, wenn Du am Millerntor nu immer gewinnen und Düsseldorf und Fürth auswärts ärgern willst, ohne am Ende direkt aufzusteigen. Sich da Aue vorzunehmen ist außerdem unserer ureigensten Tradition geschuldet, die eigentlichen Underdogs in der Liga zu halten – und Aue gehört, spätestens seit dem Spiel am Millerntor, bei dem Aue gekämpft und gesungen hat, um dann doch abzusteigen und unsere Jungs dennoch abzuklatschen, zu meinen Lieblings-Ost-Vereinen.

Verzeiht euch selbst, dann könnt ihr euch auch „belohnen“ – das gilt für den „Jung“-Rekonvaleszenten Marius Ebbers, aber vor allem für Max Kruse, der seit Weihnachten, als ihn der Sportboulevard in die Bundesliga jubelte, verzweifelt an seinem Anspruch. Mit Druck geht das nicht, lasst euch das von einem Stotterer gesagt sein. Nehmt euch eure Zeit, atmet die Hälfte wieder aus, haucht die erste Silbe des nächsten Spieles, dann könnt ihr auch wieder Kraft geben, ohne zu verkrampfen. Und „Schicht im Schacht“ ist erst, wenn es zum letzten Mal pfeift.

 

Erik Hauth

Als waschechter St. Paulianer verpasst der passionierte Segler selten Heimspiele und fährt oft auswärts mit. Als Kolumnist schreibt Erik Hauth für Die ZEIT online über den FC St. Pauli. Twitter: @stpauli

 

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