Die Brisanzmaschine

Police Line (Foto: Von loop_oh via flickr, cc-Lizenz by)

Die Brisanzmaschine läuft auf Hochtouren, das Präsidium der FC St. Pauli ruft mit dem des Gegners Hansa Rostock zur Friedfertigkeit auf. Wohlfeile Worte, allein es fehlt der Glaube, dass diese Wirksamkeit verbreiten können. Zusehr sind Medien und Staatsmacht auf Randale eingestellt, das strömt inzwischen so ungeniert aus dem Boulevard und aus den bekannten Gewerkschaftsmündern, dass ich mich ernsthaft frage, wer da an unserer demokratischen Grundordnung herumfingert. Folgenden Text lese ich beim Blog Lichterkarussel – und neige zur Zustimmung:

Für uns bedeutet diese Fahrt also kein sommerlicher Sonntags-Ausflug ins beschauliche Freiburg zu werden sondern bürgerkriegsähnlicher Ausnahmezustand. Schon in Altona wird die Bundespolizei die braun-weißen Fußballterroristen gebührend in Empfang nehmen und mit allem begegnen, was die dehnbare Rechtsstaatlichkeit der Bundesrepublik zu bieten hat. De facto bedeutet das die Kontrolle aller Menschen, die nach Rostock fahren wollen. In den Zeiten vor und nach dem Spiel wird es, so hat es die Polizei mittels einer Allgemeinverfügung erlassen, verboten sein Glasflaschen und pyrotechnische Erzeugnisse mitzuführen – allen Reisenden, auch Nicht-Fußballfans. In Rostock wird die Anreise zum Stadion zentralisiert vom Rostocker Hauptbahnhof mittels Shuttlebussen „gelöst“ werden. Kein Marsch von der Parkstraße, wie gewohnt. Über die Beweggründe lässt die Polizei die Öffentlichkeit im Ungewissen. Ich zumindest hasse es in Shuttlebusse gepfercht zu werden. Am Eingang erwarten uns dann noch Sprengstoffspürhunde und verstärkte Videoüberwachung. Darüber hinaus munkelt man über Hubschrauberbegleitung der Züge aus Hamburg.

… und Sätze beider Präsidien, wie dieser; „Es hat sich immer häufiger gezeigt, dass Menschen solche Spiele nutzen, um ihre demokratiefeindlichen Ideologien zum Ausdruck zu bringen.“, lassen mich wirklich ratlos zurück. Spielen da die Vereinsvertreter mit bei dem Spiel, Delinquenz sich herbeibeten zu wollen? Was ist denn an (durchaus verachtenswerter) Randale „demokratiefeindliche Ideologie“? Damit können doch nur die Nazi-Hools aus whothefuck gemeint sein, oder einzelne Polizeivertreter, die das Gewaltmonopol überreizen … oder wen meint ihr damit, Gernot, Bernd, Stephan?

Update: Diese krude Formulierung mit der „demokratiefeindlichen Ideologie“, ist auch anderen St. Pauli Bloggern aufgestossen. SPNU unterstützt die Gemeinsame Erklärung zur Gemeinsamen Erklärung.

Sankt Pauli NU
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Sorry Sami!