Drama Baby! – der Millerntor Roarr ist wieder da!

„Wir holen den dritten Platz,
schießen die Vorstadt ab.
Relegation,
wir freun uns schon!“

Manchmal führen Missgeschicke zu unerwarteten Freuden. Gestern sollte ich eigentlich gar nicht am Millerntor sein, sondern an der Ostsee mein Unwesen treiben. Sliptermin, endlich das Schiff wieder in sein Element verfrachten, ins Wasser. Das ging dann so glatt, dass ich schon um 15:00 Uhr wieder in Hamburg war, Karte abgeholt und ab zum Millerntor. Ja, hier war ich dann wieder in meinem Element. Mit dem Quotenrocker standen wir dann zu unchristlicher Zeit ab 16:30 Uhr auf den obersten Stufen der Nordkurve, da wo sie wirklich eine Kurve ist, und sich gen Gegengerade neigt, fachsimpelten über Bene, Boll und Ballbesitz und tranken schon das zweite Bier, als die Südkurve explodierte.

„Here we throw again“, die Kassenrolle als Augenschmaus-Choreo begleitete die Boys in Brown und die Eisernen in die Manege. Und unsere Jungs spielten das Spiel der Saison. Herausragend der Jubel, der bei der Ansage von Tschauner aufbrandete – vornehmlich aus der Gegengeraden zu vernehmen – und mir fiele die Entscheidung auch unendlich schwer, wäre ich Trainer des FCSP. Aber wie sich Bene dabei gefühlt haben muss, war ihm am Ende auf der Ehrenrunde nicht anzumerken. Größe gezeigt Nummer Eins.

„Über die Außen, konsequenter über die Außen“, rief sich Quote heiser, als wir uns die Pärchen Volz und Bartels und Schachten und Kruse genüsslich ansahen – und ja, dann wurde es immer gefährlich, wenn der FCSP tief zur Grundlinie durchzog. Ganz groß in Form auch Sportskamerad Daube, der zusammen mit Funk das Fehlen von Boll überkompensierte. Mir war da gar nicht bange gestern, taten die Jungs doch genau das, was viele von uns insgeheim sich erhoffen: gut spielen, und doch nicht treffen. Denn Aufsteigen wollte keiner, den ich da sprach gestern. Aber gewinnen und Freude haben an diesen Jungs, die ja durch ihre verstolperten Abschlüsse noch sympathischer werden.

„Pass auf“, sagte ich zu Rudi neben mir, „wie gewinnen das noch 2:1“, da stand es 0:1.

Ich hätte diesen Jungs in Braun gestern auch bei einer 0:3 Niederlage zugewinkt und sie angesungen, so sehr hat mir das Spiel gefallen. Losgelöst von Ansprüchen und Aufstiegs-Druck entwickelte das Millerntor eine lange vermisste Eigenschaft wieder: der Millerntor Roarr war zurück, das druckvolle Umbranden des Stadions durch Anfeuerung und mit der magischen Gewissheit, dass man auf die Beschaffenheit dieses Tages einwirken kann. Da war die Ehrlichkeit von Marius Ebbers nur Vorspiel zum dramatischen Fin-ale.

… ich habe alle drei Tore eher erfühlt als gesehen. So ist das im Norden oft. Gestern passte das in meine Grundstimmung. Eine aktive Aufnahmefähigkeit: mehr Fühlen, als analysieren. Und das Aufnehmen geistiger Grundnahrungsmittel setzten wir dann in der Domschänke fort. Und sangen und tanzten aus diesem Tag, zusammen mit Unionern aus dem Westen und Paulianer_innen aus Berlin. „Was will ich eigentlich noch mehr vom Leben, als solche Abende am Millerntor?“