Fawell Pauliane

Gabi, aka Pauliane. Foto via Groeni

Es ist mehr als zehn Jahre her, dass Gabi und ich uns das erste Mal getroffen haben. Ich fuhr nach einem Geschäftstermin in Düsseldorf mit der Bahn los. Mein eigentliches Ziel war Hamburg-Altona. Ein kurzer Impuls ließ mich einen Tweet absetzen; „Bin in 20 Minuten in Duisburg Hbf. Wenn jemand spontan noch n Ticket für den FCSP hat?, ich steige aus“. Gabi, die ich damals nur unter ihrem Twitter-Namen @DiePauliane kannte schrieb zurück, ich vermute ebenso spontan.

Das war nicht nur der Beginn einer unverhofften schönen Auswärtsfahrt, sondern der initiale Moment einer Verbindung, wie sie nur der FC St. Pauli zustande bringt.

Das Zusammentreffen von Menschen in Ihrer selbst gewählten Auszeit. Jeder von uns hatte sein Leben, sie ihres in Gummersbach, ich meines in Altona. Und doch hatte uns Twitter, das damals noch anders war, familiärer irgendwie (den Account von Dynamo Dresden verwaltete ein cooler Fan), zusammen gebracht in unserem jeweils persönlichen Versuch, den richtigen Fußball im Falschen zu finden. An einem Ort, der nicht Familie, Job oder bürgerliches Leben war.

Ich habe in den letzten 20 Jahren viele Menschen kennen und schätzen gelernt in diesem Raum, der einer Halbzeitpause in der Umkleide des Alltags ähnelt. Menschen von denen ich nicht viel weiß, was ihr „normales“ Leben angeht. Wir teilen jedoch eine gemeinsame Sehnsucht, die uns dazu bringt, diesen kulturellen Raum, den wir St. Pauli nennen, zu er- und zu beleben. Und teilen wertvolle, besondere Stunden Lebenszeit.

Über Twitter vernetzten sich damals das erste Mal Individuen unter dem Jolly Roger, die keine formale Form hatten, die aktive Fanszene war weit weg oder irgendwie adabei: Bibliothekare, Philosophen, Werbemenschen, Lageristen, Rentner, Studenten und Medienfuzzis, wie ich. Und Gabi, alias Pauliane.

Ich erinnere mich nicht, wer die Idee hatte, sich vor der Domschänke zu treffen nach Heimspielen, aber ich weiß, dass dort der Raum entstand, in dem dieser digitale Haufen zu etwas wurde, was für diesen Moment zwischen Heimniederlage und Real-Life-Abendbrot ein Band knüpfte, einen Raum schuf, in dem St. Pauli für mich lebendig und wahrhaftig wurde.

Unter all uns sendungswilligen Männern stellte Gabi einen erfrischenden Gegenpart dar. Selten habe ich einen Menschen erlebt, der eine offene Freundlichkeit, oder freundliche Offenheit mit glasklarer Einstellung verband. Gabi vermochte Konventionen mit einer Selbstverständlichkeit davon fegen, die mich bis heute beeindruckt.

Dich, Gabi, zeichnete eine Stärke aus, die noch die schlimmsten Diagnosen zu schmelzen trachtete, Hauptsache, Du könntest Deine persönliche Halbzeitpause mit dem FCSP und uns verbringen.

Heute Mittag, als ich von Deinem Tod hörte, wird alles in mir still. Die hektische Welt blende ich aus und versuche schon jetzt in meinem krampfenden Innern nach den schönen Momenten zu fischen, sie nach oben zu holen: ich weiss, ich werde sie brauchen.

Die gemeinsame Zeit auf der Nord. Die Umarmungen und dunen Lebenstipps, die mir wirklich weiter geholfen haben; ja Dir konnte ich alles anvertrauen, was mich gerade bewegte, wohl wissend, dass mir Dein Rat nicht immer gefiel ;)

Ich habe damals eine Freundin gefunden und heute habe ich Dich verloren, meine Freundin Pauliane.