FC St. Pauli Trikot 2010/2011 – Ein Platz an der Sonne

Offizielle Spielkleidung wird die kupferfarbene Seite sein, die Collage wird einmalig zu einem besonderen Spiel zum Einsatz kommen (die Partie wird noch bekannt gegeben). Auswärts erinnert der FC St. Pauli an die sportlichen Höhenflüge der 40er Jahre mit einer Replik des Trikots der so genannten Wunderelf.

Für die Spielzeit 2010/2011 sind in Abstimmung mit dem neuen FC St. Pauli-Hauptsponsor ARD Fernsehlotterie „Ein Platz an der Sonne“ zwei unterschiedliche Sponsoren-Darstellungen auf dem Trikot geplant. „Die zweite Variante muss noch final abgestimmt werden. Eines ist aber schon jetzt sicher: Unabhängig vom Saisonverlauf und der aktuellen Tabelle, hat der FC St. Pauli schon jetzt einen Platz sicher – nämlich den an der Sonne!“ so Christian Kipper, der Geschäftsführer der ARD Fernsehlotterie, schmunzelnd.

Verkaufsstart: Das Trikot ist ab 15 Uhr (28.06.2010) online unter www.fcstpauli-shop.de vorbestellbar – Im Fanshop werden die Trikots ab dem 15.07. erhältlich sein.
Trikotpreis: Wendetrikot 59,95 € / Auswärtstrikot 49,95 €.

Bin ich eigentlich der Einzige, der ein komisches Gefühl hat, wenn er Charles Takyi in einem „Wunder-Elf“-Trikot betrachtet auf dem „Ein Platz an der Sonne“ steht?

»Mit einem Worte: wir wollen niemand in den Schatten stellen, aber wir verlangen auch unseren Platz an der Sonne.«
Bernhard von Bülow in einer Reichtagsdebatte am 6. Dezember 1897

Quelle/Foto:fcstpauli.com

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11 Antworten

  • Ich frage mich ja wirklich, wieso nicht „ARD Klassenlotterie“ auf den Trikots steht? Geht es da um das Werbeverbot für Glücksspiele?

    Soweit ich weiss war sowas, wie „Die Helfer vom Millerntor“ auch im Gespräch. Was ist denn aus dieser Variante geworden?

  • Na, hätten Sie die Entscheidungsbefugnis, was man wie erreicht und was zu viel und was nicht, würde ich doch zum FC St. Pauli gar nicht mehr hin gehen, das wissen Sie doch ;-) … nun sind wir da aber alle 3, und ich als einer davon würde Ihnen dahingehend zustimmen, dass im Falle des Kolonialismus wirtschaftliche Interessen eine Rolle spielten. Dass da die Fernsehlotterie nix für kann und dass trotzdem Slogans wie „Ein Platz an der Sonne“ auch im Lichte der Historie vor der vermeindlichen „Stunde Null“ zu betrachten sind. Gerade im Sinne unseres neuen Sponsors, der mir sehr gut gefällt und willkommen ist.

    • Das habe ich jetzt extra dreimal gelesen und bin zu dem Schluss gekommen, dass man sich auf der Basis des letzten Satzes zusammenfinden kann. ;)

  • Ich habe das auch bei momorulez gepostet und stelle es hier noch mal rein.
    „Seit 1948 -also seit 62 Jahren- bemüht sich die Fernsehlotterie, diesen Satz positiv zu besetzen und in meinen Augen ist das absolut gelungen. Ich weiß nicht, was das bringen soll, 62 Jahren caritativer, wohltätiger und sozialer Arbeit erneut einen miesen Beigeschmack zu verleihen. Auch wenn es nur mahnend gedacht ist und sicherlich keine böse Absicht der Mahner, ist das der Effekt, der hängenbleibt.

    Für wieviel Jahrhunderte muss ich mich persönlich verantwortlich fühlen und wieviel nachweislich gute Absichten „bräunen“ oder „kolonialisieren“, damit ich die richtige/akzeptable/politisch einzig wahre Einstellung habe?

    Sorry, da bin ich dann offensichtlich limitiert und definitiv kein Mitglied der Denk-Elite.
    An den Kommentaren ist allerdings durchaus festzumachen, wohin das in dieser Form ins Extreme gebrachte führt: Übersättigung. Desensibilisierung statt Sensibilisierung. Kann nicht gewünscht sein, oder? Und nun hauen und stechen Sie bitte wieder auf mich ein, mich Ahnungslose, ich geh derweil ein Los kaufen, als Repräsentant der frühen Pisa-Abkömmlinge.“

    Dass ich damit in manchen Augen dann den „Deppen“ gebe, muss ich in Kauf nehmen, nehme ich auch. Der gute Wille und die gute Absicht in Ehren, aber mit zunehmenden Diskussionen dieser Art erreicht man, wie man liest, eher das Gegenteil.

    So sehr politisch engagiert große (?) Teile der Fanschaft des FC St. Pauli sein mögen und so sehr das unterstützenswert ist, aber noch ist der FCSP keine politische Partei, sondern ein Fussballklub, der keine eigene Abteilung zur Ausleuchtng geschichtlicher Entwicklungen vor der vorletzten Jahrhundertwende betreibt, wenn es um wirtschaftliche Interessen geht. Vordergründig ist der Sponsor inklusive SEINEM 62 Jahre alten Motto politisch mehr als nur korrekt.

    Ich weiss nicht, was Sie erwarten, aber offenbar ist es zuviel.

  • Inwiefern denn „Paranoia“, Baby? Deine eigene Geschichtslosigkeit in Ehren, aber Deppen wie Du sind geradezu Paradebeispiele für den Unwillen und die Unfähigkeit, sich mit deutscher Kolonialgeschichte auseinanderzusetzen – dabei gehört die ziemlich weit oben auf die Tagesordnung. Gerade in einer Stadt wie Hamburg, die ganz weit vorne mit gemischt hat. Gerade zu Zeiten der WM in Südafrika.

    Die „Gutmensch“-Sprüche im Forum sind ja auch schon ganz im Sinne der neurechten Chefzyniker formuliert, ebenso dieser Quatsch, der da drüben auch steht:

    „man kann auch so zwanghaft antira sein, dass man selbst zum rassisten wird…..“

    Den kann man auch bei PI usw. lesen. Zudem es hier nicht nur um „Antira“ geht, sondern auch um Wirtschaftsgeschichte – gehört aber eh zusammen.

    Dass „Ein Platz an der Sonne“ in genau jenem historischen Kontext zu verorten ist, nämlich dem Nationalismus im Kaisserreich, der auch den damals sich arg verschärfenden Antisemitismus wie auch den 1. Weltkrieg hervor brachte, und das ist angesichts aktueller Wirtschaftspolitik alles andere als trivial. Es gibt eine Gleichursprünglichkeit der Legitimationsideologien des Antisemitismus und des Kolonialismus, in dem deren Kontext dieser Slogan zu verorten ist. Und der Herero-Aufstand,

    https://de.wikipedia.org/wiki/Aufstand_der_Herero_und_Nama

    dessen Aufbereitung Joschka Fischer auch nur mit zynischer Abwehr begegnete, war lediglich die Spitze des Eisberges.

    Ich vermute mal, dass die Macher der Fernsehlotterie zunächst von der Historie des Spruchs gar nichts wussten und oder sie ihnen egal war; auf keinen Fall machen sie sich die Historie zueigen. Behauptet ja keiner. Wäre nur ganz in deren Sinne, da mal für Aufklärung zu sorgen.

    Gerade im Kontext des FC St Pauli, der sich so viel auf Hafennähe einbildet, wäre es zudem schlichtweg eine Verpflichtung, diese Geschichte auch zu thematisieren, ganz ohne dem Sponsor dabei irgendwas zu wollen, will ja keiner. Sehr wohl aber jenen, die mit ihrer Abwehrreaktion all den Nachkommen der Kolonisierten in der Abschiebehaft wie auch der unmittelbaren Nachbarschaft mal eben in die Fresse treten.

    Vielleicht hat ja der eine oder andere die Diskussion um das Schimmelmann-Denkmal mit bekommen. Statt wie Frau von Welck in solchen Fällen Peinlichkeiten in Kameras abzusondern, würde es St. Paulianern gut zu Gesicht stehen, vorne mit dabei zu sein, wenn es um die offensive Aufklärung hinsichtlich solcher Teile auch der deutschen Geschichte geht. Zumindest dann, wenn man die eigene Stadionordnung ernst nimmt und nicht nur als Folkore begreift.

    Die Rohstoffausbeutung ist bis heute Geißel Afrikas, kannst Dich ja mal informieren, wie das gewonnen wird, was in Deinem Handy steckt. Ein kupferfarbenes Shirt an sich ist völlig unproblematisch; wenn darauf ein Slogan prangt, der dem wilhelmischen Kolonialismus diente, ist ein komisches Gefühl schlicht angebracht.

    • Nur besondere Schlauköpfe bezeichnen andere ohne Not und als Deppen. Damit hast du den ganzen langen Text überflüssig gemacht, weil dir kein vernünftiger Mensch mehr zuhört. Und Du hast dir so eine Mühe gegeben…

  • schön,dann seid ihr ja schon 2! ich verbinde mit diesem slogan eine fernsehlotterie, die kindern hilft!
    diese paranoia ist übrigens heilbar,lasst euch helfen!

    • Man kann ja gerne diskutieren, dass man diesen Ausspruch mit ein wenig gutem Willen auch als gelungene Neu-Deutung deuten kann. Das setzt aber auch immer eine Auseinandersetzung mit dem Original voraus. Und dass koloniale Denkmuster auch heute noch Politik und Gesellschaften beeinflussen, wird hier ja wohl keiner ernsthaft bestreiten wollen, oder?

  • Nee, Du bist da nicht der einzige, wir haben das hier auch schon den halben Tag als Thema. Zudem nun gerade die Geschichte der afrikanischen Kupferminen im Kontext des Kolonialismus selbst eine ist, die ziemlich rein haut – bis heute.

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