Für immer #23

Es gibt Nummern, die sollten nicht mehr vergeben werden. Die 23 gehört dazu und für immer zu Deniz Naki, wenn das Trikot braunweiss sei. Wen wir in unser Herz schließen, der geht nie so ganz, und so ganz muss er oder sie auch Sankt Pauli gar nicht verstanden haben, es reicht für etwas zu stehen.

Deniz Naki steht für den Übermut, das emotionale Herausbrechen, das uns bei aller politischen Differenziererei ja auch ausmacht. Das Einrammen des Jolly Roger in den Rasen an der Ostsee hat ja schon seine popkulturelle Entsprechung gefunden. Ob dem Fußballer Deniz Naki das so recht war, mit der Ikonisierung weiß ich gar nicht, letztlich stand es ihm wohl im Weg, das Überbordende, die „Ej Aller“-Haltung mit der er über den Platz fegte. Rein nach sportlichen Gesichtspunkten sicher ein Fall, wo Anspruch und Wirklichkeit nicht deckungsgleich waren. Aber das lässt uns ja bekanntlich noch inniger lieben.

Lelle verstand mit seiner fränkischen Natur die Sozialromantiker nicht, und Deniz Naki vielleicht die Sehnsucht nicht, die viele von uns mit Spielern wie ihm verbinden. Das liebenswürdige Sich-selbst-im-Weg-stehen, das provokante und pathetische, das unseren Kiez doch ausmacht, sich aber so wenig auf den Rängen findet. All das zieht nun weiter, hat keinen Platz mehr im Ehrgeiz eines Top20-Klubs. (André Schubert ist da nur Symptom eines Anspruches unseres Präsidiums Freunde, aber das nur am Rande).

Und so bleibt die romantische Hoffnung, dass Deniz zu denen gehört, die über einen Ausflug wieder zurück finden nach St. Pauli. Hoffentlich ist es dann noch so liebensfähig, wie heute.

Es wird dann morgen wohl doch ein sehr emotionaler Spieltag …

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