HSV ODER Sankt Pauli. Beides geht nicht.

Zum ersten Derby am Millerntor, im Jahre 2010, führte ich diese Diskussion das erste Mal. Mit einem alten Freund, einem HSV-Fan, der aber nix dagegen hat, „auch Pauli die Daumen zu drücken“.

Seitdem habe ich immer wieder Menschen getroffen, die zu beiden Hamburger Vereinen halten; nur verstehen kann ich sie nicht.

Das liegt vielleicht an meiner Sozialisation: wie viele St. Pauli Supporter meines Alters, war ich als Schüler und Jugendlicher HSV-Fan. Das änderte sich erst – und an diesen Moment erinnere ich mich noch sehr gut – als im Block E des Volksparkstadions allen Spielern des gegnerischen VfB Stuttgart der Nachname „Jude“ angedichtet wurde.

Zu diesem Verein, der sowas zulässt, wollte ich nicht mehr hingehen. Ich blieb weg.

Viele St. Pauli Fans der ersten Stunde, waren vorher HSV-Fans

Das ging auch vielen anderen Menschen so. Der erste „Schwarze Block“ auf der Gegengeraden, so kann man es in FCSP-Dokus nachhören, wich der Gewalt durch Nazis ans Millerntor aus. St. Pauli Fans waren da die Wenigsten – sie wurden es erst, peu-a-peu.

„HSV und St. Pauli, das sind … nicht nur verschiedene Ligen, sondern Sportarten, ach was: Aggregatszustände. – Jan Freitag bei ZEIT Online

Anders, als man also annehmen könnte, hat meine grundsätzliche Abneigung gegen den HSV keinen regionalkolorierten Bezug. Ich habe mich für den FC St. Pauli und seine Art des politischen Wirkens entschieden und aus denselben Gründen gegen den HSV – Nick Hornby hatte Unrecht.

„We hate the Volkspark Bastards and beat the fucking Sandhausen“

Damit habe ich mich für die Kultur und gegen den modernen Fußball entschieden. Für St. Pauli und gegen Hamburg. Ewald Lienen passt mir besser ins Konzept, als Olaf Scholz.

Nun ist das beim HSV bei Weitem nicht mehr so schlimm, wie in den 80er Jahren, wie ich persönlich erfahren konnte, als mich besagter Freund zum Spiel gegen Darmstadt im Frühjahr einlud. Für ihre Auflösung bei der Gründung der HSV AG bewundere ich die HSV Ultras der CFHH sogar ein wenig. Den HFC Falke zu gründen ist eine konsequente Tat gewesen, von der ich mir nicht sicher wäre, ob viele von uns so etwas hinbekämen, wenn die FCSP AG einst sich gründen sollte.

Trotzdem zuckt da keine Faser in meinem Herzen, wenn ich mir die Spiele der Rothosen ansehe. Ich bin in einem anderen Aggregatzustand, wie Kollege Freitag in der ZEIT schreibt. Ich kann den Zustand eines HSV-Fans nicht mehr annehmen, da hat sich irreversibel etwas verändert in den späten 1980er Jahren.

Wie geht es euch?

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Kommentare 1

  • War bei mir ähnlich. Als Lütter in die VP Westkurve geschleppt worden und mit 16 (1982!) nach dem Pokalspiel gegen Werder wieder raus da wegen der Löwen und anderer Agro-Fans. Schule in Altona Nord, also mal ans Millerntor. Allerdings erst ein paar Jahre später. Ein Kumpel war echter Traditions-Fan und hat mich überredet. Nie wieder zurück geschaut. Keine Faser mehr für den HSV. Aber Mitgefühl mit meinen HSV Freunden. Weil sie so tapfer sind.
    Vor langen Jahren bin ich mit Freunden zu einem Derby im VP gefahren. Das mit dem berühmten Golz Patzer. S-Bahn. Voll mit Rauten, Handvoll Pauli-Fans und 6 Bundespolizisten. Die HSver sangen: "Wir bauen eine S-Bahn von Pauli bis nach Auschwitz!" Die Cops haben weggeschaut.
    Habe den Zeit Artikel auch gelesen. Verstehe das zweigeteilt sein ebenfalls nicht.
    I love St. Pauli

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