Magisches Aluminium

St. Pauli. Vorbei ist das Fasten,
Ich sehe den Leuchtturm durchs Glas,
Schon flattern um unsere Masten,
Die Möwen. Im Wasser schwimmt Gras.

(Joachim Ringelnatz, „Land in Sicht“, Berlin: Internationale Bibliothek 1928)

Diesiges Millerntor
Diesiges Millerntor

Die Masten am Millerntor strahlen schon mittags durch den trüben Tag. Es ist Dezember in Hamburg, diesig und klamm. Die Tore, eingegraben in den matschigen Rasen. Unedel, aus Alu. Das Millerntor am Tag vor dem ersten Advent ist still, Gemurmel wirkt sich durch das Rund, das immer eckiger wird, als Legierung zwischen der stillen Kraft eines schweigenden Protestes und der Mannschaft auf dem Rasen. Aluminium, alaunig, mit der Eigenschaft, aus flammend gefährlichen Situationen, wie der Schienbein-Abwehr von „Schnecke“ Kalle und dem Wuchtschuss eines Lauterers, ein harmloses „Plong“ zu machen. Stark. Nach dem dritten „Aluminiumtreffer“ war ich irgendwie beruhigt, „die schießen heute kein Tor“, nicht durch das eng gewebte Band zwischen Schachtens Schienbeinen, dem Nebel um den Flutlichmast und uns auf den Tribünen hindurch.

Am Ende hat man ihnen den Spaß angesehen, Avevor und Gogia, wie sie echte Stars wie Idrissou kraftvoll zu Seite schieben oder austanzen.
Ein von Magie und Bier gewobener Tag, den wir dann mit Shanty-singen beschließen, diesen starken Melodien voll Selbstvergewisserung und Sehnsucht.

Land in Sicht, die Möwen flattern um die Masten … und im Wasser schwimmt Gras. Die Glückseligkeit, die in diesen Worten wohnt, kann nur verstehen, wer schonmal weit weg war.

(Für Hans aus Schwerin, denn das ist in gewisser Hinsicht weit weg.)

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