Next Generation Magic

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Gefühlt war das Millerntor noch nie so international, wie an diesem Wochenende: Hunderte keltische Freunde von Sven Brux waren zu Gast in der Stadt, der schon heute legendäre Fanclub aus Katalonien auf der Süd und hinter uns, mitten auf der Gegengeraden ein Haufen Wiener St. Paulianer_innen. Also Fanseitig von Not-Elf keine Spur, eher vorschiessender frühlingshafter Übermut, auch wenn sich der paarte mit leichtsinnig gewählter luftiger Kleidung, so schneidend pfiff der Westwind den Rest Winter in das magische aber zugige Rund.

„Wir kommen aus dem Norden, Wir rauben und wir morden“

Der Norden improvisierte bei der tollen Choreo, wie Frontzeck bei der Aufstellung: hakt es irgendwo, dann wird eben in zwei Teilen choreografiert und das Tuch zerschnitten, um es dann mit gemeinsamer Anstrengung wieder zusammen zu führen. Symbolisch diese Choreo aus dem Nordsupport, indeed!

Und auf dem Rasen stand das, was die Presse eine Not-Elf nannte. Aufgestellt nach merkelschen Grundsätzen, alternativlos – und jung. Nur um dann genau das Gegenteil von dem zu tun, was von Notelfen erwartet wird, nämlich zu tun, bravourös statt brav. Irgendwie befreit, wovon war uns nach dem Spiel nicht ganz klar. Vor allem Dennis Daube und Lennart Thy, die im Zusammenspiel mit Patrick Funk und Florian Kringe eine Wucht entfalteten, die merklich nicht nur uns Zuschauer, sondern ich die 1860er überraschte. Wie von komplizierten Nähmaschinenprogrammen gestickte Passtaffetten, diagonal und vertikal nach vorne gezirkelt, überwanden das bisher am Millerntor gepflegte Mittelkreis-Tai-Chi. Florian Kringe zeigte ein um ein anderes Mal einen schwungvollen Drehmoment, als er seinen linken Fuß in ein Rasenloch steckte und neumeiersk um sich selbst pirouierte. Schwindel-erregend, wie so ein Kreisel ein Mittelfeld aufreißen kann.

Und ja, Lennart, das war ein famoses Spiel von Dir. Endlich. St. Pauli kann nun wieder Spieleröffnung, dank Deinen Pässen, und wenn Fin Bartels auf seine alten Tage noch zum Goalgetter wird, dann wird mir nicht bange nächstes Jahr.

Und nüchtern betrachtet, also das ist ja nix für mich sonst, aber Bier um Eins am Sonnabend ist auch irgendwie doof, haben wir da vorgestern die Rumpfelf für 2014 gesehen. Und es bleibt bei aller Freude ein wehmütiger Verdacht: vielleicht brauchte es erst das alternativlose Wegfallen der bisherigen Leitboys in Brown, Flo Bruns und Marius Ebbers, um das alles sich entfalten zu lassen.

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