St. Pauli nach Kiel: der Ruf nach dem Machen wird lauter

… und dröhnt in meinen Ohren.

FCSP Block in Kiel

Was gegen die faulen Spieler machen. Gegen die niveaulosen Fans, die Jeremy Dudziak beschmähten. Und gegen den Trainer. Machen, machen, machen. Hauptsache machen. Irgendwas, damit dieses entzündete Ziehen im Brustraum aufhört.

Ich war am Freitag ganz woanders. In Eimsbüttel, dort, wo Mordor nicht weit ist, liegt ein Tonstudion in einem patinatisierten Einfamilenhaus. Dort hat der Künstler Armin Chodzinski, von dem hier in Zukunft noch öfter die Rede sein wird, eine neue Performance aufgenommen. Das Thema: „Besser“, „Wachstum“ und „Hoffnung“ und wie das alles zusammen hängen kann.

Ich saß dort als Zuhörer und musste bei vielem, was Achim performte, an den magischen FC denken; und an dieses Ziehen in meinem Bauchraum.

„Es macht keinen Sinn, mit Fragen aufzuhören. Es macht keinen Sinn, nur Antworten zu haben. Es macht keinen Sinn, immer nur Menschen nachzulaufen, die Antworten haben. Das ist der direkte Weg in die ganzen Ismen; das ist der direkte Weg in den Totalitarismus, in Faschismus und in den Chauvinismus. – Es geht um Fragen“

A. Chodzinski

Sonnabend war ich dann auch in Kiel.

… und stelle nun also Fragen, rund um die Themen „Besser“, „Wachstum“ und „Hoffnung“:

  1. Ist es tatsächlich naiv, anzunehmen, dass die bannerhafte Ablehnung eines Mitspielers auf den Rest der Boys in Brown, auf die Magie des Spieltages einwirkt?
  2. Macht es etwas besser, wenn wir nach 1 1/2 Jahren Wirken wieder den Trainer auswechseln, wie jeder andere Klub auch?
  3. Was in uns fühlt sich denn so underserviced, enttäuscht und um den erwünschten Erfolg betrogen, wenn wir nicht um den Aufsteig mitspielen?
  4. Welche Rolle spielt Buchtmann eigentlich da auf dem Platz? An wen erinnert mich das bockige Rudern mit den Armen bloss, wenn scheinbar die anderen nichts so machen, wie erwünscht?
  5. Wachsen. Wieso wächst diese Mannschaft nicht, reift in ihrem Spiel, in ihrem Vertrauen in sich selbst und uns um sie herum? Kann das auch mit 1. zusammen hängen?
  6. Bin ich der Einzige, der vergangene Woche keine „Diskussion“ erlebt hat, sondern eine Predigt, garniert mit im RL gesprochenen Wut-Tweets?
  7. Ist es ein Zufall, dass ein 73-Jähriger St. Paulianer mit Ultrà-Nachwuchs den wichtigsten Redebeitrag hält?
  8. Warum kann ich es nicht genießen, dass wir dem Ende der Saison ungefährdet entgegen trudeln?
  9. Glaubt wirklich jemand im Ernst, dass Boll, Ebbers oder Schulle das als Trainer besser machen würden?
  10. Hat noch jemand die Hoffnung nicht aufgegeben?

Habt ihr Fragen? Oder traut euch, zu antworten? – Gerne bitte in die Kommentare …

7 Kommentare zu „St. Pauli nach Kiel: der Ruf nach dem Machen wird lauter“

  1. Das Plakat bzw. die Tapete macht mich wütend und fassungslos und ich kann mir schon vorstellen, dass die Mannschaft dadurch und durch alles davor, nicht befreit aufspielen kann. Mich nervt dieses Gebashe gegen den Trainer und ich bin der Meinung, dass die Mannschaft nicht gegen ihn spielt. Wir sind momentan halt nur ein mittelmäßiger Zweitligist. Wir haben keine Spieler, die mit dem Messer übern Platz laufen und unbedingt gewinnen wollen. Buchti ist keine 10 aber es ist sein verdammter Job auf der 10 alles zu geben. Ich muss auch Dinge machen, auf die ich keinen Bock habe aber so ist das halt. Ich freue mich über den bisherigen Verlauf und ignoriere die ganzen Miesmacher. Damit lebe ich einfach besser . Wie sich der neue Kader in der nächsten Saison schlagen wird, wird man sehen. Ich halte nix von Prognosen.

  2. Jó Alsterburg

    Brauchen wir mehr unaufgeregt fragende Vermittler*innen und vermittelnde Kommunikatoren*Kommunikatorinnen wie „Erik Nu“?

    Klares Ja!

  3. Josef Wutz

    ad 1) Man muss als Spieler und als Mannschaft schon sehr abgebrüht sein, um solch eine geschmacklose, ehrabschneidende öffentliche Schmähung unberührt zur Kenntnis nehmen zu können. Offenbar war ja der Geschmähte spürbar verunsichert: und das wirkt sich ganz bestimmt auf das Zusammenspiel mit ihm, also auf das Spiel der gesamten Mannschaft aus.

    ad2) Ich fand es damals sehr bedauerlich, dass Herr Kauczinski gerade eine gute Woche verpflichtet war, als Jens Keller bei Union die Papiere bekommen hat (aus Gründen, die rien gar nichts mit der sportlichen Erfolgsbilanz zu tun hatten). Der wäre – nach meiner unmaßgeblichen Meinung – der richtige Trainer für unsere Mannschaft, unseren Verein, für uns Fans gewesen. Zu Herr Kauczinski hatte ich keine Meinung. Und habe sie noch heute nicht. Auch wenn ich strikt gegen aktionistische Trainerentlassungen bin, finde ich wenige Argumente, die für eine Fortsetzung der Zusammenarbeit mit ihm sprechen. Ich sehe mir die Heimspiele im Stadion und die Auswärtsspiele auf dem Bildschirm an. Wo einmal ein System zu erkennen war, herrscht überwiegend Stümperhaftigkeit. Von den meisten Spielern habe ich mich aber in der Vergangenheit überzeugen können, dass sie keine Stümper sind. Wo liegen also die Gründe für diese fatale Entwicklung? Mir reicht es nicht, das auf den Trainer zu schieben. Wenn ich höre und lese, Herr Kauczinski könne die Mannschaf nicht (mehr) motivieren, dann lache ich mich kaputt (damit die kalte Wut mich nicht packt). Die Spieler üben auf dem Platz ihren Beruf aus, werden gut dafür bezahlt. Für Siege gibt es zusätzliche Prämien. Unsere Spieler haben das Privileg, für einen (leider anscheinend immer weniger) besonderen Verein spielen zu dürfen, in einem der geilsten Stadien des Landes, mit über-über-überwiegend Anhängern, die sie auch nach einer Niederlagenserie und schändlichen Vorstellungen wie beim Derby im März mit Jubel empfangen, die sie – anders als in 95% der Stadien weltweit – niemals mit Pfiffen begleiten oder in die Kabinen schicken (sieht man von den allerjüngsten Entwicklungen ab), und hinter denen nach wie vor zu zehn- zwanzig- dreißigtausend Leute auf Wartelisten stehen und auf eine Dauerkarte für die Spiele dieser Mannschaft hoffen … . Was brauchen die mehr an MOTIVATION? Brauchen sie Max Merkel? Brauchen sie Lorant? Felix Magath? Schlappner gar?
    Wenn jedenfalls der Verein über einen Trainerwechsel nachdenkt, dann muss er auch über einen Spielerwechsel und einen Sportdirektorwechsel (!) nachdenken. Der Geschäftsführer macht sich ja ohnehin vom Acker.

    ad9) Warum sollen ausgerechnet die das besser machen? Sie kämen wahrscheinlich besser mit den Zuschauern/Fans/der Presse zurecht. Aber was hilft das auf’m Platz?

    ad 10) Ja, ich habe die Hoffnung nicht aufgegeben. Im August beginnt wieder eine Spielzeit, im August steigt die erste Runde im DFB-Pokal. Ich werde weiter dabei sein, im 26. Jahr. Und mich weiter freuen und weiter ärgern.

  4. 1) nein, natürlich nicht – das sind Vollhonks und das ist auch nicht mein FC SANKT PAULI !!
    2) JA, weil dieser Trainer definitiv nicht zu uns passt. Wer es nicht schafft in 1 1/2 Jahren eine Spielidee, ein System zu entwickeln der wird es auch in den nächsten 1 1/2 Jahren nicht tun. Und den Ball nach vorne gebolzt ist keine Spielidee…….
    Dazu seine oftmals (zumindest für mich) seltsamen Mannschaftsaufstellungen (Buchtmann ist kein 10er, Carstens in letzter Zeit)……. Spielermotivation ?? Oftmals lethargisches, phlegmatisches Auftreten der Mannschaft. Auf mich wirkt das manchmal als ob die „gegen den Trainer“ spielen würden. Vielleicht Unsinn, aber von einem Trainer sollte man erwarten können, dass er die Mannschaft mehr mitgibt als das was man auf dem Platz sieht. Die beiden Derbys….. -normalerweise muss man da eine Mannschaft nicht noch extra motivieren. So wie er die Vorstädter stark geredet hat sind die ja schon mit voller Hose auf dem Platz. So ein leidenschaftsloses Derby hab ich noch nie gesehen. Zugegebenermassen hab ich allerdings noch nicht viele Stadtderbys gesehen ;-)
    3) Auftieg mitspielen ? Gehts wirklich darum ?? Klar war das schön oben zu stehen, aber mal ehrlich. Die meisten aller Siege hat man auch in der Vorrunde oftmals nur mit unglaublichen Dusel erreicht. Man kann jetzt einwenden: Soviel Dusel ist auch Qualität – aber bei uns empfinde ich das nicht so. Die 3 Siege in der Rückrunde (Union,Ingolsadt,Paderborn) zum Beispiel. In allen Spielen waren wir spielerisch unterlegen und zumindest gegen Union+Paderborn war der Sieg nicht verdient. Ich habe die Schnauze gestrichen voll von diesem emotionslosen Fussball. Ich will Leidenschaft, will Kampf, will Einsatz bis zum Letzten sehen. Wenn das dann nur für Platz 15 reicht dann ist es halt so. Aber das aktuelle Gekicke ist nicht mehr erträglich…….
    4) Völlig von der Rolle – meiner Meinung nach auch der Rolle geschuldet die man ihm geben will (keine Ahnung ob er sich selbst da sieht). Für mich ist das kein „Spielmacher“….. – eher einer für die 6 oder vielleicht 8.
    5) bestimmt auch, aber das war das 1.Mal als ich sowas gesehen habe. Meiner Meinung nach hat „wachsen“ viel mit dem Trainer (Trainerteam aber der Trainer ist halt der Verantwortliche) zu tun. Ein Trainer entwickelt eine Mannschaft. Und ich sehe bei uns NULL Entwicklung – siehe Ausführungen unter Punkt 2
    6) da ich „weit weg bin“ kann ich da nicht wirklich was dazu sagen.
    7) leider kann ich auch dazu nichts sagen
    8) kann ich Dir nicht sagen… – ich könnte es geniesen, aber nicht mit dem was da auf dem Platz geboten wird. Ganz ehrlich: Für mich ist das eine Frechheit und das „Schöngerede“ nach jedem Spiel empfinde ich als einen Schlag ins Gesicht. Das ist eine Verarschung sondersgleichen. Dazu noch die „beschämenden“ Reaktionen einiger Fans mit dem Banner in Kiel, und den Umsständen im Derby. Das ist nicht mein Sankt Pauli und ich hoffe, dass dies sich wieder einpendelt und von den Fangruppen intern geregelt wird.
    9) Ich weiss nicht wer es besser machen könnte….. – aber „NICHTS WIRD VON ALLEINE GUT“. Für mich ist das Festhalten am Trainer jedoch in diesem Fall ein grosser Fehler, weil nichts wird von alleine gut. Siehe Ausführungen unter Punkt 2.
    10) Ich liebe diesen Verein…. sein Umfeld, das Ganze. Aber aktuell tue ich mich wirklich schwer damit.

    Wie gehts weiter ??
    Keine Ahnung, wenn ich an die Kaderzusammenstellung für nächstes Jahr denke wird mir Bange.
    Die Vertragsverlängerungen (Avevor mit Rentenvertrag, Buballa) sowie Neuverpflichtungen (Lankford, Benatelli) gehen für mich in die falsche Richtung.

    1. Zum Thema Fragen gehört auch, weniger Meinung. Ich habe meine Meinung zu dem Banner in Kiel kurz ausgespien, in einer ringelnatzschen Handlung „über Bord gepisst“. Das tut gut. Vesuch es mal.

  5. „Die Sedimente des Handelns sichtbar machen. Ich möchte he-rausfinden, was meine eigene Brüchigkeit mit der Gesellschaft zu tun hat. Mit dem Tanzen ist es ähnlich wie beim Fußball. Die Herstellung von Repräsentationsideologien greift nur in einem ganz geringen Maß, höchstens die ersten paar Minuten. Danach geht es einfach ums Fußballspielen – oder ums Tanzen. Weil dann die Körper aktiv werden, erzählen und kommunizieren. So banal die Erkenntnis ist, so groß finde ich sie.“

    https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/man-kann-theorie-tanzen

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