4000 Euro für eine Pyro-Fackel – Hannover 96, der DFB und die Frage der Gerechtigkeit eines Sportgerichtes

Ein Fan von Hannover 96 muss für das Abbrennen von Pyrotechnik 4000 Euro zahlen. Die Niedersachsen gaben die durch den DFB verhängte Geldstrafe an den Anhänger weiter.

… lese ich bei RevierSport, dass der Verein Hannover 96 die DFB Strafe für das Abbrennen eines Pyros, einer bengalischen Fackel im Stadion, voll an einen eigenen Fan weiterzugeben gedenkt.

„Dieses Vorgehen ist nach meiner Auffassung alternativlos“, wird ebenda 96-Präsident Martin Kind ziztiert. Und weiter: „Wir werden auch künftig die ermittelten Täter zur Rechenschaft ziehen und vom DFB oder von der UEFA ausgesprochene Geldstrafen an die Verursacher weitergeben.“

Ich frage mich: mit welchem Recht? Ist ja schon schlimm genug, so aus Bürger- und Fansicht, dass sich die Vereine der mindestens hinterfragenswürdigen DFB-Gerichtsbarkeit unterwerfen. Aber das tun wir Besucher ja nicht. Und hier wäre es mal interessant zu erfahren, wie das deutsche Gerichte sehen, wenn sich dieser Fan wehrt. Die müssen nämlich, anders als der DFB, diese Handlung in ein Verhältnis setzen. Ist jemand verletzt worden? Ist die „Strafe“ angemessen? Hätte Hannover 96, wenn es vorhat, den „Schaden“ geltend zu machen, nicht vorher Rechtsmittel ausschöpfen müssen, um ihn, den Schaden, zu begrenzen?

Juristische Fragen, die ich gerne an die Juristen und juristisch Vorgebildeten unter meinen Lesern weitergebe. Die gesellschaftliche Frage allerdings, die möchte ich mit euch diskutieren, auch mit meinem Verein, der ja im Falle des Becherwerfers vor ähnlichen Überlegungen steht. Darf ein Verein eine Strafe, einen Schaden, dem er sich freiwillig unterwirft weitergeben an jemanden, der das nicht tut?

Ich meine NEIN. Und ich würde mich freuen, wenn dieser Hannoveraner das vor Gericht ausficht. Allein, um die Frage in die öffentliche Diskussion zu bekommen, ob die DFB-Gerichte überhaupt noch maßvoll „bestrafen“? Vergleicht das mal mit Strafen und Bußgeldern im Straßenverkehr … Um 4.000 EUR Strafe zu bezahlen, muss man schon einiges mehr anstellen, als Fackeln abzubrennen.

p.s. – habe die Frage auch mal bei wer-weiss-was gestellt …

Sankt Pauli NU
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