Astra-Werbung „Wolle Dose?“ – Nix dagegen

Nicht alle sind der Ansicht, dass das Astra-Plakat rassistisch ist. Mein Co-Blogger Pat zum Beispiel; eine Gegenrede:

„Ehrlich gesagt, sehe ich diese Astra-Werbung nicht als rassistisch.“

Pat Sechelmann, Co-Blogger St. Pauli NU

Wenn man das Plakat als rassistisch labelte, würde man dem Model indirekt vorwerfen, rassistische Werbung zu machen oder sein „eigenes Volk“ für ein Modelhonorar zu verraten. – ich denke aber, dass der man vom Bild gemeinsam mit seiner Familie und Freunden darüber lacht.

Hier wird ganz klar ein Klischee und keine Völkergruppe veräppelt. Wir, die mit Migrationshintergrund, sind heute ein natürlicher Bestandteil der Gesellschaft und wir nehmen uns auch gerne mal selber auf die Schippe. Wenn man nun sagt, das sei rassistisch, entfernt man uns aus der Mitte der Gesellschaft und stellt uns als schützenswerte Minderheit da. Ich sehe aber weder meine Farbe noch meinen Migrationshintergrund als eine Behinderung (wobei ich mich hier mit dem begriff Behinderung schwer tue, das das auch kein negativ belegter Begriff sein sollte), der nicht über sich selber in Form von Klischees lachen kann.

Rassismus gibt es nur zu viel in der Gesellschaft. – sei es, wenn man mich dumm-rassistisch „Dante“ oder „Marcello“ nennt, getreu dem Motto: alle Schwarzen sehen gleich aus. Und das hauen zig St. Paulianer jedes Heimspiel raus.

Oft haben wir Migrantionsmenschen einen traurigen Teil der deutschen Geschichte (wie zb. die heimat meines Vaters, Togo, als ehemalige deutsche Kolonie), ich würde aber gerne auch ein Teil der lachenden Geschichte Deutschlands sein. Rassismus ist diskriminieren, benachteiligen und beleidigen. – und ganz ehrlich fühle ich mich eher diskriminiert, durch die Tatsache aus der Mitte der Gesellschaft gehoben zu werden und von jenen, die einen schützen wollen zu einer Minderheit gemacht zu werden.

Das schränkt ein. Mein erster Gedanke, als ich das Plakat sah: „Ui, da hätte ich gerne beim Shooting mitgemacht.“ – Warum? Weil ich über mich und über Klischees lachen kann und ich nicht das Gefühl habe, eine Nationalität zu beleidigen. Wer hat damals, als in Frankreich der Prophet in einer Karikatur veräppelt wurde und darauf hin die Anschläge stattfanden, nicht gesagt: „Puh, wegen sowas? Sowas muss als Satire erlaubt sein.“ Auch sowas wie auf dem Plakat müsste meiner Meinung nach erlaubt sein.

Dieses Plakat ist nicht zu vergleichen, mit den sexistischen Fehltritten von Astra. Wobei beim Sexismus auch kein Interpretationsspielraum besteht und es da, aus meiner Sicht auf kein spiel mit satire gibt.Aber hier… ganz ehrlich schon.

Ich möchte gerne in einer totalen linken Gesellschaft leben, aber nicht in einer linken humorlosen Gesellschaft. – und ich möchte nicht, dass jemand sich für mich einsetzt und schwächer macht, als es eigentlich nötig ist.

Ich denke 99,5% meine Migrationsfreunde bei St. Pauli können darüber lachen. Ich hoffe, dass bevor hierzu nun auch eine Broschüre in Umlauf kommt, dass man diese dann auch mit uns „Betroffenen“ abstimmt. – schließlich wurden wir ja zu Betroffenen gemacht. Und mich würde wirklich interessieren, wie sich nun das Model fühlt, dem ja nun abgesagt wird, für sich frei entscheiden zu können, was als Teil der Gesellschaft möglich ist und was nicht, und der nun unfreiwillig Bestandteil dieser Diskussion ist. – ich selber war gestern tatsächlich ein bisschen sauer und hab mich ein wenig entmündigt gefühlt.

Ich würde dieses oder ein ähnliches Plakat als Testimonium auf jeden Fall auch machen. nicht aus Verrat und nicht aus Geldgier (ich glaube nicht, dass sich die Lebenssituation des Testimoniums nachhaltig ändert) sondern einfach, weil auch ich ein natürlicher Teil der heutigen Gesellschaft sein will und mich genauso auf die Schippe nehmen möchte, wie es mit den Bayern, den Schwaben oder sonst wem der Fall ist. Meine Hautfarbe und mein Migrationshintergrund ist keine „Behinderung“ macht es bitte nicht dazu. Überspitzt gesagt, leistet Astra hier eher (wenn auch ungewollt) Integrationsarbeit, weil sie keinen Unterschied machen.

Dieser Beitrag ist eine Replik meines Co-Bloggers Pat Sechelmann auf den Post „Astra provoziert St. Pauli“ von gestern, den man auch auf Facebook lesen kann.