Wie einst im Mai – Die Boys in Brown spielen und tollen mit wachsweichen Eisernen

Es war der Tag der merkwürdigen Signale. Die Sonne schien vom Himmel, als ich an der Ostsee erwachte. Die Saison ist dort vorüber – am Millerntor fängt sie gerade so richtig an. Schon auf der Autobahn ging es zähflüssig zu. Ein ums andere Mal fuhr ich an einem holländischen Spediteur mit dem Namen unseres Mittelstürmers vorbei, bevor seine Fahrbahn dann schneller fuhr und er gemächlich an mir vorbei zog. Ein Omen?, ich wollte daran glauben, dass die Spedition Verhoek ein erster Hinweis darauf sein würde, dass Meggles stoisches Festhalten an John sich heute auszahlt.

Als ich drei Minuten nach Anpfiff meinen Stehplatz auf der Gegengeraden einnahm, war ich zuerst enttäuscht zu sehen, dass Verhoek gar nicht auf dem Platz stand, und dann erst gemerkt, dass ich zwei Minuten lang, in den schwarz gekleideten Spielern die Boys in Brown vermutet hatte. Unter den weiß gekleideten gab es aber auch keinen, mit Verhoeks auffälliger Größe und Kopfform.

Dafür spielten Ratsche und Nöthe, wie es sich für diesen letzten Sommertag gehörte – wie einst Ebbe und Flo beinah. Mit einer herzerwärmenden Freude an ihrer Kunst, die mich dann schon stark an die Boys in Brown erinnert, die ich so schmerzlich vermisse. Ante Budimir stürzte sich so vehement seinem ersten Tor entgegen, dass einem die Unioner Innenverteidiger schon leid tun konnten.

Als St. Pauli die ersten 20 Minuten der zweiten Halbzeit Lockfussball spielte, konnte man auf den Rängen spüren, dass sie das genossen, endlich einmal in dieser Position zu sein, sich das erspielt zu haben, alles auf sich zukommen zu lassen. Die anderen, die „Eisernen“ mussten ja. Und das auch noch zu zehnt.

Dieser Heimsieg fühlt sich auch deswegen so gut an, weil man auf der anderen Seite ein Team als Gegner sah, das offenkundig unter genau denselben Schmerzen leidet, wie unsere Boys in Brown unter Roland Vrabec. Auch einst im Mai.

Dass sich dann mein Omen noch erfüllte, und John Verhoek in der letzten halben Stunde zum Matchwinner avancierte, dann war das nur ein Aspekt einer ganzen Kette von schönen Momenten, die ein FC St. Pauli auf den Platz brachte, der vor Spielfreude fast platzte. Danke für all den Fisch.

domschänke

ps die tolle Choreo für Oz. habe ich verpasst – empfehle aber hierzu den tollen Text von Metalust.

pps Fotos @unverlierbar