Jolly Rouge rising over St. Pauli Millerntor

Under Armour: Zeit, Flagge zu zeigen #JollyRouge

Der FC St. Pauli ringt um die richtige Haltung gegenüber Trump-Bewunderern bei Under Armour. Dabei hat der Verein sie eigentlich schon: „Kein Fussball den Faschisten“ darf gerade jetzt nicht zur bedeutungslosen Worthülse werden.

St. Pauli hat sich nun nach längerer Abstimmung zu einem Statement zur Kooperation mit Under Armour und dessen offener Nähe zur Trump-Regierung durchgerungen. Ein Statement, das ein wenig verwirrt, wenn man nicht alle Hintergründe kennt.

Under Armour und der FC St. Pauli – Versuch einer Einordnung:

„Der FC St. Pauli kann Steph Curry, dem schärfsten 3-Punkte-Schützen der NBA und Anteilseigner unseres Ausrüsters, in seiner Einschätzung zum neuen Präsidenten der USA nur folgen.“

Stephen Curry, zwei Jahre hintereinander der „Beste Basketballspieler der USA“ – MVP genannt – ist seit 2015 das wichtigste Werbe-Aushängeschild von Under Armour und Anteilseigner. Er hat das anbiedernde Statement von UA CEO Plank, Trump sei ein „Asset“ für die USA umgedeutet. Diese Aussage sei richtig, wenn man die Buchstaben E und T abziehe, Trump also kein Asset, sondern der „Ass“, der Arsch der USA sei. Hierauf bezieht sich Oke als Präsident des FCSP und sagt dann noch:

„Mehr gibt es zu dieser Person nicht zu sagen.“

Eine Aussage, die ich nicht verstehe, und nicht richtig finde. Zu Trump wäre vom FC St. Pauli eine Menge zu sagen, zu seinem engsten Berater zuallererst, dem Neonazi Bannon, und darüber, wie die US-Regierung den Rückbau fundamentaler Rechte betreibt.

Der FC St. Pauli muss Flagge zeigen

„Weiterhin wünscht sich der FC St. Pauli, dass Under Armour-Gründer Kevin Plank seine Aussage, … überdenkt. Denn, lieber Ausrüster, der Spruch ,Protect Our House’ gilt auch für den FC St. Pauli und dessen Werte“, erklärt Club-Präsident Oke Göttlich.

Für mich klingt das nach einem putzigen „Dududu“. Werte beschützen, ja bitte! Mit frommen Wünschen ist das aber nicht getan!

Der Präsident hat UA schon vor zwei Wochen darauf hingewiesen, dass die offensive Nähe zu Trump Konflikt-Potenzial birgt. Insoweit begrüße ich Okes Vorstoß, der in den USA und im Viertel auf große Resonanz trifft.

Wir leben in hochpolitischen Zeiten. In den USA ist ein bekennender Nazi engster Berater eines autoritären Präsidenten, in Europa sind die neuen Rechten auf dem Vormarsch. Eigentlich eine Zeit, in der es St. Paulianern leicht fallen sollte, Kante zu zeigen. Der Markenkern sollte sich von alleine scharf wetzen an den Ungeheuern, die die Machtzentralen der Welt erobern.

Trotzdem bekomme ich das Gefühl, der FC St. Pauli duckt sich weg. Angesichts der enormen Anstrengungen für die sportliche Rettung erst einmal verständlich, aber für den Verein möglicherweise selbstmörderischer, als ein Abstieg.

In den USA, die vielleicht auch primärer Adressat dieser Stellungnahme waren, wird dieses Statement positiv aufgefasst – allerdings mit der klaren Erwartung, dass den Worten nun auch „Action“ zu folgen hat.

Ich bin mit dem bisherigen Verlauf der Affäre nicht zufrieden. Ich weiss nicht, ob ich aktuell mehr von meinem Präsidium erwarten kann oder sollte. Trotzdem: Jedes Mal, wenn unsere Boys in Brown nun mit dem UA auf den Trikots auflaufen, blättert etwas mehr Glaubwürdigkeit vom Slogan auf der Gegengeraden.

Lasst es mich klar formulieren:

„Kein Fussball den Faschisten“ gilt auch für Neonazi Bannon und dessen Supporter!

Es würde mich nicht wundern, wenn am Sonntag das Stadion wieder in Rot getaucht ist, der Jolly Rouge fröhlich Wiederauferstehung feiert.

Ich würde gerne den Schwung, den diese Stellungnahme in vielen Facetten und Stimmen auslöst, in Richtung Under Armour kanalisieren. Schärfen wir unser Profil an einem Partner, der sich uns ja gerade wegen unserer Widerspenstigkeit ausgesucht hat.

Bring Back Sankt Pauli!

Ich empfehle außerdem die Lektüre von Metalust dazu: „Ich habe diese „Stellungnahme“ wirklich als Ohrfeige gelesen. Sie tat weh. Mir zumindest.“

Anderswo zum Thema:

  • Sports Illustrated: St. Pauli goes in on UA
  • Der Übersteiger: ./.
  • Magischer FC Blog: ./.

„The backlash against Under Armour CEO’s Trump comments has gone global, Washington Post“

 

tbc

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