„Sippenschutzhaft“ per Polizeianordnung: Gästefans von Hansa Rostock ausgesperrt

ACAB
ACAB Schriftzug am Millerntor (Polizeiwache DOM)
„Sippenschutzhaft“ wäre nur ein komisches Wort (via), wenn es sich nicht in letzter Zeit regelmäßig im Zusammenhang mit dem Deutschen Fußball (Bund) und der Gewaltdebatte manifestieren würde. Die Logik ist immer dieselbe: Ein Verein hat Problemfans, dann bekämpfen wir die Symptome mit einer Art „Breitband-Antifanikum“ und treffen damit alle Fans des Vereins.

Letzten Montag, das ist gerade zwei Tage her, gab es eine „Polizeianordnung“ an der Allianz Arena, die es dem Fanshop des FC St. Pauli verbot, Fanartikel zu verkaufen. Begründet wurde dies damit, schildern Zeugen diesem Blog, dass der TSV 1860 ein Fanproblem hat (nämlich eins mit Nazi-Hintergrund) und FCSP-Insignien diese zu Straftaten verleiten könnte. Schlimm. Aber es geht noch schlimmer …

Und heute erreicht uns die Nachricht, dass die Hamburger Polizei „eine Untersagungsverfügung für die Zweitligapartie gegen den FC Hansa Rostock am Sonntag, den 22. April 2012 (verfügt hat). Die Verfügung erlegt dem (FC St. Pauli) auf, keine Eintrittskarten an den FC Hansa Rostock für das Spiel im Millerntor-Stadion weiterzugeben.

Praktisch: die Exekutive braucht sich nie mehr den Einzelfall anzusehen – Und noch praktischer: als Sicherheitsbehörde kann ich das vielleicht sogar auf andere Gesellschaftsbereiche ausdehnen, wenn ich beim Fußball damit durchkomme. Also bald Castor-Transporte ohne Demonstranten, weil die ja durch gewaltbereite Beamte Personen verletzt werden könnten, oder durch ihre bunten gelben Sonnen die Landnazijugend provozieren?

Es ist gut und richtig, dass sich der FC St. Pauli gegen diese pauschalen Exekutivmethoden zur Wehr setzt und sich entschieden hat, „die Untersagungsverfügung der Polizei beim Verwaltungsgericht prüfen zu lassen. Es ist zu erwarten, dass der Ausgang dieses Verfahrens Präzedenzfallcharakter haben wird.“ – und das hoffe ich auch.

Man verstehe mich nicht falsch, persönlich kann ich auf die Fans von „Who the Fuck“ verzichten – so aber nicht!

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