Under Armour – Under Pressure

Das Thema „Under Armour“ ist auf dem Boulevard angekommen. Wenig spitzfindig fragte die Mopo letzte Woche, ob denn dieser Ausrüster zu St. Pauli passt?

Gegenfrage: passt denn irgendein anderer besser?

Der FC St. Pauli und seine Funktionäre haben es sich, dem Vernehmen nach, nicht einfach gemacht, als die Auswahl eines neuen Ausrüsters anstand (der Vertrag mit Hummel läuft noch bis zum Ende dieser Saison). Mir ist bekannt, dass es eine umfangreiche Pro und Contra Liste gab, die dann mit dem Aufsichtsrat diskutiert wurde. Die Wahl fiel dann auf Under Armour, den amerikanischen Underdog der Branche, der sich mit einer aggressiven und erfolgreichen Marketingstrategie zum Aufsteiger unter den Sportartikelherstellern gemausert hat.

In den USA ist Under Armour der heiße Scheiß, nu soll der europäische Markt erobert werden. Da passt der FC St. Pauli gut ins Konzept. Der Markenfit, wie es so schön heißt, dürfte hoch sein. St. Pauli ist international, unangepasst und hip – auch wenn wir das manchmal nicht wahrhaben wollen, so sehen uns viele da draußen. Für Marketingstrategen sind wir hübsch.

Wir sind das Leckerli

Seit einiger Zeit wird das Thema in der Fanschaft leidenschaftlich diskutiert. Seit Anfang der Woche auch öffentlich. Der Verein hat sich bisher – unter Berufung auf die laufende Partnerschaft mit Hummel – nicht ausführlich zu Under Armour geäußert. Dabei war letztens eine ganze Abordnung aus St. Pauli (Vertreter von Fanszene, AFM, Sporttreibenden Abteilungen, Geschäftsstelle, Nachwuchsleistungszentrum, Geschäftsführung, Aufsichtsrat und Präsidium) im amerikanischen Baltimore, um sich einen Eindruck vom neuen Partner zu machen.

Die Wahl zwischen Pest und Cholera

Adidas, Nike, auch Hummel, kommunizieren und produzieren auch nicht nach den Standards, die wir uns am Millerntor vorstellen. Das ist ein Binse. Gilt im Übrigen auch für andere Partner, wie Levis und Upsolut. Wahrscheinlich gibt es keinen einzigen Profiausrüster, der unseren Vorstellungen von fairer Arbeit genügt. Trotzdem können die Boys in Brown ja nicht in wollenen Leibchen und Unterbüxen auflaufen: Ein Dilemma.

Eines aus dem es meiner Ansicht nach nur einen Ausweg gibt. Man muss den neuen Partner irgendwie mit auf den Weg nehmen. Projekte definieren, die dem „St. Pauli Way“ entsprechen. So verändert man nicht die Welt, sondern nur einen kleinen Strang in der Kette. Wenn es dem Präsidium gelingt, das über den Grad eines Feigenblattes hinaus zu organisieren, dann ist das schon ein Erfolg. Mit Kiezhelden hat man ja schon eine tolle Plattform geschaffen.

Würde mich übrigens auch nicht wundern, wenn man von den Amis in Punkto Sexismus und Rassismus-Prävention noch was lernen könnte, immerhin ist der gesellschaftliche Diskurs dort unserem Jahre voraus.

„The only way to lead is by example. Let your game do the talking.“

The only way to lead is by example. Let your game do the talking. The Best inspires the Next on the #UARoadshow

Posted by Under Armour Basketball on Sonntag, 6. September 2015

Es wird sich erzählt, dass die Delegation aus dem kleinen St. Pauli recht beeindruckt war vom Engagement der Amerikaner. Wäre doch toll, wenn es gelänge, aus dem Claim „lead by example“ etwas zu formen, was sich in der Welt manifestiert.

„Für uns war es wichtig, dass sich Vertreter aus allen Bereichen des Vereins ein Bild vor Ort machen können und dass wir die Leute, mit denen wir ab der nächsten Saison zu tun haben werden, kennen lernen“, erklärte Vizepräsident Joachim Pawlik. „Wir wollten von Beginn an nicht nur einen Ausrüster, der Trainingsklamotten für unsere Profis liefert, sondern einen Partner für den ganzen Verein“, so Pawlik weiter.

In den drei Tagen vor Ort erhielten beide Seiten in verschiedenen Workshops Einblicke in die Arbeit, die Strukturen, die Ziele und Werte des Gegenübers. So erklärten Mitarbeiter von Under Armour in einem der Workshops, wie sie sich für sozialverträgliche Arbeitsbedingungen in den Produktionsstätten einsetzen. Das Unternehmen hat in den jeweiligen Regionen Mitarbeiter, die regelmäßige Überprüfungen durchführen, um Standards zu implementieren und für Nachhaltigkeit zu sorgen. „Die Offenheit und Transparenz in diesem Thema war sehr bemerkenswert“, erklärt der Vizepräsident des FC St. Pauli.

Was nu noch fehlt: Konkretes.

ps und btw, alles was nu kommt, ist wahrscheinlich viel mehr, als ich zu Zeiten des Hummel-Hypes erlebt habe…

pps ich verstehe ja, dass man sich als Verein den Zeitpunkt der Diskussion nicht von der Mopo oder Kai Diekmann diktieren lassen soll. Ich bin aber so verdammt neugierig .. ;)

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