Zu scheun, um wahr zu sein. #rblfcsp

Es ist das letzte Hochsommer-Wochenende, so zumindest sagen es die Wetterpropheten voraus. Und der FC St. Pauli reist mit 4.000 unserer Supporter nach Leipzig zum „Produkt“, wie es einige nennen. Die Hochbegabten des Ralf Rangnick, der ähnlich akribisch und planvoll an die Entwicklung seiner Vorstellung von Fußball heran geht, wie unser Cheftrainer Ewald Lienen, beginnen mit druckvollem Sommerfußball. Die Boys in Brown stehen unter Druck.

Willi, Andrea und ich sind an diesem Wochenende in die Gegenrichtung unterwegs, an die Ostsee. Als wir am Samstag Abend hinauf fahren, kommt und der Bus von Hannover 96 entgegen. Ich weiss nicht genau, ob das auch alles hochbegabte Spieler sind, die sich nun langsam von dem Ort ihrer Auswärtsniederlage entfernen. Gegen die Kicker von Schilksee.

Jolly Roger Hissfahne FC St. PauliAls ich am Sonntag Mittag mit Willi im Cockpit sitze, muss ich an diese Begegnung denken. „Ein Unentschieden wär schon toll“, fassen wir unsere Erwartungen zusammen, als wir das AFM Radio anrufen.

Die Verbindung steht, ist aber trotz dazu geschalteter Box sehr leise (liebes AFM Team, könnt ihr das höher auspegeln bitte? ;). Wir beugen uns über mein Android-Phone, das uns dank Telefonflatrate die Geschehnisse aus Leipzig mit leichter Verzögerung an die Ostsee beamt. Himmelmann hält, Pfosten, puh, durchatmen. „Wenn wir die ersten 20 Minuten überstehen, dann könnte das was werden“, fasst Willi unsere Hoffnung für das Phrasenschweinchen zusammen.

Es weht frisch aus Nord-Oost und der Jolly Roger unter der Backbord Saling flattert aufgeregt, als die Boys in Brown zum Kontern ansetzen. Lange Bälle ins offensive Mittelfeld finden immer wieder Abnehmer in braun-weiss, die sie aus der Luft pflücken oder gekonnt per Kopf verlängern – seit wann können wir das denn? 44. Minute – Ball auf Hoch – der Kommentator am AFM-Mikrofon kommt kaum hinterher, ein Schuss, Tor, Doch, JAA. Pause.

In der Halbzeit holen wir uns jeder ein Bier und ein Fischbrötchen im sagenhaft leckeren Fischkiosk in Strande. Kurz nach dem Anpfiff sind wir wieder am Telefon und hören, dass der Aufstiegskandidat wütend angreift, unsere Jungs aber tapfer verteidigen. In diesem Schnapszahlenspiel kann Lennart Thy in der 88. Minute alles klar machen, muss er aber gar nicht, denn trotz fünf Minuten Nachspielzeit schafft es Leipzig nicht, noch einmal gefährlich zu werden – und wenn, dann ist das ja noch Himmelmann:

Der zweite Auswärtssieg in Folge ist perfekt. Platz 2 in der Tabelle und ein komisches Gefühl in der Magengegend. Verdient trifft es wohl am besten – und „Volle Gönnung“: für das Präsidium, das mit der Verpflichtung von Ewald Lienen ja ein gehöriges Risiko eingegangen ist; auch für Rachid Azzouzi, der nun von Außen zusehen muss, wie sich seine Einkäufe stark entwickeln. Genugtuung darf er aber gerne empfinden! – Ich bin gespannt, wohin uns das führt. Aber das ist einen eigenen Artikel wert ;) – und wer weiss, vielleicht bekommen wir ja einen herrlichen Altweibersommer geboten?

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