Der spanische Winter ist mild

»Beim FC St. Pauli freut man sich über die kleinen Schritte: Im frühlingshaften Andalusien, wo die Kiezkicker ihr Wintertrainingslager aufgeschlagen haben, siegte man am Sonnabend gleich doppelt, gegen einen chinesischen Erstligisten (deutlich 6:2) und erkämpfte sich gegen den Schweizer Meister FC Basel den zweiten Sieg des Tages (2:1 nach einer kämpferischen Aufholjagd).

Ewald Lienen ist froh, dass alle gesund sind und er endlich die geforderte Aggressivität in seinem Team spürt.

Kommenden Samstag gibt’s den letzten echten Testlauf im spanischen Winter gegen Zürich und Kiew.«

Zuerst erschienen in der „Elbvertiefung“ für ZEIT Online

Ewald Lienen über den FCSP Kader der Rückrunde

Ewald Lienen – alter und neuer Boyscoach 2017 – stellte sich den Fragen der Hamburger Sportjournalisten. Nachfolgend die wichtigsten Informationen als Schlaglichter, die eine oder andere Überraschung ist dabei:

  • Fafa Picault ist nicht wieder mit ins Mannschaftstraining eingestiegen. Der FC St. Pauli hat ihm und seinem Berater nahe gelegt, sich einen neuen Verein zu suchen. Nicht überraschend, aber doch sehr schade. Ich hatte die „Gazelle“ tief ins Herz geschlossen.
  • Azziz Bouhaddouz ist – ein wenig überraschend – für den Afrika-Cup nachnominiert worden und nach dem Laktat-Test abgeflogen. Er verpasst große Teile der Wintervorbereitung. Ewald hofft, dass er fit und unverletzt zurück kommt. Puh, ja. Bitte!
  • Ziere, Kalla und Dudziak sind wieder fit und starten voll ins Wintertrining. Good News, auch wenn Ziere sich einen Infekt zuzog und noch ein paar Tage auskurieren muss.
  • Robin Himmelmann ist weiter verletzt – soll sich aber im Wintertrainingslager nächste Woche wieder rankämpfen. Das Gleiche gilt für Buchti, der nä Woche wieder ins Training einsteigt.
  • Lasse Sobiech hat eine doofe Entzündung am Oberschenkel, die ausheilen muss. „Er läuft noch ein paar Tage durch die Gegend“, sagt Ewald dazu.

„Ja, das ist es eigentlich vom Personellen her“, Ewald Lienen, FCSP TV

Ewald Lienen über die Aufholjagd 2017 und die Mission #Klassehalten: „Wir können das nur über eine Mannschaftsleistung schaffen“

Zu Lenny Thy: „Gehen wir mal davon aus, dass ihm der Aufenthalt in Bremen nicht geschadet hat“ ;) –

Das ganze Interview gibt es bei FC St. Pauli TV auf lau.

Willkommen zurück Lenny

Es war ein Highlight seiner Kiezkicker-Karriere, das Spiel in dem Lennart Thy alle vier Tore schoß. Dieses Spiel, so sind wir uns sicher, hat ihn auf den Einkaufszettel des Bundesligisten Werder Bremen gezaubert, der, soviel sei auch angemerkt, zu dem Zeitpunkt für die zweite Liga planen musste.

Lennart Thy als Spieler vom FC St. Pauli; Source: Wikimedia, Author: Northside

Nun ist Lenny zurück und wir heißen den Ex-St. Paulianer herzlich willkommen – Ex St. Paulianer wird er nämlich bleiben: als Leihspieler bliebt er Werderaner, der FC St. Pauli hat keine Option, ihn nach einer gelungenen Operation „Klassehalten“ länger zu verpflichten. Das ist schade und das finde ich auch echt doof. Andererseits braucht Lennart Thy wenig Zeit zum eingewöhnen. Ich würde mir wünschen, dass er seine vier Tore auf mehrere Spiele verteilt, dann weine ich ihm gerne ein oder zwei Tränen nach, wenn er wieder gen Bremen entschwindet. ;) „Willkommen zurück Lenny“ weiterlesen

St. Pauli auch 2017 mit Ewald Lienen …

… das vermeldet zumindest die Mopo „weltexklusiv“ mit der Schlagzeile:

„Rettig: Lienen bleibt unser Trainer!“

… und in der Tat wäre das so zu erwarten. Nach dem letzten Heimspiel gegen Bochum, nachdem der FC St. Pauli am darauffolgenden Sonntag zu einer Pressekonferenz geladen hatte, schossen die Spekulationen ins Kraut. Die PK wurde dann mit dem Hinweis auf eine „Verhinderung von Ewald Lienen durch eine private Angelegenheit“ verschoben, was die Gerüchteküche nur noch mehr anheizte.

Sonntag Abend telefonierte ich dann auch mit M. und bekam E-Mail von K. – es war viel los im St. Pauli Kosmos. Mit K. entwickelte ich dann die These, dass man 2017 mit Ewald weitermachen und das der Presse mitteilen wollte, durch den Bohei darum aber etwas überrascht, sich wieder zurück zog.

„Die haben bestimmt verschoben, weil sie gar nix Weltbewegendes zu erzählen haben“

Wenn der FCSP nun morgen – nach dieser Vorabmeldung, wenig überraschend – den Verbleib Lienens vermeldete, können Rettig und Göttlich mit Chewald konkret darauf eingehen warum und wie die Verstärkungen für 2017 aussehen sollen. Das hat irgendwie Methode und ist schon ein wenig putzig. Ist aber am Ende egal, denn die Entscheidung, Chewald auch 2017 den Kader einstellen zu lassen ist meiner Ansicht nach vor allem eines: Richtig.

In diesem Sinne: Fröhliche Weihnachten. Auf dass unter dem Baum ein Sechser und ein Stürmer liegen :)

Dem Phlegma entwischt: Boys in Brown siegen in Fürth 2:0

Die Wiederentdeckung seiner spielerischen Fähigkeiten hat Waldemar Sobota vielleicht selbst überrascht, aber seine beiden Strafraumdribblings machten heute den Unterschied. Zusammen mit Cenk Sahins Spielfreude und seinem sehenswerten Heber zur Entscheidung; 2:0 in der 91. Minute.

Überhaupt passte heute vor allem das Timing; nicht nur das der Jungs auf dem Rasen. Nieselregen begleitete mich die Straße runter, als ich pünktlich zum Anstoß im Kick&Company eintraf. Kurz nach mir erschien Roger Hasenbein, der seinen Zubringer nach Franken verpasst hatte und nun neben uns Platz nahm. „Na dann hoffe ich, dass Du das heute so richtig bereust“, flachste ich noch, als der Fürther Offensive den Ball ans Aussennetz drosch.

Sobota und Sahin entdecken sich wieder

Ein alkoholfreies Weißbier später war klar: das hier fühlt sich wie ein typisches Nullnullspiel an. St. Pauli hatte zwar gefährlich zu Flanken trainiert unter der Woche, nur der Abschluss fehlte; kein Torschuss in der 1. Hälfte vermeldete der SKY-Reporter und war dann doch sehr streng zu unseren Jungs.

An allen gefährlichen Aktionen beteiligt: Cenk Sahin, der sich genauso freispielte, wie Waldemar Sobota. Ihr Sieg gegen das Phlegma, das Misserfolge eben über Talente legen, war die Grundlage für St. Paulis Triumph am Ronhof.

kommt gut nach Hause Jungs!

Mein Kurzkommentar für ZEIT Online:

„Der FC St. Pauli holt die drei so wichtigen Punkte auswärts. Das 2:0 gegen Greuther Fürth ist der erste Auswärtssieg seit März (!). Die Kiezkicker überwanden in einem typischen Nullnullspiel zweimal ihr Phlegma und Cenk Sahin in der 91. Minute Fürths Keeper mit einem sehenswerten Heber zur Entscheidung. Fürth ist für die Hamburger, die sich vor allem defensiv stark zeigen, immer eine Reise wert.“

4-1-4-1 Ewald wills wissen #svggFCSP

Nur Nehrig auf der sechs, davor ein Viererriegel mit Neudecker, Sobota, Choi und Sahin. Das ist mutig und offensiv, bedeutet aber auch, dass gerade diese vier auch alles abgrätschen müssen, was an ihnen vorbei will.

Aux Armes

Hier die #fcsp-Start11:
Heerwagen
Hedenstad-Sobiech-Gonther-Keller
Nehrig
Neudecker-Sobota-Choi-Sahin
Bouhaddouz
#spvggfcsp

Heute müssen drei Punkte her – und St. Pauli zeigt mit seiner Aufstellung schon, wo es die Entsvheidung sucht: in der Hälfte der Fürther.

US-Shop: FC St. Pauli goes USA – because that’s why

ST. PAULI ERÖFFNET US-SHOP

Was haben die Proteste in Griechenland gegen das EU-Spardiktat, die Gezipark-Bewegung in Istanbul und eine urige Kneipe in Brooklyn gemeinsam? Überall trägt man den Jolly Roger aus unserem Stadtteil. Der FC St. Pauli und das womit ihn engagierte und extreme Supporter zuhause am Millerntor aufgeladen haben, ist längst ein internationales Phänomen.

Nur logisch, wenn der FCSP nun auch einen Online-Shop für die USA aufmacht – digital geht Internationalisierung eben schnell. Die Investitionen sind überschaubar, die Botschaft wichtig: St. Pauli emanzipiert sich ein weiteres Stück vom Fußball. „US-Shop: FC St. Pauli goes USA – because that’s why“ weiterlesen

Sicherheitszone Hamburger Karoviertel #OSZEHAM16

Die Polizei probt den G20-Ernstfall in Hamburg. Einen Tag vor dem OSZE Außenministertreffen in den Hamburger Messehallen ziehen über 13.000 Polizisten mit schwerem Gerät und Anti-Terror-Montur in der Schanze und in Altona auf.

Die Polizei hat eine Sicherheitszone eingerichtet

Angeblich soll es nur an den Zugängen zu dieser Zone „Durchlasskontrollen“ geben. Die Erfahrungen mit den Hamburger „Gefahrengebieten“ und die Benennung des autoritären Polizeiführers Dudde lassen aber vermuten, dass die Polizei-Drangsalierung über das versprochene Maß weit hinaus geht.

Eine erste Demo gegen #OSZEHAM16 ist bereits geplant:
Donnerstag 8.Dezember 18:00 Uhr U Feldstraße

Für die Verpflegung der Demonstrant_innen ist eine „Küche für Alle“ eingerichtet:

Bei Problemen bietet der EA Hamburg eine Hotline, die für den gesamten OSZE-Gipfel geschaltet ist: 040-43278778

Weitere Infos:

ps dies ist ein wachsender Artikel, wenn ihr Quellen oder Infos habt, dann bitte per Kommentar oder PN. Dazke

„Lieber Frank-Walter Steinmeier“ #OSZEHAM16

Nachdem Außenminister Frank-Walter Steinmeier im Vorfeld der am 8.12. beginnenden OSZE-Konsultationen die Hamburger Bürger_innen in einer handgeschriebenen Anzeige um Verständnis gebeten hatte, dass ihr Wohnraum durch massenhaft aufgezogene Polizei in Kampfmontur und Panzerung kaum noch betretbar ist, folgt nun die – ebenfalls handschriftliche – Antwort der „Interventionistischen Linken“.

Lieber Frank-Walter Steinmeier #OSZEHH16

In wenigen Tagen kommst Du mit Deinen Außenminister-Homies der „Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit“ (OSZE) in Hamburg zusammen.

Auch wir finden Frieden super und arbeiten gerne mit anderen Menschen zusammen. Aber wie viele andere Hamburger_innen fragen wir uns, wie ihr auf die Idee kommt, dass genau ihr für diesen Frieden steht. Ihr hofiert und unterstützt den Diktator und IS-Unterstützer Erdogan, der mit aus Deutschland gelieferten Waffen einen blutigen Bürgerkrieg gegen die eigene Bevölkerung im Südosten der Türkei führt.

Ihr beratet darüber, wie sich „Schleuserbanden bekämpfen“ lassen, anstatt das einzig Richtige zu tun und mit sofortiger Wirkung das Massensterben im Mittelmeer zu beenden: Mit Fähren für Geflüchtete!

Ihr propagiert das brutale Spardiktat in Griechenland. Ihr repräsentiert die organisierte Traurigkeit einer kapitalistischen Verwertungslogik, den alle Menschen in Europe unterworfen sind.

Ihr seid die Eliten, die Krisenverwalter, die Neoliberalen und die Vergangenheit.

Gegen all das stellen wir uns in Hamburg!

Wir bitten dich daher nicht herzlich um Verständnis für etwaige Proteste – ist uns egal. Wir stehen ein für eine solidarische Gesellschaft mit Wohnraum für Alle, mit einem Recht auf Bewegungsfreiheit. Für die zukünftige Gesellschaft, min der niemand mehr für einen Hungerlohn ausgebeutet word oder vor den Toren der Festung Europa ertrinken muss.

Für euch gibt es daher beim OSZE-Gipfel und im Juli 2017 beim G20-Gipfel keine sprichwörtliche hanseatische Gastfreundschaft.

Wir sehen uns auf der Straße.

Mit kämpferischen Grüßen
Deine
Interventionistische Linke

Interventionistische Linke Brief an Steinmeier OSZE Hamburg
Team-Kreis FCSP

Ein Punkt für Ewald Lienen

Nach solchen Spielen, wie am vergangenen Freitag neige ich ja zu leichter euphorischer Übertreibung, aber auch nach einem Wochenende, an dem die anderen Mitbewerber um den Abstieg in die Dritte Liga sogar siegen konnten, überwiegt das gute Gefühl: diese Boys in Brown hatten sich den Sieg verdient und der zweiten Liga ein Signal gesendet, „wir wollen doch noch mitspielen, lieber Zug zum Klassenerhalt, bitte noch nicht abfahren“. „Ein Punkt für Ewald Lienen“ weiterlesen

No Chewald, no cry

Gestern rief mich M. an und wollte mit mir wetten. „Wetten, dass Ewald heute nicht entlassen wird?“, rief er ins Telefon und ich dachte, gut dass wir schon befreundet sind, sonst fände ich das echt gemein – nicht mal an seinem Geburtstag hat der Mann seine Ruhe. So richtig witzig war mir auch nicht zumute. Nach Heidenheim schon gar nicht.

Ich stelle mir schon länger die Frage, ob ich den Druck ausgehalten hätte, der schon seit ein paar Wochen auf dem Präsidium lastet und dessen leichteste Übung gewesen wäre, den sportlich Verantwortlichen, Ewald Lienen und seinem Trainerstab, die rote Karte zu zeigen und auf diesen unsteten Impuls zu setzen, der in der Sportpresse gerne zum „Gesetz des Profifußballs“ hochgejazzt wird.

#chewaldbleibt

Das Thema Ewald Lienen beschäftigt uns, die Suppporter der FC St. Pauli, mich natürlich auch. Ich habe das anfangs für eine gute Idee gehalten, sich als FC St. Pauli den vermeintlichen Regeln des Business zu verwehren und zu versuchen, das „Lienen-Loch“, in das alle seine Mannschaften auf allen Trainer-Stationen nach zwei Jahren fallen, gemeinsam zu durchschreiten. Inzwischen bin ich mir nicht mehr sicher.

„Du kannst nicht erst Treue schwören, die 2-3 Spieltage durchziehen und Ewald jetzt entlassen“

Heute Mittag kam W. auf einen schnellen Espresso vorbei. Wir haben kurz über seine Berlinreise gesprochen, kamen dann aber schnell zu dem Thema, das unsere Herzen gerade beschäftigt – der FC St. Pauli und natürlich Ewald Lienen. W. meint, dass der Verein erst in der Winterpause reagiert. Zum einen könne man nicht erst fulminant die Treue schwören und dann, nachdem man diese stoisch erfüllt, kurz vor Weihnachten den Trainer entlassen. Das macht keinen Sinn. Dann käme ja vermutlich kein neuer Trainer, sondern der neue Co-Trainer übernimmt – ob das den so dringend benötigten Impuls setzen würde? Wir bezweifelten das.

Evolution der Reset-Taste

Stanislwaski Wutrede Vertrauen (Youtube)
Stanislwaski Wutrede Vertrauen (Youtube)

Als W. sich verabschiedet, scheint die Wintersonne in mein Fenster. Draußen ist es kalt und wird es auch bleiben. Nasser wird’s und noch ungemütlicher. Darauf kann man sich als Supporter des FC St. Pauli gefasst machen. Im Moment passiert immer das sportlich Schlimmste. Zuletzt ist der einzig funktionierende Mittelfeldspieler, Buchtmann (Gute Besserung!), auch noch ausgefallen. Mehr Hypothek geht nicht.

Stani hatte in einer vergleichbaren Situation die geniale Idee, eine imaginäre Reset-Taste zu drücken. Alles zurück auf Anfang. Per Kick-off in den eigenen Mors aus der Krise; das Pech, das einen im Hamburger Starkregen unter Wasser zieht, über Bord pissen. Das braucht es jetzt – in einer Ewald Lienen Variante.

Lienen nehme ich bisher als Kopfmensch wahr, als ziselierenden Analytiker, der Gegner intellektuell zerlegen und ihre Schwächen offen legen kann. Eine halbwegs funktionierende Mannschaft kann diese Anleitung dann nutzen, um zu gewinnen. Kann das die aktuelle Mannschaft des FC St. Pauli auch? Ich befürchte das kann sie nicht – und hier liegt auch der Unterschied zu der Situation vor zwei Jahren.

Höchstens drei Spiele hat Ewald Zeit, die vielleicht grundlegendste Veränderung im Kader vorzunehmen: die Verwandlung vom Lehrer und Analysten zum Revolutionär – seine. Nach dem Tod Fidel Castros bleibt sowieso nur einer übrig, um die wenigen fitten Spielern im Kader unter einer revolutionären Ikone zu vereinen: Ewald muss tatsächlich zu Chewald werden.

Hasta la victoria siempre!

@StPauli ist bereit.

Ich geh jetzt schaukeln #fcspf95

Gut gespielt, wieder verloren: seit 180 Minuten schießt nur der FC St. Pauli die Tore; dummerweise immer ins eigene Tor. „Eigentlich ganz gut“, sagt meine Nebensteherin Claudia auf der GG, „jeder der Boys in Brown hat Ideen – doof nur, dass die Mitspieler sie nicht erkennen“.

So bleibt St. Pauli trotz Kämpferherz unbelohnt. Für Ewald Lienen wird es ganz eng – obwohl oder gerade weil man sich fragt, was er nun noch tun soll.

Ich doch auch nicht. Ich geh jetzt schaukeln:

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Kai Diekmann und der FC St. Pauli – da geht’s ums große Ganze #BILDnotwelcome

Vor bummelig einem Jahr zeigte der FC St. Pauli Flagge und lehnte eine BILD Kampagne ab. Kai Diekmann stieß das sauer auf und – wie er heute sagt – vergaloppierte sich in seiner Antwort. Das hat mir gefallen, dafür hatte ich unser neues Präsidium gewählt: es zeigte Haltung.

Gestern schoß Kai Diekmann – wir waren schon lange aus der Arena gestiegen – dann in der letzten Minute einer undefinierten Nachspielzeit den Ausgleich:

#wtf?

FC St. Paulis Vize Pawlik und Manager Rettig schenken Kai Diekmann ein Buch, ein Glas Honig (was sagt Ewald dazu eigentlich?) und einen Elfer ohne Tormann. Als der Twitter-Account des FC St. Pauli diesen Tweet auch noch retweetet, kocht die Fanseele über.

Das Große Ganze

Ein Faux-pas – ja -, einer der nicht passieren darf, der allerdings auch zwei wichtige Erkenntnisse bringt. Zum einen, dass BILD-Boss Diekmann abwarten kann – da kann man wirklich was lernen – und zum anderen, dass viele St. Paulianer enttäuscht sind, dass Pawlik und Rettig es versäumt haben, die großartige Haltung zu wiederholen – weiter am Leben zu erhalten, die der ersten Aktion zugrunde liegt.

Ich habe gerade mit einem netten Kollegen beim FC St. Pauli in einem anderen Zusammenhang über Haltung gesprochen und wie wichtig sie ist, auch wenn man sich in anderen gesellschaftlichen Sphären aufhält. Es ist wichtig, dass der FC St. Pauli ein Verein ist und kein „mittelständisches Vernastaltungsunternehmen“. Genauso grundlegend wichtig ist, dass der Verein eine grundkritische Haltung gegenüber der BILD einnimmt – immer und überall. Das ist schwierig, sehr sogar, wenn man professionell einem Kai Diekmann gegenüber tritt.

Diekmann, … habe Beischlaf mit Deinem Meniskus!” wäre vielleicht ein besserer Tweet gewesen…(Der Übersteiger)

Für mich treffen wir hier den Kern der Empörung: Es besteht die Gefahr, dass die Widerständigkeit des FCSP zum reinen Effekt verkommt, wenn nicht auch mit Einsatz gespielt wird. Die Scharaden mit dem DFB, die Andreas Rettig da ausficht, wirken plötzlich ihrer Substanz beraubt. Wie kann ich sicher sein, dass sie nicht nur Marketing sind, und sich die alten Haudegen bei der nächsten Versammlung nicht gemeinsam auf die Schenkel klopfen.

Was bleibt vom Gerademachen, das ist die Frage? – übrigens auch aus Marketing-Sicht. Haltung sickert nur langsam und durch stetes Handeln in eine Marke. Die Haltung kommt von der Basis, und wird der „Marke“ verliehen. Sie erst macht St. Pauli stabil (wenn der Wind zunimmt ;). Wenn ein Tweet von Diekmann reicht, diese Übereinkunft ins Wanken zu bringen, stimmt irgendetwas nicht, so mein Gefühl.

Es wäre sicher besser gewesen, man hätte den Tweet einfach so stehen lassen – No Comment ist manchmal wirklich cooler. Das soll kein Bashing sein – und auch ich weiß es nicht besser, zumal es als Blogger einfacher ist, eine Haltung zu vertreten, als für Vereinsvertreter.

Den Ausgleichstreffer müssen wir also wohl hinnehmen, können aber für die Zukunft was lernen – ausgerechnet von Kai Diekmann :)

#BILDnotwelcome

Es läuft die 91. Minute …

Kein Problem, Kai, nur geschenkt gibt es das Shirt nicht. Wenn du eines haben möchtest, dann kaufe es Dir doch bitte: sämtliche Provision aus den Verkäufen dieses Motivs gehen an die Braunweisse Hilfe. Das Shirt gibt es hier ->

FC St. Pauli, die ’sympathische Markenperle‘ #wtf

Der FC St. Pauli ist eine der starken Marken im deutschen Fußball. Schön und gut, das habe ich mir ja schon angewöhnt, mich dagegen nicht mehr zu wehren, denn zum einen stimmt das ja, und zum anderen sind „Marken“ ja per se nix schlechtes. Wenn mir aber bei Twitter echter Bullshit entgegen schlägt, wie derzeit unter dem Hashtag #DWSC16, dann schwillt mir die Halsader.

„Sympathische MarkenPERLE!“

https://twitter.com/BarbFFm/status/798481224629178368/photo/1

Perle?, euer Ernst? Was bist du denn für ein Vogel?, ist mein erster Gedanke, den hab ich im Verein noch nie gesehen – und so trägt man am Millerntor auch seinen Schal nicht mehr, seit Michael Meeske ;). Und dann scrolle ich weiter durch die Präsentation und finde noch mehr Neues: der FC St. Pauli sei ein „mittelständisches Veranstaltungsunternehmen“ postulieren die Bullshitbingospieler dort. Ich dachte, wir wären ein Verein!

Macht euch mal die Mühe und schaut euch das in Ruhe an – nicht zu fassen, was man da für neue Buzzwords lernt. Der FCSP befindet sich demnach mitten in der „Digitalen Transformation“ – mit einem „Budget like Start-up“ und einem „Digital Challenge Board“ – stelle mir gerade Sven Brux da vor – sorry, just kidding ;). Das schönste aber ist, dass diese sympathische PERLE!, von einer „Bottum-up Power“ angetrieben wird … und am Ende hat das ganze irgendwas mit „Cpt. Future“ zu tun.

http://pic.twitter.com/l6iPcSkTmj

BOAH. Da muss ich mich erstmal setzen und in Ruhe an meinem Mate-Tee ziehen. Starker Tobak.

***

Sympathische Marke. Will ich das? Ist das am Ende gerade unser Problem?

Die Boys in Brown hab ich ja alle sehr lieb, aber das sind sie eben auch: sympathisch. Das Anecken, auch das dem DFB ggü wirkt irgendwie rituell. Sportlich knallen wir die Bälle in letzter Zeit eher ans eigene Schienbein. „Eine echte Perle“, würde ich denken wenn ich Würzburger wäre.

Da kann unser Präsidium ja gar nichts dafür, dass solche Heinis mit unserer „Marke“ da draußen herum laufen. Beinahe wünscht man sich Hansa Rostock zurück, und die Geborgenheit dieses hässlichen Konfliktes. Um gegen die zu bestehen, muss der Verein aber – auch in seiner Außenwahrnehmung – weniger sympathisch sein. Gerne empathisch, das immer. Aber auch widerborstiger der Vereinnahme gegenüber. Ich wünsche mir das ja so sehr, dass diese Reaktion auch von den Spielern kommt – nett war gestern. Lustvoll den Gegnern die Socken glühen zu lassen, das wäre schön.

Sorry für den Rant. Musste gerade mal sein.

JHV 2016: Das könnte ein heißer Ritt werden

Am kommenden Sonntag lädt der FC St. Pauli zur Jahreshauptversammlung (JHV) ins CCH (Beginn 11:00 Uhr). Dieses Jahr könnte es für das Präsidium um Oke Göttlich ein heißer Tanz werden: neben der sportlichen Misere treibt der neue Ausrüster des Teams die Mitglieder um, es liegt ein Antrag zur Abstimmung vor, den Vertrag mit dem US-Fabrikanten Under Armour sofort zu kündigen. „JHV 2016: Das könnte ein heißer Ritt werden“ weiterlesen

Auswürzsieg!

Erik Hauth Kommentar FCSP Elbvertiefung

 

»Nach der energischen Leistung zu Hause gegen den 1. FC Nürnberg am vergangenen Montag, bei der es trotz Überlegenheit nur zu einem 1:1 reichte, erwartet den FC St. Pauli am heutigen Montag die zweite fränkische Herausforderung: auswärts bei den Kickers aus Würzburg.

Können die Kiezkicker ihren Drive hinüberretten in diesen Montag, ist gegen die Truppe von Hi-Ha-Hollerbach sogar der so wichtige Sieg drin; ein ›Auswürzsieg‹.«

;)

Ciao Meggi

Thomas Meggle ist nicht länger Sportdirektor des FC St. Pauli. Überrascht mich gar nicht, denn seit seiner Arbeit als U23-Trainer ist das St. Pauli Urgestein von einem Posten zum nächsten gestolpert, hat dabei immer sein Bestes gegeben und doch wenig Bleibendes hinterlassen.

Dabei habe ich es so sehr gewollt und kann mich noch gut an den Herbst vor zwei Jahren erinnern, als Meggi trotz schwerer Infektion die Pinne in die Hand nahm und mit viel Kraft dem Team stpaulianische Tugenden einflößte.
„Ciao Meggi“ weiterlesen

FC St. Pauli Album – der Legenden-Schmöker

st-pauli-buch-albumDer FC St. Pauli hat in seiner Fanschaft viele Autoren, die ihn regelmäßig mit Kompendien versorgen, zuletzt erschienen zum 100. Geburtstag aufwendig recherchierte und dem Anlass angemessene Wälzer, die die ereignisreiche und titelarme Geschichte des Kiezklubs von diversen Seiten beleuchten.

Das neue Buch von Christoph Nagel ist anders. Es ist kein herkömmliches Nachschlagewerk geworden, sondern eine bunte Collage. In einer heiter-punkigen Aufmachung reihen sich auf über 150 Seiten Anekdoten, Zitate und Fun-Facts zu einem Buch, in das man gerne immer wieder hinein sieht. Dabei spielt es beinahe keine Rolle, an welcher Stelle man das Buch aufschlägt, sofort ziehen die ehemaligen Helden in braun-weiss und ihre Geschichten mich zu heiteren, ernsten und kuriosen Momenten zurück. Die vielen hundert Schnipsel von Legenden wie Volker Ippig, Stani, Ralle Gunesch, Dirk Zander, von Millerntoristas wie Rainer Wulff und dem Millerntor selbst, die der Autor mühselig zusammen gesammelt hat, reihen sich beim Lesen in die eigenen Erlebnisse und erzeugen einfach ein wohlig melancholisches Fangefühl.

„Für viele von uns war St. Pauli ein Glücksfall. Für mich natürlich auch“, Ralle Gunesch.

Vielleicht konnte so ein Album über den FC St. Pauli auch nur einer schreiben, der seit Jahren wie besessen Spuren und Artefakte rund um den FC St. Pauli zusammen trägt – unter anderem als Mitgründer und Vorstand des Museumsvereins. Dem 1910 e.V. fließen übrigens auch die Einnahmen zu – wer also ein Buch fürs immer wieder zur Hand nehmen sucht, dem es nicht zu peinlich ist, im Zug oder im Flugzeug unwillkürlich laut zu lachen, dem kann ich dieses Buch herzlich empfehlen.

Hibbelig (FC St. Pauli – 1. FC Nürnberg)

Ich bin schon den ganzen Tag hibbelig, kann den Abend und den Anpfiff des Montagabendspiels des 11. Spieltages kaum erwarten, ertappe mich aber auch dabei, dass ich mir wünschte, er wäre schon vorbei.

Das liegt natürlich daran, dass der FC St. Pauli vom Boden der Tabelle empor blickt und alle anderen Tabellenkinder ausgerechnet an diesem Wochenende ihren persönlichen Turnaround geschafft haben, selbst Arminia Bielefeld. Kaum auszudenken, was nach einer Niederlage passiert, wenn das rettende Ufer zwei Siege entfernt bleibt, die man on-top gewinnen muss. „Hibbelig (FC St. Pauli – 1. FC Nürnberg)“ weiterlesen

Ewald Lienen und die großen, großen Kleinigkeiten

Nach dem Heimspiel gegen Aue bin ich noch lange durch das Viertel gestrichen, habe viele liebe Millerntor-Bekannte getroffen. Das singuläre Thema des Abends: Ewald Lienen und der Zustand der Boys in Brown, die neun Tage nach Saisonstart die rote Laterne fest umschlossen halten – und das Schlimmste – auch so spielen, als wollten sie sie auch nicht wieder loslassen. Schuld an der Misere, so fasste es M. gut zusammen, seien die „vielen großen, großen Kleinigkeiten“. „Ewald Lienen und die großen, großen Kleinigkeiten“ weiterlesen

Amazing

Das war wirklich ein besonderer Moment, als gestern beim Kesselbraunweisses zu Love Newkirks Zugabe unser Fafa Picault zu ‚Amazing Grace‘ sich das Mikro schnappte. Da gingen Christopher Avevor vor Freude und Staunen die Augen auf. Und Jeremy Dudziak hätte am liebsten mitgespielt.

Einzigartig, was diese Frau mit ihrem Soul mit diesem Verein macht. Magisch. Wenn also diese drei plötzlich anfangen ihre Gegner leichtgehend zu dominieren, dann lag das auch an diesem traumhaften und stiftenden Moment.

***

„Ein Kessel Buntes“ war die Antwort der DDR auf die große Samstagabendunterhaltung des Westdeutschen Fernsehens in den Siebzigerjahren, bummelig ein Jahrzehnt, bevor der FC St. Pauli sich auf die Reise begab, die ihn bis dorthin geführt hat, wo er heute ist.

Es war eine Revue, die ein wenig spießig und putzig zugleich war, in seiner realsozialistischen Homogenität anheimelnd und gemütlich. Am Freitag fand das braun-weiße Gegenstück statt, der fünfte „Kessel Braun-weißes“, eine Revue, die das putzig-spießige, das ein Verein in Deutschland eben hat – auch der FC St. Pauli, mit vielen Sprenkeln bemerkenswerter Vielfalt mischte. „Amazing“ weiterlesen

FC St. Pauli zeigt Solidarität mit Deniz Naki #FreeNaki

Deniz Naki ist schon seit einigen Jahren nicht mehr beim FC St. Pauli unter Vertrag und dennoch eng und leidenschaftlich mit dem Verein verbunden. Seine Fahnenaktion in Rostock hat ihn für uns St. Paulianer unvergessbar gemacht. Deniz war nie bange, sich mit anderen anzulegen, seine Meinung zu sagen, auch wenn es Ärger bedeutet. Das zeigt die berüchtigte Halsabschneider-Geste ggü den hässlichen Rostockfans genauso, wie seine Ansprache seinen Trainern gegenüber – nun droht dem kurdisch-stämmigen Deutschen allerdings weit größeres Ungemach: in der Türkei klagt der Staatsanwalt gegen den Profifußballer. Wegen fünf Facebook Posts, die in dem zunehmend diktatorischen Staat als „Terror-Propaganda“ für die verbotene kurdische Partei PKK gewertet werden.

Deniz Naki drohen bis zu fünf Jahre Haft. „FC St. Pauli zeigt Solidarität mit Deniz Naki #FreeNaki“ weiterlesen