Jack Daniel's – unser Sponsor in Bildern

In unserem Podcast „Die 90er haben angerufen und wünschen sich den FC St. Pauli zurück“ sprechen wir kritisch über unseren neuesten alten Sponsoren: Jack Daniel’s

Unsere Kritik an Jack Daniel’s Anhören:

Kurz: wir sehen das Sponsoring kritisch, wir finden alle drei: dieser Sponsor passt nicht zum FCSP 2019! Was wohl passiert, wenn ich „Jack Daniel`s“ in die Bildersuche eingebe, dachte ich mir. …

Jack Daniel’s – Südstaaten – AC DC – sexy Frauen – eine kurze Assoziationskette (Trigger)

Jack Daniel’s „Southern Pride“ – Pinterest
Jack Daniel’s und zwei Blondinen – Pinterest
Jack Daniel’s for Ladies ;( – Pinterest
Und AC/DC 😉 – Pinterest

Das Sponsorenziel des Engagements könnte tatsächlich eine Art „social washing“ der Marke sein. In den USA ist dieses Aufmöbeln der verstaubten Südstaaten-Marke schon voll im Gange:

„Wenn man sich die Geschichte von Jack Daniel’s in den letzten Jahren anschaut, fällt einem auf, dass sie immer mehr aufpoliert wurde“, sagt Peter Krass, Autor des Buchs „Blood and Whiskey: The Life and Times of Jack Daniel“ der „New York Times“

stern.de
Jack Daniel’s und Marvin Knoll

Ob dann diese Form der Präsentation die richtige ist? Ist bezweifle das, so wie dieser Kommentator im FCSP Forum:

Ich bin wirklich sehr darauf gespannt, wie sich Jack Daniels nächste Saison bei uns präsentieren wird – welche Botschaft transportiert werden soll. Einen Vorgeschmack darauf gab es ja schon mittels des Twitter-Fotos von Marvin Knoll, der „lonesome-cowboy-mäßig“, gedankenverloren, alleine und vor-sich-hin-sinnierend an einer Bar saß – ein gefülltes Whiskey-Glas und eine angebrochene JD-Flasche vor sich – obercool! Wenn das die gemeinsamen Werte von JD und SP verkörpern soll, von denen Oke jetzt schon mehrfach sprach – na denn mal PROST (Mahlzeit).

StPauliforum.de

Und nu frage ich Dich nochmal: passt das wirklich (noch)? Jack Daniel’s und der FC St. Pauli? Wie ist Deine Meinung?

Moin Moin Nordkurve

Dauerkarte FC St. Pauli 2019/20

Die Nordkurve hat mich wieder: gerade habe ich meine Dauerkarte für den FC St. Pauli von der Gegengeraden zur Nord getauscht, bezahlt und abgeholt. Ab der neuen Saison bin ich wieder auf der Wetterseite des Millerntors zu finden.

Ich freue mich sehr drauf, wieder dort zu stehen, wo meine zweite Liaison mit dem magischen FC erneut entflammte (in der ersten war die Gegengerade mein Zuhause), die tief stehende Sonne oder den parallel zum Rasen peitschenden Regen auf dem Gesicht spürend.

Das Spiel über mindestens eine Halbzeit mit anderen Sinnen, als den Augen wahrzunehmen.

Die Nord, unterschätzte Supporterkurve mit Schnauze, nicht umsonst wurden dort die großen Konflikte der Vergangenheit ausgetragen, hält sich auch heute noch ein Rest unbelehrbaren Widerstands gegen die auch in diesem Blog propagierte, aber eben auch oft intellektuell vorgetragene, Political Correctness. Da streitet man mit Platzhirschen über Aufnäher, weist danach gemeinsam hässliche Gäste in ihre Schranken. Da geht was.

Die Nord bestimmt eben immer auch der ungeschützte Umgang mit unseren Gästen, das gleichmütige aber energische Abwettern von Anfeindungen aus dem wirklich nahen Gästeblock, macht den Spieltag in diesem Teil des Stadions besonders intensiv; eine Intensität, die der Gegengeraden schleichend abhanden kommt, wie ich finde.

Nun stehen also alle Hosts des Podcasts „St. Pauli POP“, Willi, Markus und ich, gemeinsam in der Nordkurve und wer weiss, vielleicht kommen wir öfter dazu, eben aus dieser Perspektive zu podacstern, so wie im letzten Frühsommer beim emotionalen Klassehalten:

St. Pauli trinkt wieder Jack Daniels

Marvin-Knoll-trinkt-Jack-Daniels-auf-Instagram

Es gibt beim FC St. Pauli nur wenige Sponsoren, die Kultstatus erlangen.

Mir fällt neben dem Dauerbrenner Astra nur Jack Daniels ein, eine Marke, die zum RocknRoll-Image des Kiezklubs passt, wie der Arsch auf Eimer.

Jack Daniels – FC St. Pauli: eine 90er Jahre Beziehung

Wer kennt es nicht, das berühmte Trikot vom Ende des letzten Jahrtausends? Und da liegt auch gleich das Problem: Jack Daniels und der FC St. Pauli der 90er Jahre passen gut zusammen, das meldet auch mein Erinnerungsvermögen. Genauso wie bei Astra hat sich die Welt da draußen und auch Teile unseres Vereins weiter entwickelt – dachte ich zumindest. Sollte sie zumindest.

Ein St. Pauli Profi, der Whisky trinkt, ist das ein Problem?

Der neue Sponsor des FCSP ist eine amerikanische Spirituosen Marke, die tatsächlich popkulturell wirkt. Als ich Anfang der 90er Jahre privat eine harte Zeit durchlebte, fand ich auch in Jack Daniels einen „guten Freund“, der mir zuhörte und mich betäubte. Ich habe mich eng an ihn geschmiegt und verdanke es wahrscheinlich einem genetischen Zufall, dass mich diese Umarmung nicht meine Freiheit gekostet hat.

Bitte nicht falsch verstehen, ich trinke selbst gerne Alkohol, auch Whisky wenn es sein muss, aber ich sehe da einen Unterschied, ob Charles Bukowsky, Dirk Thomas (“I’ve had eighteen straight whiskies, I think that’s the record.”), Marius Müller-Westernhagen oder meine Wenigkeit Jack Daniels trinken und das in ihre Kunst einbauen. Selbst Alkohol und Fußball hat in diesem Blog seinen Platz.

Bei unseren Profis hört der Spaß aber auf, meine bescheidene Meinung. Zum einen nehme ich das Marvin Knoll gar nicht ab, dass er das Zeug wirklich trinkt als Profisportler und das Foto nicht eher den Influencer-Postings ähnelt, auf denen Daggi-Bee einen DSL Router liebkost.

„Wird bestimmt ne geile neue Saison, wenn er jetzt schon besoffen ist.“

Walter auf FB

Außerdem vermisse ich hier die Erklärung, dass es sich um ein Sponsorenposting handelt, oder habe ich was übersehen; wobei mir bei den Ankündigungen solcher Partner immer auch der Hinweis auf die Projekte fehlt, die man nu gemeinsam machen will. Hej, Jack?, wie bringen wir euch und den FC St. Pauli weiter voran?

Oder reicht das, wenn wir uns einen genehmigen?, Cheers.

ps ich habe diese Frage tatsächlich nicht zuende gedacht, und bin für eure Kommentare offen. 2 davon will ich exemplarisch hier veröffentlichen:

Contra Jack Daniels:

Kay-Uwe Berding: „Wie passt JD zu einer professionellen und gesunden Einstellung eines Sportlers, der Spieltag für Spieltag optimale Leistung bringen will?“

auf FB

„Alkohol-Werbung von Leuten mit Vorbildfunktion finde ich zum kotzen. Bin da sehr gegen.“

Sebastian auf FB

Pro Jack Daniels

„Wer Kiffen auf der Gegengerade OK findet, der muss auch Jack Daniels OK finden“

via Instagram Story

Europawahl 2019: St. Pauli bleibt stabil

Grüne spitze, Die Partei vor der SPD. Quelle: Statistisches Amt Hamburg

Auf St. Pauli fassen Rechte keinen Fußbreit, das ist die frohe Kunde dieser Euopawahl. Die SPD, die mit Andy Grote ein FCSP-Mitglied – ein umstrittenes – und einen „Mitte-Mann“ zum Innensenator hat, kommt unter die Räder und lässt die Satire-Partei, Die Partei (in Hamburg gegründet) an sich vorbei ziehen.

Selber schuld; ein FCK SPD mit Anlauf und mitten in die Fresse. 🙂

Die Ergebnisse der Europawahl für St. Pauli im Überblick

Europawahl 2019Europawahl 2014Gewinn /
Verlust
ParteiStimmenProzentStimmen%Veränderung
SPD 753 11,0 %1.03820,3 %-9,3 %-Pkt.
CDU 286 4,2 %3546,9 % -2,7 %-Pkt.
GRÜNE 2.599 38,1 %1.58631,0 %+7,1 %-Pkt.
DIE LINKE 1.247 18,3 %1.31225,7 %-7,4 %-Pkt.
AfD 205 3,0 %1583,1 %-0,1 %-Pkt.
FDP 137 2,0 %741,4 %+0,6 %-Pkt.
PIRATEN 74 1,1 %2364,6 %-3,5 %-Pkt.
Tierschutzpartei 93 1,4 %651,3 %+0,1 %-Pkt.
Die PARTEI 773 11,3 %2174,2 %+7,1 %-Pkt.

ps, die Stimme, die den 3. Weg wählte darf sich sein Backenfutter gerne persönlich bei mir abholen!
pps die Ergebnisse eures Wahllokals könnt ihr hier einsehen …

Sami, der Unvollendete

Die Stpauliwerdung des Sami Allagui vollzog sich früh und vermutlich spontan, an einem Wochentag an der Kieler Förde. Sami Allagui, frisch zum Austrudeln seiner Karriere ans Millerntor gewechselt, entriss einem Kieler Pickelgesicht eine zuvor geklaute Blockfahne und brachte sie unter Johlen und Applaus zu uns zurück.

Was für ein Auftakt, der die Hoffnung auf ein großes Finale in braunweiss in sich trug.

Am Ende dieses Gastauftritts bleibt dieses Gefühl eines unvollendeten Songs, einer, der mit einem Knall beginnt und dann nie wieder richtig Schwung aufnimmt.

Ich hätte so sehr gerne mehr dazu getanzt. #fcsp

Podcast Slam zum Saisonfinale

CC by Visualhunt.com

Mit dem Aufstieg hat der FC St. Pauli nix mehr zu tun, hoffentlich und wahrscheinlich. Da ist es Zeit, dieses nagende Gefühl zu erforschen, das sich im Supporter Corpus in diesem Frühjahr breit gemacht hat.

„Wir müssen uns an etwas reiben, sonst bringt das hier keinen Spaß“

CHB im Podcast.

FC St. Pauli 3.0

Nachdem wir in der letzten Episode unseren Verein „kreativ zerstört“ haben, natürlich nur als „Parole“, setzen wir uns in dieser Folge mit den Großkopferten im Klub auseinander und schmeißen das Aggregat unserer Phantasie an – um einen FC St. Pauli 3.0 zu denken, Räume aufzumachen, in die ihr uns folgen könnt, wenn ihr wollt.

Millerntor: Flaggenparade unerwünscht

Beispielhaft – Katalanische Flagge.

Nationalismen sind ungesund, das weiss seit dem Schland-Sommer 2006 jeder St. Paulianer, der sich vorzugsweise montags am Dammtor gegen Pegidisten stellt. Nationalismen fördern Menschenfeindlichkeit, das ist inzwischen wissenschaftlich bewiesen.

Das alles sind Gründe, weswegen meine Generation von St. Paulianer_innen mit Nationalflaggen fremdelt. Vor allem im eigenen Stadion. Vor allem mit der eigenen.

Was für schwarz-rot-gold wohl mehrheitsfähig ist, scheint bei anderen Nationen nicht so eindeutig. Immer mal wieder tauchen Flaggen anderer Staaten im Stadion auf. Von ausländischen Gästen, Supportern unser ausländischen Spieler oder als Mash-up.

Irische, palästinische und norwegische Nationalflaggen am Millerntor. Wollen wir das?

Miguel, umtriebiger Sankt Paulianer und guter Bekannter, hat auf Facebook diese Frage aufgebracht:

https://www.facebook.com/spanier/posts/10157274173478221
Miguels Frage auf Facebook

„Mir gehen die Nationalfarben im Stadion extremst auf den Sack … letzten Samstag gab es eine holländische, eine norwegische, eine irische und eine argentinische Fahne im stadion… muss das sein? Wird das irgendwann mehr?

Miguel M.

No Border – No Nation – geht eben nur mit ohne Nationen

Nationalflaggen am Millerntor: auf der Süd verpönt, im Stadion nicht verboten

Ich bin Miguels Meinung – es gibt so wichtige andere Flaggen, wie die Regenbogenflagge bspw. – und wollte wissen, ob unsere Meinung eigentlich Supporter-Konsens ist.

Der Fanladen St. Pauli weiss dazu:

„In der Südkurve ist es ein sehr deutlich ausgesprochener Konsens, dass Nationalfahnen nicht erwünscht sind, da wurden an Celtic-Leute auch schon mal Hinweisflyer verteilt, in anderen Stadionbereichen scheint mir das weniger klar formuliert. Eine offizielle und verbindliche Regelung dazu gibt es aber nicht.“

Fanladen St. Pauli

FCSP Werte: Diskussion nötig

Wie wollen wir mit dieser Frage umgehen? Was ist mit Nationalflaggen, die für einen „Befreiungskampf“ stehen, wie die baskische oder die katalanische? Wie verhindern wir Antisemitismus durch die Hintertür?

Wichtige Fragen, die sicher jeder für sich anders beantwortet. Ich plädiere für ein Supporters Agreement, Nationalflaggen soweit möglich am Millerntor nicht aufzuheißen. Wer macht mit?

Auch der Verein sieht diese Diskussion als Teil der begonnenen Werte-Diskussion:

Es gibt derzeit weder Beschlusslage noch Empfehlung in Bezug auf das Schwenken von Nationalflaggen im Stadion. … Diese Frage scheint ein weiterer Mosaikstein in der Diskussion um Werte und Selbstverständnis in unserem Verein zu sein und könnte ggf. weiter diskutiert werden, z.B. mit dem FCSR, dem Fanladen oder dem Ständigen Fanausschuss.

Medienabteiliung des FCSP

Macht kaputt, was euch glücklich machte

Podcast: die schöpferische Zerstörung des FC St. Pauli

Was passierte, wenn man das taktische Handeln des FC St. Pauli, den Trainer samt Sportchef zu feuern, den Geschäftsführer zu verlieren, so wie alle sportliche Hoffnung, den Ansprüchen des modernen Profifußballs gerecht zu werden, nicht als stümperhaftes Agieren deutet, sondern als strategischen kreativen Prozess: den Prozess der schöpferischen Zerstörung.

Lustigerweise agiert unser Möchtegern-Antikapitalistische Verein ja in drei der schöpferischen Innovationsbereichen des neoliberalen Vordenkers Schumpeter schon einigermaßen erfolgreich:

Seit 1986 erlebt der Fußballklub St. Pauli eine kreative Zerstörung durch das (teilweise) Umwandeln des Klubs vom stinknormalen Fussiklub in einen politischen mit Punkrock-Attitüde. Mit der Wahl von Oke schliesst sich der Kreis: einer der kreativen Zerstörer von einst ist nun Establishment.

Kiezbeben Ausstellung: Ab ins Museum mit dem FCSP der 80er und 90er Jahre

Höchste Zeit, das, was wir älteren weißen Männer (überwiegend) aus diesem Klub gemacht haben, nicht nur halbherzig kaputt zu machen, sondern ganz zu zerstören, damit Neues entstehen kann.

Darüber sprechen wir in dem Podcast von Donnerstag, bei leckerem Bier und heiteren 20 Grad auf der Terrasse von Markus Agentur.

Trainer, Sportchef, das ist erst der Anfang

Was muss alles kreativ zerstört werden?

  1. Der Kader. Ändern wir einseitig die „Gesetze des Profifußballs“, ändern wir das Scouting und die Bewertung von Spielern. Wer passt nicht nur sportlich zum FCSP? Wer muss gehen, um den Status Quo zu zerschreddern?
  2. Das Stadion. Einlaufhymne, Logen, Dauerkarten. Machen wir das alles kaputt! FCK HLLS BLLS. Kündigung aller Dauerkarten, Neuvergabe nach Diversity Kriterien
  3. Die Funktionäre. Diversity Quoten für alle Gremien. Verpflichtend: ein weiblicher Vorstand.

Lasst euch mal auf diese Gedankenspiele ein, das bringt nicht nur Spaß, sondern zeigt auf, wie verwurzelt man in den Strukturen des Kapitalismus ist, und wie verfilzt das eigene Denken.

Zerstört mit. Gerne in den Kommentaren 😉

Astra Werbung auf Freiwild Festival – No Go Advertising

Astra Werbung: Bierwagen beim Freiwild Frühlingsfest in Flensburg. Via Twitter.

Astra und den FC St. Pauli verbindet eine besondere Beziehung, so ist die Biermarke der einzige Sponsor, zu dem es eigenes Merchandising, wie Schals und Shirts gibt. Astra, die Brauerei aus St. Pauli ist aber auch ein besonders schwieriger Sponsor, einer, der in seiner Werbung offen sexistisch und rassistisch agiert.

Gestern, am 20. April, ausgerechnet, wurde auf dem Frühlingsfest der Rechtsaussenband Freiwild ein Astra Bierwagen gesehen und auf Twitter gepostet.

Dabei stellt sich nu die Frage, inwieweit ein Sponsor des FCSP ein solchen KommunikationsGAU verhindern kann oder vielleicht sogar muss?

Bierwagen mit Astra-Werbung stehen auf jedem Volksfest, da scheint es schwierig, zu kontrollieren wohin diese verliehen werden, sagen die einen. Als Sponsor des FC St. Pauli muss ich das Mitdenken, sagen andere, auch ich.

Kein Bier den Faschisten

Niemand hat behauptet, dass es einfach ist, Sponsor des FC St. Pauli zu sein. Allerdings gehe ich damit eine Verpflichtung ein: Kein Bier den Faschisten gilt auch in Flensburg und für Astra im Besonderen!

Ich fordere schon lange ein neues Bier für St. Pauli. Nu wäre die richtige Zeit dafür, verhielte sich Carlsberg als Konzernmarke nicht schnell, wie es sich als Sponsor eines Antifa-Klubs gehört!

Astra entschuldigt sich und kündigt Konsequenzen an

Ein paar Tage und knapp 20.000 Interaktionen bei Facebook hat es gedauert bis sich Astra Bier bei Facebook zu dem Thema äußert:

Astra auf Facebook

„Danke für den Hinweis. Astra distanziert sich klar von rechtsextremer und fremdenfeindlicher Gesinnung. Der Ausschankwagen kommt nicht von uns als Brauerei, sondern gehört einem unabhängigen Getränkegroßhandel, dem wir erlaubt haben das Astra Logo für seine Schankwagen zu nutzen. Wir werden auf Basis unserer Corporate Social Responsibility Richtlinien mit dem Getränkegroßhändler erörtern, wie wir in Zukunft unfreiwilliges Sponsoring solcher Veranstaltungen vermeiden können.“

Astra Bier

Wobei meine Nachfrage, wie wirksam die CSR-Regeln denn für Werbepartner sind, bisher nicht beantwortet wurde. Genauso wenig, wie der FCSP klar macht, ob „unfreiwilliges Sponsoring“ seines Sponsors auch Konsequenzen für den Sponsoren hat – nach unseren CDR Regeln!

100.000 EUR Pyro-Strafe, na und?

Pyroshow beim FCSP HSV Derby

Der DFB hat den FC St. Pauli für den massiven Pyroeinsatz beim Derby gegen den HSV zur Zahlung von 100.000 EURO verurteilt.

Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat Zweitligist FC St. Pauli im Einzelrichterverfahren nach Anklageerhebung durch den DFB-Kontrollausschuss wegen eines fortgesetzten unsportlichen Verhaltens seiner Anhänger in Tateinheit mit einem nicht ausreichenden Ordnungsdienst mit einer Geldstrafe in Höhe von 100.000 Euro belegt. – DFB.de

Der Verein hat die Strafe kaum angenommen, da kommen die altbekannten Reaktionen:

  • „Die Strafe sollte man die Ultras bezahlen lassen“
  • Was man mit 100.000 EUR alles schönes anstellen/kaufen/finanzieren könnte?
  • „Wir habens ja“, uswusf.

Ich sehe das ein wenig anders.

DFB-Strafen als Investition in den Markenkern „FCSP“

Kurioserweise ist der FC St. Pauli der einzige Bundesligaverein, bei dem man mit ein wenig Fantasie, die Strafen des Verbandes, wegen „unsportlichem Verhalten der Anhänger“ als Investition in den Markenkern verstehen kann.

So lese ich bspw. auch die Carte Blanche, die Oke vor dem Derby unserem Stadion und seinen organisierten Besuchern gegeben hat. Pyro als ästethische Spielform des „Unestablishments“ trägt so zur Legendenbildung bei und stärkt in einer jungen Zielgruppe die Marke FCSP. Je stärker der Zugriff durch den Verband wird, desto besser für das Image 😉

Warum das dieses Mal nicht so richtig funktionieren mag, liegt meiner Wahrnehmung nach an zwei Umständen:

  1. Beim Derby hat der Kern der, Rotkäppchen genannten, Zündler den Spielabbruch ausgerechnet mit Raubgut hierbei leuchten wollen, was auf das Wesen des Spieltages so einwirkte, dass große Teile des Stadions spontan opponierten.
  2. Das Präsidium hat nach dem Derby seine, wie ich immer noch finde, mutige und richtige Haltung zu Pyrotechnik schroff und wenig erhellend formuliert widerrufen.

Ich würde mich freuen, wenn wir gemeinsam am Millerntor ein Zurück finden würden, zum Aufladen dessen, was wir als unseren Widerspenstigen Geist begreifen. Die Polemik, dass wir zwar immer nach „Antifa Hooligans“ sängen, aber uns gestört fühlen, wenn sie dann mal auftauchen, ist zwar nur eben das, eine Polemik, aber auch ein interessanter Gedanke.

Solange man in dieser Diskussion aber zu einem „Entweder (für) – Oder (dagegen) „genötigt wird, scheint für Zwischentöne wenig Platz. Zuletzt habe ich das in einer Diskussion mit einem Sportreporter gemerkt, mit dem ich mich nach dem Kiel Auswärtsspiel über die Höhe der Strafe und Pyro im Allgemeinen unterhalten habe.

Wie sich die DFB-Strafen ermitteln lassen

Er erzählte mir, dass es einen inoffiziellen Strafenkatalog gibt, den auch er zurate zieht, wenn er Verbandsstrafen prognostiziert. Laut „Faszination Fankurve“ sind das bspw.

  • 600 EUR je Pyroeinsatz. Bei 73 Fackeln sind das schonmal 43.800 EUR
  • Je Spielunterbrechung +50%. Sind bei drei Spielunterbrechungen, die dem FCSP angelastet werden: 65.700
  • Abgerundet und mit dem Einlasssturm garniert, kommen wir also sogar mit einem Mengenrabatt davon

Wir kamen dann in unserem Schnack auf ungefähr dieselbe Summe – „niedrig sechsstelig“. Der HSV wird vermutlich eine ähnliche Strafe erhalten.

Wobei mich obige Fragen einigermaßen kalt lassen. Strafen gehören zum Fußball dazu, ob wegen fehlendem Spielerpass oder Bengalo. So what? Ich frage mich derweil, wie wir dieses Gefühl, wieder an den Start bekommen, dass unser „Fehlverhalten“ für etwas gut ist? Und sei es der GEMEINSAME Spaß an der Delinquenz.

Distortion Sankt Pauli

Photo credit: Rusty Russ on Visualhunt.com / CC BY-NC-ND

Mein Volontär sprach mich heute darauf an, was rund um unseren FC St. Pauli passiert. Er fragte mich, ob ich auch glaubte, dass Markus Kauczinski für die Lethargie, von der Oke heute sprach, allein verantwortlich sei? Schuld an der „bleiernden Decke“, die das Team ummantelt, es daran hindert Spitzenfußball zu zeigen. „Nein Paul“, sagte ich, „das glaube ich nicht“.

Klassischer Sündenbock mit den Händen in der Tasche

Es ist ein gefährliches Spiel, das Oke da spielt. In den Sportredaktionen wird schon heute, einen Tag nach der Demission, die Frage nach der sportlichen Kompetenz dieses Präsdiums gestellt, im Abendblatt, der Mopo und vermutlich auch bei Bild.

Dabei setzt unser Präsidium, zusammen mit dem Aufichtsrat auf eine Karte: den Aufstieg diese Saison. Wie sonst kann man das Pardauz-Manöver mit dem Aufstiegskönig von St. Pauli, Jos Luhukay erklären? Nu muss er kommen der Aufstieg, sonst wäre das Durchziehen gegenüber Uwe Stöver sinnlos gewesen.

Oke sprach heute auf der Pressekonferenz von den Verdiensten der beiden, dass sie den FC St. Pauli durch eine schwere Saison und den Verein in „ein ruhiges tabellarisches Fahrwasser“ gebracht haben. Ja, was anderes hast Du denn erwartet in 18 Monaten? Platz sechs reicht also nicht aus, um den FC St. Pauli ambitioniert auf die nächste Entwicklungsstufe zu bringen? Puh. Da fällt mir Markus Spruch in unserem Podcast ein: „In Kauschi sehen wir uns selbst, den Verein, und das, was wir sehen, das gefällt uns nicht“. Anstatt aber die Störung, die dieses Bild verursacht anzunehmen, ambitionieren wir uns einfach weiter, wir machen, machen. Hauptsache der Spiegel antwortet uns wieder: Du bist die schönste im ganzen Land.

Oke möchte „alle störenden Nebengeräusche ausblenden und sich auf die Leistung auf dem Platz konzentrieren“, soso. Und welche Nebengeräusche hat Kauschi denn so veursacht? Waren „wir“ das nicht selbst, wie immer? Pyro, Kapuzen, Banner; Geschrei auf dem Boulevard, dem braunweissen und dem roten?

Das alles hat mit dem Trainer wenig zu tun, sondern mit dem Verein, uns Supportern und den Jungs auf dem Rasen. Da hakt es, wie kann da ein Mann allein Schuld dran sein? Nee, das kaufe ich nicht.

Und Oke, sorry, den Support der Fans des FCSP muss man sich nicht „erarbeiten“ – den gibt es freiwillig, wie Liebe sein muss, sonst ist sie keine.

Ich bin einigermaßen verstört von dieser PK. Ich bin ratlos, was das Präsidium dazu getrieben hat, diesen Schritt vor allem gegen den Sportchef zu gehen. Ich halte im Übrigen „Störungen“ – Distortions – für nützlich, für essentiell, um sich selbst zu erkennen.

Nu ist es so, wie es ist. Ich stehe, wie immer hinter Oke, vermute da auch internen Druck im Verein am Werk, ohne dafür Handfestes vorweisen zu können – ist eine Störung der Macht, wenn ihr so wollt 😉

Warum die Entlassung von Trainer und Sportchef ein fatales Signal ist. #fcsp

Der FC St. Pauli entlässt Cheftrainer und Sportchef

Padauz: Der FC St. Pauli entlässt Trainer und Sportchef

Die vermeintlichen Gesetze des Profifußballs haben zugeschlagen: der FC St. Pauli hat „die Reißleine“ gezogen, „auf den Negativtrend“ reagiert und „stellt die Weichen für die Zukunft“. Vor allem will man sicher im Rennen um einen potenziellen Aufstieg „frische Impulse“ setzen.

BINGO!

„Entlässt die Mannschaft jetzt die Trainer?“

M. heute Morgen am Telefon

Podcast Trailer: Rant von gestern

Bereits gestern diskutierte ich im Mopo Podcast die lauten Rufe nach Entlassung – und mein Problem damit:

Mein Problem, dass ich damit habe: schon bei Janssen hatte man das Gefühl, dass die Mannschaft den Trainer entlassen hat. Im Herbst kursierten die ernst zu nehmenden Gerüchte, dass die Boys in Brown, zumindest Teile davon, Kauczinsky loswerden wollten. Ein Plan B lag wohl schon damals vor, wie mir aus gut unterrichteten Kreisen berichtet wurde. Es kam anders: Kauschis Truppe siegte, immer last Minute, immer durch „neue“ Spieler, die entweder neu in den Kader oder aus einer Verletzung kamen. Die Etablierten, diejenigen, von denen man Führung und Energie erwarten konnte, Buchtmann, Flum und Co. versanken in einer Lethargie, die an Bocklosigkeit grenzte; so meine Wahrnehmung schon im Herbst.

Die Untrainierbaren

Nach der Winterpause stockte die Entwicklung, St. Pauli verlor, nicht nur das Derby auf bittere Weise, sondern auch seinen Drive, sein Wollen und seine Harmonie; selbst Marvin Knoll ließ sich vom der bleiernden Unlust anstecken, so scheint es mir jedenfalls.

Das Bild von den „Händen in der Hosentasche“ an der Seitenlinie beschädigte Kauczinsky nachhaltig. So nachhaltig, dass Präsidium und Aufsichtsrat nun „einfach machten“.

Retardierte Auswirkungen

Vorbei scheinen die Zeiten, in denen mein Präsidium stoisch an den eingeschlagenen Wegen festhielt, Handlung einem „Einfach mal machen“ vorzog. Welche Rolle der scheidende GF Rettig hier spielt, ist mir nicht ganz klar. Ich befürchte aber, er spielt eine wesentliche. Vielleicht auch, weil er vermeiden will, dass jemandem auffällt, dass er als „Interim-Sportchef“ ein gerüttetes Maß Verantwortung für diesen Kader trägt.

Ich befürchte, dass jeder neue Trainer und Sportchef nun mit einer enormen Hypothek seinen neuen Job antritt. Beim ersten Konflikt mit Buchtmann und Konsorten wird er auf eine Mannschaft treffen, die sich ihrer Macht bewusst ist. Das wäre fatal!

Immerhin: mit Jos Luhukay kommt ein toller Trainer, der schon lange auf Willis Wunschliste steht. Das klären wir in unserem Podcast heute Abend.

Kommentare oder Fragen, die wir erörtern sollen?

Andere Stimmen:

Warum ist das so? Was läuft da falsch im Team seit der Winterpause? Als Fan bekommt man vieles immer nur recht bruchstückhaft mit. Mehrere Aussagen in Boulevard-Medien passen aber durchaus ins Bild der letzten Wochen: Alex Meier ist anscheinend unzufrieden mit der Einstellung des restlichen Teams, Johannes Flum schlug nach dem Sandhausen-Spiel in die gleiche Kerbe und stellte die Charakterfrage an das Team. Es scheint also nicht zu passen im Team.

Tim im Millernton Blog

Festival & Bundesliga – der FC St. Pauli startet in den E-Sport

Der FC St. Pauli startet in das E-Zeitalter, endlich möchte man sagen. Heute verkündete der Verein durch seinen Marketingleiter, Martin Drust, den Start einer Entdeckungsreise in das elektronische Neuland. Starten möchte der noch sehr analoge FC mit einem E-Festival, um dann im nächsten Jahr, 2020 in der Esport-Bundesliga zu starten – als Profiteam.

Im Juli startet zunächst das Gaming Festival „This is our world“. Als Hauptsponsor konnte der Trikotpartner Congstar gewonnen werden.

Gaming Festival im Juli am Millerntor

This Is Our World Festival St. Pauli

Das „1. congstar Mobile Gaming Festival“startet am 13. und 14. Juli im Millerntor-Stadion. Zielgruppe sind junge Gamer_innen. Die Eintrittspreise sollen jugend- und familienfreundlich sein.

Podcast Interview zum E-Sport Festival am Millerntor

  • Tagestickets: 3 EUR
  • Festival-Ticket: 10 EUR

Vorbild Millerntor Gallery

Ein wichtiges Vorbild für die Etablierung des Themas eSport bei St. Pauli wird die Millerntor Gallery sein, die sich inzwischen zur kulturell-politischen Zugmaschine des Kosmos FCSP entwickelt hat. Kein Wunder, dass der Verein eine enge Verzahnung plant. „Uns interessiert aber auch der subkulturelle Aspekt, konkret planen wir etwas zur Millerntor Gallery mit dem Fokus auf Spieledesign. Auch kleineren Publishern eine Plattform zu geben, haben wir uns zum Ziel gesetzt“, erklärt Drust den Ansatz

2020 Start des FCSP in der Virtual Bundesliga

Martin Drust vom FCSP stellt das E-Sports Konzept vor.

Nach dem HSV startet nu auch der magische FC im Profibereich des eSports, der „Virtual Bundesliga“. Ich könnte mir vorstellen, dass dies Anlass zu allerlei lustiger Häme ist, vor allem im Umfeld des alternden Vereinsestablishments. Nicht nur deswegen wird der FCSP sehr genau darauf achten müssen, die derzeit viel diskutierten Werte des FC St. Pauli in die neue Sportart zu transportieren.

„Wir wollen keine Pokale gewinnen“


Dabei geht der Verein behutsam vor, verkneift es sich allzu ambitionierte Ziele zu setzen. Vielmehr wollen die Verantwortlichen das „Neuland“ behutsam entwickeln: „Wir wollen nicht einfach Profispieler verpflichten, sondern wertebasiert scouten, um die zu uns passenden SpielerInnen zu finden, mit denen wir in der Virtual Bundesliga antreten“.

Profi-eSport-Nachwuchs auch unter den Fußballern des FCSP

Auf meine Nachfrage, ob man sich vorstellen könnte, auch unter den Profi- und Nachwuchsfußballern des FCSP talentiere eSportler_innen zu finden, antwortete der Verein augenzwinkernd: „Sicher, da sind vielversprechende Talente dabei“. So könnte sich in Zukunft der Fall ergeben, dass talentierte Buffer, die nicht das Glück oder das Talent für eine Profikarriere haben, sich in dieser Sparte eine Karriere aufbauen.

„Generation e“

Für unseren verkrusteten Verein kann dieses Engagement nur gut sein. Ich hoffe sehr, dass die Verknüpfung zwischen der analogen Fanszene und dem, was neu beim FC St. Pauli entsteht, gelingt. Die Zukunft ist es ohnehin; willkommen FCSP.

Und wenn es für die 1. Herren nicht für den Aufstieg reicht, haben wir dann ja noch das Derby gegen den HSV in der ersten virtuellen Liga 😉

"I Rebel!" – Ewald Lienens Autobiografie (tl;dr)

Die Internetabkürzung „tl;dr“ habt ihr vielleicht schon einmal gesehen. Unter diesem Icon werden Inhalte zusammen gefasst, die man noch nicht gelesen hat, oder für die man zu faul ist, sie zu lesen – „too lazy; didn’t read“

Ewald Lienen über den FC St. Pauli

Ewald Lienens Biografie, „Ich war schon immer ein Rebell“, erschienen im Piper Verlag, enthält auch ein Kapitel über den FC St. Pauli. Das habe ich bisher gelesen und für alle, die zu faul sind, es ebenfalls zu tun, sei hier die Quintessenz kurz beschrieben. Persönlich und polemisch.

Ewald Lienen über den #FCSP: (tl;dr)

„Hier ziehen alle an einem Strang“

Ist das schon so lange her?, fragt man sich unwillkürlich.

EL über Thomas Meggle (tl;dr):

Fleißig, aber keine Ahnung von Fußball(ern)

EL über Janssen (tl;dr):

Eine gute Nummer 2, leider zu ehrgeizig und hinterhältig

EL über Andreas Rettig (tl;dr):

Traue keinem, der um 22:00 Uhr im Bett liegt

EL über Vize Pawlik (tl;dr):

Residiert in einem Prachtpalast über @stpauli und schämt sich dafür gar nicht

… ich führe diese ThreadStory auf Twitter weiter; alle Zusammenfassungen sind meine persönliche Wahrnehmung und keine Zitate von Ewald Lienen.

St. Pauli nach Kiel: der Ruf nach dem Machen wird lauter

… und dröhnt in meinen Ohren.

FCSP Block in Kiel

Was gegen die faulen Spieler machen. Gegen die niveaulosen Fans, die Jeremy Dudziak beschmähten. Und gegen den Trainer. Machen, machen, machen. Hauptsache machen. Irgendwas, damit dieses entzündete Ziehen im Brustraum aufhört.

Ich war am Freitag ganz woanders. In Eimsbüttel, dort, wo Mordor nicht weit ist, liegt ein Tonstudion in einem patinatisierten Einfamilenhaus. Dort hat der Künstler Armin Chodzinski, von dem hier in Zukunft noch öfter die Rede sein wird, eine neue Performance aufgenommen. Das Thema: „Besser“, „Wachstum“ und „Hoffnung“ und wie das alles zusammen hängen kann.

Ich saß dort als Zuhörer und musste bei vielem, was Achim performte, an den magischen FC denken; und an dieses Ziehen in meinem Bauchraum.

„Es macht keinen Sinn, mit Fragen aufzuhören. Es macht keinen Sinn, nur Antworten zu haben. Es macht keinen Sinn, immer nur Menschen nachzulaufen, die Antworten haben. Das ist der direkte Weg in die ganzen Ismen; das ist der direkte Weg in den Totalitarismus, in Faschismus und in den Chauvinismus. – Es geht um Fragen“

A. Chodzinski

Sonnabend war ich dann auch in Kiel.

… und stelle nun also Fragen, rund um die Themen „Besser“, „Wachstum“ und „Hoffnung“:

  1. Ist es tatsächlich naiv, anzunehmen, dass die bannerhafte Ablehnung eines Mitspielers auf den Rest der Boys in Brown, auf die Magie des Spieltages einwirkt?
  2. Macht es etwas besser, wenn wir nach 1 1/2 Jahren Wirken wieder den Trainer auswechseln, wie jeder andere Klub auch?
  3. Was in uns fühlt sich denn so underserviced, enttäuscht und um den erwünschten Erfolg betrogen, wenn wir nicht um den Aufsteig mitspielen?
  4. Welche Rolle spielt Buchtmann eigentlich da auf dem Platz? An wen erinnert mich das bockige Rudern mit den Armen bloss, wenn scheinbar die anderen nichts so machen, wie erwünscht?
  5. Wachsen. Wieso wächst diese Mannschaft nicht, reift in ihrem Spiel, in ihrem Vertrauen in sich selbst und uns um sie herum? Kann das auch mit 1. zusammen hängen?
  6. Bin ich der Einzige, der vergangene Woche keine „Diskussion“ erlebt hat, sondern eine Predigt, garniert mit im RL gesprochenen Wut-Tweets?
  7. Ist es ein Zufall, dass ein 73-Jähriger St. Paulianer mit Ultrà-Nachwuchs den wichtigsten Redebeitrag hält?
  8. Warum kann ich es nicht genießen, dass wir dem Ende der Saison ungefährdet entgegen trudeln?
  9. Glaubt wirklich jemand im Ernst, dass Boll, Ebbers oder Schulle das als Trainer besser machen würden?
  10. Hat noch jemand die Hoffnung nicht aufgegeben?

Habt ihr Fragen? Oder traut euch, zu antworten? – Gerne bitte in die Kommentare …

Werte, Werte, Poperte

Heute Abend geht es auf St. Pauli um Werte. Die des Vereins, die der Fanszene, die an die wir uns halten und diejenigen, die wir als St. Paulianer_innen ablehnen. Ich denke hier laut, ohne Anspruch auf Sinn und Vollständigkeit … sammle Gedanken und Splitter zum Thema, die mir relevant erscheinen. Ohne Anspruch aufs Zuendedenken.

werte fcsp
Photo credit: jaroh on VisualHunt / CC BY-SA

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Das mit dem Wert ist an sich schon schwierig, weil es mindestens drei Definitionen dieses Begriffes gibt.

Wert/Wért/Substantiv, maskulin [der]

  1. einer Sache innewohnende Qualität, aufgrund deren sie in einem gewissen Maße begehrenswert ist [und sich verkaufen, vermarkten lässt]
  2. marxistisch, in einer Ware vergegenständlichte, als Tauschwert erscheinende gesellschaftliche Arbeit, deren Maß die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit ist
  3. [Pluraletantum] Dinge, Gegenstände von großem Wert, die zum persönlichen oder allgemeinen Besitz gehören, „bleibende, dauernde Werte“
  4. positive Bedeutung, die jemandem, einer Sache zukommt, „der künstlerische Wert eines Films“

Beginnt man damit, über die St. Pauli „innwohnende Qualität“ nachzudenken, aus der sich dann ein Wert ergibt, den der Verein auch vermarktet, kann man schon Knoten im Kopf bekommen.

"Werte, Werte, Poperte", frei nach Helge Schneider

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Der Wert eines Fans

Interessanterweise findet sich in den Definitionen zum Begriff Wert auch die zweite Dimension der Diskussion: wieviel ist ein Mitglied, ein Fan wert?

Schreibt man die marxistische Definition ein wenig um, so zum Beispiel: „In einem Status oder Gremium vergegenständlichte, als Wert erscheinende gesellschaftliche Arbeit, deren Maß die geleistete Supportzeit ist“, so sieht man schnell, dass unsere Form der Wertermittlung eine stinknormale ist. Wer am längsten und erfolgreichsten sich durch unsere Institutionen wühlt, der ist am meisten wert. Das gilt für Gremien analog, oder ist irgendjemandem außerhalb der so genannten „aktiven Fanszene“ der „Ständige Fanausschuss“ ein Begriff? Dies würde ich gerne genauso hinterfragen, wie die unserem Tun zugrunde liegenden Werte an sich.

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Begründungsfähigleit

Momo schrieb in vielen seiner Blogartikel, dass Normen und Diskurse sich im Kern durch ihre Begründungsfähigkeit legitimieren. Legitimation ist wohl ein Grundthema heute Abend, vor allem demokratische.

Für mich stellt sich ganz praktisch die Frage: unter welchen Umständen kann beispielsweise der Einsatz von Pyrotechnik zu einem allgemein legitimierten Wert beim FC St. Pauli werden? Da wäre, „weil es geil aussieht“ oder „weil es zur Ultra-Kultur gehört“ offensichtlich keine ausreichende Begründung, weil sie rein ästetisch argumentiert, nicht inhaltlich.

Umgekehrt benötigt eine Einschränkung der Selbstverwaltung der Südkurve (auch dies als Beispiel verstehen bitte) eine umfassendere inhaltliche Legitimierung, als durch Zitate auf externe Ordnungssysteme, wie Strafrecht oder DFL-Verfahrensordnungen.

Erschwerend kommt noch hinzu, dass unser Wertesystem mit anderen in Resonanz steht. Ist bei jedem Heimspiel am Beispiel der Flaschen-/Bechersammler oder der Schwarzhändler zu bestaunen, wieviele Systeme da korrespondierend ihr Werk tun.

„Jedes System hat in seiner Umwelt mit anderen Systemen zu rechnen.“

Luhmann, N., Soziale Systeme, 1984, Seite 256

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Widerspruch überall

Wie in der Schule: Bilde (Werte-)Paare, die einigermaßen kollidieren oder mindestens konkurrieren:

  • „Pauli-Hippie“ vs. „Antifa Hooligans“
  • Autonomie vs. Gruppe
  • Verantwortung vs. Solidarität (Treue)
  • Alte weiße Männer vs. junges Hüpfgemüse
  • Spielbezogener Support vs. Dauer La-La-La (auch „Gähnende Stille“ vs. „Ich träum von Dir“; auch GG vs. Süd)
  • Gewaltlosigkeit vs. Notwehr vs. Präventivschlag
  • Fan vs. Mitglied vs. aktive Fanszene vs. Ultra
  • Profifußball (Mainstream) vs. Subkultur (Indie)
  • Kiez vs. Welt
  • Autonomie vs. Ordnung (Recht)

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POP und Geister

Freibeuter der Liga, Nazis aus den Kurven, Punk, Bahnhofsmission. Vielleicht jagen uns ja unsere eigenen (pop)kulturellen Geister der 80er und 90er Jahre im Kreis herum, kommen wir aus dem Zitieren gar nicht heraus.

Je mehr ich darüber nachdenke, desto wahrer erscheint mir die Vorstellung, dass wir mit Zitaten eines untergegangenen Millerntors nicht weiter kommen. Und trotzdem können wir vom Wesen der Popkultur, von der wir ein Teil sind, das ist unleugbar, für diesen Diskurs lernen. Ein Schlüsselbegriff ist Derridas „Hauntologie“ (vgl. unseren Popcast dazu)

Wie durchbricht man den eigenen Gründungsmythos, auf den heute Abend sicher viele verweisen werden? Oder zitieren wir da unsere eigenen Geister, längst entschwunden und doch untot?

„Ein Phantom stirbt niemals, sein Kommen und Wiederkommen ist das, was immer (noch) aussteht“

Jacques Derrida

St. Pauli als „Abandoned Place“

Immer schwieriger wird dabei die zuverlässige Unterscheidung zwischen “Vintage-” oder “Stil-Geistern” und den echten Spektren der Vergangenheit. Vor allem auch deshalb, weil Atemporalität an dieser Stelle auch bedeutet, dass die klaren Grenzen unscharf werden und das was früher einmal eine Lüge der Kulturindustrie gewesen ist, in seinem Nachleben als Geist trotzdem so etwas wie eine auratische Qualität erhalten kann: Die Faszination mit gespenstischen Relikten von Vergnügungsparks und Shopping Malls zeigt das eindringlich.

„Geister“ von Benedikt Köhlerhttp://www.slow-media.net/geister

Popkultur als Vorbild: Pop-Art löste Ende der 70er Jahre den Unterschied zwischen profanem und „hoher Kunst“ auf. Das verschiebt auch Werte. Auf den FC St. Pauli übertragen, stellt sich die Frage: wer oder was ist die Dose Tomatensuppe, wer ist Andy Warhol? 😉

Pop ist demnach eine Vorgehensweise, die Kataloge schafft. Aus diesen Katalogen wird fortnehmend zitiert und zwar in sämtlichen Bereichen des kulturellen Schaffens. Im Grunde gleicht das gesamte popliterarische Inventarisieren einer Art Aufschreibesystem. Vielleicht ist man in Zeiten der Globalisierung auf der Suche nach Identifikation und gemeinsamer Identität. Kaum schwappt die Flutwelle über Ostasien, reproduzieren die Medien ein Bild der kollektiven Anteilnahme in der Endlosschlaufe. Wenige Tage später existiert der Popsong zur Flut, der genau dies beinhaltet: eine kollektive Emotion. Sie schafft das, was die schier unendliche Anzahl an Lebenswirklichkeiten nicht leisten kann: eine, wenn auch undifferenzierte, Identifikation mit den Mitmenschen, unabhängig von den persönlichen Lebensentwürfen. Vielleicht ist dies der schlussendliche Beweggrund für popkulturelles Schaffen?

Hanna Wendler, „Was ist Popkultur“
»Die soziale Revolution … kann ihre Poesie nicht aus der Vergangenheit schöpfen,
sondern nur aus der Zukunft«
(Marx 1852: 117).

und dieser Gedanke noch, der erscheint mir wichtig, weil das „Ritual“ ja eine Mischung aus Geisterwelt und Aktionismus ist.

Vorbereitende Lektüre:


Kommunikation des FCSP: Wenn zuwenig einfach zu wenig ist

Es sind schon komische Zeiten, wenn die sonst so verschlossen agierenden Ultras des FC St. Pauli klarer kommunizieren, als der Verein selbst.

Photo credit: Ted's photos - Returns late Feb on Visual hunt / CC BY-NC-SA

Nach den Vorkommnissen im Derby, das ist die gute Nachricht, hatte die führende Gruppe auf der Süd ein langes Interview beim Podcast „Millernton“ gegeben, in dem sie nicht nur die Verantwortung für die Ereignisse übernahmen, sondern auch erklärten, was sie OK finden, wohinter sie stehen. So billigt USP bspw. das Verbrennen von abgezogenen HSV-Schals und Bannern als besondere Maßnahme gegenüber einer „besonderen“ Szene.

Das empfinde ich als falsch, freue mich aber, dass es eine Haltung gibt, mit der ich mich auseinandersetzen kann.

Beim FC St. Pauli selbst ist das anders.

Am Tag vor dem nächsten Heimspiel, also zwei Wochen nach dem Derby, erschien auf FCSP.com eine Verlautbarung, die, gelinde gesagt, unklar war.

„Verantwortliche“ des Vereins, hätten ein Maßnahmenpaket beschlossen, eines, das in kurzen Spiegelstrichen aufgezählt wurde. Einzelheiten dazu blieben genauso unklar, wie der Absender der Nachricht.

Die Maßnahmen nach dem Derby im Einzelnen

  1. Umbauten im Eingangsbereich der Südkurve
  2. Intensivere Kontrollen beim Zugang zur Südkurve
  3. Quantitative Aufstockung des Sicherheitspersonals
  4. Verringerung des von Fangruppen in der Südkurve selbstbestimmt verwalteten Kartenkontingents für die Südkurve. Diese Karten gehen in den freien Verkauf.
  5. Kostenbeteiligung von Fangruppierungen der Südkurve an brandschützenden Maßnahmen

… und meine Fragen dazu:

  • Was sind das genau für Baumaßnahmen? Sollen diese einen Blocksturm demnächst verhindern helfen? Spekuliert wurde nach dem Spiel gg Duisburg über eine so genannte „Vereinzelungsanlage“.
  • Wieviele Karten verwaltet die Süd denn heute und wieviele „Morgen“? Wie lange sollen diese Maßnahmen gelten?
  • Was erhofft sich der Verein von dem „freien Verkauf“ der Tickets? Wie stellt man dann sicher, dass nicht lauter „Touris“ kommen?
  • Wie, was soll denn da an Brandschutzmaßnahmen erfolgen? Wieviel kosten diese und an wen stellt man dann die Rechnung? Eine Gebühr, die auf die Tickets umgelegt wird, wurde in Gesprächen auf der GG am Freitag diskutiert.

Fragen, die so ähnlich seit Donnerstag dutzendfach gestellt werden. Und unbeantwortet blieben.

Tweet des FC St. Pauli zu den „Maßnahmen nach dem Derby“

Überhaupt lässt diese Liste nur eines zu: das wilde Spekulieren. Weder ist klar, wer da mit wem diese Maßnahmen ausgeheckt hat, noch wie diese konkret aussehen.

Ich halte das für einen Fehler. Vor allem, wenn es stimmt was andere Blogger vermuten, und diese Maßnahmen aus einem echten oder fabulierten publizistischem Druck erfolgten. Offenkundig scheint mir, dass „die Verantwortlichen“ nicht alle meint, die beim FCSP Verantwortung tragen.

„Bis zum 4.4. zu warten, diese Selbstwiederfindung intern oder nur auf der Süd zu beprechen, halte ich nicht nur für einen Fehler, ich halte es auch für verpflichtend, all diejenigen mitzunehmen, die nicht organisiert und gut vernetzt sind.“

SPNU in diesem Blog

Ich wiederhole mich, wenn ich mir wünsche, dass solch wichtigen Diskurse nicht nur „intern“, entlang der verkrusteten und ausgelatschten Wege der aktiven Fanszene, geführt werden. So ein Statement habe ich mir allerdings nicht gewünscht, das ist ja noch schädlicher, als gar nicht zu kommunizieren. Etwas, zu dem der Verein inzwischen wieder zurück kehrt. Leider.

Sensation: FC St. Pauli verlässt die DFL


Die Nachricht birgt Sprengstoff: Der FC St. Pauli verlässt zum Ende der laufenden Bundesligasaison die DFL (Deutsche Fußball Liga) und startet die Hinrunde der neuen Saison 2019/20 in der dänischen ersten Liga (DBU).
Bei einer eilig einberaumten Pressekonferenz gestern, die wegen der Brisanz des Themas extra in den Ballsaal des Millerntors verlegt wurde, erklärte Präsident Göttlich, dass „wegen der Aufweichung der 50+1 Regel“, die trotz des Etappensiegs St. Paulis weiter in Gefahr ist, „die Wettbewerbssituation für den FC St. Pauli existenzbedrohend zu werden droht“.
Laut dem designierten Geschäftsführer Reiner Callmund bleibe dem Verein nur dieser Ausweg, zumal „dieser Schritt perfekt zur Internationalsierungsstrategie des FC St. Pauli passe“.
Die Kündigung der Mitgliedschaft bei der DFL und auch dem DFB sei rechtzeitig hinterlegt worden – der dänische Verband DBU (Dansk Boldspil-Union) hat den FC St. Pauli bereits als Neumitglieder bestätigt.

Erstes Highlight: Heimspiel gegen Kopenhagen

Laut Callmund führt das erste Auswärtsspiel nach Odense auf Fynen, was immerhin näher ist, als Sandhausen oder Heidenheim. Als erster Heimpielgegner empfängt der FC St. Pauli den FC Kopenhagen. Das erste Highlight einer völlig anderen Saison.

„Die Chancen für den FC St. Pauli, endlich international zu spielen, sind erheblich gestiegen“, Rollo Fuhrmann zu der Sensationsnachricht auf Sky

Europa-League in Schlagweite

Gerüchten zufolge sind auch der Altonaer FC von 1893 bereits in Verhandlungen mit der Dänischen Fußball Union. Der AFC startet dann in der 2. dänischen Liga.

Boys in Brown, lasst euch von der Lust leiten! #fcsp

Zweimal 0:4 – das ist bitter und tut in der Fanseele mächtig weh. Schnell sind da Zeigefinger in Richtung Spieler ausgestreckt, Trainer infrage gestellt oder mangelnde Einstellung diagnostiziert.

Podcast Bonus: Ich versuche es mal wieder mit Liebe und Empathie

„Wir müssen im Kopf arbeiten und wir müssen auf dem Platz arbeiten, in allen Bereichen.“ – Sportchef Uwe Stöver  ggü der Mopo

Und ich möchte ergänzen: Im Herzen auch. Die Lust am Spiel wiederfinden ist die Aufgabe der Stunde, den verloren Eros am eigenen Spiel, auch die Lust am Verlieren wieder erlernen. Eine Kunst, die auf St. Pauli einst zuhause war.

Ich erwarte keine Pflichterfüllung von euch, liebe Boys in Brown.

Ich gehe ans Millerntor, weil es mir Spaß macht. Ich handele da ganz nach dem Lustprinzip und ja, wenn ich ehrlich bin, ist manchmal auch eine Portion Masochismus dabei, euch und euren Vorgängern zuzusehen – aber geschieht alles freiwillig 😉

Wiederentdeckung des Eros im Fußball

Was ich mir von euch wünsche, ist ein Auflaufen ohne Gepäck, nur mit der Lust am Spiel aufgeladen und der Vorfreude, unseren Support zu feiern – meinetwegen mit sauber herausgespielten Kontern und fulminanten Abschlüssen. Lasst euch in unseren Klangteppich fallen und schaltet das schlechte Gewissen aus, die Sachzwänge des Profitums sollen sich auflösen in einem herzhaften Lachen, wenn euch mal wieder ein Maulwurf das Tor vermasselt. Eure Lust zu spüren, mit den Kerlen aus Braunschweig zu spielen, gäbe mir viel mehr, als jedes gepresste Bekenntnis, dass ihr uns verpflichtet seid.

Voran Sankt Pauli – auf die Lust! 😉

„Das Verlieren ist beim FC St. Pauli einmal eine große Kunst gewesen“

Transskript

Der Ausschnitt ist Teil der Episode 19 des MOPO Podcast „Hamburger 2erkette“
Erik: [00:00:18] Natürlich auch ganz gut zupass. Ich werde meine Wunden verarzten die mir die acht Gegentore zugefügt haben und ich werde versuchen meine Einstellung gegenüber jedem einzelnen Spieler nochmal wieder auf Null zu setzen und mal ein bisschen Empathie reinzubringen und den einfach mental und esoterisches ein bisschen mehr zuzutrauen als sie sich selber zutrauen. Vielleicht hilft das ja schon.
Sievi: [00:00:49] Wer weiß. Na du hast doch eigentlich einen ganz guten Draht dahin mit deinem Sankt Pauli Blog.
Sievi: [00:00:55] Na ja ich kann mir gut vorstellen dass der eine oder andere Spieler da was liest und du bist ja nun auch rede- und wortgewandt.
Erik: [00:01:05] Dann kann ich Ihnen nochmal sagen Ich kann nicht nur über Leistung sprechen ich möchte auch nicht darüber sprechen was jetzt irgendjemand von den Spielern erwartet.
Ich würde mich am allermeisten freuen wenn die die Lust am Fußballspielen wiedergewinnen. Dass sie einfach nach dem Lustprinzip agieren und nicht nach dem Leistungsprinzip das ist ja auch eines der Probleme die ich mit dem modernen Profitum und der Trainerausbildung in diesem Profifußball habe. Das ist mir alles viel zu sehr leistungsbezogen und Druck bezogen und viel zu wenig Lust orientiert.
Und ich bin fest davon überzeugt dass in dem Moment wo ich Lust habe daran etwas zu tun wo ich wie mein  Freund Christian meinte den Eros am Fußballspielen. Das lebensbejahende am Fußballspiel, das uns ja alle dahin trägt jedes Wochenende wieder finde; wenn ich das verliere dann habe ich mehr verloren als mir ein Mentalitätscoach wieder zurückgeben kann.
Und das kann eben nur aus den Jungs selber kommen. Vielleicht hast du recht, und es hilft, wenn sie von mir so eine Art Carte blanche erhalten und ich sage: meinetwegen dürften sie auch verlieren.
Also ich habe gar kein Problem damit auch die Lust am Verlieren wieder zu entdecken weil das ist ja beim FC Sankt Pauli mal eine große Kunst gewesen. Ich kann da nur an Liedzeilen von Thees Uhlmann erinnern, die fantastisch sind, wo es heißt „Meine Schulter ist nass von des Nebenmannes Tränen“.
Das sind einfach wundervolle Textzeilen, die natürlich aus dem Leid geboren sind und auch aus der Lust am Leiden. Und das ist sehr stpaulianisch und diese Einstellung die dürfen aus meiner Sicht auch Profi-Fußballer haben. Weil aus dieser Lust entsteht nämlich dann irgendwann auch das, was die Magie am Millerntor ausgemacht hat und dann werden sie auch wieder anfangen zu gewinnen. Da bin ich mir ganz sicher.

Zuviel Druck

Ich traf im Kick & Company in Altona erst kurz vor Anpfiff ein. Die Wirtin, eine heimliche Anhängerin des Stadtmeisters, des neuen, ansonsten aber auf Neutralität bedacht, schimpfte leise auf das Elend, dass ihr der Abstieg des HSV bescherte, spielten doch beide Vereine, ihrer und mein FC St. Pauli, diesen Sonnabend zur gleichen Stunde.

Kaffe und Notizbuch – Aufarbeiten einer Klatsche

Was ihr Umsatzeinbußen bescherte, fühlte sich für mich exotisch an. Im kleinen Raum neben den Kickertischen saßen wir St. Paulianer, im großen Saal die Anhänger des Vorstadtklubs, beide richteten die Augen auf ihre Version der televisionär versendeten Wirklichkeit und versuchten die andere Fraktion, nur von einer dünnen Glasscheibe getrennt, zu ignorieren, so gut es ging.

13:00 Uhr ist fürs Trinken viel zu früh, also bestellte ich die beste aller schlechten Alternativen, ein bayrisches Weißbier, alkoholfrei und isotonisch. Das lässt einen gesunden Gleichdruck in meinen Zellen entstehen; es fließt genauso viel aus mir hinaus, wie hinein.

SV Sandhausen – FC St. Pauli – ein emotionaler Bericht

So begann das Spiel im weit entfernten Hardtwald, an den ich mich als ungemütlichen, dunklen Ort erinnere, durch den ein kühler Winterwind wehen kann. Die Boys in Brown begannen ebenfalls isotonisch, darauf bedacht, nicht mehr hinausfließen zu lassen, als hinein. Druckausgleich als Spielidee.

Einen Ausgleich herstellend, aus dem Anspruch, der intellektuellen Überzeugung des eigenen Vermögens, der technokratischen Rangfolge, die sich durch die Tabelle ergibt und dem nagenden Zweifel, der sich seit dem letzten Sonntag noch jeden Tag verstärkte, der Wut über sich selbst (bei den reiferen) oder auf andere Teile des Teams, der Fanschaft und die kleine Welt am Millerntor.

Das Überkippen ins Hypotonische konnte ich selbst durch die kalte Linse der Kamera erfühlen, langsam aber sicher floss alle Zuversicht aus den Jungs heraus. Und der SV Sandhausen in Form des ewigen HSVers Diekmeier druckvoll in sie hinein. Als wollte auch er den Derbysieg, nur um eine Woche retardiert.

St. Pauli zerschellte an diesem Wollen, Buballa fiel mehrfach schwächelnd auf seine Knie, Mats wurde einfach abgeschüttelt und Marvin war komplett von der Knolle; so spannungslos ließen sich unsere Spieler zerdrücken, dass in mir pures Mitleid übrig blieb.

Ich kann da keine Wut entwickeln auf dieses Häuflein Elend, das sich später noch tapfer den eigenen Fans stellte, dabei Beschimpfungen und Bier über ihre hängenden Köpfe ergehen ließen.

In einem Ausbruch hypertonischen Überdrucks vermischten sich eigene Rechtfertigungen mit der Forderung nach kapitalistischem Leistungslohn; auf die Idee, sich in den Schmerz zu ergeben, aus ihm vielleicht die Lust zu ziehen, die den Druck ausgleichen könnte, kamen da wenige, wie mir berichtet wurde.

Auf das so wichtige Zeichen der Solidarität, mit unserer Mannschaft und sich selbst, wartet man auf St. Pauli auch acht Tore nach der letzten Sonntagsfrage vergeblich.

Schlimm.

Ich bestellte mir dann am Ende doch noch ein kleines Bier aus dem Tschechischen und vom Fass, um zuzusehen, wie Darmstadt die bleierne Wolkendecke über mir kurz aufriss.

Pop & Pyro Podcast

Photo credit: Peter.Bu on VisualHunt.com / CC BY-NC-ND

Der Kernbergriff dieser Popcast-Episode ist der Begriff der „Intensität“

  • als zentrale sportliche Beschreibung der Boys in Brown – da fehlte diese nämlich gänzlich
  • als Manifestation der Konflikte mitten im Derby
  • als Diskussionsgrundlage für das Verstehen von Pyro und Mackertum – als intensives Erleben von Lebendigkeit

Intensität: der St. Pauli POPcast spricht über das Hamburger Derby und Pyro

PYRO & POP

Intensität: der St. Pauli POPcast spricht über das Hamburger Derby und Pyro

Der Kernbergriff dieser Popcast-Episode ist der Begriff der „Intensität“

  1. als zentrale sportliche Beschreibung der Boys in Brown – da fehlte diese nämlich gänzlich
  2. als Manifestation der Konflikte mitten im Derby
  3. als Diskussionsgrundlage für das Verstehen von Pyro und Mackertum – als intensives Erleben von Lebendigkeit

Zitate & Links zum Popdacst:

„Anders als bei den Guerilleros steht für die Ultras nicht die befreite Gesellschaft auf der Agenda, sondern die Befreiung der Kurve. Die Selbstverwaltung des eigenen Gebietes ist ein Erbe der Studentenbewegung. Der auch von Linken oft bewunderte Antiautoritarismus, der sich in rebellischer Symbolik und aufmüpferischem Verhalten äussert, ist aber nur der Anstrich für ein Programm, das statt gegen jede Herrschaft zu rebellieren, die eigene setzen will. In diesem Sinne identifizieren sie sich – frei nach Adorno – mit der Macht, von der sie geschlagen werden. Die Ultra Gruppen spielen mit dem Pathos der Marginalisierten nur um selbst hegemonial zu sein. Sie wollen sich von der Gesellschaft scheiden, doch können ihr nicht entkommen – weswegen sie sie verdoppeln.“ https://www.untergrund-blättle.ch/gesellschaft/born_to_die_ueber_die_ultras_2262.html

Playlist bei Spotify:

Nach dem Derby. St. Pauli diskutiert: Was nu?

Die Tage nach dem Stadtderby gegen den HSV waren nicht einfach. Bei vielen, auch bei vielen, die ich lange kenne, kochten die Emotionen hoch – zum einen über das desaströse Spiel der Boys in Brown, zum anderen über die Vorkommnisse auf der Südtribüne.

Grafitti Altona
„Wir sind die Jugend, wir sind der Widerstand“ Grafitti in Ottensen

Da ging ein Teil von St. Pauli kaputt

Oke Göttlich, unser Präsident, sprach von einer Zäsur, mein Nebensteher von einem „Schlag ins Kontor“. Auch ich empfinde das Abmackern der 40-50 Vermummten auf der Süd als Tabubruch, als Herausforderung für alle, die sich St. Paulianer nennen. Ob Süd, Nord, Haupt oder GG. Dabei will ich versuchen eine Selbstverortung vorzunehmen, eine sehr persönliche Basis, von der aus ich in den Diskurs starte. Einen Diskurs, davon bin ich fest überzeugt, den wir nicht allein der so genannten Aktiven Fanszene überlassen können. Diese Situation fordert alle im und um den Verein herum heraus. Die Lösung liegt, wenn es eine gibt, im vereinsöffentlichen Diskurs.

Die sechs Stufen mentaler Stärke

Beinahe zufällig, vielleicht meiner aktuellen Aufmerksamkeit für solche Themen geschuldet, bin ich über einen Artikel der Therapeutin Claire Dorotik-Nana gestoßen, deren Worte einen Weg heraus aus der Wut, der Verletzung aufzeigen können.

Dorotik-Nana beschreibt sechs Stufen, die ein Mensch steigt, um an einem Ereignis, an einer Krise zu wachsen. Für einen Fußballverein und seine Supporter kann das analog gelten.

Die Zerrüttung

„Wir werden nicht stärker, wenn die Dinge so laufen, wie wir es wollen, und wenn die Würfel förmlich zu unseren Gunsten fallen. Wir werden stärker, wenn wir mit Ereignissen konfrontiert werden, die uns Angst machen, uns herausfordern und uns letztendlich zum Aufstieg (sic 😉 zwingen. Es ist, wenn die Welt, die du kennst, und alle Überzeugungen, die sie aufrechterhalten, zerbrochen sind. Es ist, wenn ihr anerkennt, dass das, was ihr wusstet, nicht mehr wahr ist, und euer Leben nicht mehr so wieder zusammengesetzt werden kann, wie es war. Und so unangenehm dieser Störungszustand auch ist, er ist auch unvermeidlich.“

Stufe 1

Raketen auf den Rasen zu schießen, zu einem Zeitpunkt, an dem dies mit Spielabbruch bedroht ist, Beutebanner zu präsentieren und später anzuzünden, im eigenen Block zu randalieren und laut Augenzeugenberichten Mitsteherinnen die Nase zu brechen, das alles muss man als das bezeichnen, was es ist: Hooliganismus.

Dass dieser sich auf einer unserer Tribünen manifestiert, macht wütend, lässt viele ohnmächtig zurück.

Die emotionale Reaktion eines ganzen Stadions, einer Mehrheit der Menschen, die auf der Gegengerade ganz in der Nähe des Geschehens stehen und die 40-50 Randalierer mit „Ihr seid scheiße wie der hsv“ ausbuhen, ist schmerzhaft und zeigt in seinem wütenden Nachspiel in Freundeskreisen, sozialen und Boulevardmedien, dass durch die Fanschaft des FC St. Pauli sich Risse ziehen, manche uralt, die an diesem Tag aufgebrochen und deren Kitt geborsten ist.

Wir spüren alle, wir haben da am Sonntag mehr als ein Spiel verloren.

Die Unsicherheit

„Wenn wir die Antworten nicht haben, stellen wir die Fragen, die zu einem besseren Verständnis führen. Es ist auch das Nichtvorhandensein der Antworten, das uns hilft, uns selbst zu vertrauen. Wir lernen, uns unseren Zweifeln, unseren Ängsten und Unsicherheiten zu stellen, und wir lernen, dass wir nicht von ihnen definiert werden“

Stufe 2

Es ist leicht, sich nach der Erregung in der Wut einzurichten. Den Verlust dessen, von dem man, irrtümlich, glaubte es zu besitzen – eine allgemein gültige Definition dessen, was St. Pauli ausmacht.

Es ist vielleicht sogar gemütlich und beruhigend, die Süd, die Ultràs, USP zu beschimpfen, ihnen Konsequenzen anzudrohen. Ich möchte diesen einfachen Weg nicht gehen.

Stelle ich mir also die Fragen, die meine Unsicherheit beschreiben:

  • Wie stehe ich selbst zum Thema Pyrotechnik? Was ist in meiner Wahrnehmung OK und was nicht?
  • Wie stehe ich zu Gruppen in unserer Fanszene an sich? Fühle ich mich sogar bedroht? Mindestens ausgeschlossen?
  • Was erwarte ich von organiserten Fangruppen, wie USP, dem Südkurvenkollektiv, der AFM, und anderen Institutionen im Verein
  • Was erwarte ich von mir selbst? Was macht das St.-Paulianer-sein für mich aus?

Das Überdenken

„Überdenken Sie es noch einmal. Überdenken bedeutet, zurückzutreten, ein Weitwinkelobjektiv zu verwenden und einen zweiten Blick darauf zu werfen. Es bedeutet, über alles nachzudenken, was du für wahr gehalten hast, über die Entscheidungen, die du getroffen hast, über die Prioritäten, nach denen du gelebt hast, und über das Leben, das du in Zukunft führen willst. Es bedeutet, nicht perfekt sein zu müssen und zu akzeptieren, dass einige Entscheidungen und einige Überzeugungen dir nicht dienen.“

Stufe 3

Ich merke immer wieder, dass ich die Dinge bei uns rund um den FC St. Pauli anders sehe, als andere. Ich sehe es fundamental anders, als stellvertretend Uwe Doll, unseren ehemaligen Aufsichtsrat, der nach strafrechtlichen Maßnahmen ruft, sogar in letzter Konsequenz nach der Polizei. Ich sehe den Einsatz von Pyrotechnik aber auch anders, als viele auf der Gegengeraden oder der Süd. Ich halte das Abschotten von Fangruppen für toxisch. Ich halte das Ableiten von Privilegien aus Aktivität und Führungsanspruch für falsch. Ich fühle, ich stecke mitten zwischen vielen Positionen.

Hier möchte ich versuchen, einige für mich glattzuziehen, zu überdenken:

  • Pyrotechnik: Für mich sind die Grenzen von Pyroeinsatz fließend. Ich kann mich gerade nicht wirklich festlegen. Dennoch finde ich Punkte, auch beim Einsatz am Sonntag, die ich klar ablehnen kann:
    • Übermäßiger Rauch: Wenn der Einsatz von Rauch das Atmen erschwert, Asthmatikern die Luft nimmt, über die eigene Kurve hinaus sich über eine andere legt, wie der stinkende Atem von Mordor, dann lehne ich Rauch ab.
    • Pyros in der Hand – OK, Pyros schmeissen – NO way
    • Raketen: die Raketenstafetten zu Beginn des Derbys schienen mir sauber gesteuert zu sein. Ich war überrascht, vielleicht ein wenig besorgt zunächst, aber dann doch begeistert. Das wütende Abschießen von Raketen auf das Spielfeld von Seiten der 50 inzwischen Rotkäppchen genannten Hools werte ich als Angriff auf das Stadion. Als aggressiven Akt.
  • Beutebanner verbrennen: Es ist von vielen Menschen, die ich für relevant in meinem Fankontext ansehe, darauf hingewiesen worden, dass Gegnerbanner abziehen, Schals verbrennen ein nicht tolerierbares Verhalten ist. Das sollte auch so bleiben. Wichtig für einen erfolgreichen Diskurs wird sein, wie sich die Gruppen auf der Süd dazu verhalten.
  • Andere Kurven ansingen: Das Ansingen von Gegengerade und Süd hat Tradition, auch das Frotzeln in Form von „Ja was denn“. Ich habe am Sonntag das Aussingen und Anpöbeln in Richtung Süd so verstanden, dass explizit die 50 Rotkäppchen gemeint waren. Für mich war das kollektive Rausbuhen dieser Typen eine Manifestation gegen Hooliganismus, gegen spielabbrechenden Egoismus und Mackertum, das man sich von der Gegengeraden auch erstmal erarbeiten muss. Ich habe auch das Auspfeifen nach dem Spiel, persönlich, nicht gegen USP oder die gesamte Süd gerichtet verstanden, sondern als Auspfeifen eben dieser rotmaskierten Hools, die noch nicht mal den Anstand hatten, unseren Boys in Brown auf ihrer schweren Ehrenrunde zu applaudieren. Ich hoffe, dass die überwiegenden Teile der Südkurve sich meiner Wahrnehmung anschließen können, auch wenn ich nicht ausschlie0ßen mag, dass einige USP-Hasser die Vorfälle für die Pflege ihrer ohnehin zementierten Ressentiments genutzt haben.
  • Ultrà Sankt Pauli: Kurz gesagt, einer Ultrà-Gruppe, der ein Hans-Frankenthal-Preis verliehen wird, bringe ich vorschießenden und tiefen Respekt entgegen. Nach – auch in diesem Blog – hart geführten Auseinandersetzungen nach der Südkurvenblockade habe ich feststellen dürfen, dass USP zu einem vereinsweiten Diskurs fähig ist. Noch heute mag ich einige der Menschen dort sehr gerne, die ich aus damaligen verbalen Scharmützeln kenne. Ich halte USP für eine echte Errungenschaft des FC St. Pauli, für eine Gruppe, die sich bei ihren Aktionen immer auch die Frage nach dem „Wofür“ stellt. Eine wichtiger Aspekt auch in unserer Diskussion und der Frage, wo Mackertum und Egoshow anfangen – meiner Ansicht nach genau dort, wo Aktionen kein „Wofür“ transportieren können. Ich wünsche mir schon lange, dass die Prozesse, die auch den FCSP betreffen, von USP und anderen Ultrà-Gruppen öffentlich diskutiert werden. Ich halte es für einen Fehler, die Fanöffentlichkeit anderen, auch mir, zu überlassen.
  • Selbstverwaltung der Südkurve: Ich mag die Idee, dass sich eine Fankurve selbst verwaltet. Ich nehme wahr, dass sich die Probleme auf der Süd in vielen Fällen besser in der Gemeinschaftsverantwortung lösen lassen, als durch Sanktionen von offizieller Seite. Ich befürworte alle Anstrengungen, diese Grundidee zu bewahren.
  • Repression vs. Sanktion: Gerade wenn bei aufwallender Wut das Stammhirn übernimmt, sich nach schnellen Lösungen gesehnt wird, nach der Kavallerie aus Jugendfilmen, ist es ratsam innezuhalten. Nein, ich glaube in beinahe keinem denkbaren Fall ist es eine gute Idee, die Polizei in einen Block, vor einen Eingang zu schicken, um für „Ordnung“ zu sorgen. Das sieht sie glücklicherweise selbst so. In meiner Wahrnehmung ist die Polizei in der komplexen Welt des Fußballs ein Akteur, einer der vor allem auf der Süd mehr Schaden anrichtet, als hilft. Trotzdem gehört zu allem, was wir heute und in Zukunft besprechen ein Grundmechanismus, ohne den Gruppen oder Communities nicht funktionieren: das glaubhafte Androhen von Sanktionen. Sie sind die Grundlage für Vertrauen, dafür, dass wir diesen Prozess des Stärkerwerdens aus dem Debakel erfolgreich vollziehen können.
  • Jaja, die Gegengerade: Die Vorkommnisse auf der Süd sofort in Diskussionen mit „ja aber die Gegengerade“ zu kontern ist in meiner Wahrnehmung klassischer Whataboutism. Was nicht heißt, dass wir in unserem Diskurs nicht auch über das Selbstverständnis auf dieser Geraden sprechen müssen. Dabei scheinen mir drei Punkte wichtig:
    • USP-Hasser entlarven und ansprechen: ich positioniere mich persönlich und immer wieder gegen Ultrabasher und Anti-„LaLaLa“-Apologeten. Nu habt ihr eine eigene Gerade, dann kümmert euch auch um diese, bevor ihr auf andere, schräg gegenüber zeigt.
    • Kann es sein, dass aus dieser Geraden keine „Supportmacht“ mehr wird? Ich habe auf dieser Geraden schon überall gestanden und überall ist der Support ein anderer. Grds. kann man sagen, dass er Mitte-links am stärksten ist und zur Nordkurve abnimmt. Aber auch dort, wo ich oft stehe, unterhalb des Supportblocks, herrscht manchmal schlimme Langeweile. Ich weiss noch gar nicht, ob man das ändern kann? Oder sollte?
  • Die Boys in Brown: Bitte vergesst mir nicht unsere Fußballer auf dem Rasen. Ich kann nicht zum einen (zu recht) fordern, dass die Mannschaft sich der Fanschaft öffnet, wenn ich ihren Bedürfnissen auf dem Rasen und während des Spiels nicht gerecht werden möchte. Es ist meiner Ansicht nach eine gute Prüfung, jede Aktion auf den Rängen mit der Frage zu begleiten: „Was bringt das meinen Jungs auf dem Rasen?“

Nach Bedeutung suchen

„Wenn du mental starke Menschen nach ihrem Leben vor und nach dem Gefühl der Stärke fragst, werden sie dir zwei Dinge sagen: Ihre Stärke steht in direktem Verhältnis zu den Herausforderungen, denen sie gegenüberstanden, und ihr Leben hat jetzt viel mehr Bedeutung. Was sie euch sagen, ist, dass sie auf der Suche nach Bedeutung sind, die sich aus der Herausforderung – und sogar verheerenden – Ereignissen ergibt, die sie stark gemacht haben. Es geht darum, einen Grund zu finden, weiterzumachen.“

Stufe 4

Quo vadis St. Pauli?, das war eine Frage, die sich dieser Verein und seine Supporter schon einmal stellten. Die Zäsur war ähnlich und doch anders: die Blockade der Südtribüne durch USP.

Die Zeiten sind heute andere, die Probleme sehen ähnlich aus, sind aber im Wesen anders, das nehme ich wenigstens so wahr. Trotzdem kann man an unserem gemeinsamen Vorgehen nach der Südtribünenblockade beim Spiel gegen Hansa Rostock (vermisse die ja beinahe 😉 eine Menge für das Heute lernen.

Das Heimspiel gegen Augsburg war eines der schönsten, emotionalsten und wichtigsten in meiner Fanbiografie. Bei diesem Spiel versöhnte sich das Millerntor untereinander, woben sich neue Bande zwischen den Kurven, zwischen den Fans, der aktiven Fanszene und mir und anderen.

Ich wünsche mir, dass uns das diesmal auch gelingt. Bis zum nächsten Heimspieltag sind noch knapp zwei Wochen Zeit. Wenige Tage, in denen vom Fanladen, vom Präsidium und anderen (hier sehe ich AFM und Fanclubsprecherrat an) ein Diskurs initiiert werden muss, der meinem persönlichen hier ähnelt. Bis zum 4.4. zu warten, diese Selbstwiederfindung intern oder nur auf der Süd zu beprechen, halte ich nicht nur für einen Fehler, ich halte es auch für verpflichtend, all diejenigen mitzunehmen, die nicht organisiert und gut vernetzt sind.

Die Rekonstruktion der eigenen Narrative

„Eine Lebensgeschichte ist das, was wir uns über unser Leben sagen. Es ist das, was wir uns über unseren Selbstwert, unsere Fähigkeiten und unsere mentale Stärke sagen. Und für Menschen, die geistig stark sind, ist es dramatisch anders als früher, denn Lebensgeschichten werden uns nicht übergeben, und sie sind auch nicht statisch. Stattdessen werden sie durch das Leben, das wir führen, die Entscheidungen, die wir treffen, und die Zuschreibungen, die wir Ereignissen zuweisen, die in unserem Leben geschehen, ausgearbeitet. Und was mental starke Menschen dir sagen werden, ist, dass es eine Zeit gab, in der sie sich nicht stark fühlten, in der sie sich nicht so sahen, wie sie es jetzt tun. Aber sie werden dir auch sagen, dass es, um dorthin zu gelangen, wo sie jetzt sind, einen Rekonstruktionsprozess gab. Sie mussten ihre Lebensgeschichte in Frage stellen. Sie mussten neu definieren und rekonstruieren, wer sie waren, wie sie sich selbst sahen und was sie zu sich selbst sagten. Letztendlich waren sie es, die sich selbst als stark definierten.“

Stufe 5

Mein St. Pauli-sein prägen Geschichten von selbstironscher Übernahme von Schmähgesängen, dem langsamen Zusammenwachsen von netzöffentlicher und organisierter Fanschaft, die sich so wundervoll im Sozialromantiker-Protest manifestierte. Geschichten von Fanaktionen für etwas. Die Millerntor Gallery oder Viva con Agua, das sich nur aus diesem Millerntor heraus entwickeln konnte und gleichzeitig unsere Achillesfersen deutlich aufzeigt (Whiteness und Mainstream).

Mich prägen Auswärtsfahrten mit viel Wein und Pinot genauso, wie meine Auseinandersetzung mit den Kutten in der Nord. Meine St. Pauli Geschichte prägt auch die Macht, die in dem „etwas anderen“ Verein entsteht und die erbarmungslos zuschlagen kann, dass sogar ein gestandener Blogger mit dickem Fell überlegt, diesen Klüngel getrost sich selbst zu überlassen.

Mich prägen die Geschichten, die ich mit Menschen um und im Verein habe. Von denen einige auch Co-Autoren in diesem Blog oder Co-Hosts und Gäste in meinem Podcast wurden.

Das gemeinsame Bauen

„Mentale Stärke existiert nicht in einem Vakuum, und selbst die stärksten Menschen brauchen andere, um ihre Stärke zu erkennen und zu bestätigen, denn mentale Stärke braucht einen Platz zum Anhaften. Es braucht etwas Größeres als sich selbst, um ihm einen Sinn zu geben.“

Stufe 6

Ich bin bereit, diese Narrative gemeinsam neu zu erzählen. Und ich möchte, dass bspw. die Geschichte von migrantischen Jugendlichen aus dem Viertel miterzählt wird, zu unserer wird. Auch und gerade, wenn einige der Rotmaskierten diese Geschichte erzählen, eine, die bisher nicht zu meiner passt.

Nur so wird ein St. Pauli draus, das die nächsten 5 Jahre überdauert. Solange, vermute ich, haben wir alten Knacker noch Zeit, uns in diese Erzählung einzubringen 🙂

Tl; dr

In a nutshell: Ich möchte ein St. Pauli, in dem dieser Aufkleber genausoviel Sinn, wie Unsinn ergibt 😉

ps auch der magische FC Blog fängt an zu reden

Statt Derbyfieber, "Krieg der Rosen"

Pyroshow auf der Süd

Teile unserer Fanschaft waren gestern bei einem anderen Derby. Wie im Krieg der Rosen von Astrid Lindgrens „Kalle Blomquist“ legte sich eine andere Dimension über das Spiel – eine die Magie und Zusammenhalt zerstörte.

Irgendwie hat das Millerntor dieses Derby verbockt, ist es uns nicht gelungen, die Magie herzustellen, die nötig gewesen wäre, den hsv an diesem Tag zu besiegen oder wenigstens würdevoll unterzugehen. Und das hat viel, nicht alles, mit den Kurven zu tun.

„Wer wird Deutscher Meister?“

Dabei fing alles so magisch an; das Millerntor spielte die Gästehymne „Wer wird Deutscher Meister“ mit genau der richtigen Prise Ironie, die das ganze Stadion erfasste. Die Blockfahnen, die ich auch erst nach dem Spiel in seiner ganzen Pracht sehen konnte, passten zu dem wuchtigen Auftakt, waren eines Stadtderbys würdig.

Über die erste Halbzeit kann man streiten: war das nun eine anständige Leistung, die durch einen Kunstschuss und einen hellwachen Lasogga zu unseren Ungunsten auslief? Oder war das Angsthasenfußball, der zurecht bestraft wurde? Das mögen andere beurteilen. Für die erstickte Magie am Millerntor waren andere Dinge entscheidend.

Mit Elan aus der Kabine und jäh ausgebremst

Ich stelle mir seit der 46. Minute vor, wie sich das wohl anfühlt, als Boy in Brown. Du kommst nach dem gemeinsamen Huddle, dem gegenseitigen Versprechen, es in der zweiten Halbzeit besser zu machen, wieder auf den Rasen gelaufen, die Haarspitzen voller Adrenalin, kommst gut über die rechte Seite und erzielst beinahe den Ausgleich.

Dann darfst Du aber nicht weitermachen. Der Schiri unterbricht das Spiel, weil die Süd zwar einen Sinn für eindrucksvolle Lichtshows, aber an diesem Tag ein fatales Timing zeigt. Ich kann mir vorstellen, wem diese Unterbrechung am meisten nutzt – der Mannschaft des hsv.

Ich neige nicht zu Ultrabashing, bin in der Vergangenheit sogar als „Sin Fein“ unserer Ultras bezeichnet worden und auch heute, eine Nacht nach dem Spiel, will ich mich auf die Typen konzentrieren, die meiner Ansicht nach die meiste Magie vernichteten: die Rotmaskierten rechts von der Mitte (von der Süd aus gesehen).

30 bis 40 rot-schwarz Maskierte stülpten dem ganzen Stadion ihre Ego-Show auf. Lauter Pyros, permanent gezündet, geschenkt – ich mag Pyrotechnik. Nachdem der Schiri aber unmißverständlich klar machte, die Stadionregie schon zum dritten Mal energisch ermahnte, „noch einmal und dann Spielabbruch“, dann weiter zu zündeln, Raketen in Richtung Spielfeld zu jagen, das grenzt an Sabotage.

Sabotage an dem, zu dem das Millerntor fähig ist. Ich schließe mich Stefan Groenveld an, von dem auch das Titelbild stammt.

Solange Pyrotechnik aber verboten ist, muss niemand nach vorheriger Ermahnung des Schiris und Kommunikation zwischen Mannschaftskapitän und Capo glauben, er könne sich über alle Gesetze hinwegsetzen. Die Frustration über diesen Alleingang weniger war auf weiten Teilen der Süd tief zu spüren. Ich bin mir sehr sicher, dass das intern heftig diskutiert wird.

Die Fans vom FC St. Pauli standen mal für innovativen und lustigen Support. Davon ist heute nur ein wenig Größenwahn übrig geblieben, der vor dem Spiel den gegnerischen Fans vorgeworfen wurde.

Stefan Groenveld

Ich weiss nicht, wo die Rotmasken herkamen, mein erstes Gefühl war, dass man sich hier Gäste eingeladen hat, die das Wohnzimmer verwüsten und dann wieder entschwinden. Wünsche mir hier Aufklärung.

„Die hätten meinetwegen 12:0 gewinnen können, das hätte ich ertragen. Das sinnbefreite Mackern der Rotmaskierten macht wirklich was kaputt. Das hätte der HSV nie hinbekommen“

C. nach dem Spiel

In meiner Wahrnehmung waren eben diese die Adressaten des Unmuts der Gegengeraden, ein „ihr seid scheiße, wie der hsv“ zwar hart, aber verdient. Das sinnlose Präsentieren von abgezogenen Bannern langweilt und outet die „Ultras auf Panzerschokolade“, wie sie ein Nebensteher bezeichnete, als echte Magievernichter.

Wer nach Abpfiff und Ehrenrunde der Mannschaft dann diese nicht einmal mit Applaus verabschiedet, der setzt sich dem Verdacht aus, dass ihm St. Pauli, die Boys in Brown – alle anderen – am Arsch vorbei gehen – schlimmer noch, dass sie das, was für viele von uns St. Pauli ausmacht, verachten.

Die Südkurve und allen voran USP hat nun die Wahl: entweder sich, wie oft zelebriert, muksch ins Schneckenhaus zurückziehen, Kritikerinnen einladen zu irgendwelchen ominösen Treffen zu erscheinen – oder die Verantwortung dafür zu übernehmen, was auf ihrer Kurve passiert. Auch Whataboutism erster Güte, nämlich den Support auf der Gegengerade anzuprangern um vom Fehlverhalten der Rotmasken abzulenken, ist wenig hilfreich.

Der FC St. Pauli wird an diesem Derby nicht zerbrechen, eine Zäsur stellt es aber doch dar. Der Weg zurück zum Roarr, zum magischen Weben einer Kraft, die das ganze Stadion, alle Kurven und die Mannschaft verbindet ist weit geworden.

St. Pauli muss sich entscheiden: jagen Teile unseres Vereins weiter den Großmummrich oder kehren wir zurück zu einem Miteinander?

Weitere Stimmen:

  • Millernton. Wobei ich nicht der Ansicht bin, dass dies „intern in der Süd“, sondern vereinsöffentlich diskutiert werden muss.
  • Stefan Groenveld: Größenwahn ist ein gutes Wort dafür.
  • Magischer FC Blog: heute Full Ack.

„Aber heute hat es das Maß verloren. Der FCSP war immer der Verein, wo es einen Grundkonsens zu Grenzen, die wir nicht überschreiten, gab. Wo man auch mal zurücksteckt. Und wenn das nur heißt, dass die letzte Pyrofackel wieder in die Tasche wandert. Pyro als Choreo ist eben ungleich Pyro als Mackerinstrument.“

Magischer FC Blog

Update: Stellungnahme des FC St. Pauli

Der Verein, mit seiner gesamten Exekutive, dem Vorstand und der Geschäftsführer bis zum Aufsichtsrat, hat eine Stellungnahme verfasst, die mir in seiner Eindutigkeit gefällt: sie setzt Grenzen und zeigt mögliche Konsequenzen auf:

Bei den Vorfällen während des Spiels, die beinahe zum Abbruch der Partie geführt hätten, entstand bei den Verantwortlichen der Eindruck, dass die Selbstinszenierung von Teilen der Fanszene eine größere Bedeutung hat als der Verein und das Spiel der Profimannschaft.

Die Vorfälle stellen eine Zäsur beim FC St. Pauli dar, spiegelt zum Beispiel das Präsentieren von Fanutensilien des Gegners in keiner Weise den Umgang wider, den wir hier in unserem Stadion in der Vergangenheit gepflegt haben. Auch die Menge an gezündeter Pyrotechnik und das Abfeuern von Leuchtkugeln auf das Spielfeld gehen weit über ein akzeptables Maß hinaus. Aufgrund der Vorfälle werden Form und Inhalt des weiteren Umgangs miteinander und Konsequenzen kritisch diskutiert.“

Der Verein bietet all denen, die durch die Vorkommnisse im Stadion nachweislich Schaden erlitten haben (z.B. Verunreinigung der Kleidung) oder die Partie aus Sorge vorzeitig verlassen haben, eine Schadensregulierung an. Die Betroffenen werden gebeten, sich unter report@fcstpauli.com an den FC St. Pauli zu wenden.

FCSP.com

Zum Derby: "Es gibt kein Bier auf Hawaii St. Pauli"

Bierwagen vor dem Millerntor

Schlechte Nachrichten für alle, die gerne Bier im Stadion trinken, beim Derby gegen den HSV gilt am Millerntor Alkoholverbot!

Beinahe hätte ich den Hinweis überlesen. Am Ende der Nachricht, dass Gästefarben in den Heimbereichen verboten sind, findet sich folgender Absatz:

Darüber hinaus wird der Verzehr alkoholischer Getränke in den öffentlichen Bereichen nicht gestattet sein.

FCSP.com

Auf meine Nachfrage, was denn die öffentlichen Bereiche sind, erklärte mir der Verein: alle offen zugänglichen Bereiche des Stadions, die Umläufe auf Gegengerade, Süd, Nord und Haupttribüne. Der gesamte Innenraum. Vor dem Stadion und im Klubheim sei der Ausschank aber nicht reglementiert.

Zweiklassengesellschaft auf St. Pauli

Auf Nachfrage bestätigte mein Klub, dass in den Logen und den VIP-Ballsälen Alkohol ausgeschenkt werde, allerdings nicht, wie sonst üblich, auch am Sitzplatz.

Verfügt habe das die Polizei Hamburg. Dazke Polizei.

ps Wobei ich persönlich dafür plädiere, auch den Ausschank in den Logen und den Ballsälen einzustellen. Das wäre solidarisch und beim FC St. Pauli angemessen.