Starcars doofer Sexismus – und was der FC St. Pauli damit zu tun hat

Foto: Pinkstinks

Der FC St. Pauli hat ein echtes Problem mit seinen Sponsoren. Zuerst die Panne mit der „Pussy-Bande“ vom Autohaus Thomsen, dann der grenzwertige Plakat-Rassismus des Hauptsponsors Astra, vom Sexismus der Biermarke ganz zu schweigen. Überhaupt haben die Marketingabteilungen der Partner des Kiezklubs ein echtes Machoproblem.

Zuletzt Media Markt (immerhin nicht im Stadion) und nun Starcar, immerhin Sponsor der Kategorie „Kapitän“ beim FCSP.

Platter Sexismus sells? Wirklich?

Starcar Sexismus Werbung
Sexistische Postkartenwerbung von Starcar

Seit letztem Monat gehen dutzendfach Fotos, wie das da oben, beim Werbemelder der Aktivisten von Pinkstinks ein. Dabei handelt es sich, wie mir die Pressestelle des FCSP mitteilte, nach Starcars Aussage um eine 2 1/2 Jahre alte Kampagne, die auf damalige Beschwerden hin, aus der Kommunikation genommen wurde. Warum diese jetzt wieder auftaucht, ist unklar.

Abgesehen davon, dass ich nicht glaube, dass „Popo sells“ ein wirkungsvoller Marketingansatz ist, ist für mich aber klar: diese Art der Werbung passt nicht zu einem Sponsoren des FC St. Pauli. Punkt!

Geile Kiste? Ernsthaft? Am Freitag ist #Weltfrauentag. Was habt ihr euch bloß dabei gedacht?!

Pinkstinks auf Facebook

Imageschaden durch Sponsoren

Das Problem, dass sexistisches und anderweitig diskriminierendes Verhalten weniger dem Sponsor als dem FC St. Pauli schadet, habe ich hier schon einmal angesprochen. Inzwischen mutiert das Ärgernis zu einem echten Problem: die Marke St. Pauli nimmt Schaden!

Vertragsstrafen als probates Mittel

Ich halte es für essentiell, dass unsere Sponsoren sich auf gewisse Spielregeln verpflichten, da reicht augenscheinlich eine Broschüre gegen Sexismus nicht aus. Sponsoren muss klar sein, dass man sich mit dem Jolly Roger nicht schmücken kann, wie mit einem Federschmuck zum Fasching; eine Partnerschaft mit dem FC St. Pauli bringt Verantwortung mit sich – eine Verantwortung, die sich dringend auch in den Verträgen manifestieren muss:

  1. Vertragsstrafen bei Image-schädigendem Verhalten des Sponsors. Das kann der FC St. Pauli ja gerne in die Anti-Diskriminierungsarbeit stecken, dann haben alle etwas davon.
  2. Schulungen der Partner durch NGOs und Coaches: wie wäre es denn mit Präventivarbeit? Ich fordere, dass 5% jeder Sponsoringsumme für die Schulung der Sponsoren und Partner – und der Mitarbeiterinnen des FCSP – von Betroffenenverbänden und Coaches verwendet wird. Da kann man mit Pinkstinks anfangen und über Beraterinnen, wie Noah Sow und andere sich einen echten Benefit einkaufen.

Ich habe den FC St. Pauli um eine Stellungnahme gebeten, die ich hier nachtrage, wenn sie eintrifft. Ich habe schnell eine Antwort aus der Geschäftsstelle erhalten, danke dafür.

Ansonsten hat Starcar mit dieser Aktion mindestens einen langjährigen Kunden verloren: mich.

Visiting Glasgow

„Love Glasgow“

Ich weiß ja, dass St. Pauli und den Celtic FC vor allem seine Anhänger und uns eine lange Liebe zueinander verbindet.

Wie stark aber die Bande zwischen St. Pauli und der schottischen Metropole sich knüpft und wie lebendig und gegenwärtig St. Pauli auf der Insel ist, das habe ich vergangenes Wochenende das erste Mal erlebt.

„Hej, are you from St. Pauli?“

Auf der Straße, in der Vorortbahn vom Schaffner, vom Vermieter bis zur Bardame – alle freuen sich, dich zu sehen, erwähnen die Freundschaft zwischen Glasgow und St. Pauli. Ich bin beeindruckt von dieser Präsenz, die St. Pauli im schottischen Industriegürtel hat.

Willi, Markus und ich sind das erste Mal zusammen auf „Bildungsfahrt“, das haben wir uns für die kommenden Jahre vorgenommen, unseren Horizont zu erweitern und uns andere Grounds und Ligen anzusehen. Schottland liegt da nahe.

  • Die schottische erste Liga hat ungefähr unser Niveau 😉
  • Die Ticketpreise sind erschwinglich (22 Pfund für einen Sitzplatz beim St. Mirren FC)
  • Es fliegt eine „Billig Airline“ direkt vion Hamburg (easyjet)
  • Glasgow und St. Mirren gehören zu den „Friends of Carlotta“, denjenigen Vereinen, bei denen man mit dem Jolly Roger auf dem Bauch willkommen ist.

St. Pauli Podcast from Glasgow with love

Der St. Pauli Podcast besucht Glasgow und Paisley

**Der St. Pauli POP Podcast besucht Glasgow … ** … und besucht ein Konzert von Brix and the Extricated und ein Spiel des St. Mirren FC – wie für St. Paulianer üblich: ein Abstiegsknaller nur diesmal in der 1. schottischen Liga …

Totally Wired – Live (Brix and the Extricated)

St. Mirren FC vs Livingston FC

Rocko Schamonis Roman "Große Freiheit": Zwergkaninchen auf Riesenschultern – ein wohlwollender Verriss

Rocko Schamoni, Foto: Rocko Schamoni
Rocko Schamoni, Foto: Rocko Schamoni

Rocko Schamoni hat einen Roman geschrieben. Ich habe ihn mir durchgelesen – nach „Dorfpunks“ das erste Buch von Rocko, das ich ganz durch bekommen habe, ohne es entnervt in die Ecke zu feuern.

Dabei mag ich Schamoni, ist er doch ein St. Paulianisches Original, Mitbegründer eines meiner Lieblingsklubs, dem Pudel und umtriebiger Ausprobierer.

Das Theaterstück im Schauspielhaus, das auf seinem Roman „Dorfpunks“ basierte war hervorragend. Und doch werde ich mit dem Romanautor Rocko nicht warm.

Podcast-Review: Grosse Freiheit

Hamburg spricht wieder über Hubert Fichte

Schamonis größte Leistung ist, dass nun wieder viel über Hubert Fichte gesprochen wird, den ersten Pop-Literaten, den Hamburg hatte, bekennend bisexuell und das zu einer Zeit, in der Liebe unter Männern noch strafbar war. Aus dem Schatten des Originals schafft es der Roman „Große Freiheit“ nicht einmal ansatzweise. Schamoni erzählt emotionslos die bekannte Geschichte des Puffbesitzers Wolli Köhler, schmückt sie hier und da ein wenig aus, ohne seine Figuren tiefere Wesenszüge zeigen zu lassen.

Wolli der Anreißer, Wolli der Lude und Wolli der Laufhausbesitzer bleiben blass, eigentlich treiben alle drei durch den Stadtteil, wollen weder böse noch gewalttätig sein – ein Gutmensch als Zuhälter? Dabei weiß man doch – spätestens seit dem Originalinterview mit Hubert Fichte, wie vielschichtig und politisch interessiert „Wolli Indienfahrer“ war.

Was fehlt: eine weibliche Stimme

Frauen finden in Schamonis Roman auch statt, allerdings nur am Rande. Dabei wäre die Figur der „Mauli“ oder „Maulwurf“, Wollis Freundin, Geliebte und Hure eine gewesen, die St. Pauli aus der Sicht der Sexarbeiterinnen hätte erzählen können.

Diese Chance lässt Schamoni verstreichen, garniert seinen Roman lieber „gumpesk“ mit lauter Zeitgeschehen. Namedropping steht auch ganz oben auf Schamonis Liste; ohne Bezug zur Geschichte rauschen die Beatles und andere Stars der 60er Jahre, allerdings wie Brühe durch den Roman.

Frei.wild oder Freibeuter – ihr müsst euch entscheiden, Förde Show Concept

Beides geht nicht!

UPDATE: Der Betreiber des Flens-Arena hat inzwischen das Frei.Wild Konzert abgesagt!

Frei.wild Konzert Flensburg
Photo credit: Maik Meid on Visualhunt.com / CC BY-SA

Die Flensburger Firma Förde Show Concept betreibt im dänischen Grenzgebiet die Flens-Arena und bewirtet außerdem uns Fußballfans beim FC St. Pauli an Spieltagen. Eine Partnerschaft, die selten in den Fokus der Öffentlichkeit gerät – bis jetzt.

Ausgerechnet am 20. April, an Hitlers 130. Geburtstag, toleriert der Partner unseres Antifa-Klubs ein Konzert der umstrittenen südtiroler Band Frei.wild.

Dagegen regt sich in Widerstand – nicht nur an der Flensburger Förde.

Ich meine, wer Partner des FC St. Pauli ist, dem sollte klipp und klar sein:

Entweder St. Pauli oder Frei.wild – beides zusammen geht nicht.

Inzwischen hat sich eine Online-Petition gebildet:

Ein buntes Flensburg lebt von der aktiven Auseinandersetzung darüber, wie wir in unserer Stadt friedlich in Vielfalt zusammen leben können. Rechtspopulisten aktiv eine Bühne zu bieten, gehört aus unserer Sicht nicht dazu. Wir werden dem geplanten Konzert daher nicht widerspruchslos zusehen.

Online Petition gg Frei.Wild in Flensburg

RadioAktive Fanszene

Photo credit: DocChewbacca on Visualhunt.com / CC BY-NC-SA

In seiner Rede vor der Enquete Kommission des Bundestages „Internet und digitale Gesellschaft“, beschrieb Dr. Peter Kruse bereits 2011 ein Phänomen, mit dem sich auch die Fanschaft des FC St. Pauli auseinander setzen muss – ob sie will oder nicht: Sich aufschaukelnde soziale Systeme.

„Wir leben in einer Welt, in der wir die Vernetzungsdichte hochgejagt haben und dann die Spontaktivität. Und wenn dann noch eine kreisende Erregung dazu kommt, werden solche Systeme plötzlich mächtig und schaukeln sich hoch. Diese sind nicht zu kontrollieren und es ist nicht vorherzusagen, wo das Ganze passiert“

Dr. Peter Kruse

Und genau das passiert in unserer Fanschaft, immer wieder und immer intensiver, denn die Vernetzung zwischen den Gruppen nimmt zu; zwischen Teilen der Fanschaft, die bisher einigermaßen getrennt waren, wie die sich selbst so bezeichnende „Aktive Fanszene“ und dem Rest.

Dabei ist es unmöglich, vorherzusagen, welcher Vorgang, welche Erregung sich zu einem Sturm aufbaut. Nur eines ist meiner Ansicht nach klar: benimmt man sich wie einst Gerhard Schröder und versucht seine Deutungsmacht mit Ignoranz und einem Basta zu zementieren, macht man Konflikte schlimmer; schlimmer, als sie sein müssten.

„2019 muss eine aktive Fanszene nicht über jedes Stöckchen springen. Denn wir sind St. Pauli. Ihr könntet es werden. Aber nicht so.“

Magischer FC Blog

Das aktuellste Thema, an dem die „Aktive Fanschaft“ oder diejenigen, die sich dafür halten, auf oben beschriebene Netzwerkeffekte treffen, ist die Antwort der Supporter des FC St. Pauli auf die unsäglichen Provokationen und Aktionen des Dresdner Anhangs.

Früher ™, da war das einigermaßen überschaubar. Es gab eine kleine, geschlossene Gruppe von Aktiven, die sich in Treffen auf die Auswärtsfahrt vorbereiteten. In diese Gruppen schaute man von außen nicht hinein und herauszuschauen lohnte sich auch nicht wirklich; der Distinktionsgewinn durch Ab- und Ausgrenzung, der emotionale Lohn des Aktivismus, schmeckt eben auch in der Irgendwielinken süß.

Störungen, bspw. durch Internetfuzzis, waren da zwar lästig, aber nicht machtgefährdend.

Das ist nun anders; auf Facebook gründen sich Gruppen von St. Paulianerinnen, die spontan erregt, nach Kruses Modell, Resonanz erzeugen. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Anliegen durchdacht, naiv oder populistisch vorgetragen wird – es erzeugt Macht. Und dies fordert die Mächtigen beim FC St. Pauli heraus.

Die sakrosankte Idee: Beim St.-Pauli-Auswärtsspiel in Dresden sollten nur Frauen im Gästeblock stehen – „als Antwort auf diese sexistischen Banner und als Zeichen für alle Frauen, die gerne ins Stadion gehen“, wie die Initiatorin es beschrieb.

Eine durchaus kontrovers diskutable Idee, um die es hier aber nicht gehen soll.

Mir geht es um die Reaktionen derer, die sich für etwas Besseres halten, um diejenigen, die meinen, dass sie Diskussionen durch ein schrödersches Basta beenden oder gar nicht erst führen müssen.

Ausgrenzen und Abkanzeln sind Formen der Gewalt

Es sind Machterhaltsreaktionen, wie sie im Buche stehen, die mich kreisförmig erregen:

  • Macht ausüben durch Ignorieren
  • Klappt das nicht wird abgewertet
  • … auf eine ominöse Laufbahn und Qualifikation hingewiesen, die man besitzen muss, um St. Paulianerin zu sein
  • Am Ende kommt es durch „Trolle in braun-weiss“ zu Beschimpfungen („Bitches“) und dem geäußerten Wunsch, dass die „Inititatorinnen das Stadion in Dresden doch bitte nicht erreichen mögen und vorher von Steinen erschlagen“.

HALLO!? MERKT IHR NOCH WAS?

Diese Debatte, wer nun so richtig St. Pauli ist und wer nicht, ist ja nicht neu – diese selbstbeweihräuchernde Herleitung des selbstbezüglichen Heldengedenkens ist es aber schon. Feiern sich wie die Pilgrim-Gründerväter und bauen mauern gegen Fanszene-Immigranten. Das ist politisch nicht harmlos.

Dabei spielt es keine Rolle, was einzelne Teilnehmer im Netzwerk St. Pauli (in Kruses Fachsprache „Nodes“ genannt) genau gesagt oder geschrieben haben, die Mitverantwortung für das, was hinten an „Hass und Hetze“ heraus kommt, tragen wir alle – vor allem wir Blogger (was ich in einem anderen Zusammenhang auch erst lernen musste)

Es klingt beinahe, wie ein Treppenwitz, dass in einem Text, in dem ausgerechnet dem Übersteiger, St. Paulis ältestem Fanzine, der Mund verboten wird, sich über das Gemackere auf der Süd (zu recht) aufgeregt, aber nicht geblickt wird, dass das synonyme Machteffekte sind.

„Und wenn wir das dann ansprechen, dann müsst ihr uns nicht den Rest des Spiels auf ziemlich niedrigem Niveau beleidigen. Verwendet das mal lieber auf die Reflexion, warum wir da nicht mitmachen und ob wir nicht vielleicht doch auch einen kleinen Punkt haben.“

http://www.magischerfc.de/wordpress/?p=9425?

Lösen kann systemische Konflikte nur die Empathie

Dr. Kruses Lösungsansatz war die „Empathie“, das wohlwollende Wahrnehmen von dem, was gerade ist.

Und zu dieser möchte ich die Fanschaft des FC St. Pauli aufrufen.

Voraussetzung dafür ist jedoch, anzuerkennen, dass es in diesem Verein, außer der Mitgliedschaft und dem Bekenntnis zu unseren Leitlinien keine weiteren Machtbefugnisse gibt. Nicht durch vergangene Leistungen, nicht durch Erscheinen auf Sitzungen und nicht durch Reichweite.

Dabei verlange ich garnicht, dass bspw. die Süd und ihre Gruppen sich mir oder anderen gegenüber erklären sollen, was sie wo planen. Nur wahrzunehmen und zu akzeptieren, dass es auch andere Aktive in diesem Netzwerk St. Pauli gibt, das kann ich verlangen.

„Wenn ich das alles vorher gewusst hätte, wäre die Idee für immer unausgesprochen geblieben!“, schrieb mir eine der Initiatorinnen – und dieses Ergebnis ist fatal für eine lebendige, vernetzte Fankultur, in der spontan eben Aktive Fanszenen entstehen, solche, die sich eurer Kontrolle entziehen!


Auschnitt: Beitrag von Prof.Dr. Peter Kruse bei der 4.Sitzung der Enquete Kommision „Internet und digitale Gesellschaft“, im Deutschen Bundestag 2011.

Klar zur Wende, FC St. Pauli

Aufkleber: Für immer und ewig Millerntor

Die Boys in Brown und ihre Anhänger haben ein Deja vu. Wie im Spätsommer 2018 erreicht die Spielfreude, das Selbstbewußtsein, das Gefüge FC St. Pauli einen sportlichen Tiefpunkt. Ausgerechnet und erwartet: gegen Erzgebirge Aue.

Mopo: „Hat St. Pauli ne Krise?
Markus Kauczinski: „Das könnt ihr euch aussuchen“

FC St. Pauli TV, Trainerrunde nach dem Spiel gegen Aue

Es folgt das Heimspiel gegen Ingolstadt, das im letzten Jahr die Wende brachte und den Verein mit weiteren glücklichen Wendungen, in Form von späten Toren, auf einen Aufstiegsplatz. Vorher war Markus Kauczinski vom Hamburger Boulevard an den Rand der Entlassung geschrieben worden, allen voran von der BILD-Zeitung. Und in der Tat, es gab wohl „einen Plan B“, wie mir gut unterrichtete Kreise später bestätigten. Wie oder wer dieser Plan B war – Spatzen pfiffen den Namen des amtierenden HSV-Trainers vom Dach der Domschänke – weiss ich nicht; am Ende brauchte ihn auch keiner.

So wie der FCSP auch heute keinen „Plan B“ braucht. Warum auch? Nur weil Redakteur Dierenga in der Zeitung mit den großen Buchstaben den Konjunktiv aufs Äußerste dehnt?

Wer erwartet, dass Kauschi gehen muss, nur weil „der Aufstieg“ gefährdet ist, hat St. Pauli nicht verstanden!

Nicht falsch verstehen: ich mag den Boulevard; eine mediale Kultur des Gespräches am Gartentor, wie es lange im Norden Usus war und sich auch in jedem Forum manifestiert, hat eine wichtige Funktion. Und auch das Auguren und das Verteilen rhetorischer Fragezeichen hat da seinen Platz. Wenn man sich aber den FC St. Pauli unter Oke Göttlich anschaut, sieht, was Uwe Stöver und Kauczinsky binnen Jahresfrist gemacht und geschafft haben, nämlich einen Verein, der tatsächlich nach dem 22. Spieltag auf dem – übrigens vom Präsidium ausgegebenen – 6. Platz steht, der rechnet nicht ernsthaft mit einer Demission.

Re.

Und so fühlt es sich für unsere Jungs auf dem Rasen sicher komisch an, dass im Umfeld Druck aufgebaut wird, sich der Tabellenplatz aber partout nicht so anfühlen will.

„Aue ist immer der Tiefpunkt der Saison“

Der junge Herr Dirk, Gegengerade

So startet der FC St. Pauli in eine Woche, die sich als gutes Omen nach dem „Tiefpunkt der Saison“ anfühlen darf. Mit Ingolstadt kommt ein Team, das sich gerade aus dem Keller puhlt, aber ohne nennenswerte magische Vorteile unser Millerntor besucht, wie noch ihre Vorgänger aus dem Erzgebirge.

Im Gegenteil, magisch scheinen wir gut aufgeladen, und nachdem ausgerechnet der Ersatzbusfahrer von Aue unsere Gegengerade in längst vergessene Wallungen brachte, sehe ich gute Chancen, dass sich unsere Jungs anstecken lassen und zur Wende gehen – der Lust verpflichtet und nicht dem Druck eines vermeintlichen Zieles, den der Zaunzausel der BILD vorgibt.

R.I.P. Citro

Bruno Ganz ist tot. Das berührt mich. Aber – eigentlich wollte ich nur eure Aufmerksamkeit. Denn Citro ist auch tot.

Citro kennt ihr nicht. Es sei denn, ihr gehört zu den Menschen, die immer und immer wieder mit mir auf diesen paar Quadratmetern in der Gegengerade stehen.

Citro steht da nicht mehr. Mal stand er neben mir, mal vor mir. Nie hinter mir. Denn er musste sich immer am Wellenbrecher abstützen. Denn Citro hatte einen Herzschrittmacher und trotzdem immer das Leben mit vollen Lungen genossen. Citro war ein Experiment. Wieviel THC kann ein Körper aufnehmen, bevor er sich immaterialisiert?

Citro hatte immer seinen Trommelrevolver dabei. 7 sorgfältig vorbereitete Tüten mit irgendwas, das nicht von dieser Welt war. Vielleicht direkt von Baron de Lefuet. Citro konnte allein das Spiel drehen. Denn seine Tüten haben die Stimmung der GG mehr beeinflusst als jede verabredete Aktion im Forum. Sein Spirit drehte Kreise. Denn irgendwann reichte man diese Raketen nur noch nach hinten, weil der letzte Rest Verstand um Gnade winselte. Aus drei Menschen wurden sechs, aus sechs zwölf. Aus zwölf fünfzig. Und aus fünfzig der ROAR. Citro konnte ein Spiel drehen. 

Ich weiß bis heute nicht mal wie Citro heißt. Er war schon immer da. Wie Morla, die Schildkröte. Weise, faltig, muffend, Citro war immer schon da. Immer mit geschmacklosen T-Shirts. Im Sommer immer verschwitzt. Er kam immer zu spät. Immer eine Minute vor Spielbeginn. Das gehörte zum Zeremoniell. Citro! Noch schnell ein ganz schlechter Witz bevor die Gitarre kommt und das Konfetti fliegt.

Wie habe ich es geliebt, diesen nassen schwitzenden Mann zu umarmen, wenn wir ein Tor geschossen haben. 

Jetzt ist Citro nicht mehr da. Man sagt, er sei einfach nicht mehr aufgewacht. Nun, wir hatten es erwartet. Herzschrittmacher, er konnte kaum noch gehen, ohne in extremste Atemnot zu kommen. Wir haben es geahnt. Ich konnte heute nicht beim Aue Spiel sein und ihm mit der Bezugsgruppe die Ehre erweisen. Darum tu ich es hier.

Citro, ich werde dich unfassbar vermissen. Denn Menschen wie Du sind der Grund, warum Menschen wie ich immer wieder an diesen Ort gehen. Ob am Millerntor, auf Mordor, in Deutschland, in der ganzen Welt. Menschen wie Du sind der Grund, warum Menschen wie wir uns bei Regen und Schnee immer und immer wieder den Arsch abfrieren, warum wir uns gefühlt immer einmal mehr Leid antun als wir Freude zurückbekommen. Wegen Menschen wie Dir. Menschen mit denen man diesen einen Moment erleben kann. Diesen einen perfekten Moment. Ohne, dass man weiß, wie diese Menschen heißen, was sie als Beruf machen oder was sie verdienen.

Citro!

Ich habe nicht mal ein Bild von Dir.

Egal. 

Ich weiß aber, wie es sich anfühlte, dich bei Song 2 zu drücken.

Hot Old Men

Früher ™ gab es bei uns Internethoschis eine recht alberne Freizeitbeschäftigung: wir versuchten, zu selten gefragten oder abwegigen Suchbegriffen auf Nummer #1 bei Google zu ranken.

Daran musste ich gerade denken, als der Magische FC Blog auf Twitter schrieb, dass der Blog (derzeit auf Rang 18) bei Google zum Keyword „Hot Old Men“ rankt. Mein erster Gedanke, gerade, wenn ich an den honorable elder Blogger dort denke; „Challenge accepted“ 🙂

Hot Old Men (unordered Top 5)

Old Man with Bong, Photo credit: Jack Zalium on Visualhunt / CC BY-NC
  1. Henry Rollins
  2. Old Man with Bong
  3. Old man with Gauloises
  4. Alex Meier
  5. Ralle Gunesch

„Wenn ihr „Hot old Men“ bei Google eingebt, findet ihr relativ schnell* diesen Artikel: „Hot Take / No Aufsichtsrat for old Men“ Unser Blogsenior behauptet, dass liege daran, dass er ein Hot old Men sei. Äh nun ja.“

Magischer FC Blog auf Twitter

Mein Favorit als „Hottest Old Man“

hot old man
Gauloises – Photo credit: Neil. Moralee on VisualHunt.com / CC BY-NC-ND

St. Pauli Stadtteilversammlung fordert: den Kiez für alle Menschen attraktiver machen!

400 Menschen haben sich am vergangenen Wochenende im Ballsaal des FC St. Pauli eingfunden, um über den Stadtteil und das Miteinander zu diskutieren. Gemeinsam haben sie eine neue Resolution zur Lage im Stadtteil verabschiedet: 

3. BALLSAAL-RESOLUTION

Foto: St. Pauli selber machen, Facebook.

Die Stadtteilversammlung St. Pauli erklärt:

  1. Wir fordern den Erhalt der denkmalgeschützten Schiller-Oper von 1891 und eine Beteiligung der Anwohner*innen für eine stadtteilverträgliche Nutzung.
  2. Wir fordern das Grundrecht auf angstfreies Arbeiten und Wohnen vor privater Rendite.
  3. Solidarität mit Geflüchteten statt Kriminalisierung – kein Rassismus, kein Stress: Stoppt rassistische Kontrollen! Wir unterstützen den Raum der Solidarität von Kan Kilin.
  4. Her mit der Ausweitung der sozialen Unterstützung: Strassensozialarbeit für St. Pauli!
  5. Schluss mit der Ausweitung der Partyzone in die Wohnstraßen. Respect The Neighbourhood! 
  6. Die Stadt soll die Lärmschutz-Sanierung des Otzenbunkers unterstützen oder den Bunker gleich selbst kaufen und sanieren. Denn: St. Pauli braucht bezahlbare Proberäume.
  7. Wir sehen die 2015 zwischen Bezirk, PlanBude und Bayerischer Hausbau ausgehandelten Eckpunkte als verbindlich an. Mit Unterzeichnung des Städtebaulichen Vertrags hat sich die Politik verpflichtet, die der Öffentlichkeit zugute kommenden Elemente möglich zu machen: Das Nachbarschaftscluster und die genossenschaftliche Baugruppe müssen ermöglicht werden: 
    • – durch Kauf des Bodens 
    • – durch günstige Erbpacht 
    • – durch innovative Finanzierungs- und Förderinstrumente.
    • Der Bezirk muss das B-Plan-Verfahren auf Eis legen, bis Cluster, Baugruppe, Molotow, Kogge und öffentliche Dächer vertraglich abgesichert sind. Nur so schafft die Stadt in St. Pauli einen Prototyp für eine andere, bessere Planung und Stadtgestaltung.
  8. Nicht nur St. Pauli, ganz Hamburg braucht eine Wohnungspolitik wie in Wien: bei Neubauten 2/3 Sozialwohnungen mit einer Miete von 5 Euro pro qm. Und: Die Stadt muss ab jetzt bei jeder Gelegenheit ihr Vorkaufsrecht wahrnehmen.
  9. Keine neuen Hotels mehr auf St. Pauli.
  10. Reine Airbnb-Wohnungen dicht machen. Wohnraum ist zum Wohnen da.
  11. Die Zahl der Großevents auf St. Pauli muss endlich reduziert werden. Schlagermove in andere Stadtteile verlegen – schon in diesem Jahr.

St. Pauli, 10. Februar 2019

Ungenau, zu spät, ungefährlich – liebenswert

Ich hatte es angekündigt und ziehe das durch: Kein gerader Blick auf dieses Spiel gegen den Aufstiegsaspiranten Nummer eins. Der lohnt sich nämlich erfahrungsgemäß nicht.

Für jedes St. Pauli Tor gibt es im Kick & Company einen Schnaps: heute gab es nur einen 😉

Wie in meinem Podcast angedeutet, werte ich diese deutliche Niederlage als wichtige Korrekur, als Zeit an der Ladesäule der Magie. Stellt euch doch mal vor, wir hätten das noch gedreht?, die offensichtlichen Schwächen dieser Boys in Brown hätten sich als Ballast auf unsere Jungs gelegt, wie ägyptische Grabquader auf Sklavenschultern.

Nichts wiegt schwerer, als das Delta zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Wobei wir am Millerntor ja in der Lage sind, letztere zu gestalten, wie am vergangenen Montag.

Genau gegen ungenau.
Präzise gegen gewollt.?
?Zum lieben ist also viel Richtiges da
;() #koefcsp ?

SPNU bei Facebook

Ich habe mich wieder verlieben können, in meinen Schwarm, Schnecke Kalla: eine Halbzeit Championsleague, eine Bezirksliga. Ich erinnere mich da in solchen Situationen, wie in Köln, als er in der 1. Halbzeit einer der wenigen St. Paulianer auf Augenhöhe war und später zwei seiner eklatanteren Stellungsfehler zu den Gegentoren 2 und 3 führen, an ein Gespräch in Altona, wo ich ihn zu fortgeschrittener Stunde fragte, wie er sich erkläre, dass er immer entweder erstklassig oder oberligareif spielt. Seine Antwort fiele heute Abend wohl genauso ehrlich aus, wie damals: „Das hast Du auch schon festgestellt?, Ja, wenn ich es abstellen könnte, würde ich es tun.“

Ihr könnt euch vorstellen: ich liebe ihn seither mehr, als vorher. Und das geht mir mit den meisten Jungs in braun-weiss heute auch so. Bis auf einen -Willi, Du weisst, wen ich meine; und regelmäßige HörerInnen meines Podcast auch*.

Willi, der Podcast-Host von uns, der was von Fußball versteht, hat maximal mit einem Punkt aus den ersten drei Spielen gerechnet – gegen Darmstadt 😉 So kann das kommen in Liga 2. Ist nicht schlimm.

Und Svend, wenn man viermal hinter sich greift und doch der beste Paulianer ist, dann ist das ein gelungenes Premierenspiel, auch wenn es sich selbst unter der Dusche nicht so anfühlt. Vielen Dank, Großer, dass Du uns so lange im Spiel gehalten hast.

… und *Christopher Buchtmann sucht sicher immer noch; seine Form, und die Schuld bei allen anderen, nur nicht bei seiner Attitude. Aber darüber wollte ich heute ja gar nicht sprechen, das wäre ein viel zu direkter Blick auf das Spiel 😉

Parole automatique de Saint Paulé

Podcasten in meiner Küche

Ich bin großer Anhänger des freien Assoziieren, wie der geneigte Leser dieses Blogs weiß. In meinem Nebenprojekt Blogfrei schreibe ich seit Jahren in das Internet, in Form der Ecriture Automatique.

Nun kann man das freie Assoziieren auch auf unser Herzenssujet, St. Pauli, anwenden, wie ich finde – und das probiere ich gerade aus. In meinem Podcast; quasi als „Parole Automatique“ – automatisches Sprechen.

„Podcast Automatique“

das freie Assoziieren über den FC St. Pauli, unseren Kiez ud diesen Podcast; über die Menschen, die diesen Verein ausmachen, den langen Weg, den er gegangen ist, was Musik damit zu tun hat und Stottern am Ende auch – das bespreche ich in einer Solofolge – also ohne Gäste; denn die seit ihr – unsere Hörerinnen 😉 -> Bonustrailer: Das ist unser St. Pauli POPcast

Überall Geister …

Der Geist der verhinderten Tabellenführung

Die Dinge mit denen wir uns beschäftigen, prägen unsere Wahrnehmung der Welt. Dabei frage ich mich regelmäßig, was sich denn außer dem Sohn von Nico Hoogma so geisterhaftiges in unsere Gegenwart drängt, dass so ein Spiel wie gegen Darmstadt entsteht.

Hauntologie auf Sankt Pauli

Wer jetzt denkt, der Blogger wird irre: es handelt sich bei der Hauntologie um eine seriöse Wissenschaft und einen bestechenden Gedanken obendrein, nämlich dass sich Wirklichkeiten und Ideen aus der Vergangenheit als geisterhafte Erscheinungen in der Gegenwart manifestieren, wie Marx in der Finanzkrise oder das Verlieren gegen Underdogs beim FC St. Paul

Der Geist von Bernd Nehrig fährt Flum in die Beine

Was war denn das anderes, als der Geist von Bernd Nehrigs Vergangenheit, die unserem neuen Kapitän Flum da in die Beine fuhr vor dem Ausgleich der bereits so gut wie geschlagenen Lilien?

Da auch Orte regelmäßig mit Erscheinungen, die Kultur prägen, heimgesucht werden, sollte man auch das Böllenfalltor sich genauer ansehen. Als St. Paulianer hat man dort ja sehr gute Erinnerungen an Niederlagen, die gleichzeitig den Klassenerhalt bedeuten. Gibt es am Ende allen Grund, sich zu freuen über das bittere Ergebnis?

Podcast: Hauntologie

Bereits am Montag haben Willi (DJ und Produzent), Christian (POP-Autor und Philosoph) und ich uns über diese Themen unterhalten; in der neuesten Episode unseres Podcast St. Pauli POP*:

Sorry für den Hall, wir haben beim Griechen aufgenommen. Ich suche immer noch nach einer Locastion, in der man nett zusammen sitzen kann und die dennoch eine gute (weil keine) Akustik hat. Vorschläge gerne in die Kommentare.

“Gelder sind vorhanden”

Der FC St. Pauli und das liebe Geld, das ist bekanntlich eine Hassliebe. Von der antikapitalistischen Fanszene, die aber doch erstklassig Profifußball spielen will, von ihrer Bedeutung als Zielgruppe bis zur Wandlung des Vereins vom Bittsteller (Solispiel gg Bayern München) zum Mittelständler mit Millionenüberschuss.

All dies zeigt: Geld regiert auch unsere Welt. Und frei nach Adorno sucht dieser Klub permanent und konfliktreich nach dem “richtigen Fußball im Falschen“.

Unser Podcast Thema ist deswegen auch immer wieder aktuell:

St. Pauli und das liebe Geld:

Der Deniz Naki Effekt

Wieder verlässt ein Spieler den FC St. Pauli, der offensichtlich schwer in ein taktisches Konzept passt. Wieder ist es für mich ein Verlust, bei dem ich mich frage, ob er hätte verhindert werden können?

Cenk Sahin FC St. Pauli
Cenk Sahin FC St. Pauli – Foto: Northside via wikicommons

FC St. Pauli verleiht Cenk Sahin nach Ingolstadt

Das, was sich nach einer guten Lösung für alle anhört, dass Cenk Sahin in Ingolstadt spielen, sein ganzes Talent entfalten kann und der FC St. Pauli einen maulenden Maestro aus dem Kader wegverleiht und damit wieder Ruhe einkehrt, könnte den Blick auf ein tiefer liegendes Problem verstellen: Der moderne Fußball, auch der bei St. Pauli, bietet keinen Platz für Querköpfe.

„Cenk hat bei uns starke Konkurrenz auf seiner Position. Aktuell ist es schwer für ihn, sich durchzusetzen. … Wir haben seinem Wunsch nach einer Leihe entsprochen, um Cenk auch ein Stück weit neuen Mut und Selbstvertrauen zu geben. Wir glauben, dass dieser Weg für beide Seiten die beste Lösung ist“

Sportchef Uwe Stöver, FC St. Pauli

Deniz Naki, Fafa Picault und nun Cenk Sahin – ich sehe da ein Muster

In jeder Fußballergeneration beim FC St. Pauli gibt es einen, der ist anders als die anderen. Kreativer, verspielter, eigensinniger. Wird von seinen Trainern oft – vielleicht vorschnell – als schwer trainierbar klassifiziert und früher (Picault bei Ewald Lienen; Naki bei Schubert) oder später, wie Cenk nun bei Kauczinski, aussortiert.

Das macht mich jedes Mal sehr traurig. Ich frage mich: liegt das wirklich an den Spielern? Oder haben auch wir beim „anderen Fußballklub“ uns der bitteren Erkenntnis zu stellen, dass wir im Profibereich so agieren, wie alle anderen Bundesligisten auch?

Cenk Sahin, der freie Radikale

Dabei können Spieler, wie Naki, Picault oder Sahin den Unterschied machen. Durch ihre dem Chaos entlehnte Spielweise sind sie schwer auszurechnen, spielen an guten Tagen mühelos drei Gegenspielern auf einmal Knoten in die Beine, schlagen Haken, die keiner für möglich hält und reißen Lücken in die ihre Mitspieler dann tödlich stoßen können; die braven, die konventionell ausgebildeten, die taktisch Klügeren. Böse gesagt: die Angepassten.

Ich werde das Gefühl nicht los, dass der FC St. Pauli hier enormes Potenzial verschenkt, in diesem Fall schlauerweise nur verleiht. Der Kontakt zu unserem Lieblingsquerdenker am Ball darf dieses Mal aber nicht abreißen, Uwe! Sonst droht uns eine Situation, wie bei Marvin Duksch – der Spieler wird zurecht muksch.

Heckmeck um alternative Routen für den Schlagermove

Schlagermove Sperrungen im Viertel.

Das Bezirksamt Mitte versucht es richtig zu machen und den Prozess um die Diskussion, ob und wie der Schlagermove, Hamburgs umstrittendste Großveranstaltung, stattfinden soll, einigermaßen transparent zu machen.

Dazu lud das Amt zu einer öffentlichen Anhörung, die so ausging, wie zu befürchten war:

An die Menschen auf St. Pauli denkt am Ende niemand

Gestern gab es im City-Ausschuss Mitte eine öffentliche Anhörung zum Schlagermove. Dessen Betreiberin, die Hossa-Hossa Veranstaltungs-GmbH, präsentierte vier Alternativrouten, die anhand eines langen Kriterienkatalogs als nicht machbar verworfen wurden. Infos zu den einzelnen Alternativrouten findet ihr beim jeweiligen Bild (jeweils aus der Erinnerung nachgezeichnet).

Notizen aus der Anhörung über den Schlagermove

– Ein Kriterium Anwohner-Akzeptanz gibt es nicht. Stattdessen jede Menge verkehrs- und sicherheitstechnische Kriterien, darunter einige KO-Kriterien.

KO-Kritierien für eine Verlegung des Schlagermove

Gefordert wird eine Rundstrecke, die an einem Gelände beginnt, dass wie das Heiligengeistfeld ca. 65.000 qm Platz bietet. Begründung: Es braucht einen Ort für den Auf- und Abbau der 46 Trucks. Der anwesende Polizeivertreter erklärte, dieser Auf- und Abbau könnte nicht einfach so auf Straßen erfolgen. Da fragen wir uns, wieso das bei Paraden wie CSD oder We’ll Come United geht. Ist an den Schlagermove-Trucks irgendetwas so ungewöhnlich, dass es eine eigene Fläche braucht?

– Ein weiteres KO-Kriterium ist die „Einschließung“ des Viertels durch die Rundstrecke. St. Pauli Süd gilt als nicht eingeschlossen, weil Feuerwehr und Rettungsdienste im Falle eines Falles über Seewartenstraße und Hamburger Hochstraße über den Schlagermove hinweg erreicht werden könnten. Von den vier Alternativrouten hat keine solche Zufahrtswege über Brücken.

– Weitere Kriterien, wenn auch nicht KO-Kriterien waren: besonders beschwerdefreudige Anwohner sowie Läden und Gastronomie, die vom Schlagermove nicht durch höheren Absatz profitieren würden. Diese Läden und Gastrobetriebe finden sich in ausreichender Menge nur zwischen Reeperbahn und Fischmarkt. Dazu wurden bei manchen Alternativrouten auch zu enge Straßen und Kurven genannt. Ein größeres Nadelöhr als den Pepermölenbek können wir uns allerdings kaum Vorstellen.

Es drängt sich der Eindruck auf, dass der Kriterienkatalog für den Schlagermove über die Jahre so „gewachsen“ ist, dass er exakt nur auf eine Strecke in Hamburg passt: die seit Jahren genutzte um St. Pauli Süd herum.

St. Pauli selber machen schlug dann in der Fragestunde vor, dass der Bezirk doch einmal eine Studie in Auftrag geben möge, was die St. Paulianer*innen vom Schlagermove halten. Damit einmal Klarheit herrscht, wie viele (oder wenige) den Schlagermove eigentlich gut finden. Denn auch dieses Argument war wieder zu hören: Man kenne unter eigenen Freunden, die auf St. Pauli wohnen, einige, die sich jedes Jahr auf den Schlagermove freuen. Die würden wir auch gerne mal kennenlernen 😉

Die Linke-Fraktion hat sich bereit erklärt, einen Antrag für eine derartige Anwohner*innen-Befragung zu formulieren. Grüne und SPD würden eine solche Befragung unterstützen. Die CDU hat „ja, aber“ gesagt.

Grundsätzlich muss man aber sagen: Der Schlagermove lässt sich nicht getrennt von der Eventisierung von St. Pauli, sprich: den zu vielen Tourismus-Events, betrachten.

Ob Schlagermusik blöd ist, ob es zu viele Leute in den Straßen sind, ist nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass die Eventisierung den St. Paulianer*innen aufgedrückt wird, ohne je nachgefragt zu haben, nur weil man davon ausging, dass ein Stadtteil, in dem die Bewohner*innen selbst gerne trinken, feiern und laut sind, jeden beliebigen Aufriss okay finden würden. Genau das ist nicht der Fall.

Deshalb: Schlagermove ganz anders gestalten und jedes Jahr in einem anderen Viertel der Stadt abfahren.

22 Jahre Schlagermove auf St. Pauli begründen noch keine Tradition!

Alternativroute 1: St. Pauli Mitte/Nord

Alternativroute 1: St. Pauli Mitte/Nord
Glacischaussee - Feldstraße - Neuer Kamp - Budapester - Millerntorplatz - Holstenwall - Sievekingplatz - Glacischaussee
Alternativroute 1

Glacischaussee – Feldstraße – Neuer Kamp – Budapester – Millerntorplatz – Holstenwall – Sievekingplatz – Glacischaussee

Geht laut Veranstalter Hossa Hossa (sic!) nicht, weil: Einschließung, nicht „partizipierende“ Gastrobetriebe oder Gewerbe, Anwohner

Dieser Text erscheint hier mit der freundlichen Genehmigung von „St. Pauli selber machen“. Wer auf und bei St. Pauli selber mitmachen will, der informiere sich gerne bei „St. Pauli selber machen“s Website oder Facebook Seite.

St. Pauli Traumbilder #Podcast

Beatrix von Storch ertrinkend, in einem Sangria-Eimer, Clubklassiker, die die Welt verändern, Beats und Miss Marple, die Banksys Boyfriend slaughtert. Das sind Traumbilder dieses Podcasts, der seit diesem Jahr als „St. Pauli POP“ firmiert – FC St. Pauli, Kiez und Popkultur.

Love St. Pauli, love this Podcast?

st pauli podcast

Schlagermove: "den will keiner auf St. Pauli"

… außer einer Interessengemeinschaft (IG St. Pauli) mit besten Verbindungen und guter PR-Abteilung.

Fuck Schlagermove: via Instagram

Das war mein erster Gedanke, als ich heute in der Mopo und im Hamburger Abendblatt verwundert Schlagzeilen, wie diese las:

  • Umzug nach Wandsbek? St. Pauli will Schlagermove behalten (HA)
  • Schlagermove 2019 in Hamburg: Jetzt kämpft St. Pauli auf einmal um den Schlagermove (Mopo)

„Dabei war doch alles gut“, denke ich überrascht. Sogar der Bezirk hatte sich den jahrelangen Protesten ergeben und angekündigt, den Umzug ggf. zu verbieten. Zu eindeutig schienen sogar der Marketing-versessenen Politik in Hamburg die Belastungen der Anwohner.

Und hier liegt auch der Hase im Pfeffer begraben, oder des Pudels Kern 😉 – so offensichtlich sticht er einem mit seinem Hafer ins Auge, dass man sich wundert, dass man sich überhaupt gewundert hat: Die Interessengemeinschaft St. Pauli* vertritt nämlich gar nicht die „Interessen der Menschen auf St. Pauli“, sondern von einigen Geschäftsleuten auf dem Kiez.

Leute, die Macht und Einfluß haben … und vor allem sehr eigene Interessen, die primär monetär sind und mit dem, was die Bewohner St. Paulis wollen offensichtlich nicht übereinstimmen.

Für einige ihrer Mitglieder, so mein Eindruck, muss die Angst vor dem Umsatzverlust stärker sein, als die Furcht vor dieser Entlarvung, nämlich eigentlich kein lebendiges Teil St. Paulis (mehr) zu sein.

„Sich erst wortreich über zu viele Kioske und Billigalk zu beschweren und dann den Leuten hinterher zu trauern, die einen Großteil deren Kundschaft ausmachen, ist auch etwas irritierend …“

David Luther auf FB.

Die Menschen auf St. Pauli hassen den Schlagermove

Schlagermove Besoffene
Schlagermove Symbolbild: Photo credit: F. de Souza. on Visual Hunt / CC BY-NC-ND

Mit wem ich auch spreche, die Menschen auf St. Pauli, ob hipper Medienunternehmer, Kneipier, der über seinem Laden wohnt oder Lehrer im Stadtteil, sie alle haben gelernt, den Schlagermove zu hassen.

Vollgekotzte Straßen und Vorgärten, vollgepisste Hauseingänge, Kinderspielplätze mit kopulierenden Besoffenen. Das alles musste St. Pauli in einem Maß ertragen, das selbst dieses robuste Völkchen nicht länger hinnehmen wollte.

Und gerade als sich eine politische Lösung bietet, fällt wer den Menschen auf St. Pauli in den Rücken? Mit mächtig medialem Anlauf?

  • Der Verein, der 1985 als Interessensverband für die auf St. Pauli ansässigen Unternehmen und Betriebe gegründet wurde.
  • Er beeinflusst durch seine Aktivitäten das wirtschaftliche und soziale Geschehen im Stadtteil. Im besonderen Focus steht dabei die Entwicklung als touristischer Standort unter Berücksichtigung des eigenwilligen Charme und Flair St. Paulis. (mehr)

Fanladen Soli-Aktionen

Zwischen Weihnachten und Neujahr meldete der Fanladen St. Pauli, das Fanprojekt unseres FC St. Pauli, dass in seine Räume in der Gegengeraden des Millerntors eingebrochen wurde.

Im Fanladen wurde eingebrochen und neben der Kasse des Fanladens auch erhebliche Summen aus den Spendentöpfen wie beispielsweise der U18 und der BWH entwendet.
Gerade in der Vorweihnachtszeit habt ihr es ermöglicht, dass viele Projekte so gut laufen können – nun stehen wir mit sehr wenig da. Im neuen Jahr melden wir uns mit weiteren Infos nochmal dazu! Dennoch einen guten Rutsch!

Fanladen St. Pauli auf Facebook

Tatsächlich belaufen sich die Summen, die aus verschiedenen Kassen gestohlen wurden auf mehrere Tausend Euro; Geld, das nun für wichtige Projekte in 2019 fehlt.

Spenden gesucht

Sofort starteten Fanclubs Spendenaktionen, wie diese Paypal Spendensammlung, die wohl OK sein soll – zumindest weiss der Fanladen davon.

Spendenaktion via Paypal

Und über 5.000 gesammelte Euro sind schon eine Ansage, liebe St. Paulianer. Das ist schon toll.

Soli T-Shirt Aktion dieses Blogs

Spontan habe ich ein T-Shirt-Design, dass ich eigentlich erst später veröffentlichen wollte zu einer Soli-Shirt-Aktion via Teezily gezimmert.

Soli Shirt Aktion FAnladen
Soli Shirt Aktion dieses Blogs bei Teezily

Die Aktion ist inzwischen beendet, ca 125 EUR eingenommen. (Nachbestellungen sind weiterhin möglich)

Transparenz:

Brutto-Netto-Rechnung Soli Shirt Aktion

Insgesamt habe ich 182,73 EUR Provision von 18 verkauften Shirts erhalten.

Diese beinhalten 19% MwSt. und da ich diese auch noch versteuern muss (44,31% Grenzsteuersatz), bleiben als Reingewinn: 85,50 EUR.

Diese werde ich dem Fanladen überweisen, sobald die Zahlung an mich erfolgt ist.

Spendenkonto Fanladen St. Pauli

Wer außer meinem bescheidenen Beitrag (ich habe mir selbst zwei Shirts bestellt 😉 noch etwas überweisen möchte, der richte seine Zahlung bitte an:

  • JUSP Fanladen St. Pauli
  • IBAN: DE37200505501045210935
  • Swift: HASPDEHHXXX)
  • Stichwort: Soli Spende Fanladen St. Pauli

Willkommen zurück, Alex Meier #Podcast

„Jetzt Alex Meier verpflichten! Der Junge will noch kicken, hat Stallgeruch und ist ein geiler Typ! Auf gehts Uwe Stöver! Bitteeee!“

Mein Nebensteher Heiner wünschte sich bereits im Sommer Alex Meier zurück. Nun haben der „Fußballgott“ – und Sportchef Stöver ihn erhört.

Nun Fix: Der FC St. Pauli holt Alex Meier für den verletzten Henk Veerman

In unserem Podcast zum Rückrundenstart (am 6. Januar begann das erste Training) sprechen Willi und ich im Podcast über die „Goldenen Zeiten“, die dem FCSP nu bevorstehen …

***
Es gibt St. Paulianer, die vergisst man nicht. Holger Stanislawski ist beispielsweise so einer. Der frühere Spieler und Trainer taucht immer wieder auf, wenn es beim FC St. Pauli mal nicht so läuft. Und in den letzten Jahren läuft es vor allem im Sturm nicht bei den Kiezkickern.
Da, so die romantische Vorstellung meiner Nebensteher, die sich immer wieder mal artikuliert, könnten dann ehemalige St. Paulianer helfen, die es anderswo geschafft haben, die einfach zu gut waren, als dass sie ihre besten Fußballerjahre an einen „mittelmäßigen Zweitligisten“ verschwenden.

Alex Meier – ein St. Paulianer aus dem eigenen Nachwuchs

Alexander_Meier
Foto: „Alex Meier“ Wikicommons. CC-by-sa; Credit: M._B. – eigenes Werk

In diesem Sommer Winter ist es also Alexander Meier; Kult-Stürmer der Frankfurter Eintracht, der seine Fußballschuhe schon in der U23 unseres Klubs schnürte.
Der FC St. Pauli hat diese Woche die Verpflichtung vermeldet und reagiert damit auf die langwierige Verletzung von Angreifer Henk Veerman  und mit Alex Meier (Fußballgott) einen neuen Stürmer verpflichtet.
Sportchef Uwe Stöver einigte sich mit dem 35-Jährigen auf einen leistungsbezogenen Vertrag bis zum 30. Juni 2019.

„Ich erinnere mich gerne an meine erste Zeit bei St. Pauli. Ich habe hier den Sprung ins Profigeschäft geschafft. … Ich bin überzeugt, dass wir diesen positiven Weg auch in der Rückserie weiter gehen können. Dabei will ich dem Club jetzt helfen und deshalb war ich auch bereit, einen leistungsbezogenen Vertrag zu unterschreiben“, erklärt AM9 und ehemalige Torschützenkönig der Bundesliga und der 2. Liga. 

Wie steht ihr dazu? Hat Sportchef Stöver richtig gehandelt, den alten Recken zurück ans Millerntor zu locken?

Ein Pudel zu Weihnachten

A Poodle For Xmas
Photo credit: Jonathan Harford on Foter.com / CC BY-NC

Der norddeutsche Weihnachtsregen stobt mit sechs Grad über die Stadt. Mal aus Ost, mal aus West, irgendwie kann sich das Hamburger Wetter nicht entscheiden, nur soweit, als dass es einfach nicht weihnachtlich sein möchte.

Ein Pudel wird kommen – als elfengleiche Genossenschaft

Und trotzdem wird auf St. Pauli dem einen oder anderen ™ weihnachtlich zumute, was an einer ganz famosen Nachricht liegt: der Golden Pudel Club, gebranntes Kind und sagenumwobener Klub, ist in eine Stiftung überführt und damit vor Spekulation errettet.

Es ist vollbracht: Das Pudel Haus ist ab sofort komplett in Stiftungshand und für alle Zeiten dem Zugriff von Privatinteressen, Spekulationen und Marktbewegungen entzogen.
Nachdem vor 2 Jahren die Mara und Holger Cassens Stiftung eine Hälfte des Pudelgrundstücks vom Vorbesitzer übernommen hat, freuen wir uns zu verkünden, dass nun auch Rocko Schamoni, am Dienstag, den 18.12.2018, seine Grundstückshälfte, unter notarieller Aufsicht, in die Golden Pudel Stiftung, überführt hat.

Ein Pop-Podcast wird ein Jahr alt

Aber auch dieses Blog hat mehrere Gründe, sehr dankbar auf das vergangene Jahr zurück zu blicken. Wir sind nicht nur zehn Jahre alt geworden (feiern tun wir das nur irgendwann später), sondern haben auch den so oft angefangenen und dann wieder sein gelassenen Podcast ein volles Jahr durchgezogen. Inzwischen haben wir bis zu 3.500 Hörer_innen im Monat, 2.500 im Schnitt, wofür ich mich bei euch allen herzlich bedanken möchte!

Der aktuelle, der WeihnachtsPOPcast, versucht, das Format Podcast ein wenig weiter weg vom Thema Fußball (da gibt es auch schon viele tolle Podcasts) hin zu anderen Themen rund um den magischen Stadtteil zu entwickeln. Aktuell probieren wir uns an der Frage, welcher Song denn welcher Boy in Brown wäre, wäre er kein Profifußballer des FC St. Pauli, sondern reine Popkultur.

Herausgekommen ist nicht nur unsere Weihnachtsepisode, sondern auch eine passende Spotify Playlist, die sich unser Team sicher über die Feiertage immer wieder anhören wird.

So verabschiede ich euch in die Weihnachtstage; vielleicht sehen wir uns ja noch persönlich auf ein Glas Weißwein beim letzten Heimspiel des Jahres gegen Magedeburg.

Weihnachtspodcast (mit Spotify Playlist)

Pop und Pauli – sorry für das schlechte Wortspiel – gehören zusammen. Deswegen haben eure Lieblingspodcaster einen dazu geladen, der sich mit Popkultur auskennt. Zusammen mit Christian Bettges, Grimmepreis Gewinner und Autor, betrachten wir die Boys in Brown und fragen uns, welcher Song denn zu welchem Spieler passt?

Pauli-Popkultur zum Anhören

***

Playlist zum Podcast „From St. Pauli with love“ – 30 SONGS

AUF SPOTIFY WIEDERGEBEN
1.
White Horse
Laid Back • Good Vibes – The Very Best of Laid Back
3:57
2.
Something About Us Chilly Gonzales Version
Chilly Gonzales • Other People’s Pieces
3:02
3.
Another One Bites The Dust – Remastered 2011
Queen • The Game (2011 Remaster)
3:34
4.
Passion
The Flirts • 10 Cents For A Dance
5:03
5.
The Glamorous Life
Sheila E. • The Glamorous Life
9:03
6.
The Message
Dr. Dre, Mary J. Blige, Rell • 2001
5:04
7.
You Can’t Bring Me Down
Suicidal Tendencies • Lights…Camera…Revolution
5:48
8.
Love Shack
The B-52’s • Cosmic Thing
5:21
9.
The Cutter
Echo & the Bunnymen • Sharp Dressed Man: Rock This
3:52
10.
Firestarter
The Prodigy • The Fat Of The Land (Expanded Edition)
4:39
11.
Popcorn
Hot Butter • 28 Big Ones
2:31
12.
Body Count’s In The House
Body Count • Body Count
3:24
13.
Hungry Like the Wolf – Remastered
Duran Duran • Werewolves of London: A Monster Halloween Party
3:40
14.
Born in the USA – Live
Bruce Springsteen • Get Up! Stand Up! (Live) [Highlights from the Human Rights Concerts 1986-1998]
5:56
15.
Brick House
Commodores • Commodores
3:28
16.
When Will I Be Famous?
Bros • Boybands Forever
3:58
17.
Schickeria
Spider Murphy Gang • Dolce Vita
3:41
18.
Fly Away
Lenny Kravitz • 5
3:41
19.
Wouldn’t It Be Good
Nik Kershaw • Human Racing (Expanded Edition)
4:37
20.
The Look Of Love – Pt. 1
ABC • The Lexicon Of Love
3:29
21.
Love Is a Stranger
Eurythmics • Greatest Hits
3:41
22.
Walk This Way (feat. Aerosmith)
Run–D.M.C., Aerosmith • Raising Hell
5:09
23.
The Great Commandment
Camouflage • Voices & Images
4:17
24.
Ever Fallen in Love (With Someone You Shouldn’t’ve)?
Buzzcocks • Operators Manual (Buzzcocks Best)
2:42
25.
Vote For Me
The Specials • Vote For Me
5:01
26.
A Boy Named Sue – Live at San Quentin State Prison, San Quentin, CA – February 1969
Johnny Cash • At San Quentin (Legacy Edition)
3:45
27.
Soul Mining
The The • Soul Mining
4:47
28.
T.N.T.
AC/DC • High Voltage
3:34
29.
Buffalo Stance
Neneh Cherry • Raw Like Sushi
5:42
30.
The Best Things in Life Are Free
Bing Crosby • The Complete United Artist Sessions
2:25

JHV verhindert "Unterwanderung": Kein Rauchverbot am Millerntor

Die JHV des FC St. Pauli ist das mächtigste Gremium des Vereins. Was hier beschlossen wird, ist für das Präsidium und seine Angestellten bindend. So waren in der Vergangenheit schon der Verkauf des Stadionnamens oder die Beauftragung von Ausbeuterfirmen verboten worden. Mir ging es in der ersten Version dieses Textes mit dem Verbieten ein wenig zu weit – und das ging es der Versammlung wohl auch: Der Antrag „Rauchfreies Stadion“ wurde mehrheitlich abgelehnt.

Abgelehnt: Die Jahreshauptversammlung lehnt Pro-rauchfrei Antrag ab

Photo credit: Victor Bezrukov on VisualHunt / CC BY-NC

Die Versammlung sollte beschließen, „zum Schutz der Nichtraucher ein Rauchverbot“ einzuführen, hieß es in dem am 19.11. eingegangen Antrag. Ich fand, das geht zu weit.

„Schaut euch den Antragsteller genau an“, Flurfunk vor der JHV

Ich bin selbst Nichtraucher und ja, mich stört es auch ab und an, wenn allzu viel vor mir gequarzt wird. Auf die Idee, das Rauchen an der „frischen Luft“ – und die umfließt das Stadion ja beinahe überall, weswegen es ja auch wie Hechtsuppe zieht 😉 – zu verbieten, würde ich nicht kommen.
Denn zum einen ist mir die Grenze zwischen zu ertragender Lästerlichkeit und echter Gesundheitsgefährdung zu unklar; zum anderen glaube ich nicht daran, solche Debatten mit Verboten abzuwürgen.

Merkwürdiger Antragsteller: Verein Pro Rauchfrei

Ich befürchtete, dass wir am Ende zu dem Spießerverein verkommen, den viele in uns schon sehen. Ich würde mich freuen, wenn am Ende der Diskussion etwas herauskommt, was zu uns passt. Ein wenig selbstironisch und weniger formalistisch.
Und genauso kam es, wobei die Herkunft des Antragstellers eine echte Räuberpistole erzählt:
https://twitter.com/FrauPony/status/1070080524755066881
Twitter: Antragsteller neues Mitglied und im Vorsitz des Vereins Rauchfrei:

  1. Antragsteller soll Neu-Mittglied sein
  2. Und gleichzeitig im Vorsitz des Vereins „Pro rauchfrei“
  3. Vorstand von „Pro rauchfrei“ gilt als AfD-nah

https://twitter.com/tr4sh_coutur3/status/1070083561645072384
 

Dresdner Tümpeldreck

Im Englischen gibt es ein Wort für das, was sich menschlich ganz unten befindet, ein Wort für Personen, die so hässlich sind, entstellt von ihrem Hass und ihrer Dummheit, dass man beinahe keine Worte finden kann: Pond Scum – meint den Dreck und den Modder, der sich in am Boden von Tümpeln findet.

Photo credit: Shemer on Visual Hunt / CC BY-NC-ND

Ich möchte die meisten Gästefans von nun an so nennen: Dresdner Tümpeldreck.

Dabei war mir die Teilnahme an der Protestaktion eigentlich sympathisch. Bei Tümpeldreck scheint das wohl eine Regel: besser die Fresse halten, alles was da raus purzelt, ist so dümmlich, dass nach der Aufregung eigentlich nur tiefes Mitleid übrig bleibt.
Ich wünsche diesen Männern, dass ihre Mütter ihnen ordentlich den Mund ausspülen, am besten mit Anti-fa Duschgel – unverdünnt, damit der Dreck auch abgeht.
Dabei waren die Banner noch nicht das Schlimmste, die kann man sogar ignorieren, so dummerhaftig waren sie. Aber das werfen von vollen Hartplastik-Bechern in den anderen (unseren) Block und das Inkaufnehmen von schwersten Verletzungen müssen wir bekämpfen. Ich weiss nicht, inwiefern einer dieser Becherwürfe mit dem Verletzten auf der Nord zusammen hing. Aufgefallen ist mir, dass unmittelbar vor dem Ausrufen nach Sanitätern genau dort ein voller Becher runter ging.
Wer sich in die Nord stellt, der weiss, dass er sich ggf. Beschimpfungen aussetzt und der eigene Support sich unmittelbar mit dem der Gäste messen muss; dass wir uns aber daran gewöhnen sollen, lebensgefährlich verletzt zu werden, das kann ich nicht akzeptieren. Schon gegen Kiel sind dutzende Euros an Becherpfand zu uns herüber geflogen, ohne dass dies Konsequenzen hat,
Diese fordere ich jetzt aber!
Keine Bange, ich fordere keinen Blocksturm der Polizei, nein, aber die Selbstkontrolle der Gästefans kann man schon fördern:

  1. Dresden und Kiel haben sich dafür qualifiziert, beim nächsten Besuch Bier nur alkoholfrei und in 0,2-Liter fassenden Papierbechern zu trinken, wie man sie aus Wasserspendern kennt. Die kann man nicht gut werfen.
  2. Toilettenpapier gibt es erst nach der Lösung einer Matheaufgabe. Bspw. wieviel sind 8+8? (richtige Antwort: 1.945)
  3. Stadionverbote an Dresdner Ultragruppen wegen des Verstoßes gegen unsere Stadionordnung halte ich nach dieser Aktion sogar für gerechtfertigt, egal, was der DFB veranstaltet.

Und wie mir eine Freundin nach dem Spiel vorschlug: nach Dresden alle in Küchenschürze – denn das fühle ich: ohne Humor kann ich diesen Teichabschaum gar nicht mehr betrachten.
Weiterlesen beim Magischen FC, der eine wichtige Frage stellt. Oder bei Stefan, wie immer mit Bildern.

Stiller Protest: gegen Dynamo kein Support in der 1. Halbzeit

Protest DFL/DFB am Millerntor
Wie am TV: Fußball ohne Support am Millerntor

 
Wie sich Fußball ohne Supporter anfühlt, das soll die bundesweite Protestaktion zeigen, an der sich beim kommenden Heimspiel gegen Dynamo Dresden sowohl der Gästeblock als auch unsere Ultràs von USP, die gesamte Südkurve und alle Supportblöcke in der Gegengerade und in der Nord beiteiligen.

Kein organisierter Support in HZ1 – Ziel: ein stilles Stadion

„Unser Heimspiel gegen Dynamo Dresden ist Teil eines Spieltages, der von den deutschen Fanszenen und verschiedenen Bündnissen zu einem Protestspieltag gegen die ausufernde Zerstückelung der Spieltage und die damit verbundenen Anstoßzeiten ausgerufen wurde. – USP“

Gerade in diesem Spiel, das traditionell sehr laut ist (auch dank des energischen Gästeblocks), wird schnell auffallen, wie sich Fußball ohne Menschen anfühlt; wenn nur noch Kunden und Märkte in Überseee teilnehmen.

Protest gegen Montagsspiele und eine immer weiter schreitende Eventisierung des Fußballs

Adreassaten: DFL und DFB, die sich jetzt schon – Saurons Auge gleich – händereibend auf die Wachstumsmärkte Asien und Co. stürzen, den TV-Zuschauer als eigentlichen Kunden sehen und Stadiongänger und vor allem die organisierten Fangruppen, wie Ultras, als Ärgernis wahrnehmen. Dabei – und davon bin ich überzeugt – funktioniert der Fußball, den wir lieben ohne die Basis nicht.
Wie sich das also anfühlt, quasi als Blick nach vorn, wenn die Stadien still werden, das ist beim Spiel gegen Dresden zu sehen – und das Gegenteil, wenn in der 46. Minute das Millerntor explodiert und dem Tontechniker von Sky der Kopfhörer wegfliegt 😉