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War es das mit dem Aufstieg?

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Im Wald ist es kühler als in der Sonne. Das weiß jedes Kind, dass es gegen Sandhausen klamm wird. Das liegt tief im Wald – und in der tiefen Provinz: Doppeltief quasi.

Wenn man den Analytikern glauben darf, dann gibt es einfach kein Mittel gegen die kalten Finger, die unsere Raute aufnahmen da unten links von Heidelberg. Wer schon mal da war, der weiß; und wer noch nicht da war, im Hardtwald, der ahnt: mehr Provinz geht nicht. Leimen ist übrigens gleich um die Ecke, diese Gegend dünstet so viel Spießigkeit aus, dass Tennis-spielende Jugendliche in den 1980ern nur ein Fluchtziel kannten und dem alles, aber auch alles unterordneten: Auf nach Wimbledon, egal was es kostet.

Diesen Drive hatten die Boys in Brown am Samstag nicht. Eher verfielen sie in dieses kollektive “Menno”, das schon andere Mannschaften bei uns entfachten, die unser Spiel kühl ausgrätschten. Menno, die lassen uns gar nicht spielen. Sogar der Rasen rumpelte gegen die filigranen Spielzüge, die unsere Jungs sich vorgenommen hatten.

Vier Jahreszeiten auf einem Platz. Im Schatten tiefster Winter, in der Sonne Hochsommer. Da soll auch einer zurecht kommen, der Westen Wind im Gesicht gewohnt ist.

1:0 zur Halbzeit durch einen Elfer, bei dem – gebt es zu – alle dachten: der gibt den jetzt auch wieder nicht. Burgis Highlight hätte beinahe gereicht. Beinahe ist aber nicht Ganz.

Und plötzlich fühlte Sandhausen den Frühling, dem wir in HH auch ins Gesicht blinzelten. Medic und Co. wähnten sich sicher im Spätherbst, so klamm peitschte der Ausgleich ihnen ins Gesicht. Ja, der war mit Ansage. 

“Das wars jetzt”, sagte M. als erstes, als wir nach dem Spiel telefonierten. Und ich wollte ihm emotional beipflichten, konnte aber nicht. Geschockt hatte ich die Minuten nach dem Abpfiff den Abgesang auf diese Mannschaft gelesen. Bei Facebook und Twitter. Schämen sollten sich die Versager, so würde das nu nix mehr, posteten enttäuschte Dienstleistungsempfänger. Hätte nur noch gefehlt, dass der “Eine oder Andere” © gefordert hätte, dass sich die Millionarios gefälligst den Arsch aufzureissen hätten. Gras gäbe es nach deren Ansicht zum Mittag und Abendbrot – die ganze Woche …

“Nee”, antwortete ich trotzig. “Gegen Darmstadt gehts um die Wurst – und da sind wir im Stadion – also auch noch da.

Seit gestern folgt mir der Twitter Account “Die 12. Frau” und ich finde den Namen so gut, dass ich uns im Millerntor ab heute nur noch so nenne! Cool.

“Ich will ja auch gar nicht aufsteigen”, sagt M.
”Nee”, antworte ich, “aber alles auf dem Weg gewinnen”.

Mein Amperemeter schlägt wild aus. Von Akku-leer auf 100%-Aufgekratzt. Ich kann es kaum erwarten, am Millerntor wieder auszusingen, wie die Vögel im Hochfrühling; denn der ist jetzt!

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