Kein Fußball in Susis Showbar

Susis Showbar - Reeperbahn Hamburg
Susis Showbar - Reeperbahn Hamburg
In der Loge von Susis Showbar zog man bei Toren blank und barbusige Damen feierten den Treffer an der Show-Stange, was für einigen Aufruhr beim anti-sexistischen Publikum des Millerntors sorgte (vgl. St. Paulis Susis Showbar Loge am Millerntor – und der Unterschied zwischen Sexismus und Sexyness) Das Millerntor wollte keine Folklore für billige Reize mehr sein und forderte bspw in der Sozialromantiker-Initiative, dass der Vertrag mit Susis Showbar aufgelöst werden solle. Am Sonnabend beim Heimspiel gegen Freiburg waren dann auch eindeutige Banner und Sprüche aus den Fankurven zu lesen. „Susi pack bitte die Brüste ein“ oder „Wie spielen bei Dir ja auch keinen Fußball“.

Spät am Samstag abend zog es den Quotenrocker Schmiddel und mich noch über den Kiez, „Bring Back St. Pauli“ hatte ein paar Stunden zuvor das Millerntor rot eingefärbt, die Demo war vorbei und wir waren satt gegessen. Also trotteten wir glücklich und ein wenig dun mit der Flagge über der Schulter die Reeperbahn herunter, als wir an Susis Showbar vorbeikamen. „Da war ich noch nie“ sagte ich zu Schmiddel, „lass mal sehen, ob man da tatsächlich nicht Fußball spielt“. „Jo“, erwiderte der und da der Türsteher, der da viel zu hochtrabend Portier heißt, uns für Freiburger hielt, standen wir im nu mitten vor der Bühne, auf der eine junge Frau in blauem Licht ein wenig lustlos versuchte lustvoll zu wirken. Wir hatten da noch so viel Lust in uns, dass wir fröhlich den Jolly Rouge schwenten und laut den Shantie des Abends anstimmten: „Bring Back, Bring Back St. Pauli to me“. Eine strenge Dame nach den besten Jahren (auf dem Kiez ist das kurz vor 30) schmiss uns raus, wenn wir nicht das Tischgeld zu zahlen bereit wären. „Wir wollen doch nur Fußball spielen“, meinte Schmiddel wahrheitsgemäß, wurde aber nicht erhört.

Später diskutierten wir noch mit dem Portier über sein Malheur uns nicht als Paulianer erkannt zu haben. Freundlich, wie das unter Nachbarn sich gehört, haben wir ihn und Susi, die sich noch dazu gesellte, darauf hingewiesen, dass wir ihre Mädels nicht mehr am Millerntor nackig-machend sehen möchten. „Fußball spielen ist hier nicht erlaubt“ – ergänzte Susi dann noch. „Gut, Trockenficken bei uns auch nicht“, stellte ich noch klar, bevor sie hinter ihrer Tür verschwand.

Schmiddel und ich haben uns dann von einem besonderen Tag getrennt – so lustvoll.

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