Werber auf Sankt Pauli

»Die eine Hälfte meines Herzens schlägt für die Werbung, die andere für meinen Verein. Ich bin der Meinung, dass Werbung im Stadion weder die Überhand gewinnen darf, noch vom Spiel und dem Support unserer Jungs ablenken darf. Auch muss darauf geachtet werden, dass langjährige Fans von der Haupttribüne an den Rand verbannt werden.«
Patrik S. (mit St.-Pauli-Tätowierung) ist Senior-Produktioner in einer Werbeagentur

»All diese Werte können auch bei einer Love Brand wie die des FC. St. Pauli ganz schnell kippen, sobald selbige markenstrategisch geführt und damit kommerzialisiert werden. … Fans sind ja der wichtigste Teil des Markenguthabens. Ich glaube, die St. Pauli Fans wären auch gute Markenstrategen.«
Carl-Frank W. (Brandingexperte)

Alle Zitate aus w&v („werben und verkaufen“, sic!) – und da sehe ich den Kern des Mißverständnisses: der FCSP ist keine Marke – sondern ein Kulturereignis und wir haben keinen Markenkern der irgendwem „gehört“.Weiterlesen:

+1

11 Antworten

  • Fehlt hier „Auch muss darauf geachtet werden, dass langjährige Fans von der Haupttribüne an den Rand verbannt werden.“ ein „nicht“?

    • Ja, ich glaube das meint er.
      Ein Verein ist keine Marke, das sehe ich immer mehr ein, je mehr ich diese „Werber“-Argumente höre. Der FCSP ist viel mehr sowas wie Wacken oder „Das erste Mal im Jahr in der Ostsee baden“ als Coca Cola – oder meinetwegen Body Shop ;)

      … und das ist keine Kritik an Werbern überhaupt, sondern eine Kritik an der Perspektive.

  • Wobei die Frage interessant ist, ob eine Marke gegen ihren Willen eine Marke sein kann. Andererseits findet dieses Kulturereignis permanent verfügbar in ähnlicher Qualität gegen Entgelt statt.

  • Naja, alles ist irgendwie immer auch eine ‚Marke‘ wenn man so will.

    Anders: Alles hat irgendwo eine Seele, die es definiert. Und wenn man versucht damit wie man ist Geld zu verdienen (und dass ist ja durchaus etwas, was auch die kritischen dem magischen FC wünschen), dann am besten mit einer Seele die irgendwie definierbar und (sch**** Wort!) authentisch ist.

    Diese Seele gehört allen (FCSP Fans, Anhängern, Kunden, Sympathiesanten, Stadionbesuchern…) oder keinem. Aber sie existiert. Und viele versuchen diese Seele irgendwie zu verändern oder zu gestalten – und das ist doch irgendwie die große Frage: WIE?! Dass Werber da mit ihren Augen gucken ist genauso naheliegend, wie dass andere mit anderen Augen draufschauen…

    Mich nervt jedenfalls dieses blöde gehetze über „Werber auf St. Pauli“ genauso wie mich Zuschauer nerven, die das Stadion zu früh verlassen. (nein, ich empfinde Deinen Artikel hier jetzt nicht als Gehetze! Aber was man teils so liest und hört…).
    Zumal Werbung auch Kultur ist.

    • Ersetze „Seele“ durch Markenkern und dann hast Du es auch.

      Zur Verbindung von Werbung, Fussball und dem FC: Man kann natürlich permanent behaupten es regnet nicht, aber davon wir das Wetter auch nicht besser.

  • diesen geschwabbel dass mann nur in der ersten liga bestehen kann mit werbung nervt mich unglaublich. denn eins muss mann nicht vergessen, werbung versichert uns niemals gegen den abstieg. wenn wir eh irgendwann absteigen müssen (in den nächsten 3-4 jahren wirds mit sehr hohe warscheinlichkeit passieren), dann müssen wir uns nicht anpassen. einmal verändert geht echt schwer zurück. deswegen muss mann dies verkommerzialisierung jetzt blocken. ein für alle mal.

    • Was ja mit dieser Pauschalbehauptung gar nicht betrachtet wird, ist, dass man sich eben die Mühe machen muss, anders zu vermarkten. Ein Entweder-oder ist mir hier zu billig.

  • Das erinnert mich entfernt an folgende Diskussion:
    1: „Skateboarding ist Punkrock!“
    2: „Quatsch, Skateboarding is‘ Hip-Hop.“
    3: „Seid ihr behindert? Skateboarding is’n Lifestyle!“
    4: „Skateboarding ist… Skateboarding. Und was du für dich draus machst. Aber lass‘ andere damit in Ruhe.“

  • Nunja, im Kern der Sache bin ich ja bei dir. Aber man kommt im Fußball in den höheren Ligen um Marketing und die entsprechenden Vertreter nicht herum. Und da muss man sich eben auch im Sprechgebrauch anpassen. WIe du und ich das nun finden, ist dabei nebensächlich, wichtig ist, was dabei erreicht wird.
    Und wenn die Benennung eines Markenkerns, einer Marke oder was auch immer dabei hilft, meine und deine Werte zu erhalten, kann dies gerne so geschehen.

    Denn mal ehrlich – wenn der Verein mit einer Firma in Verhandlung geht und deren Vertreter sich keinen Deut für Fußball interessiert … wie soll ich den überzeugen, bei uns zu investieren? Mit Seele brauche ich dem nicht kommen.

Kommentarfunktion geschlossen