JHV 2012 – Bewährung für die Präsidenten

Es war die erwartet emotionale aber würdevolle Auseinandersetzung der St. Pauli Mitglieder mit ihrem Präsidium, und entließ Gernot Stenger in erster Linie stellvertretend für das ganze Präsidium mit einem blauen Auge: der Abwahlantrag wurde zurückgezogen.

Als gegen 0:55 Uhr der letzte Rest der knapp 1.000 Mitglieder sich auf den Weg zum Nachtbus machte, war den Präsidenten auf dem Podium die gewichene Anspannung noch als Nachhall der erregten und vehementen Diskussion anzusehen (bis auf Tjark Woydt, der den ganzen Abend merkwürdig abwesend wirkte, und dem Stefan Orth immer mal wieder etwas zu erläutern schien).

Für die Bilder des Abends sorgten Alex Gunkel mit seiner gewohnt polemischen Rede, von der ich mich aber gut vertreten fühlte, als er Gernot Stenger, Bernd Spies und Stefan Orth zurief, dass man sich selbst hinterfragen muss, wenn einem hunderte Geisterfahrer entgegen kommen, ob man selbst in die richtige Richtung fährt.

Die Parabel der Antragsteller vom Stürmer, der in einer Halbzeit zwei oder drei Tore schießt, deswegen aber noch lange nicht (absichtlich) Eigentore produzieren darf, bildete für mich die Klammer des Abends, die ausgerechnet Bernd Georg Spies zu sprengen gedachte, als er mit einer Wutrede Aufsichtsrat und Mitglieder anging, sie hätten doch bitte auch alle positiven Protokolle „durchstecken“ sollen. Damit hätte er es beinahe noch spannend gemacht, denn Gernot Stenger hatte in seiner sehr eigenen, aber überzeugenden Art Fehler eingeräumt und sein Engagement für die Fans des FCSP dargelegt.

Letztlich ein hoffentlich heilsamer Schuss vor den Bug, aus dem Stefan Orth und seine Vizes nur gewachsen hervorgehen können, wenn sie nun endlich anfangen umfassend und frühzeitig zu kommunizieren, die Reihen ggü DFL, DFB und Behörden schließen und ihre unbestrittenen Talente selbstverständlich im Sinne einer Vorwärtsverteidigung von Fussballkultur einsetzen.

Es passt zum schiefen Bild dieser Abstimmung, dass mir das Wachrütteln bei Gernot Stenger am ehesten gelungen scheint.

Wichtig in diesem Zusammenhang waren dann noch die Anträge zum DFL Sicherheitspapier, den Vollkontrollen, den Logen (in der Nord), die dem Präsidium neben einer neuen Geschäftsordnung klare Kurspunkte mit auf ihre 12 Monate Bewährung gegeben haben.

Keine Zustimmung ohne Fans/Mitglieder
Wehren gegen Verbands und Polizeiwillkür
Keine budgetären Alleingänge

Noch einmal wird dieses höchste Plenum sich nicht zurückziehen, und als Romantiker bleibe ich hoffnungsvoll, dass es dieses Mal vielleicht gelungen ist, bei dem einen oder anderen da oben einen positiven Sinneswandel auszulösen, der nachhält, wenn die Schrammen am Ego verheilt sind. Ich wünsche mir das sehr!

ps über das starke Ergebnis von Heiko Schesselmann in der Wahl zum Ehrenrat habe ich mich sehr gefreut. Ebenso über den souverän von Pauliane vorgetragenen Antrag von @Jeky zur Beseitigung der Geschenksteine vor der Süd.

… und ja, formal entlastet wurden die Präsidenten dann auch noch. Ob das aber eine Headline Wert ist …;)