Lotsenwechsel an Bord der MV St. Pauli

Eines der eindrucksvollsten Bilder, die bei einem Besuch an der Kieler Förde übrig bleiben, sind die eindrucksvollen Lotsenboote, die in schillerndem Orange zu den Container-Schiffen pesen, um den neuen Lotsen an Bord zu bringen. Bei jedem Wind und Wellengang steigt der Lotse vom Kanal aus und der für die offene Ostsee steigt an Deck.

Gestern auf der JHV musste ich öfter an dieses Bild denken, Oke und sein Team brausten mit orangener Signalfarbe auf den braunweissen Tanker zu, und oben an der Reling standen die scheidenden Lotsen, Stefan Orth und seine Vizes.

FC St. Pauli Jahreshauptversammlung

Auf so einer Schiffsleiter ist wenig Platz und wenn dann auch noch „Tote See“ von den Interviews und Befindlichkeiten im Vorfeld durch die JHV wogt, dann ist es verständlich, wenn man ein wenig aneinander gerät. Marcus Schulz und Stefan Orth gerieten da einige Male aneinander, als es darum ging, dass man doch lieber beide Lotsen-Teams gemeinsam an Deck gesehen hätte.

Aber so ist das eben bei St. Pauli, wie auf See: Es kann nur einen Kapitän geben (auch Lotsen haben diesen Status, wenn sie an Bord sind).

Gewählt wurde auch viel; zunächst wurde Oke mit einfachem Kreuzen und Falten im Politbüro bestätigt („das ist ja fast, wie in Ost-Berlin damals“, raunte mir ein ostdeutscher St. Paulianer noch zu, „nur dass wir damals nur gefaltet und nicht angekreuzt haben“) – seine Vizes dann per Akklamation.

Schon die erste Ansprache des neuen Präsidenten an die Mannschaft und die sportliche Leitung fiel anders aus, als von Orth und Co. gewohnt. Da wurden keinen Ansprüche formuliert oder Enttäuschungen gespielt, sondern von Oke ein klares Vertrauen ausgesprochen, an Stärken appelliert und gleichzeitig angekündigt, genauer hinzusehen, woran die aktuelle Verunsicherung denn liegen könnte.

Bei der Wahl zum Aufsichtsrat setzten sich im Wesentlichen die Kandidat_innen der AFM durch. Da zeigt sich ein weiteres Mal, welche Macht diese Abteilung in unserem Verein hat. Ich kann mit allen Ars gut Leben, für die/den eine_n oder andere_n freut es mich sehr. AR Doll hatte sich mit einer verhaspelten Law-and-Order-Rede selbst ins Aus geschimpft und Marcus Schulz wirkte auch seltsam derangiert, sodass Sandra Schwedler und Roger Hasenbein die meisten Stimmen auf sich vereinen. Ob sie dann auch die Spitze des AR stellen, bleibt abzuwarten, würde aber Sinn machen, die stärksten Mandate an die Spitze zu stellen.

Stefan Orth ist nu „Ford“ und die Späße mit göttlichen Fügungen können beginnen.

Links:
Metalust: Wir sind keine kickende Werbeunterbrechung
„Wortspielhölle Galore“, mit einem umfangreichen Bericht.
„Jetzt bloß kein Wortspiel… #FCSPJHV 2014“

Fotos: Stefan Groenveld, mit frdl. Genehmigung

 

Erik Hauth

Als waschechter St. Paulianer verpasst der passionierte Segler selten Heimspiele und fährt oft auswärts mit. Als Kolumnist schreibt Erik Hauth für Die ZEIT online über den FC St. Pauli. Twitter: @stpauli

 

9 Gedanken zu „Lotsenwechsel an Bord der MV St. Pauli

    1. Also wenn Orth und Schulz sich ein wenig an der Kandarre haben, verbuche ich das eher unter „Folklore“ ;) – und das Popcorn bei Uwe Dolls Rede hat er sich auch selbst zuzuschreiben. Allzu schlimm fand ich das jetzt nicht.

  1. Moin Erik,

    du hast dich da mit den Links vertan, die führen beide zu Grönis Seite, auch der von „Metalust“ ;)

    Ich finde es übrigens normal, dass die AFM sich stark widerspiegelt, schließlich stellt sie rd 60% der Vereinsmitglieder. Aber gerade die Mitglieder dieser Abteilung haben m.E. einen alles andere als einseitigen Blick auf die Belange des Vereins, und so ist letztlich doch ein sehr ausgewogener AR zusammengekommen, in dem sowohl die wesentlichen Komptetenzen als auch Interessen aller aufs Beste vertreten, wir hätten gar nicht besser wählen können :)

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