Pressemitteilung: Demonstration „BRING BACK SANKT PAULI – RECLAIM YOUR VIERTEL“ für den 15.01.2011 geplant. Start am 15.01. um 18h auf dem Südkurven-Vorplatz des Millerntor-Stadions.

Pressemitteilung: Demonstration „BRING BACK SANKT PAULI – RECLAIM YOUR VIERTEL“ für den 15.01.2011 geplant. Start am 15.01. um 18h auf dem Südkurven-Vorplatz des Millerntor-Stadions.

Angesichts der zunehmenden Kommerzialisierung rumort es momentan nicht nur innerhalb der Fanszene vom FC Sankt Pauli gewaltig – vielmehr ist das ganze Viertel von einer zunehmenden Ökonomisierung betroffen. Die Anwohnerin Sara Clandestino erklärt: „So wie sich zunehmend die Gesichter verändern, denen du hier auf der Straße begegnest, so verändert sich auch das Gesicht am Millerntor: Sind mit der sogenannten Gentrifizierung die Mieten auf Sankt Pauli derart explodiert, dass viele Menschen an den Stadtrand gedrängt werden, so werden auch im Zuge steigender Ticketpreise immer mehr Menschen aus dem Stadion getrieben.“ Und tatsächlich: Anstatt vermehrt bezahlbare Steh- und Sitzplätze zu bauen, hat das Millerntor-Stadion schon jetzt mehr Business-Seats als die Allianz-Arena des großen FC Bayern.

Zur Situation beim FC Sankt Pauli

Der Verein bemüht sich offensichtlich nicht mehr darum, sich an den Bedürfnisse und Interessen von MitgliederInnen, Alteingesessenen und jungen Fans zu orientieren. Auf der Suche nach immer neuen Absatzmärkten und Umsatzsteigerungen scheinen die gemeinsam zwischen Fanszene und dem Verein ausgehandelten Kompromissen zunehmend auf der Strecke zu bleiben. „Die Symptome sind doch allgegenwärtig: Ob ein Getränk mit dem Namen ´Kalte Muschi´ als offizieller Vereinssponsor oder eine Loge, wo bei jedem Tor eine Tänzerin die Hüllen fallen lässt… Es wird deutlich, dass der Verein hier ganz eindeutig gegen die eigenen Leitlinien verstößt. Und diese Liste ließe sich um zahlreiche weitere Punkte ergänzen“, betont Philip Koste aus dem Vorbereitungsbündnis.

Zur Situation im Viertel

Es ist wichtig, die Entwicklung um den Verein nicht getrennt von den Veränderungen im Stadtteil zu betrachten. Denn der Stadtteilverein Sankt Pauli ist untrennbar mit seinem Viertel verwoben. Ob nun die Auseinandersetzungen um die Hafenstraße, die Räumung des Bauwagenplatzes Bambule im Karoviertel oder der geplante Neubau des Sport-Doms in den 90ern: Die Proteste wurden immer von dem Stadion in den Stadtteil und auch umgekehrt vom Viertel ins Stadion getragen. „Besonders dieser Stadtteil wird immer weiter nach ökonomischen Kriterien durchgestylt. „Menschen, die den Stadtteil Sankt Pauli ausmachen und den Verein in den letzten beiden Jahrzehnten so stark geprägt haben, bleiben bei dieser Entwicklung auf Strecke: Viele von ihnen mussten schon umziehen oder können sich zunehmend ihre Mieten nicht mehr leisten“ führt Sara Clandestino aus. Aktuell wird dieser Prozess der Verdrängung an verschiedenen Großprojekten deutlich. AnwohnerInnen wehren sich zum Beispiel dabei entschlossen gegen das von Investoren geplante „Bernhard-Nocht-Quartier“. Auch die unmittelbaren NachbarInnen und Gewerbetreibende der sogenannten „Esso-Häuser“ sind von Plänen eines Großinvestors betroffen.

Ob die „Tanzenden Türme“, eine geplante St. Pauli Music Hall, das Riverside Hotel oder auch der leer stehende „Astra-Turm“: Für viele ist in dieser „schönen neuen Welt“ auf Sankt Pauli kein Platz mehr.

Aus diesen Gründen rufen wir am Samstag nach dem Spiel des FC Sankt Pauli gegen den SC Freiburg zu einer Demonstration auf. Zum Auftakt wird es um 18 Uhr eine Kundgebung auf dem Südkurven-Vorplatz an der Budapester Straße geben. Hierbei stehen zunächst allein die Probleme des Vereins im Vordergrund. Daran anschließend wird eine Demonstration zum „Bernhard-Nocht-Quartier“ stattfinden, um auf die Entwicklungen im Stadtteil aufmerksam zu machen.

Für Rückfragen bitte eine Mail an bringbacksanktpauli@gmx.de schreiben. Im Folgenden und im Anhang übersenden wir Ihnen den Demonstrationsaufruf.

Vorbereitungsbündnis „BRING BACK SANKT PAULI – RECLAIM YOUR VIERTEL!“, 13.01.2011.

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Demonstrationsaufruf, 12.01.2011

BRING BACK SANKT PAULI – RECLAIM YOUR VIERTEL

Nicht nur beim FC Sankt Pauli rumort es gerade gewaltig in der Fanszene über eine zunehmende Kommerzialisierung – vielmehr ist auch ein ganzes Viertel von einer zunehmenden Ökonomisierung betroffen. Zählte der Stadtteil Sankt Pauli noch vor einigen Jahren zu den ärmsten Stadtteilen in Deutschland, ist er für viele Menschen tatsächlich unbezahlbar geworden. Es wird Zeit diesen Entwicklungen gemeinsam entschieden entgegenzutreten!

BRING BACK SANKT PAULI – RECLAIM YOUR CLUB AND YOUR VIERTEL!
FANS UND EIN GANZES VIERTEL SEHEN ROT UND SCHLAGEN GEMEINSAM ZURÜCK!

RECLAIM YOUR CLUB
Die Entwicklung beim FC Sankt Pauli kennt gerade nur eine Richtung. Auf der Suche nach immer neuen Absatzmärkten und Umsatzsteigerungen bleiben zunehmend die gemeinsamen und zwischen der Fanszene und dem Verein ausgehandelten Ideale auf der Strecke. Der Verein richtet sich mit seinem Vorgehen nicht mehr an die Bedürfnisse von MitgliederInnen, Alteingesessenen und jungen Fans. Vielmehr werden diese Menschen zunehmend durch immer weiter steigende Ticketpreise aus dem Stadion gedrängt. Anstatt vermehrt bezahlbare Steh- und Sitzplätze zu bauen, hat das Millerntor nach bisher zwei neugebauten Tribünen schon jetzt mehr Business-Seats als die „Allianz-Arena“ des FC Bayern. Das Ziel, so scheint es, ist eine perfekte Kulisse für den idealen Konsumenten, den es gar nicht gibt, aber geben soll.

Eine kritische Fanmasse – die sich auch politisch in Prozesse mit einbringt – wirkt in diesem Zusammenhang eher störend. Vielmehr sollen die aktiven Fans fahnenschwenkend eher als Rahmen dienen für den/die „ideale ZuschauerIn“, die als gerngesehene KonsumentInnen in den Séparés oder Business-Seats umgarnt werden. Immer schneller dreht sich in letzter Zeit der Kreisel des Marketings: Ob ein Getränk mit dem Namen „Kalte Muschi“ als offizieller Vereinssponsor; eine Loge, wo bei jedem Tor eine Tänzerin die „Hüllen fallen lässt“ (welches beides ganz klar gegen die Leitlinie des Vereins gegen Sexismus im Stadion verstößt) oder immer neuere Werbeformen im Stadion (Blau.de). Der Verein lotet anscheinend gerade immer wieder neu aus, wie weit er dieses Spiel der kompletten Vermarktung noch treiben kann. Mit „not established since 1910“ hat das schon lange nichts mehr zu tun – dieser Satz verkommt immer mehr zu einer Farce.

Wir stellen uns dieser Entwicklung entschieden entgegen: Wir wollen einen Verein, der sich wieder nach den Bedürfnissen der Fans richtet und sich zu den gemeinsam beschlossenen Leitlinien klar bekennt, ohne sie immer weiter zu umschiffen. Für uns ist jedoch wichtig, die „Schlacht“ nicht nur im Stadion, sondern auch auf der Straße zu führen. Kämpfe um gemeinsame Werte und Ideale lassen sich nun mal nicht allein im Stadion austragen und gewinnen. Entern wir das Stadion! Entern wir die Straßen!
Die „Sozialromantiker“ haben es geschafft, in wenigen Tagen über 3.700 Menschen für ihre Petition zu sammeln und hinter dem Symbol des Jolly Rouge und dem dazugehörigen Slogan „Bring Back Sankt Pauli!“ noch viel mehr Menschen hinter sich zu vereinen. Wie heißt es so schön in der Petition: „Die Zeit der Treffen ist vorbei. Es reicht!“ Lasst uns diese ungeahnte Energie nutzen und gemeinsam nach dem Unmöglichen greifen:
BRING BACK SANKT PAULI! JETZT ODER NIE!

RECLAIM YOUR VIERTEL
Für uns ist jedoch wichtig, die Entwicklung um den Verein nicht getrennt von den Veränderungen im Stadtteil zu sehen. Für uns ist dabei der Stadtteilverein untrennbar mit seinem Viertel verwoben.
Ob nun die Auseinandersetzungen um die Hafenstraße, die Räumung des Bauwagenplatzes Bambule im Karoviertel oder der geplante Neubau des Sport-Doms in den 90ern: Die Proteste wurden immer von dem Stadion in den Stadtteil und auch umgekehrt vom Viertel ins Stadion getragen, wie z. B. die nicht ganz unbekannte Flagge mit dem Totenkopf. Gravierende Veränderungen im Viertel waren auch immer im Stadion zu spüren. Die StadionbesucherInnen waren dabei auch immer ein Querschnitt aus den BewohnerInnen des Viertels, worauf auch der Verein immer stolz war.. Gerade heute lässt sich eben nicht nur für den FC Sankt Pauli feststellen, dass der Verein zunehmend kommerzialisiert wird. Auch der Stadtteil ist einer verstärkten Veränderung „von oben“ ausgesetzt, ohne dabei die Menschen vor Ort mit einzubeziehen. So wie sich die Gesichter am Millerntor mit der Einführung der Logen und Business-Seats immer mehr verwandeln, verändert sich auch die Zusammensetzung der Leute, die auf Sankt Pauli wohnen. Besonders dieser Stadtteil wird immer weiter nach ökonomischen Kriterien „durchgestylt“. Menschen, die sich die explodierenden Mieten im „Szenekiez“ nicht mehr leisten können, werden einfach verdrängt. Insbesondere die Menschen, die den Stadtteil ausmachen und den Verein in den letzten beiden Jahrzehnten so stark geprägt haben, bleiben bei dieser Entwicklung auf Strecke: Viele von ihnen mussten schon umziehen oder können sich zunehmend ihre Mieten in „ihrem“ Stadtteil nicht mehr leisten. Aktuell wird dieser Prozess der Verdrängung an verschiedenen Großprojekten deutlich. AnwohnerInnen wehren sich zum Beispiel dabei entschlossen gegen das von Investoren geplante „Bernhard-Nocht-Quartier“. Auch die unmittelbaren NachbarInnen und Gewerbetreibende der sogenannten „Esso-Häuser“ sind von Plänen eines Großinvestors betroffen.

Ob die „Tanzenden Türme“, eine geplante St. Pauli Music Hall, das Riverside Hotel oder auch der leer stehende „Astra-Turm“: Für viele ist in dieser „schönen neuen Welt“ auf Sankt Pauli kein Platz mehr. Auch die in unmittelbarer Stadionnähe und seit 20 Jahren besetzte Rote Flora, in der auch Veranstaltungen aus der Sankt Pauli Fanszene stattfinden, scheint neuerdings mal wieder von einer Räumung bedroht.
Diese ganzen Entwicklung werden wir nicht mehr länger tatenlos hinnehmen. Für uns ist wie bei aktuellen Veränderungen des Vereins auch hier ein Punkt erreicht, an dem wir sagen: „Es geht einfach so nicht mehr weiter. Wir sagen Stopp!“
Wir wollen uns gemeinsam gegen den Ausverkauf von Sankt Pauli und einer Politik der Ausgrenzung entschieden entgegenstellen und setzen dem ein Recht auf Stadt für alle entgegen, unabhängig von Alter, Nationalität, Geschlecht, Aussehen oder Kontostand.

BRING BACK SANKT PAULI – RECLAIM YOUR VIERTEL!

Aus diesen Gründen rufen wir am Samstag nach dem Spiel des FC Sankt Pauli gegen den SC Freiburg um 18 Uhr zu einer Demo vom Millerntor durch den Stadtteil Sankt Pauli bis zum „Bernhard-Nocht-Quartier“auf.

Seid dabei laut, entschlossen, kreativ, bunt und vielfältig. Lasst uns auch auf der Straße zeigen, wie viele wir sind! Lasst uns gemeinsam unter der Flagge des Jolly Rouge und mit ganzer Kraft am Samstag die fast erloschene Flamme Sankt Pauli neu zum lodern bringen!

Für unseren Verein und für unseren Stadtteil! Nur gemeinsam lässt sich dieser Kampf gewinnen!

Verschiedene AnhängerInnen des FC Sankt Pauli und StadtteilaktivistInnen

Kommentare 2

  • die finanzierung der gegengerade, mit mit als 10.000 stehplätzen, und die nordtribüne im letzten bauabschnitt, durch die mehreinnahmen, die durch die haupt- und südtribüne und ihre businessseats/logen erzielt werden. beachtet man, dass 90% der merchandise erlöse an upsolut gehen, ein kraftakt! mehreinnahmen sind temporär notwendig.
    ein rückbau der businessseats auf der haupt, hin zu erschwinglichen plätzen, wurde nie ausgeschlossen. ich steh auf der süd. ich liebe den verein. seit nun mehr als 2/3 meines lebens. aber dass der verein sich wandelt, ohne jedoch seine soziale seite zu vernachlässigen (93€ für eine saisonkarte in der 1.liga, kindergarten in zusammenarbei mit der pestalozzi-stiftung ).
    achja btw: schön dass mindestens 80% der „fans“ auf der süd nicht mal merken, wenn wir ne ecke haben, ausgewechselt wird, oder ein tor fällt (die anderen jubeln, also tor). dort sind wirklich viele der event-fans zu finden.

  • Warum muss man mit Sport Politik machen? Kommerz ist immer nötig im Profisport. Wer dass nicht will, soll zu den Amateuren gehen. Diese Abteilungen freuen sich über jeden Fan mehr! Der Verein hat eines der sozialsten Preisgefüge. Man kann nicht rückwärts gewand diesen Verein am Leben erhalten. Profilneurotiker sind keine Sozialromantiker! Firmen vom Kietz müssen sich einbringen dürfen, denn davon lebt auch das Viertel.