Cover Foto: FC St. Pauli - Alles drin: Der Verein und sein Viertel [Kindle Edition]

FC St. Pauli – Alles Drin: „1951: Platzsturm gegen Victoria“ – Bonus-Text

Gestern ist leider vorbei. Wer also noch kein Exemplar des Buches „FC St. Pauli: Alles Drin“ von Michael Pahl und Christoph Nagel zuhause stehen oder gestern gratis heruntergeladen hat, der muss es wohl oder übel noch kaufen. Als Trostpflaster und zum Warmlesen sei der folgende Text verstanden …
(mit freundlicher Genehmigung …)

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1951: Platzsturm gegen Victoria
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Dass die Fans des FC St. Pauli als besonders friedlich und tolerant gelten (außer gegen Rechts) ist für viele Anhänger der Braun-Weißen ein wichtiger Grund, warum sie gern ans Millerntor gehen – ein fester Bestandteil der Fankultur also.
Dass es früher auch anders zugehen konnte, zeigt ein turbulentes Heimspiel aus der Saison 1951/52.

Als am achten Spieltag der Tabellenletzte Victoria Hamburg beim Tabellenführer St. Pauli antrat, erwarteten die braun-weißen Anhänger und die Presse einhellig einen klaren Sieg. Doch schon nach 18 Minuten lag St. Pauli 0:2 zurück. Victoria diktierte das Spiel nach Belieben und erspielte sich Chance um Chance.

Die Nerven der St. Paulianer lagen blank.
Einige machten ihrem Unmut gegen Schiedsrichter Schwarzmann Luft, der in der fünften Minute auf Elfmeter für den Gegner entschieden hatte und die Partie häufig unterbrach.

In einer Freistoß-Situation forderte der temperamentvolle Mittelläufer Walter Dzur den Unparteiischen herrisch auf, den vorgeschriebenen Neun-Meter-Abstand vom Ball zur Mauer abzuschreiten und deren Position zu korrigieren – was Schwarzmann sogar tat.

Kurz vor Schluss der ersten Halbzeit gelang Beck der Anschlusstreffer für St. Pauli, und nach der Pause drängten die St. Paulianer hektisch auf den Ausgleich – schließlich ging es um die Tabellenspitze, und um die Ehre.

Die Atmosphäre auf dem Feld und auf den Rängen heizte sich auf. Eine Ecke folgte der nächsten. Aber immer wieder schlug die Victoria-Verteidigung den Ball aus der Gefahrenzone. In der 60. Minute forderte Gebhardt vom FC St. Pauli einen Handelfmeter, doch der Unparteiische ließ weiterspielen.

Zehn Minuten vor Schluss gab es erneut Freistoß für St. Pauli. Walter Dzur wiederholte seine „Neun-Meter-Forderung“ aus der ersten Halbzeit. Doch diesmal korrigierte Schwarzmann die Mauer nicht. Dzur verzog, lief zum Schiedsrichter, geigte ihm die Meinung – Platzverweis. Die Zuschauer tobten.

Als die Niederlage feststand, stürmten Hunderte den Platz und kreisten den Schiedsrichter ein. Mit Gummiknüppeln trieb die Polizei die Menge auseinander. St. Paulis Gebhardt führte den Unparteiischen in einen „Peterwagen“, den die Polizei vorsorglich hinter der Tribüne bereitgestellt hatte.

Mit zertrümmerter Scheibe verließ der Wagen das Stadion. Der Schiedsrichter zog sich auf der Polizeiwache um.