Männliche Dominanz und Frauenfußball – der Kampf der FCSP-Deerns um Autonomie

„Am 1. Juli meldet Flemming Nielsen ein 3. Frauenfußballteam (!), das in der Kreisliga Ost parallel zu den 2. Frauen unserer Abteilung (KL West) in direkter Konkurrenz um den Bezirksliga-Aufstieg steht. Vermutlich ist dieses Team der Rugbyabteilung angegliedert. Da Flemming Nielsen nach den Regularien des HFV nicht zu jener Meldung befugt ist, wird diese von der Abteilungsleitung wieder zurückgezogen.

Zu unserer großen Überraschung meldet das Präsidium (!) am 27. Juli erneut ein Frauenteam beim Hamburger Fußballverband an. Ob dieses 3. Frauenfußballteam, welches von Flemming Nielsen trainiert wird, und zum Großteil aus ehemaligen A-Juniorinnen besteht, wirklich der Rugby-Abteilung(!) zugehörig ist oder direkt dem Präsidium untersteht, entzieht sich bis zum heutigen Tag unserer Kenntnis. Fakt ist, dass es nicht Teil der Frauenfußballabteilung ist. Einen Antrag auf Gründung dieses Teams innerhalb unserer Abteilung gab es zuvor nie. Das Präsidium hält es nicht für notwendig, unsere Abteilungsleitung hinsichtlich dieser geplanten und vollzogenen Meldung zu informieren.“

Lese im Übersteiger Blog den offenen Brief der Frauenfußball-Abteilung des FCSP und erkenne die blutigen Spuren einer langen abteilungsinternen Fehde, in der es sicher um viele persönliche Anliegen und Ambitionen geht, und die ich schwer einschätzen kann. Die Empörung aber, die aus diesem offenen Brief strömt, entspringt aus einer möglichen Ungeheuerlichkeit, die man näher besprechen muss. Wenn sich Frauen und Mädchen in Fußballvereinen organisieren, dann ist das immer ein Kampf auch um weibliche Emanzipation nicht nur in einer männlich dominierten Umwelt, sondern in einem Soziotop männlicher Verwirklichungsräume. Mädchenmannschaften sind immer am Ende der Nahrungskette angesiedelt, das hat auch die Frauen-WM nicht geändert und betrifft so spielalltägliche Dinge wie Spieltermine oder Trainingsmöglichkeiten. Inzwischen ist es nicht nur beim FCSP so, dass sich Frauen ihren Fußball so autark wie möglich organisieren versuchen.

Wenn sich nun in einem solchen Beziehungsraum ein rein männliches Präsidium tatsächlich über eine autonome Entscheidung der Frauen hinwegsetzt, dann ist das nicht allein eine Frage von Abteilungssouveränitäten, sondern berührt ein Thema, dass wir ja hier oft diskutieren, das dominante Hineinwirken von (in diesem Fall männlichen) Machtausübenden in von marginalisierten geschaffene Freiräume. Das allerdings wäre beim FCSP ein Skandal!

Der Autor unterstützt die Petition nach Rücknahme der Meldung eines Konkurrenzteams (auch in Unkenntnis der Details), eben weil Entscheidungsräume von Frauen in unserem Verein unbedingt geschützt gehören. Als Mitglied des FCSP würde ich es begrüßen, wenn die JHV im Herbst beschliesse, dass immer VertreterInnen der Frauenabteilungen ins Präsidium einziehen.

Einordnung// Der Autor ist FCSP Fan und Mitglied, ausserdem betreut er die 1. D-Deerns des AFC.

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