N.

Was ist so schwer daran, zu verstehen, dass das N-Wort Schwarze IMMER verletzt und diskriminiert?, dass Kritik, die Blackfacing in eine rassistische Tradition stellt, von Schwarzen geäußert, IMMER ernst zu nehmen ist?

Das Hamburger Schauspielhaus argumentiert zurechtweisend auf die Kritik Schwarzer und belässt den Titel mit Hinweis auf den Autoren Jean Genet (übrigens Jahrgang 1910) rassistisch ausgeschrieben, ignoriert dabei nebenbei aber vollkommen, dass Genet ebenfalls anwies, das Stück ausschließlich mit Schwarzen Schauspieler_innen zu besetzen.

Das strotzt so sehr vor Weißer Macht, dass es an Absicht grenzt, findet auch das Blog Metalust:

„Leider ist in diesem Fall zu vermuten, dass das Schauspielhaus zum wiederholten Male wider besseren Wissens das Ganze eben in der Absicht so inszeniert, um die entsprechende und berechtigte Gegenwehr zu Publizitätszwecken zu nutzen. Weil das, was da sonst als “Kunst” inszeniert wird, keinerlei Relevanz mehr erzeugt. Und wohl auch, weil mutmaßlich ein Interesse daran besteht, auf einem klar weiß dominierten Feld wie dem Theater Rassismus zu zementieren. So finden sie wohl wieder Gehör.

Was um so umverschämter bei diesem Stück ist. Genets Werk ist halt wie Jean-Paul Sartres “Die ehrbare Dirne” ein Versuch gewesen, so etwas wie “Critical Whiteness” zu betreiben, als es den Begriff noch nicht gab. Da ging vieles schief; das mag den Versuch aus der Zeit heraus tatsächlich ehren, das Resultat aber kann es nicht adeln.“

Geradezu skurril wird es, wenn Journalisten, wie in Die ZEIT ebendies kritisieren (über die Inszenierung des Stückes in Wien), nur um im Titel genau das zu tun: das N-Wort zu reproduzieren.

Wenn es offenbar schon zu viel ist, von einem Regisseur, der als Intendant dem Theater des Jahres 2013 vorsteht, zu verlangen, das Problem am Gebrauch des N-Worts zu verstehen – wäre es nicht wenigstens drin gewesen, dass Simons den einzigen Witz des Stoffes nicht kaputtmacht? Genets Regieanweisung, nur schwarze Schauspieler zu besetzen, hatte immerhin verstanden, dass es beim Rassismus im Theater um konkrete Repräsentationsfragen geht. Dass Simons nun weiße Schauspieler schwarze Schauspieler spielen lässt, die weiße Kolonialisten spielen, zeigt dagegen, dass er das Stück überhaupt nicht begriffen hat.

Via Sidonie Fernau, die bei Facebook folgendes dazu schrieb:

„Gestern feierte das Theaterstück „Die N*“ Premiere im Deutschen Schauspielhaus in Hamburg. Das Nachrichtenmagazin Mittendrin widmet der umstrittenen Aufführung einen Artikel, in dem auch ich mich äußere, denn: um auf bis heute andauernde Zerrbilder von Schwarzen Menschen und dem afrikanischen Kontinent hinzuweisen, gibt es geeignetere Wege, wie beispielsweise Schwarze Menschen selbst zu Wort kommen zu lassen, denn sie sind Expert_innen für ihre eigene Lebensrealität. Was offenbar für viele Menschen schwer nachvollziehbar zu sein scheint ist, dass es bei dieser Auseinandersetzung nicht um Political Correctness, Zensur oder eine Beschneidung von kulturellem Erbe geht, sondern um die Frage, wie das Schauspielhaus mit Vielfalt und Differenz in unserer Gesellschaft umgeht und ob es bereit ist, sich klar zu menschenfeindlichen Äußerungen und Inszenierungen zu positionieren und deutlich zu machen, dass jede Form von Diskriminierung und Rassismus im Theater und in unserer Gesellschaft keinen Platz hat.

Die N*“: Umstrittene Premiere im Schauspielhaus (bei HH-mittendrin noch ausgeschrieben, #Trigger)
Am Samstag feiert das Theaterstück „Die N*“ Premier im Schauspielhaus. Die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland fordert die Absetzung des Stückes.“

Der Autor ist Weisser, und hat alles, was er zum Thema weiß, wohlwollenden von Diskriminierung Betroffenen zu verdanken. Gerne nehme ich Ergänzungen und Korrekturen hier vor, lösche aber Derailing etc.. rigoros.

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