AFM Abteilung Fordernder Mitglieder – und Orth schweigt

„Wer fördert, der darf auch fordern“, würde ich die Jahresvollversammlung der AFM (Abteilung Fördernder Mitglieder) zusammenfassen. Alex, der Abteilungsvorsitzende von bald 10.000 Mitgliedern hielt eine wach rüttelnde Rede über die schwierige, bis desolate Zusammenarbeit mit dem Rest des Vereines, vor allem mit den leitenden Angestellten und Geschäftsleitern der Geschäftsstelle. Stefan Orth, Präsident des FC St. Pauli saß derweil in der dritten oder vierten Reihe von vorne und schwieg sich durch die eloquent vorgetragenen Vorwürfe.

Knackpunkt 1: Die AFM ist in vielen Jugendbereichen der wesentliche Sponsor, mit meist über 50% der Investitionen, die von den inzwischen fast 10.000 Mitgliedern eingezahlten Beiträgen bezahlt werden. Dennoch ist der Stellenwert der AFM nicht annähernd so, wie diese enormen Zahlen es vermuten liessen. So werden Gesprächsangebote bspw. zum leidigen Thema „Business-Seats“ nicht beantwortet und im wahrsten Sinne des Wortes „ausgesessen“.

Knackpunkt 2: Die Jugendmannschaften der A- und B-Jugend sind dem Profifußball zugeordnet, wohl aus steuerlichen Gründen. Die Investitionen der AFM dürfen aber nicht länger von der gemeinnützigen (ideellen) Seite des Vereines in die gewinnorientierte fließen, was zu dem grotesken Zustand führt, dass die AFM ihre Satzungs-gemäßen Aufgaben nicht mehr erfüllen könnte.

Beide Punkte blieben von Stefan Orth unkommentiert. Peinlich und schade, dass sich der Präsident unseres Vereins so billig aus dem Schneider schweigen will. Die JHV wird sicher in beiden Punkten interessant. Man muss kein Prophet sein, um eine gehörige Steigerung des Erregungspotenziales vorherzusehen, wenn unser Präsidium weiter so schwach gegen eine selbstherrliche Geschäftstelle agiert. Helmut Schulte sei von dieser Kritik explizit ausgenommen.

Was sonst noch war:
– Der Antrag, der Rugby-Jugend die Zuwendungen zu streichen, ist imho guterdings gescheitert. Die Kinnings können doch nun wirklich nix dafür, dass ihre Abteilungsleitung mit Teilen des Präsidiums ihre private Mädchenfußballmannschaft betreibt. (der Autor enthielt sich der Stimme)
– Auf Antrag einer St. Paulianerin wurde in die Geschäftsordnung aufgenommen, dass in Zukunft alle Texte die Abteilungsordnung der AFM gender-neutral ausformuliert werden. Also von St. Paulianer_innen die Rede ist. (der Autor stimmte für diesen Antrag)

Die Themen „Steuersparmodell A-Jugend“, Stellung AFM und Business Seats werden uns sicher noch beschäftigen. So, wie uns nach der Vollversammlung noch und zur JHV in knapp sechs Wochen …

Anmerkung: Die Gender-gerechte sprachliche Darstellung bezieht sich natürlich nicht auf das Wort „Mitglieder_in“, das ist mir als Anfänger als Fehler unterlaufen. Sorry.

Anmerkung 2: Kleiner Tod berichtet ebenfalls über die Brandrede von Alex Gunkel

… als AFM-Mitglied beim FC St. Pauli stand am freien Montag auch noch die AFM-Versammlung auf dem Programm. Und die sollte es in sich haben. Hierbei waren weniger die Anträge spannend, auch wenn ich dazu noch was schreiben werde, als vielmehr der Bericht der AFM-Abteilungsleitung, allen voran die Rede des Vorsitzenden Gunkel. Was da berichtet wurde vom Umgang der Vereinsführung mit der AFM selbst, die ja Zweidrittel der Vereinsmitglieder selbst stellt, war einfach eine Ungeheuerlichkeit. Einen entscheidenden Punkt möchte ich hierbei herausgreifen und zwar die Angelegenheit mit der Einordnung der A-Jugend aufgrund von steuerlichen Erwägungen. Was ich davon mitbekommen habe und was ich mir daraus zusammengereimt habe, ist dabei nicht die tatsächliche Wirklichkeit, sondern nachfolgend ausschließlich meine Interpretation davon, die nicht unbedingt zutreffend sein muß. BITTE BEACHTEN: Ich habe das jetzt nicht weiter recherchiert und bitte darum, meine Worte da auch nicht zu sehr auf die Goldwaage zu legen. Es ist aber das, wie ich es ohne nähere Detailkenntnisse aus der Rede entnommen habe.

Hierzu muß ich vorher kurz ausholen. Wie vielleicht bekannt ist, kann man bei einem heutigen Fußballverein mit Profikader schon lange nicht mehr von einem normalen, gemeinnützigen Sportverein ausgehen. Die Teilnahme am wirtschaftlichen Leben hat längst Dimensionen angenommen, die eine steuerlich differenzierte Betrachtung eines professionellen Fußball-Vereines nach sich gezogen hatte. Es wird unterteilt in den Profibereich und in den eigentlichen Vereinsbereich, der auch als ideeller Bereich bezeichnet wird. Nur der letztere verfolgt noch die Ziele, die eine Steuerfreiheit von Mitgliedsbeiträgen möglich macht. Für den anderen Teil des Vereines sind entsprechend Steuern zu entrichten, es ist hier aber auch möglich, diese Ausgaben steuerlich abzusetzen.

Nun ist die ureigene selbst gewählte Aufgabe der AFM, die Bereiche der Nachwuchsarbeit des Vereines zu fördern, die anderweitig nicht finanzierbar wären: http://www.fcstpauli-afm.de/c/afm/index.php?id=info . So sind wieder über 80% der Einnahmen der AFM in dem vergangenen Jahr in die Jugendförderung geflossen und dabei großartige Projekte angestoßen worden, für die der Verein selbst kein Geld hat. Der größte Teil wird dabei in die A-Jugend des Vereines investiert.

Auf einmal aber wird die A-Jugend auch als Steuersparpotential erkannt und soll dem Profibereich zugeordnet werden – so jedenfalls die Vorstellung der Vereinsführung. Dadurch könnte der Verein wohl etwaige Ausgaben steuerlich absetzen. Dies hätte aber zur Folge, daß die AFM den größten Teil ihrer Fördermaßnahmen einstellen müßte, da nur der ideelle Teil des Vereines gefördert werden kann. All die angelaufenen Projekte würden damit nicht mehr in diesem Maße weiterverfolgt werden können. Und ob der Verein diese finanzielle Lücke schließen wird, bleibt zu bezweifeln, da ja das Ziel die Steuerersparnis und nicht irgendwelche Mehrausgaben zu sein scheint. Sprich: die Förderung der A-Jugend wäre gefährdet, was eben auch in der Zukunft relevant ist, wenn mal keine steuerlichen Anreize für den Verein mehr bestehen könnten. Da dann auch noch auf die Frage, wie die AFM ihre ganzen Investitionen in die Jugend nun verteilen sollen, wurde von der Vereinsführung auch noch angeregt, daß andere Kosten übernommen werden könnten – AFM also zum einflußlosen Geldesel des Vereines in der Jugendförderung verkommen soll.

Ob ich das jetzt richtig verstanden habe, kann ich wie gesagt nicht garantieren, im Gegenteil, ich habe viel zu wenig Einblick in alles, um da wirklich fundiert Stellung zu beziehen. Aber wenn das stimmt, was ich mitbekommen habe, dann wäre dies eine nicht akzeptable Idee, von der ich nur hoffe, daß sie so nicht umgesetzt wird. Ich vertraue auf die AFM-Spitze, daß sie hiergegen angehen und eine Lösung erreichen wird, mit der wir alle gut leben können.

Was ich aber nicht verstehe, war, daß ein anwesender Präsident Orth mit diesen Vorwürfen konfrontiert keinerlei Stellung bezog bei dieser Gelegenheit. Auch auf die Aufforderung hin, vor der AFM-Versammlung hier für Klarheit zu sorgen, wurde von der Vereinsführung nicht gefolgt. Irgendwann in der Kalenderwoche 43 soll es dazu dann mal was geben… Die AFM wird von der Vereinsführung als externe Angelegenheit gesehen, die möglichst weit von jeglicher Einflußnahme und Informatione gehalten werden soll – dabei macht sie von der Mitgliederzahl zwei Drittel des Vereines aus!

Kommentare 5

  • Zur AFM:

    Am Anfang stand die Opposition. Aus Protest über Vereinsführung und sportliche Leitung begann sich beim FC St. Pauli im Jahr 1996 die Arbeitsgemeinschaft interessierter Mitglieder (AGiM) zu formieren. Ein Instrument, das die Fans fortan vermehrt Einfluss nehmen ließ. Die AGiM prangerte Missstände und Fehlverhalten an, polarisierte und gestaltete so den Klub sowie dessen Streitkultur maßgeblich mit – und nahm auch organisch Einfluss: Ein Aufsichtsrat wurde installiert und am 10. November 1999 eine neue Sparte gegründet, die zwölf Jahre später nicht nur zur größten, sondern auch einflussreichsten Abteilung innerhalb der braun-weißen Familie geworden ist: die Abteilung Fördernde Mitglieder (AFM).
    An deren Herangehensweise und Selbstverständnis hat sich bis heute nichts geändert. „Wir sehen unsere Aufgabe darin, die Arbeit der Verantwortlichen kritisch zu begleiten und an den richtigen Stellen beratend tätig zu werden“, heißt es in einem der Leitmotive. Allerdings beschränkt sich die Tätigkeit längst nicht mehr auf die Beratung. Die AFM ist mit ihren stetig steigenden Investitionen in Nachwuchs- und Jugendarbeit im großen Stil operativ tätig und liefert immer neue Rekordzahlen. Erstmals in ihrer Geschichte verwaltet die Abteilung, in der sich viele nicht Sport treibende Mitglieder des Vereins organisieren, einen Millionenetat.

    -HA

  • ist „das mitglied“ nicht schon geschlechtsneutral?

  • Wie bitte?! Das Mitglied – die Mitgliedin?

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