Bierbecherwerfer sind keine Verbrecher – Geldstrafe auf Bewährung

Bierbecherwerfer sind eben keine Verbrecher, und auch die, die treffen, kommen nicht in den Knast, wie uns die erregungsintensive Journallie vorver und urteilen wollte, sondern vor Gericht glimpflich davon.

12.000 Euro Geldstrafe auf Bewährung, und 1.500 EUR Schmerzensgeld wären ein gerechtes Urteil, wenn es denn dabei bliebe. Aber nach der strafrechtlichen Betrachtung, kommt die zivilrechtliche, und da sieht das sehr bitter aus. Nicht nur, dass der Becherwerfer seit Monaten sich am Pranger der Boulevardmedien wiederfindet, er muss nun auch noch befürchten, dass der FC St. Pauli bis zu 400.000 Euro Schaden von ihm zurück fordert. Eine monetäre Hinrichtung nach der medialen, und für mich schwer zu ertragen.

Glücklicherweise sind wir (noch) ein Verein und keine Aktiengesellschaft, deren Vorstand wäre nämlich verpflichtet, den Mann zu exekutieren. Unser Präsidium kann davon Absehen. Und das wäre auch mein Appell: mache Dich nicht zum Handlanger einer überzogenen DFL-Strafmoral Sankt Pauli. Lass den Mann in Ruhe!

5 Gedanken zu „Bierbecherwerfer sind keine Verbrecher – Geldstrafe auf Bewährung

  1. Etwas Reue würde sicher helfen, aber erstmal gehts ja in die Berufung, weil er abstreitet, es gewesen zu sein. Ich bin da total oldschool., i.e. jeder kann mal einen Fehler machen, aber dazu stehen wäre in erster Linie die richtige Maßnahme. Tut er bisher nicht. Mal sehen, wie es weitergeht.
    1. @Jeky und wem? Ich nehme an, nachdem der Mann den Boulevard gespürt hat, ist so ein Strafprozess pipifax. Ausserdem vermutlich die einzige Chance als Freigesprochener in einen Zivilprozess zu gehen.

      Reue braucht hier doch keiner mehr. Und am wenigsten steht das uns zu, diese zu fordern.

      1. @ring2 _Ich_ fordere ja keine Reue, mir hat er weder einen Becher an den Kopf geworfen noch mich eine Menge Geld gekostet. Was dann selbsterklärend ist, wem gegenüber er den Fehler eingestehen sollte. Und _wäre_ ich der Verein, wäre das durchaus ein Maßstab, nachdem ich einen Zivilprozess anstrengen würde oder nicht.

        Anders erklärt: wenn ich als Kind oder JugendlicheMist gebaut habe, war meine einzige Chance bei meinem Dad, zu dem Mist zu stehen. Das garantierte fast eine Straffreiheit bzw. milde Strafe. Wenn ich es abgestritten habe oder versucht habe, mich blöde rauszureden, hatte ich eher schlechte Karten.

      2. @Jeky Ich kann ja mit dieser „väterlichen“ Rhetorik nichts anfangen. Das ist doch kein Kind, das „wir“ erziehen müssten. Das ist ein Mann, der aus einem Affekt einen Becher geworfen hat. Insgesamt ist nicht viel passiert, zumindest nichts, was diesen Bohei rechtfertigt (Spielabbruch, -verlegung, Vorführen in BILD und Mopo, Job verlieren).

        Und so naiv zu sein, zu glauben, in unserem juristischen System würden dieselben Mechanismen gelten, wie bei Deinem Papa zuhause, das ist Deine Privatsache – als Becherwerfer würde ich mich darauf aber nicht verlassen wollen.

      3. @ring2 Das war auch nur ein einfaches Beispiel. Dass das -väterliche- Prinzip der Reue durchaus vor Gericht seine Wirkung hat, ist aber auch nichts Neues. Geständnisse und Reue wirken sich i.d.R. stafmildernd aus. Aus Gründen. Und damit schliesst sich der Kreis zur heimischen väterlichen Rhetorik…

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