Braunschweiger Polizei dreht eine Eskalationsstufe weiter: Öffentlichkeitsfahndung nach Pyro-Einsatz #Fortuna

„Chaoten“, der neue Kampfbegriff des Spiesbürgertums, werden von der Polizei Braunschweig öffentlich zur Fahndung ausgeschrieben. Der Vorwurf: Durch den „illegalen“ Einsatz von Pyrotechnik hätten sich die Fans von Fortuna Düsseldorf „schwerer Gefährdung durch Freisetzen von Giften“ (Quelle: Express) schuldig gemacht. Die Exekutive dreht die Schraube ein Zahnrad weiter – ein imho unerträglicher Vorgang.

Mit der Überschrift „Polizei jagt diese Pyro-Chaoten“ erschien am heutigen Tag ein Artikel in der Online-Ausgabe des Express. Der Inhalt des Artikels ist in ähnlicher Form bereits auch in weiteren Online-Medien verbreitet. Wir sind schockiert über die Art und Weise der Berichterstattung und wehren uns gegen einen weiteren Versuch, Fußballfans zu kriminalisieren.

Das Amtsgericht Braunschweig hat die Veröffentlichung von zwei Fahndungsfotos freigegeben. Diese Methode wird gerne bei schwerkriminellen Straftaten eingesetzt, um Täter schnell ausfindig zu machen. In diesem Fall geht es um das Zünden von Pyrotechnik bei einem Fußballspiel, konkret um das Auswärtsspiel unserer Fortuna in Braunschweig.

Dort sind zu Spielbeginn mehrere Bengalische Feuer im Block gezündet worden. An dieser Stelle sei bereits erwähnt, dass es unseres Wissens nach keinerlei Verletzte gegeben hat … (SCD)

Ja, Pyros stinken, und auch ich mag das nicht lange haben, in deren Rauch zu stehen. Aber rechtfertigt das eine öffentliche Fahndung? Rechtfertigt das die Drohung von „mindestens einem Jahr Freiheitsentzug“? – Nein! – Die Sicherheitsbehörden, mit freundlicher Unterstützung des DFB (Stichworte Pyrodiskussion und Kassenrollenurteil) schiessen hiermit nicht nur über das Ziel hinaus, sondern offenbaren eine augenfällige Strategie, durch Restriktionen (tiefe Eingriffe in die Freiheit, wie Verbotsverfügungen und Gesichtscanner-Einsatz) und Drohkonstrukte, wie der finanzielle Ruin oder gar Freiheitsentzug, Gehorsam zu erzwingen, indem überzogene Delinquenz erzeugt wird, gegen die dann „hart und kompromisslos“ vorgegangen werden kann.

Dieses Vorgehen, die im Fußball einem ähnlichen Muster folgt, wie die Vertreibung von „Nicht-Konsumenten“ aus den Einkaufsstraßen Hamburgs macht den Widerstand zur Pflicht – und stellt meine persönliche Einstellung zum einsatz von Pyrotechnik ans Ende der Auseinandersetzung. Solange Fußball-Fans so willkürlich drangsaliert werden, wehre ich mich – auch wenn ich persönlich gut auf Pyros verzichten kann. Das gilt übrigens analog zu dem Besuch von Rostockern am Millerntor.

„Der Verein Fortuna Düsseldorf ist mehr als irritiert über die Veröffentlichung der Polizei Braunschweig und der damit verbundenen Fahndung nach zwei Personen, die im Rahmen des Fortuna-Spiels bei Eintracht pyrotechnische Gegenstände verwendet haben sollen. Diese Qualität des Fahndungsaufrufes zur Ermittlung möglicher Täter im Rahmen von Fußballveranstaltungen ist uns bisher gänzlich unbekannt“ – Stellungnahme von Fortuna Düsseldorf, die um den Aufruf erweitert werden muss, dass diese schlimme Kriminalisierung von Besuchern eines Fußballspiels zu unterbleiben hat!

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