Facebook: Alltagsrassismus in St. Paulis Kommentarspalten

Der FC St. Pauli macht in letzter Zeit vieles richtig, nicht nur sportlich. Seine Aktionen gegen Alltagsrassismus sind zu unterstützen, ich tue das – und bin dennoch entsetzt, wie wenig unter den Postings aufgeräumt und gemanagt wird.

FC St. Pauli Facebook Aktion gegen Alltagsrassismus (Screenshot: Facebook)
FC St. Pauli Facebook Aktion gegen Alltagsrassismus (Screenshot: Facebook)

„Alltagsrassismus sind tausende Nadelstiche. Er kann immer und überall passieren. In der Schule, auf der Arbeit, in Behörden oder beim Arzt“, schreibt der FC St. Pauli in diesem Posting bei Facebook, und man möchte ergänzen: „Er kann immer und überall passieren“ … oder in Facebook-Kommentaren.

Relativierungen, Mimimi und Whataboutism ohne Community Management

#Triggerwarnung#

„Mittlerweile muss man jedes Wort auf die Goldwaage legen. Dinge die man „früher“ bedenkenlos sagen konnte die nicht Böse gemeint waren, da es Sprachgebrauch war, wird heute als Rassistisch ausgelegt.“

M.R. auf Facebook

Es sind Klassiker des Derailings, die da einen Tag lang unmoderiert im Weg rum stehen*, kommentiert nur von anderen St. Paulianer:innen, deren Intervention aber nur noch mehr Trolle anzieht; so fühlt sich das an.

Hinzu kommen offen rassistische Gifs, schlimm verschwurbelte Kommentare über das „Geschäftsmodell Antirassismus“ und anderer Whataboutism.

M. hier mal als Beispiel genommen, weil er sich eben auch stark wehrt bei Facebook, und weil sein Kommentar so herrlich prototypisch ist: Der Grund, weswegen in einem antirassistischen Diskurs solche Kommentare moderiert werden müssen ist schlicht die Tatsache, dass sie von Rassismus Betroffenen von der Teilnahme an dem Diskurs abhalten.

Aber die Meinungsfreiheit?

Der Diskurs hier beim FCSP hat Grenzen; in unseren Kommentarspalten gelten Regeln, zu aller erst unsere Stadionordnung. Will der FCSP auch auf Facebook ein Safe Place sein, dann muss er mit harten Bandagen moderieren; das Relativieren von Rassismus gehört dazu. Eben weil solche „Meinungen“, „man dürfte nix mehr sagen“-Mimimi, andere vom Diskurs ausschließen, von Rassismus Betroffene u.a. Deswegen schließen wir diese „Meinungen“ aus – oder sollten das tun.

Denn der FC St. Pauli – das ist ein immer wiederkehrendes Ärgernis – ist sehr langsam und uneindeutig, was das moderieren von Kommentaren angeht. * Inzwischen wird dort moderiert, wie es scheint. Aber das geschieht zu spät. Denn das Stehen- und Laufenlassen solcher Diskussionen verprellt diejenigen, denen wir hier zuhören wollen und sollen: den Menschen, die von Alltagsrassismus betroffen sind.

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