FC St. Pauli – Wider das Establishment im Norden

„Ich steh hier schon seit der Regionalliga“

Die Dauerkarten-Situation am Millerntor ist fatal, das ist nicht zu übersehen. Schon des öfteren habe ich bei Test- und Vorbereitungsspielen Menschen getroffen, die endlich mal ans Millerntor kommen können, oder Unerschrockene aus dem Wendland, die sich auf den Weg nach St. Pauli machen und zu den Glückseligen zählen, die bei Tommy eine Dauerkarte aus der AFM-Tauschbörse ergattern. Seit dieser Saison ist es fast nur noch Sponsoren, Bankvoständen und Mitgliedern möglich an Karten zu kommen. Frühmorgendliches Anstehen ist da für Letztere angesagt und ja mal ganz lustig, aber auch nur einem kleinen Kreis von Menschen möglich.

Hat man dann eine Karte ergattert, allen Widrigkeiten zum Trotz, trifft man am Spieltag auf das Dauerkarten-Establishment in der Nord und Gegengeraden. Und die fühlen sich gestört.

Es gab sie schon immer, die Zuspätkommer, die dann in der Nord und Gegengeraden von hinten all diejenigen, die da schon seit 1 1/2 Stunden standen eine Stufe nach unten zu drängen versuchten, um die soll es heute aber nicht gehen, sondern um die Dauerkarten-Klüngler, die sich in großen Gruppen jedes 2. Wochenende am Millerntor treffen, in guten, wie in schlechten Zeiten – und wahrlich, schlechte Zeiten und Spiele haben wie erlebt am Millerntor! – sich daraus aber einen fatalen Anspruch ableiten, sich nämlich Plätze zu reservieren in vermeintich ihrem Wohnzimmer, auf Kosten und gegen diejenigen, die entweder neu in die Nord kommen oder endlich mal wieder.

Die sopenen Kuttenträger am Sonnabend, die wie schon vorher, kurz nach Anpfiff in den Block suppen, von unten sich hochstellen und dann die Kinder auf dem Zaun bepöbeln, weil sie angeblich nichts sehen könnten, sind ein weitere Casting-Kandidaten einer muffigen Bourgoisie, die ich auf der Süd so nicht erlebt habe.

Vor allem das Anpöbeln von Kindern geht mir gehörig auf den Sack, und bei aller Auseinandersetzung mit den Sängerknaben auf der Süd und den Ärger, den ich im letzten Frühjahr mit der Ticketfrage hatte, bei Ansehen dieser Zustände werde ich noch größerer Unterstützer des Konzeptes „Saisonkarte“.

8 Antworten

  • Also die Sache mit der „Saisonkarte“ ist sicherlich toll fuer die Leute die jetzt zum FC kommen wollen, weil ja alles so hipp und erfolgreich ist. Ich wuerde mir allerdings sehr verarscht vorkommen, wenn ich nach all den Jahren mit DK ploetzlich keine mehr bekommen sollte. Das kann’s ja nicht sein!
    Zum „Establishement“ in der Nord: Glaube nicht, dass es hier mehr Stress gibt als im Sueden oder GG. Is natuerlich ein anderer Schnack als z.B. in der Sued. Ganz klar! Aber die Welt ist halt bunt. Und hoffentlich bleibt sie es auch!

  • Zwei Dinge:
    1. Das Gros der „Pünktlichen“ (zu denen ich auf Grund von Nachwuchsheranführung beim letzten Heimspiel erstmalig gehörte) geht doch im Großen und Ganzen immer sehr entspannt mit den „Späterkommern“ (zu denen ich den Rest des Jahres gehöre) um. Natürlich wird mal gemeckert, aber ich habe das bisher immer als kurzes „Dampfablassen und dann ist auch gut“ erlebt.
    2. Seit Anfang dieser Saison (und ausgerechnet besonders beim letzten Spiel – dabei war ich da doch pünktlich!!!) wurde zugegebenermassen etwas mehr gepöbelt, was m.M.n. daher kommt (und am Anfang der letzten Saisons auch so war), dass der Gästebereich sukzessive in die Nordkurve hineinwächst, was wiederum zu „Neusortierungsprozessen“ führt. (Auch unter Fans, die da schon standen, als Totenkopfflaggen nur aufm Dom verkauft wurden). So wie es lustigerweise zu Beginn der 2. Halbzeit irgendwie immer mehr Platzt für alle gibt, wird es auch spätestens in 3-4 Spielen wieder entspannter zugehen. Die Menschen sind halt Gewohnheitstiere.

    • Ja Hans, das sehe ich auch so.
      Nur das Wegbeissen und Besetzen geht mir auf den Geist – und nur für den Fall, dass ich mich mißverständlich ausdrücke – und in diesem speziellen Fall haben die Zuspätkommer gepöbelt, und zwar gegen vermeintlich schwächere, Kinder!

      Ich habe meinen Glauben an St. Pauli ja noch nicht verloren, zumal M., eine gute Bekannte, die Kerdls auch ordentlich zusammengestaucht hat, mit ihrer jahrzehntelangen Millerntorautorität im Rücken. :)

      • Solange das Korrektiv aus der Masse noch funktioniert ist zumindest der Hopfen noch nicht verloren.
        Wir haben übrigens von den Umstehenden bzgl. des Lütten ausschließlich Fürsorgliches erlebt. Die Tipps, wie er (für ihn) am gemütlichsten auf den Wellenbrechern zu platzieren sei, waren sehr hilfreich.

  • Moin,

    selbst wenn das ganze Stadion in Saisonkarten gewandelt werden würde – was ändert das am geschilderten? Die Originale wären sicher trotzdem da – man sieht sie ja auch oft genug Auswärts. Ihren Hintern kriegen die im Zweifel also hoch.
    Und zum Platzanspruch – das ist doch in anderen Bereichen des Stadions auch so. Da stehen Gruppen/Clubs am selben Platz und verdrängen auch andere.
    Bleibt das Gemecker gegen Kinder – dazu kann ich nix sagen, da nicht gesehen/gehört.
    Gruß,
    derKiesel

    • Moin Kiesel,

      ja das mag sein. Es wäre wahrscheinlich eher ein kleiner Beitrag nur zur Wiedererlangung der Stimmung, die ja auch die „gnatzigen alten Männer“ einst mal ans Millerntor geführt hat. — Ein Allheilmittel ist die Saisonkarte sicher nicht – aber ein paar mehr davon auch in anderen Kurven des Millerntor können nicht schaden.

      (ich gebe auch gerne zu, dass meine Vorliebe zur Saisonkarte der Tatsache geschuldet ist, dass ich keine DK habe ;)

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