Fragen an Bernd

Ich habe mir nach der Lektüre des Blogposts bei „do you football“ unter der Rubrik „Bernd am Ball“ einige Fragen gestellt, die ich gebloggt und per E-Mail an Do You Football versand habe. Nach kurzer Zeit kam die Antwort per reply von Bernd von Geldern, Autor des Blogposts und GF von „Do You Football“.

Ich stelle hier seine Antworten zu meinen Fragen dar und kommentiere direkt:

Hallo Herr Hauth,

mein Name ist Bernd von Geldern und ich bin der Verfasser des Blogs und somit der ‚gewisse Bernd‘. Insofern ist das Geschriebene meine Meinung und nicht die einer Firma. Zu Ihren Fragen möchte ich folgendes sagen:

SPNU: 1. Wieso ist der Artikel noch online oder zumindest nicht redigiert?
Bernd von Geldern: Der Artikel steht noch online, weil durch Löschung auch die anschließenden Beiträge der Diskussionsteilnehmer hinfällig würden, weil ja die Bezugsgeschichte fehlen würde. Und in diesen Kommentaren ist doch gerade die Position der Ultras ausführlich dargestellt worden. Vielleicht ist es aber auch der richtige Weg, den Beitrag zu löschen … .

(Anm. d. Autoren: Bernd hat inzwischen einen Blogpost zum Blogpost geschrieben, der auch mir entgangen war: hier zur Klarstellung)

2. Wie steht Do You Football und Miles Fashion zur Fanschaft des FC St. Pauli
BvG: DO YOU FOOTBALL und MILES unterstützen den FC St. Pauli seit vielen Jahren (es ist unsere achte Saison) mit nennenswerten Sach- und Geldwerten. Und nicht nur die Leistungsmannschaften, sondern auch bspw. die Rabauken (Fußballschule) oder Kooperationen wie die zu Viva con Agua. Ebenso unterstützen wir aktuell die Aktion ‚Traumtrikot‘ der Fernsehlotterie. Wir haben uns immer als Teil des Klubs, der Fans und der Kultur des Vereins gesehen und tun das auch heute. Insofern stehen wir der Fanschaft des FC St. Pauli sehr, sehr positiv gegenüber und fühlen uns als Teil der gesamten Familie.

3. Planen die Geschäftsführer der Miles Fashion sich bei den Fans, besonders den Ultras des FCSP zu entschuldigen, oder stehen sie zu dieser Polemik?
BvG: Ich habe in meinem Post von gestern die Dinge richtig gestellt, vielleicht hatten Sie Gelegenheit, den Text zu lesen. Für mich ist das eine Entschuldigung im familiären Sinne. Und, Herr Hauth, ich schreibe da auch, was ich wirklich fühle, nämlich, dass ich genau so Fan bin wie Sie und das Beste für den Klub will. Und ich bleibe dabei, dass ich solche Plakate ablehne, egal ob Sie von Ultras oder auf der Haupttribüne hochgehalten werden. Aber natürlich stellt sich die Frage, ob ein Sponsor zum Geschehen in ’seinem‘ Klub überhaupt Stellung nehmen sollte, ich versichere Ihnen, dass ich das sehr stark überdenke, gleichwohl ich als Freund des FC St. Pauli und nicht als Sponsor oder als Firma geschrieben habe.

Was ja am Ende einem jeden Blogger zuzstehen ist, dass er seine Meinung und sein Wissen als etwas wachsendes begreift.

4. Ich habe mich derweil auf der HP der Miles Fashion umgesehen und festgestellt, dass Sie eng mit einem so genannten Intermediary, der Li & Fung Ltd. zusammen arbeiten, die jüngst in die Kritik geriet, weil sie in Fabriken in Banglasdesh herstellen ließ, die fahrlässig schlechte Sicherheitsstandards vorwies. Nur der erste Eindruck einer kurzen Recherche, die mich zu der Frage bringt, wie Miles Fashion und auch der FCSP bei der Herstellung seiner Trikots sicher stellt, dass diese im Einklang mit den Richtlinien des FC St. Pauli und dem besondere politischen Anspruch dieses Vereins hergestellt werden?
BvG: Die Trikots des FC St. Pauli werden seit Jahren in ADIDAS-Auditierten Fabriken in der Türkei (Istanbul) hergestellt, die allerhöchsten Sozial-, Arbeits- und Sozialstandards entsprechen. Uns ist dabei der von Ihnen genannte ‚besondere Anspruch‘ sehr bewußt.

Zum Thema habe ich einen Bericht der „kritischen Aktionäre“ von 2010 gefunden, den ich hier als Lektüre anhänge:
Adidas hat 2009 ca. 1.600 Firmen besucht und davon ca. 1.500 auditiert. Dafür wurde ein Team von ca. 60 Mitarbeitern aufgebaut, das Social and Environmental Affairs (SEA) Team. Zusätzlich werden Audits durch externe Experten beauftragt. Die Wirkung von Sozialaudits
ist jedoch umstritten. Untersuchungen führen zum Ergebnis, dass Verbesserungen von Arbeitsbedingungen bei Lieferanten, sich kaum auf die Auditprogramme zurückführen lassen. Audits sind somit von der Methodik her nicht nur ungeeignet, die gewünschten Ziele stabil
und langfristig zu erreichen, sie sind zudem auch noch so kosten- und ressourcenintensiv, dass sie nicht adäquat durchgeführt werden können und sie ignorieren häufig lokale Rahmenbedingungen. Dies ist Adidas durchaus klar: „When we are auditing factories, we come across falsified records and workers who have been coached to say ‘the right thing’. We encounter a high turnover of staff in senior positions in factories, which means our efforts to train people have been wasted or that efforts to fix problems will not last. And we face the problem of a lack of time and resources to get around all our factories and inconsistencies in
the quality of the monitoring.”

Gerade auch der letzte Punkt bringt mich wieder an den Punkt Dialog, den ich gestern bereits angesprochen habe. Gern stelle ich mich den Fragen nämlich auch im persönlichen Gespräch, wie gesagt, ich fühle mich im selben Boot wie Sie.

Mit besten Grüßen,
Bernd von Geldern

Lieber Herr von Geldern,
da gebe ich Ihnen recht: wir müssen darüber reden. Ich nehme Ihr Angebot zu einem weiteren Dialog also gerne an.

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