Gegner, Schiedsrichter “beleidigen”? OK, aber dann richtig …

Photo credit: Apionid on Visualhunt.com
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Geht es Dir auch so: im Stadion sieden Deine Emotionen und es will ab und an was raus? Aber wie vermeidet man (ungewollte) Beleidigungen, die gegen die Stadionordnung verstoßen? Eine kleine Geschichte will ich Dir schnell erzählen – aus dem Anlass, den ich weiter unten verlinke …

Beim Fußball sieden die Emotionen in uns, blubbern nicht selten über den Mund (oder auch Gesten) in die Welt, ins Rund, ins Stadion. Das ist natürlich OK.

Nicht OK ist die Verwendung von diskriminierender Sprache und Gesten.

Too lazy to read; listen instead – Read out loud im Podcast:

Im Eifer des Gefechts homophob, sexistisch oder ableistisch? Das kann man sich abtrainieren…

Ich erinnere mich gut an einen Spieltag des FC St. Pauli, den ich auf der Gegengeraden erlebte. Hinter mir stand eine Gruppe junger Männer, die in dem sehr hitzigen Spiel ihren Emotionen Ausdruck verleihen und den Akteuren auf dem Rasen ihre Ansicht mitteilen wollten.

Beim ersten Mal fiel ihnen nichts besseres ein, als den Schiri mit einer Sehbehinderung in Verbindung zu bringen. Ich drehte mich um und schaute böse; was aber nur vorübergehend half. Ein paar Minuten später war plötzlich ein Spieler unserer Boys in Brown Ziel des getrillerten Auswurfs. Ich bin Stotterer und selbst Spastiker gewesen – weshalb ich mich doppelt berufen fühlte, die Boys in Rage da neben mir zur Raison zu rufen.

Ich bat sie, die Ausdrücke, die in unserem Stadion zu unterbleiben hätten, da stecken zu lassen, wo sie nicht weiter stören. Wäre doch doof, wenn sie ein Ordner in dieser spannenden Phase des Spiels vor die Tribüne begleiten müsste (wobei ich mir damals und heute nicht sicher bin, ob das Ordner tun würden bei einem Anruf als Betroffener).

Erfreulicherweise gab es keine Backpfeife zurück, sondern das ernsthafte Nachfragen, wie man das denn vermeiden könne. Wenn es bei mir anfängt zu sieden – und all die Ausdrücke stecken in hartnäckigen und teilautomatisierten Mustern auch immer noch tief in meinem Reptilienhirn – dann übe ich das Beschimpfen mit harmlosen Dingen. Beispielsweise Gemüse und Obstsorten. Das ist nicht nur gesünder für die Menschen neben mir, sondern kann auch echt lustig sein. Diesen Tipp gab ich den Jungs hinter mir, die fortan den Schiri als Melone beschimpften und unsere Spieler als Zwiebeln.

Laut angefangen zu lachen haben wir alle, als ein offensichtlich simulierender Gegenspieler als “rollende Aubergine” betitelt wurde, die nun mal gefälligst aufzustehen habe.

Foto: Sprachkick.de via Facebook

Diskriminierugs-sensible Sprache ist machbar, Nachbar:in

Damit unser aller Erlebnis im Stadion sowohl emotional als auch diskriminierungsfrei wird, empfehle ich die neue Website “SprachKICK”.

Daniela fasst kurz zusammen, worum es geht (natürlich um viel mehr, als Gemüse):

Daniela Wurbs: Wir möchten ein Bewusstsein für vielfaltssensiblen Sprachgebrauch schaffen. SprachKick hilft Beteiligten im Fußball, ihren Wissenstand zu den Themen Vielfalt und Inklusion zu erweitern sowie dies in ihrer Sprache zu berücksichtigen. Die Plattform bietet Nutzenden unter anderem konkrete Formulierungshilfen und erklärt Begrifflichkeiten.

DFL

Sprachkick gibt Tipps für die eigene Sprache im Stadion und dazwischen …

Kommunikation rund um Fußball hört ja nach dem Spiel nicht auf, sondern spinnt sich weiter in Kommentarspalten und Blogs … auch hierfür hat Sprachkick eine Checkliste für die eigene Kommunikation:

Die folgende Basis-Checkliste ist als Hilfestellung zur ersten Überprüfung der eigenen Sprach-, Schrift- und / oder Bild-Inhalte gedacht: 

  • Enthält sie – direkt oder indirekt – verallgemeinernde Zuschreibungen und Klischees aufgrund von Merkmalen wie Herkunft, Glauben, Geschlecht, sexueller Orientierung, Behinderung oder Alter? 
  • Habe ich mich vorab bei Interessensorganisationen über die sprachlich aktuell empfohlenen Bezeichnungen für die angesprochenen Personengruppen informiert?  
  • Werden Gruppen / Personen in ihrer Vielfalt sichtbar – sprachlich und bildlich?  
  • Wird nur Heteronormativität dargestellt oder geschlechtliche und sexuelle Vielfalt? 
  • Werden auch nicht-weiße, ältere Menschen und Menschen mit Behinderung einbezogen? 
  • Fühlen sich die Angesprochenen alle genannt & gemeint? Werden sie ggfs. mit gleichwertigen Adjektiven beschrieben? 
  • Sind bildhafte Darstellungen ausgewogen und respektvoll? 
  • Sind die Sätze einfach aufgebaut und die Inhalte für möglichst alle (Zielgruppen) leicht verständlich? 

>>Tipp: Inhalte daraufhin prüfen, wer fehlt! Separation vermeiden, Gemeinsamkeiten hervorheben! 

>> Quelle: Wie sag Ichs besser bei Sprachkick

Photo credit: Apionid on Visualhunt.com

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