Derby HSV-St. Pauli – „Feel The Beat of the Tambourine“

Das war schon ein feines Experiment gestern im Knust, die Lesung der beiden Husumer Autoren Michael Pahl (FC St. Pauli) und Axel Formeseyn (HSVau). Und das kleine „literarische Derby“ ging mit einem Punktsieg an den (zugegeben durch die Nähe zum magischen Millerntor bevorzugten) FC St. Pauli. Das lag aber im wesentlichen an dem offen zutage tretenden Innenstadt-Neid, den Axel immer wieder ansprach. Die als Spitzen gemeinten Anspielungen auf die sportliche Erfolglosigkeit des vermeintlich kleinen FCSP legten dann immer wieder das Mißverständnis offen, das ich bei HSV-Fans oft bemerke, dass man seinen Verein eben nach seinem Zweck einordnet, dem fußballerischen und so genannten „Erfolgen“. Das scheint so schwer zu verstehen, dass es um Fußball eben auch geht beim FC St. Pauli, aber nie nur. Immer wieder Unverständnis darüber, was sich die Welt erlaube, diesen merkwürdigen Fuzziverein mit soviel Aufmerksamkeit zu bedenken, bei so wenig zählbarem. Hihi, der arme.

Auf der Toillette führt man ja die besten Gespräche, und gestern lernte ich über eine kleine Schar HSVer, die sich zum Einsingen *vor* der Tribüne treffen, weil ihnen im Innenraum kein Raum zur Entfaltung gegeben wird, vor lauter künstlicher Choreo von Lotto und Konsorten. Das tat mir richtig leid, vielleicht auch als vorgenommene Trauer, wenn man sich die Entwicklung am Millerntor so vor Augen führt. Wie hießen die man noch, „Volksballett“?

Programmlicher Höhepunkt, die Hitliste von Fan- und Vereinshymnen aus allen Jahrzehnten (an einige konnte ich mich sogar wieder erinnern ;). Wir spielen natürlich die Hymne der Gästefans am Sonntag, auch die des HSV. Nur muss es das unsägliche „Hamburg meine Perle sein“? Mir fielen da als heiße Kandidaten sofort zwei andere Hymnen ein. „Zickezacke HSV“ bspw. von Gottlieb Wendehals oder „HSVau“ von den Discotieren.

Mit Peter Nogly war dann noch ein persönlicher Klebstoff zwischen HSV und FCSP anwesend. Auf die Bemerkung, von Axel F., dass viele Sankt Paulianer einst auch zum HSV gingen, wollte ich erwidern, dass es gute Gründe für mich gab, das in den 80er Jahren zu ändern – zum FC St. Pauli überzulaufen. Ich habe es dann gelassen, er hätte mich wahscheinlich sowieso nicht verstanden.

Zweiter Höhepunkt des Abends war der Auftritt eines der Feiglinge von „Norbert und die Feiglinge“, der mit seiner schleswig-bluesigen Hommage an den Volkspark zeigte, wie sympathisch verlieren sein kann. Bis Sonntag dann … :)

Die Anti-St.Pauli Gesänge gestern waren für mich einfach nur peinlich. HSV ist in den meisten Belangen St. Pauli haushoch überlegen. Das hat man als HSV-Fan doch gar nicht nötig. Laß die doch einfach machen, was die wollen. Tangiert uns doch eh nicht. Wie doof stehen wir denn da, wenn wir einmal gegen die verlieren sollten.

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