Ist Andy Grote als Mitglied des FC St. Pauli noch haltbar?

Heute machte ein Foto die Runde, das ein Banner auf dem Südkurvenvorplatz zeigt, darauf stand:

„Sofortiger Vereinsausschluss von Andy Grote“

FC St. Pauli: Banner gg Andy Grote #G20. Foto: via St. Pauli Fans gg rechts auf Facebook.

Warum hier der Rauswurf des St. Pauli Mitglieds und Hamburger Innensenators gefordert wird, liegt wohl auf der Hand: Seine Rolle bei den G20-Protesten, besser gesagt die offenkundig gewordenen Gewalt und Repressionen durch die Polizei, wird ihm angelastet.

Wann kann man ein St. Pauli Mitglied eigentlich rausschmeißen?

Ich bin mir nicht sicher, ob das eine gute Idee ist, Andy Grote rauszuschmeißen. Der FC St. Pauli ist ein e.V. und soll es auch bleiben. Außerdem spielt er als großer Sportverein in HH eine gesellschaftliche Rolle, da sollte man unangenehme Vereinsgenossen auch aushalten können.

Wann ist dann aber das Maß voll? Bei einer wiederholten Provokation durch Thor Steinar T-Shirts wäre der Fall ja klar, aber wann genau ist das Verhalten Einzelner so vereinsschädigend, dass sie ihre Mitgliedschaft verlieren sollten?

Eine juristische Einschätzung überlasse ich lieber den Kollegen vom Magischer FC Blog, das können die besser. Klar scheint mir aber, dass der §11, Absatz 4 unserer Vereinssatzung hier in Anwendung käme:

„Ein Mitglied, das gegen die Interessen des Vereins oder gegen seine Satzung gröblich verstoßen hat, das sich grob unsportlich verhält oder das durch sein Verhalten innerhalb oder außerhalb des Vereins dessen Ansehen schädigt, kann durch Beschluss des Ehrenrats aus dem Verein ausgeschlossen werden.“

Der Ehrenrat also. Dieses Gremium ist beim FC St. Pauli sehr mächtig, und soll Streitigkeiten möglichst intern lösen. Wäre die Causa Grote also ein Fall für ebendiesen?

Wie bringt man eine Streitfrage vor den Ehrenrat des FC St. Pauli?, habe ich mich gefragt? Ich habe mal nachgefragt, die Dokumentation der Antwort kommt postwendend, sobald sie eintrifft …

Die Leitlinien des FC St. Pauli geben da übrigens einen Hinweis auf das Vergehen, dessen sich Andy Grote ggü den Mitgliedern des FCSP schuldig gemacht haben könnte:

Der FC St. Pauli ist ein Stadtteilverein. Hieraus zieht er seine Identifikation und hat eine soziale sowie politische Verantwortung gegenüber dem Stadtteil und den hier lebenden Menschen.

Offenkundig kollidiert dieser Grundsatz mit Andy Grotes Verhalten, weil er als Innensenator UND Mitglied verantwortungsbewußt ggü dem Stadtteil und den dort lebenden Menschen hätte agieren müssen; mit der kolportierten Anweisung an die Polizei, im Zweifel die G20-Gipfelteilnehmer vorrangig zu schützen und der demnach stundenlangen Apathie der Polizei gegenüber dem Schanzenviertel, hat er diese Verantwortung nicht wahrgenommen.

Auch die repressive Hamburger Linie seines Polizeiführers passt nicht zu dieser Verpflichtung.

Ein Interessens- und Gewissenskonflikt, den Andy Grote meiner Ansicht nach zu Lasten des FC St. Pauli und dem Viertel St. Pauli entschieden hat. Dies rechtfertigt ggf. schon eine Sitzung des Ehrenrates.

Rote Flora vs. SPD Grote

Spätestens, wenn die regierende SPD in Hamburg den rechten Attacken erliegen und die Flora angreifen sollte, eskaliert dieser Konflikt. Es kann also nicht schaden, wenn sich der FCSP offiziell mit dem Mitglied Grote bespricht.