JHV 2016: Das könnte ein heißer Ritt werden

Am kommenden Sonntag lädt der FC St. Pauli zur Jahreshauptversammlung (JHV) ins CCH (Beginn 11:00 Uhr). Dieses Jahr könnte es für das Präsidium um Oke Göttlich ein heißer Tanz werden: neben der sportlichen Misere treibt der neue Ausrüster des Teams die Mitglieder um, es liegt ein Antrag zur Abstimmung vor, den Vertrag mit dem US-Fabrikanten Under Armour sofort zu kündigen.

Auch wenn Sascha K. seinen Antrag auf einen kurzen Slogan verkürzt, aus dem Vertrag mit Under Armour seitens des FC St. Pauli „sofort auszusteigen“, das Warum nicht näher erläutert, befürchte ich, sympathisieren genügend St. Paulianer_innen mit der Grundidee. Mit seiner beinahe trumpschen Einfachheit fällt er bei antiamerikanischen Ressentiments bei dem einen oder anderen sicher auf fruchtbaren Boden.

Dabei hat Under Armour tatsächlich – auch in den USA – massive Probleme mit seinen Jagd-Sponsorings. Händeringend versucht sich der Shooting-Star der Sportgear-Branche von Trophäenjägern zu distanzieren, die man eben noch üppig gesponsert hat. Ja, das ist erstmal zu erklären und von Adidas oder Puma schwer vorstellbar, dass einer der gemütlichen Megakonzerne aus dem Süden der Republik einen Jäger sponsert, der einen Schwarzbären mit einem selbstgebastelten Speer ersticht. Die Mopo hat dieser Vermählung zwischen dem FCSP und UA ja schon letztes Jahr viel Aufmerksamkeit geschenkt – nach der Reise von Vorstand, Aufsichtsrat, Abteilungs- und Fanladenvertreter_innen in die USA war es aber ruhig geworden und ein solcher Antrag wohl nicht zu erwarten.

Ich bin gespannt, ob es eine Begründung des Antrages gibt. Vor allem die Diskussion, welcher Hersteller von Profisport-Klamotten denn als Alternative in Frage käme, würde mich interessieren. Ob Adidas oder Puma nachhaltiger produzieren, bezweifle nämlich nicht nur ich – da hat man tatsächlich eine eingeschränkte Auswahl. Außerdem würde eine einseitige Kündigung sicher teuer. Woher dann das Geld für einen gestandenen Sechser herkommen soll, der im Winter verzweifelt gesucht werden könnte, würde ich auch gerne wissen.

Fairtrade muss als FC St. Pauli aber gehen

Oke Göttlich auf der JHV FC St. Pauli 2014 - Foto: Stefan Groenveld
Oke Göttlich auf der JHV FC St. Pauli 2014 – Foto: Stefan Groenveld

Der zweite Antrag schlägt in eine ähnliche Kerbe, eine, die ich aber voll unterstütze: Der FC St. Pauli, nun da er die Merchandising-Rechte UND die Firma dazu zurück erworben hat, sollte den Anspruch haben, seine Fanartikel fair und nachhaltig zu produzieren.

Bei der Umsetzung räumt der Antrag „auf fair produzierte Textilien“ dem Vorstand einen Spielraum ein und begründet das Anliegen ausführlich.

Ich nehme an, dass man seitens des Vereins bereits intensiv mit den Antragsstellern verhandelt, um ggf. vor der JHV schon eine Antwort parat zu haben, wie man dieses Anliegen, das in den Grundwerten des FC St. Pauli tief verankert ist, auf die Schiene bringen kann.

Ich könnte mir vostellen, dass der FCSP-Shop eine Fairtrade-Variante jedes wichtigen Merchandising-Produktes anbietet, um den Käuferinnen zunächst einmal die Wahl zu lassen. Die Umstellung der gesamten Kollektion wird dann sicher eine Weile, mindestens eine Saison, dauern.

Dieses Projekt wäre auch ein wichtiger Schritt, das Profil des neu firmierenden Vermarkters Upsolut  FC St. Pauli Merchandising GmbH & Co KG in Richtung Verein zu schärfen. Viele Mitarbeiter wünschen sich eine klare Ansprache und Willkommensgesten aus der Geschäftsstelle, die über „Platitüden“ hinaus gehen. Einige haben mir ggü auch ihre Angst um ihren Job geäußert – da könnten Oke und Co. viele kleine Fliegen mit eine Klappe schlagen. Ich erwarte da einen durchdachten Vorschlag bereits zur JHV und freue mich, dass Ana* diesen Antrag gestellt hat – meine Unterstützung hat sie!

Struktur?

Beim Antrag des Präsidiums bin ich ein wenig ahnungslos und gespannt, was da aus der beantragten „Strukturkommission“ so alles wird. Grundsätzlich stehe ich ja strukturellen Verbesserungen,

um unseren FC St Pauli als Verein für die Zukunft aufzustellen und das Wir-Gefühl innerhalb des Vereines zu stärken
sehr offen gegenüber.

Clochard

Vor der JHV spielt die Lieblingspunkband von Pauliane im Clochard, das wird also ein spannender Sonntag, sportlich klamm und mit brisanten Anträgen wird das für unser Präsidium als Schlußlicht der Liga eine echte Herausforderung – ach, und wer gedacht hat, dass ich hier auf Stefan Orth eingehe und dessen Wortmeldung via Mopo, der kann lange warten. Das doofe Gestinker von Abgewählten, die den Verein mit lauter Abfindungen belastet haben, ignoriere ich einfach.
Bis Sonntag dann – alle hin da!