Occupy Nordpol – oder – Wieso ist die Loge auf der Gegengeraden in Privatbesitz?

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Nordpol Loge Millerntor
Nordpol Loge Millerntor

We, the 99% – das ist der Schlachtruf der Bewegung „Occupy Wall Street“ in New York. Wir sind die 99%, die das ausmachen, was Amerika ist. Inzwischen ist dieser Rant der Desorganisierten zu einer globalen Bewegung geworden. Das Thema dahinter: Die Mehrheit steht im Regen, während die in Seilschaften verwobenen 1% es sich in ihren Stahl- und Glastürmen gut gehen lassen.

Nun muss man nicht weit reisen, um solche Manifestationen von Filz zu erblicken. Ich habe das Gefühl, ich habe am Millerntor eine entdeckt, die Loge von Nordpol auf der Gegengeraden. Der Quotenrocker stand am Montag neben mir und fragte die richtige Frage: „Wieso ist die Loge da eigentlich in Privatbesitz?“. Eine Frage, die ich nicht beantworten kann, die sich aber aufdrängt. Hat hier jemand eine Erklärung?

Würde mich ja freuen, wenn die zum nächsten Heimspiel okkupiert würde, den 99% Prozent am Millerntor zurückgegeben wird. Oder Nordpol kommt von alleine auf die Idee, 50% der Sitze an AFM-Mitglieder zu verteilen, die keine Karte haben oder sich keine leisten können.

Nachtrag: Das Lichterkarussel hat sich vor einiger Zeit auch Gedanken dazu aufgeschrieben …

Die Agentur “betreibt” die bekannte “Bretterbuden-Loge” in der Gegengerade. Sie trägt scheinbar den Namen “Gegenpol” und ich habe zu dieser Loge eine gespaltene Meinung. Einerseits ist es eine Loge(!), von Werbern, deren Kaste ich tendenziell eher abgeneigt bin, andererseits fügt sich dieses Ding in die aktuelle Gegengerade relativ gut ein. Die Doppelstock-Logen auf der Haupttribüne sind für mich da ein weit größerer Fremdkörper. Mancher Stadionbesucher mag sich eventuell daran erinnern, dass während der Jolly Rouge Proteste auch am “Gegenpol” ein zumindest zur Hälfte Rotes Fähnchen hing. Dem Abendblatt ist auch zu entnehmen, dass die Leute, aus der Fanszene kommen bzw. zumindest viele Jahre in der Gegengeraden standen. Der Jolly Rouge soll, so wurde mir zugetragen, kein Anbiedern sein, sondern war ernst gemeint. Inwiefern man so etwas Logenbesitzern abnimmt und auch die Bewertung, ob das jetzt korrekte Leute sind oder eben nicht, kann ich dir, lieber Leser, nicht abnehmen.

Bei den Unverlinkbaren von der BILD findet sich dieser Hinweis:

Logenbetreiber NORDPOL zahlt für maximal 50 Plätze (27 Sitz-, 23 Stehplätze). Logen-Tarif ohne VIP-Büffet. Nutzungszeit vorerst bis zum Beginn des nächsten Bauabschnitts 2012.

Stellt sich für mich die Frage: Wieviel? Netto/Netto!

Kommentare 8

  • In den Containern war früher die „Einsatzzentrale“ für Polizei (und ich glaube Rettungsdienst) drin, konntest Du auch z. B. im Film „Das ganze Stadion“ sehen. Das ist jetzt alles in die Kita-Ecke gezogen. Danach waren die de facto überflüssig. Dann muss Nordpol mit ihrer Idee um die Ecke gekommen sein.

    Keine Ahnung, was die dafür bezahlen, aber kostenlos werden die das bestimmt nicht bekommen.

    Vielleicht sollte man sich erstmal „Occupy Susis Separee“ vornehmen und dann bei den kleineren Übeln weitermachen. ;)

    • Spitzenidee!

      (das mit der Vorverwendung kannte ich ja schon, nur nicht den Vorgang hin zur Loge)

  • Dazu noch der Hinweis, dass Nordpol den Container vor einem Jahr durchaus der AFM angeboten hat. Warum der AFM-Vorstand das nicht annahm, muss man diesen fragen, wenn man daran interessiert ist.

    Nebenbei standen die Container ja schon da und wurden eben nicht extra aufgebaut.

  • meines wissens sind dort häufig afm mitglieder eingeladen.

    zum anderen arbeiten nordpol und st. pauli schon seit 1999 zusammen und die chefs sind haben seit 1995 dauerkarten für die gegengrade. insofern kann man behaupten, dass die schon sehr gut verstanden haben worum es bei st. pauli geht.

    1995 waren viele von diesen überideologischen pöblern nicht mal in der schule… und wenn sie ein mal raus sind werden sie wahrscheinlich auch einen job in dieser bösen, bösen freien marktwirtschaft haben.

    ich find die loge an sich natürlich auch doof, weil sie immer noch eine loge ist.
    aber die letzten 3 monate wird man sie schon noch aushalten ohne sich vor frust noch einen nagelneuen st. pauli pulli aus dem schönen flagshipstore auf der reeperbahn kaufen zu müssen, weil man so gut weiss, was st. pauli ausmacht.

    • „die chefs sind haben seit 1995 dauerkarten für die gegengrade. insofern kann man behaupten, dass die schon sehr gut verstanden haben worum es bei st. pauli geht.“ – das Gefühl habe ich ja auch. „ich find die loge an sich natürlich auch doof, weil sie immer noch eine loge ist.“ – ist ja das durchgehende Gefühl, das mir bei dieser Frage entgegen kommt. Meine Frage ist da: Wie wird denn so ein „Logenplatz“ vergeben? Und gibt es beim FCSP keine Instanz, die darauf achtet, was die 99% davon haben. Bspw. 50% der Tickets an ermäßigungsberechtigte AFM-Mitglieder zu geben.

      Die letzten 9 Monate kann man das doch so machen, was spricht dagegen? Habe das bei Nordpol schon angefragt … warte da noch auf eine Antwort.

  • nordpol, die werber? zum glück machen die nix mit image oder kommunikation sonst müßte man sich echt sorgen machen. so jemandem würde ich ja keinen auftrag geben. die haben exakt gar nicht verstanden für was pauli steht und mit was es fällt.

    • Ich würde Dir da ja widersprechen wollen. Die Oberfläche haben die „Werber“ von Nordpol schon ganz gut verstanden. Die Loge fügt sich gut in die Gegengerade ein und wenn ich das richtig beobachtet habe, dann werden auch die Damen von den Bierständen hier regelmäßig zum schnellen Blick-werfen eingeladen – also auf das Spielfeld.

      Meine Frage richtet sich nicht *gegen* Nordpol, sondern genereller der Frage zu, wie denn solche Deals am Millerntor entstehen. Und wenn dann so eine Loge hoch und bezogen wird, wie diese bezahlt wird.

      Ist das ein Gegengeschäft? Ist da die PR-Komponente für die Agentur mit drin, die ich auf locker 40.000 EUR schätzen würde, so aus dem hohlen Bauch? Wer hat die genehmigt und wer profitiert von der Vermarktung der Gegengeraden in diesem Fall? Und die wichtigste Frage: Was haben die St. Paulianer_innen davon?