Polizeiwache in der Gegengeraden – ein Thema für die JHV

Das Präsidium des FC St. Pauli macht es sich sicher nicht leicht, geht aber den Weg des vermeintlich geringsten Widerstandes, wenn es meint, das Thema „Stadionwache in der Gegengeraden“ hätte sich durch ein „alternativlos“ erledigt. Diese Annahme wäre dumm und arrogant.

Stadionwache in der Gegengeraden „alternativlos“?

Es ist schon erstaunlich, wie das Konglomerat zwischen Versäumnissen, Zugeständnissen und vorauseilendem Gehorsam beim FC St. Pauli wirkt. Es ist zu befürchten, dass sich das Präsidium auf eine Position zurückzieht, die erklärt, die Stadionwache sei nicht mehr zu verhindern, Zusagen und Zeitknappheit würden das verhindern, und Alternativen dauerten zu lange –  Nachzulesen in dem Update der AG Stadionbau im St. Pauli-Forum:

  • Pflicht für Stadien gemäß VStättVO ist ausschließlich eine Einsatzzentrale, wie sie in der Ecke Süd/Haupt besteht, direkt neben der Sprecherkabine.
  • Lizenzierungsbedingung von DFL/DFB ist gemäß Stadionhandbuch zusätzlich eine Stadionwache, deren Mindestanforderungen nur extrem ungenau spezifiziert sind. Wenn man einen Vergleich mit anderen Stadien macht sollten bei unserer Größe jedenfalls 100-250qm ausreichen. Dies ist letztlich ein Zugeständnis der Verbände an die Polizei, gesetzliche Pflicht ist es anscheinend nicht, aber eben Lizenzierungsbedingung.
  • In der öffentlichen Beschlussvorlage für die Bürgerschaft seitens des Senats für den Zuschuss in Höhe von 5,5 Mio Euro wird ausschließlich eine Stadionwache gefordert, von einer Zusammenlegung etc. ist keine Rede. Eine Positionierung in der Gegengerade wird erwähnt, ist aber Teil einer allgemeinen Stadionbeschreibung, gegenüber der bereits so einiges geändert wurde und nicht als explizite Bedingung ausgewiesen. In den Bürgschaftsverträgen ist das nach Auskunft von Vereinsfunktionären auch nicht enthalten, zudem werden mündliche Absprachen für unwirksam erklärt. Damit können das rein rechtlich keine direkte Folge der Zuschüsse und Bürgschaften sein.
  • Die Zusammenlegung von Domwache und Stadionwache macht durchaus Sinn, da die Überschneidungen sehr groß sind, Domwache benötigt „nur“ anscheinend etwas mehr von allen Dingen.
  • Wenn es lange Zeit unwidersprochene Angebote von einem (damals) Präsidenten gab, dann wäre es schlechter Stil, das nicht umzusetzen. Die Stadt war und ist über die Jahre an diversen Stellen in bezug auf den Stadionbau hilfreich gewesen, eine Zusammenarbeit grundsätzlich sinnvoll – insofern sollte die Zusage umgesetzt werden, aber natürlich in sinnvoller Weise und nicht in der GG. Erschwerend kommt noch hinzu, dass die ganze Zeit über vom Verein gegenüber der Polizei so getan wurde, als wäre die Verlegung der Wache in die GG kein Problem und würde in jedem Fall umgesetzt.
  • Würde der Verein eine reine Stadionwache bauen, müsste er die Kosten dafür selbst tragen. Findet man eine sinnvolle „kooperative“ Lösung, dann ist eine finanzielle Beteiligung des Vereins daran – in einem vernünftigen Rahmen – selbstverständlich.

Empfehlung an Orth, Spies und Stenger:

Abzuwarten wäre allerdings fatal. Auf der JHV wird das Thema voraus. durch Anträge thematisiert – und einen Beschluss dieser Versammlung kann man nicht einfach wegwünschen oder aussitzen.

Deswegen: Wartet bitte nicht solange, wie bei den Anträgen zum Rückbau der Business Seats im letzten Jahr, mit Aktionen in unserem Sinne eurerseits UND erzählt das der Fanschaft rechtzeitig und nicht boulevardesk über die BILD/Mopo, was ihr unternehmt, um diese Wache zu verhindern. Denn ansonsten kann ich euch prophezeien, dass die Abstimmung auf der JHV stattfinden wird – und sie wird enger und eindeutiger als letztes Jahr!

Seid Unestablished!

Literarische Aufbereitung:

 

weitere Infos:

11 Freunde

Der Übersteiger:

Die AG Stadionbau hat bereits früh in der Planungsphase der neuen Gegengerade (GG) auf die aus Fansicht suboptimale großflächige Unterbringung der Polizei hingewiesen. Nur gehört hat es keiner. Was auch nicht weiter verwundert, denn sauber nachzuvollziehen ist es nicht, wie die Hüter der Verfassung zu ihrer Annahme kamen, ihnen stünden fast 600 Quadratmeter in der neuen GG zu. Einzige dem Verein bekannte schriftliche Verlautbarung ist eine Senatsdrucksache (Drucksache18/5144 vom 17.06.2012). Erwähnt wird in diesem Dokument lediglich eine Stadionwache, von einer Domwache ist nicht die Rede. „In den Neubau der Osttribüne werden die erforderlichen Räumlichkeiten für die Polizei (Stadionwache mit Festnahme- und Verwahrräumen) sowie für die Rettungs-und Sicherheitsdienste gemäß Richtlinien des DFB integriert werden. Dies ist Bestandteil der Gesamtbaumaßnahme.“

4 Gedanken zu „Polizeiwache in der Gegengeraden – ein Thema für die JHV

  1. […] Zweckgesellschaft ein Zweckstadion. (Argument geklaut bei der AG Stadionbau, deren Stellungnahme hier etwas aufbereitet zu finden ist; Originalquelle ist dort verlinkt) Wie soll so ein Stadion Heimat, […]

Kommentare sind geschlossen.