„St. Pauli Fans gegen Discophobie“

Geht es nur mir so?, oder findet sich im Stadion und darum herum ein sehr einseitiger Soundtrack aus Punk und Folk? Wo bleibt die Entsprechung der bunten Flaggen im Sound?

Ich war beim letzten Heimspiel einigermaßen erschrocken, dass von der Stadionregie nicht ein Tribut für Prince gespielt wurde. Immerhin war der Mann einer der größten Künstler der letzten 40 Jahre und hat am Millerntor 1988 Popgeschichte geschrieben. Woran mag das gelegen haben? Passt Disco nicht zum Fussball? Haben die Verantwortlichen – wer bestimmt eigentlich, was im Stadion gespielt wird? – vielleicht sogar ein wenig Bammel davor, dass allzu schmachtende Musik ausgepfiffen wird? Hatten wir bei Bad-Taste-Ausrutschern ja schon mal.

Würde Prince ausgepfiffen? Donna Summer? Ich befürchte ja.

Ich habe nichts gegen Slime, stellvertretend für den konstituierenden Sound St. Paulis hier genannt. „Antifa Hooligans“ singe ich ja auch jedes Mal mit. Es reicht nur nicht, sich auf eine mehr als dreissig Jahre alte Attitude zu berufen. Um bunt zu sein, wie der Verein sich ja auch zuletzt mit der Kooperation mit dem französischen Streaminganbieter Deezer auf die Fahnen geschrieben hat, muss auch der Sound bunter werden!

„Wer sich aktiv gegen Homophobie stellen möchte, müsste auch Disco und House zu seinem Soundtrack machen.“

reeperbahn pride bannerDie Geschichte von Disco und auch das Abgrenzen weißer Heteros dagegen ist eng mit der homosexuellen Emanzipation in den 70er und 80er Jahren verknüpft. Wer sich aktiv gegen Homophobie stellen möchte, müsste auch Disco und House zu seinem Soundtrack machen.

Sogar 1860 München ist da weiter, als der FC St. Pauli, dessen Fanschaft in meiner Wahrnehmung muffelig-wohlig in seiner Punk-Folk-Ecke verharrt.

Höchste Zeit für mehr Disco am Millerntor und verwandte Musikrichtungen, wie Soul und Jazz, die immer viel mehr waren, als reine Unterhaltung, sondern immer auch soziale und politische Bewegung. Eine Bewegung, die unsere verkrusteten Diskurse dringend benötigen.loewen fans gegen discophobie

Und wenn wir schon dabei sind, lasst auch anderen Sound zu, wie den von Nate57. Wäre doch spannend zu erfahren, was das mit einem Spieltag macht, wenn House, Disco oder Rap den Groove vorgeben?


Fangen wir mit der Musik im Stadion an!

I wanna go to the stadium of the good groove:

Ein Gedanke zu „„St. Pauli Fans gegen Discophobie“

  1. „Wer hätte gedacht, dass der Musikindustrie die Disco-Musik, an der sie Milliarden Dollar verdiente, eher suspekt („viel zu schwarz, viel zu schwul, viel zu unkontrollierbar“) war?“

    Dieser Artikel stammt von http://www.tittelbach.tv/programm/non-fiktion/artikel-202.html

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