„Wie schwul ist mein Fußball / Sankt Pauli?“ – eine Anregung und Zitatsammlung als Reiz

„Vielleicht gibt es ja bald in irgendwelchen Jugendcamps noch weitere junge Torhüter.“ – Roman Weidenfeller, ggue Kicker

Dabei ist das Problem nicht einmal so sehr, dass er (Roman Weidenfeller) Löw offenbar für schwul hält. Sondern dass er unterstellt, ein homosexueller Trainer würde nicht nach Leistung aufstellen, sondern nach Aussehen. Das ist unreif und homophob. Es ist eines Kapitäns einer Meistermannschaft nicht würdig, und auch keines Torhüters der deutschen Nationalmannschaft.

Dass weder Weidenfeller noch sein Verein oder der DFB eine Entschuldigung für angebracht halten, ist ebenso verwunderlich wie der Umstand, dass niemand auf den schwulenfeindlichen Subtext der Aussagen verwiesen hat. Das zeigt, wie viel Angst im Fußballbetrieb noch immer herrscht, wenn es um dieses heikle Thema geht – und wie viel Unwissenheit und bodenlose Dummheit.


Wie weit die Toleranz gegenüber Äußerungen wie der von Roman Weidenfeller geht, zeigt übrigens ein weithin vergessener Vorfall um, welch ein Zufall, Roman Weidenfeller. Der BVB-Torwart soll 2007 Gerald Asamoah in einem Ruhrderby gegen Schalke 04 als „schwarze Sau“ beschimpft haben. Der Aufschrei war berechtigterweise groß. Weidenfeller aber machte vor dem DFB-Sportgericht geltend, er habe „schwule Sau“ gesagt. Statt für sechs wurde er nur für drei Spiele gesperrt.
– n-tv

Gerade gestern mit @momorulez wieder darüber gesprochen, wie homophobe Strukturen im Fußball wirken und die Pädophilie-Keule ja die brutalste ist, die nu auch von Roman Weidenfeller rausgeholt wird – wahrscheinlich folgenlos.

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„Unser FC St. Pauli hat nicht nur einen anti-rassistischen, sondern auch anti-diskriminierenden Satzungsparagraphen in seiner Stadionordnung aufgenommen (§ 6(2)a … Es genügt aber nicht, diesen Paragraphen lediglich einzuführen. Wir müssen ihn mit Leben füllen: Zivilcourage beweisen und unser Vokabular nach diskriminierenden Vokabeln abklopfen. – Gastartikel vom Aktionsbündnis „Fußballfans gegen Homophobie“ im Der Übersteiger #104

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Es ist einfach, nun als St. Pauli Fan gegen Roman Weidenfeller zu opponieren, richtig ist es ohnehin. Sich gegen Mitsteher auf der Nord oder Gegengeraden aber zu artikulieren, wenn sie meinen, dass der Schiri weibisch daherpfeift, wie ein »Stricher aus St. Georg«, oder anzuerkennen, wenn Menschen, die sich auf St. Pauli verletzt und nicht mehr sicher fühlen, weil auch dominante Menschen in die Falle ihrer Gewohnheiten tappen können, und eine Unachtsamkeit eben bei Marginalisierten ein anderes Gewicht hat. als bei denen, die sich in ihre gemütliche Dominanzwelt zurückziehen können, also Menschen wie ich es bin (oder war) – das ist die eigentliche Aufgabe.

Wir können ja mal damit beginnen, dass wir uns zumindest optisch den Diskriminierten annähern und uns als St. Pauli Fans „im Fummel“ präsentieren im nächsten Spiel. Außerdem immer eine feine Übung, um den wohligen Cocon zu erspüren, der uns umgibt:

… dies lesen …

Muss ich mir rassistische Sprüche anhören und weiß, dass das dann nicht groß thematisiert wird? Ja. Werden zwei Schwarze Frauen schon mal ohne jeden Anlass bepöbelt und alle glotzen doof und niemand schreitet ein? Ja. Sind das Einzelfälle? schön wärs. Bei ‘zehn’ hab ich aufgehört zu zählen und meine Dauerkarte verschenkt. Ist die Bude schlicht und einfach weit davon entfernt, ein ‘safe space’ zu sein? Aber Hallo. Bildet der Verein (die Angestellten) sich fort, was und wie Antirassismus eigentlich überhaupt ist und funktioniert? nein. Kann ich eine Combo ernst nehmen, die gegen Rassismus sein will, sich aber über ihre eigenen Exklusionssignale und -Gepflogenheiten keine Gedanken macht? Nein. Es geht nicht ums Persönliche. Sondern ums Strukturelle. Beim ‘ernst meinen’ geht es eben nicht um „Ohren“ (das klingt fast, als haben Leute die nicht marginalisiert werden möchten ein ‘Anliegen’ und sollten ‘gehört’ werden, nicht so dass es notwendigerweise das ‘Anliegen’ einer Gruppe sein muss, Diskriminierung zu verstehen und zu bekämpfen) sondern um eigentlich genau das Gegenteil von ‘Ohren auf andere richten’, nämlich Selbstreflexion und Revision. Und auch noch gegen ‘Ohren’: http://www.noahsow.de/blog/?p=563 – Noah Sow ggue Metaliust & Subdiskurse

… und dann diesen Test machen:

Warum, oh warum nur kennt der so wahnsinnig antirassistische Verein diese White Ally Checkliste nicht: Sie ist nicht ‘perfekt’ und auch noch von 1994 – aber dem FCSP Antira-Istzustand leider leider Jahrzehnte voraus.

… zwei Punkte erscheinen mir auch im Zusammenhang mit der Causa Weidenfeller interessant:

II. 19. _____ I can accept leadership from people of color. - tausche/ergänze color mit schwul und die Frage wird rundheraus relevant für den DFB.

Part III - The following are some problematic areas where white people seem to get stuck. Do they apply to you?

_____ I am not clear on the words people of color prefer to use to identify themselves.
_____ When people of color point out racism as it is happening, I feel personally attacked.
_____ I rely on people of color for education about my own (& institutional) racism.
_____ I use meetings and organizing time to establish my anti-racist credentials.
_____ It is important to me to point out examples of "reverse racism" when I see them.
_____ I have been told I act in a racist manner without knowing it, but I think I'm being an ally.
_____ I speak for people of color and attempt to explain their positions.
_____ I focus on mediating between people of color for other whites.
_____ I see my role as interpreting the behavior of people of color for other whites.
_____ I prefer to spend anti-racist time & energy dealing with my personal feelings and issues rather than moving the anti-racist agenda forward.
_____ I intellectualize about the struggle rather than live it daily.
_____ I wait for people of color to raise white people's awareness.
_____ I know well fewer than five individual peers who are people of color.

(c) Copyright 1994 by John Raible

p.s. der Autor ist bekennend heterosexuell lebender Weißer und wohnt im betulichen Altona

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