Olé! #1860fcsp

So langsam verschwindet diese Kruste, die immer Schlimmes erwartet, wenn gerade mal etwas gut lief. Beim 0:1 nickte meine innere Meckerecke, muss ich ehrlicherweise zugeben, um dann wieder einmal von energischen Boys in Brown, allen voran Waldemar Sobota und Cenk Sahin übertönt zu werden.

Vom Jubel und später vom beinahe wieder vertrauten Evergreen:

Olé, olé, olé, olé; Super Hamburg; Sankt Pauli

St. Pauli hat einen Lauf, gewinnt plötzlich die wichtigen Punkte. Selbst ein Rückstand gegen stark aufspielende Münchner, führte nicht zur Resignation, sondern zu einer energischen Gegenreaktion: wieder es gelang den Boys in Brown, ein Spiel in einer Viertelstunde zu entscheiden. Cenk Sahin bildete mit seiner Bilderbuchflanke zum 2:1 auf Torjäger Bouhaddouz den Drehpunkt des Spiels. Zuvor hatte Lasse Sobiech per Foulelfmeter das 1000. Zweitligator für den FC markiert.

Mit diesem Sieg zieht St. Pauli seinen Gegner und alle Teams bis zum 13. Platz (FCK) in den Abstiegskampf hinein. Wenn das kein Grund ist, lauthals zu wippen:

 

Fröhling: Gegen die Löwen, gegen einen Ex-St. Paulianer aus Altona

Torsten Fröhling
Torsten Fröhling, 1860 München. Foto: Northside, via wikimedia
Torsten Fröhling spielte sechs Jahre in braun-weiss, von 1991 bis 1995 1997. Danach trainierte er überall in Norddeutschland unterklassige Mannschaften, darunter auch unseren Nachbarn Altona 93. Fröhling war zuletzt Co-Trainer Trainer der U-23 bei den 1860 Löwen und soll nun als Interims-Chefcoach der ersten Mannschaft dafür sorgen, dass 1860 nicht auch unterklassig spielt nächste Saison. Nicht böse sein, aber als Altonaer und St. Paulianer hoffe ich auf einen schlimmstmöglichen Einstand. Auch wegen des immer noch weiss-blauen Herzens ;)

Saisonstart gegen 1860 – Kampf gegen die Löwen hören via AFM Radio

Beinahe jedes Jahr dasselbe, um die Zeit vor der Bundesliga auszufüllen startet die 2. Bundesliga mitten in den Sommerferien, und damit in Konkurrenz zu meiner Familie und meiner 2. Leidenschaft, einer 34 Jahre alten Schwedin, unserer Ohlson 8:8.

Ich bin also abgeschnitten von der Kulturveranstaltung nahe dem hamburgischen Heiligengeistfeld, die ich unter anderen Umständen nie verpasse. Müsste bei diesem schönen Wetter mich in irgendeine Fussballkneipe setzen, was für ein billiger Ersatz für das Erlebnis Millerntor – wenn, ja wenn es das AFM Webradio nicht gäbe.

Seit Jahren schildern Wolf und Co. beim als Blindenradio gestarteten Livecast das Geschehen auf dem Platz, bildhafter als jeder bröslige Skymoderator, parteiisch und emotional als echte St. Paulianer. Und auch heute Abend werde ich hier an der Ostsee am Stream hängen, mir eure Gesänge und euren Fight gegen die Löwen anhören, und Dank Wolf werden die Bilder im Kopf besser als jedes HD-Bild einer seelenlosen Kamera es je werden könnten.

Heiß auf den Jolly Roger und ran an die Kopfhörer … Link zum Live-Stream AFM Radio

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Next Generation Magic

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Gefühlt war das Millerntor noch nie so international, wie an diesem Wochenende: Hunderte keltische Freunde von Sven Brux waren zu Gast in der Stadt, der schon heute legendäre Fanclub aus Katalonien auf der Süd und hinter uns, mitten auf der Gegengeraden ein Haufen Wiener St. Paulianer_innen. Also Fanseitig von Not-Elf keine Spur, eher vorschiessender frühlingshafter Übermut, auch wenn sich der paarte mit leichtsinnig gewählter luftiger Kleidung, so schneidend pfiff der Westwind den Rest Winter in das magische aber zugige Rund.

„Wir kommen aus dem Norden, Wir rauben und wir morden“
„Next Generation Magic“ weiterlesen

Heimsieg gegen 1860: So kann es gehen …

S. 49 Paul im Torrausch, Gegengerade, FC St. Pauli – TSV 1860 München (4:2), 11. September 2011 © Olaf Tamm
S. 49
Paul im Torrausch, Gegengerade, FC St. Pauli – TSV 1860 München (4:2), 11. September 2011
© Olaf Tamm

Vielleicht einfach noch mal das Hinspiel gegen 1860 vor Samstag gucken. Auf Fehler konzentrieren bringt nix, das werden dann nur immer mehr. Immer wieder das Hinspiel gucken. Bis es wieder sitzt. Und anschließend so tun, als sei man mental noch so drauf wie damals. Notfalls schauspielernd.

Sie können es ja. Auch Fin Bartels kann schnelle Vorstöße, auch Gyau kann lernen, sich mal weniger nur auf seine Dribbelkünste und Sprints zu konzentrieren, sondern auch mal den Kopf hochzunehmen und auf das Spiel zu schauen. Auch Gogia braucht seine Technik gar nicht zu demonstrieren, sondern kann mal mehr auf die Anderen achten und vor zündenden Ideen sprühen.

Bruns KANN gefährliche Freistöße schießen, Boll KANN das Tor treffen, Kringe und Funk KÖNNEN als Doppel-6 funktionieren, wenn Kringe nicht ständig das Gefühl hat, den Spielmacher geben zu müssen, weil es sonst keiner es tut, und den Paddy alleine lässt.

Mohr, Avevor, Thorandt, Kalla SIND Top-Verteidiger – vielleicht haben sie das einfach vergessen? Dann sollte man sie daran erinnern,

Herr Frontzeck, Energie folgt der Aufmerksamkeit, und jetzt im Schlußspurt gegen den Abstieg ist es vielleicht an der Zeit, dass auch SIE noch mal eine Schippe drauf legen – nicht durch böse gucken und aufregen an der Seitenlinie, sondern durch ein paar extra trainierte, zündende Ideen?

Ich vollzitiere hier mal den tollen Muntermacher von Momorulez … So als Mantra taugt das hier ja auch.

Im hellblauen Gummiboot

TSV 1860 – FCSP 1:1

In München fahre ich, so fühlt es sich wenigstens an, immer Bahn. S-Bahn und U-Bahn. Kreuz und quer geht es an diesem Montag für mich durch diese durchgentrifizierte Stadt, wo alles Große drumherum angeordnet ist. Der Flughafen, näher an Augsburg denn an München, der Geschäftstermin in einer Gegend in der es außer Kühen nur noch haufenweise Fernsehmacher und Versicherer gibt.

Dann in die Stadt, Markus treffen in Schwabing West. Ein paar Meter zu Fuß durch diesen beschaulichen Stadtteil gehen. Anwaltskanzleien und Biobäcker, beide mit zweifelhaftem Ruf, aber pikfeiner Fassade.

Dann wieder die U-Bahn. U6 nach Fröttmanning, zurückbleiben bitte. Im Zug ganze acht Personen. Davon zwei Löwen. Sowas.

Nach einer halben Stunde sind wir zu einer Stadionwurst mit dem Rest der Bezugsgruppe vereint. Das Schlauchboot strahlt hellblau, und erinnert uns daran, dass wir ja letzte Saison noch in einem roten gespielt haben.

Erleichterung am Einlass, die Ordner in München sind wirklich entspannt. Eine Arena Card kaufen zu müssen ist zwar doof, bewirkt aber, dass man sich als St. Paulianer zutiefst bestätigt fühlen kann, den Millerntaler mit aller Wucht verhindert zu haben.

Die Arena ist 30 Minuten vor dem Spiel leblos und leer. Es zieht eine Kälte durch, die nach Schnee riecht. Die Berge sind nicht weit und das Bier ist leicht. Sehr leicht.

Als das Spiel beginnt, spürt man unseren Boys in Brown das Wollen an. Sie verteidigen geschickt und hoch. Bemerkenswert, vor allem in Hälfte Zwo, dass zwischen Max, Flo und Petar katalanisches Verstehen aufblitzt, das zu fantastischen Spielzügen führt.

Am Ende des Einen hat Max Kruse die freie Wahl der Ecke, entscheidet sich aber für die gelbe Plauze von Löwe Gabor Kirail. Da war klar, dass gegenüber es eng würde – und Paddy Funks Patzer dann sogar gerecht.

1:1

Heiter ging es dann nach München zurück. Vorbei an Löwenfans mit Glatze und Fraktalschrift auf dem Hoodie. Die waren wohl gemeint, als Spieler und Fans „Nazis raus“ gefordert hatten. Für bayrische Verhältnisse eine glasklare Positionierung des Vereins und seiner Fans, wobei man den Slogan „Rechtsradikalismus links liegen lassen“ auch missverstehen kann ;)

Zurück in Schwabing noch ein – zwei schnelle Helle verhaftet, und rundum zufrieden ins Bett. Mein erster Punkt in dieser Arena, gut gespielt und doch keine Aufstiegseuphorie, das mag ehrgeizigen Trainern mißfallen. Mir gefällt es.

Und so sitze ich wieder in einer Münchner Bahn und freue mich auf das Saisonfinale … bei dem zur Strafe Paderborn und Greuther aufsteigen müssen ;))

1860 Don’t call it Fanfreundschaft

Manchmal hört man sie „Uh, uh, uh“ rufen, wenn ein schwarzer Spieler am Ball ist. Auch „Drecks-Türke“ schallte es schon aus ihrem Block. Meist aber halten sie sich aus Angst vor einem Stadionverbot mit ihren Gesängen zurück: rechtsextreme Fans des TSV 1860 München.

Ich habe meine meisten Auswärtsfahrer-Erfahrungen in Bayern sammeln können. Zum einen, auch weil ich beruflich viel dort bin, auch zu Auswärtsspiel-Terminen. Und nirgendwo fand ich die Zusammensetzung unseres Blockes merkwürdiger, als in diesem Bundesland. Ganz krass wird das in München, wo sich Sympathien und Antipathien überschneiden. Sympathie kommt einem da entgegen von jungen Bayern-Ultras, Werbe-Hipstern (die Stenger-Sympathisanten), aber auch alten 1860ern, die gar von einer alten Fanfreundschaft reden.

Und dann fährt man zu einem Auswärtsspiel gegen 1860 in der U6 nach Fröttmanning und es schaudert einem, ob der Sprüche und -Ismen, gegen die man sich wehren will. Ein jahr später, gegen den FC Bayern verhält es sich ganz anders. St. Paulianer sind willkommen, meist als linke Folklore, oft aus ganzem Herzen.

Und es verfestigt sich ein ambivalentes Gefühl:

– die, die einen mögen, verstehen uns nicht, und die, die uns nicht mögen, tragen Farben und Attitude, die wir verstehen sollten. Krass.

München, wehre Dich gegen die Nazis bei 1860. Fußball ist Poltik, immer!

Sie stehen immer am gleichen Platz: Block 132, mitten in der Nordkurve, dem Herz der Löwenfans, gleich rechts vom Tor. Ein riesiger Pulk junger Männer, die keinen Hehl aus ihrer politischen Einstellung machen: Viele tragen Kleidung von „Thor Steinar“ oder andere Nazi-Erkennungsmarken. T-Shirts, auf denen mit der Aufschrift „Scheiß §86a“ gegen das Verbot verfassungswidriger Symbole gehetzt wird, gehören ebenfalls zu ihrem Repertoire.

 

 

 

Fanshop 1

Im Fanshop 1 in der zugigen Allianz-Arena gab es gestern alles 50% billiger. Wegen der neuen Kollektion, die etwas weiter vorne schon verkauft und etwas weiter unten später auch getragen wurde. 150 Jahre gibt es diesen Verein jetzt schon – und der magische FC konnte hier noch nie gewinnen. Vielleicht liegt es ja wirklich an der fehlenden Magie dieses Ortes, der mehr Rummenigge ausstrahlt, als Werner Anzill. Ein Ort an dem die heimatlosen Löwen gewinnen ist mir unheimlich.